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The Russian Futurists - Me, Myself And Rye...



...An Introduction To The Russian Futurists, so der Rest des überaus langen Titels. Thunder Lightning Strike von The Go! Team war vor zwei Jahren. 2006 schicken Memphis Industries nun ganze 2 Kandidaten für das Popalbum des Jahres ins Rennen. Erst das Debüt der Pipettes, und nun das Europadebüt von Matthew Adam Hart alias The Russian Futurists aus Kanada. Ja, es ist kaum zu glauben, doch in Kanada gibt es tatsächlich auch Solokünstler die nicht mit größeren Gruppen wie Broken Social Scene, The Arcade Fire oder Godspeed You Black Emperor zusammen spielen, weswegen dieses Namedropping jetzt auch völlig aussagelos war.

Matt Hart schlägt sich nämlich nicht mit analogen Instrumenten rum, sein Spielfeld ist die elektronische Musik. Drei Alben hat er schon in seinem Heimatland veröffentlicht, und zusammen mit Mark Jacobs, dem Kopf des britischen Memphis Industries-Label, wurden dreizehn Highlights seines bisherigen Schaffens als erste Veröffentlichung diesseits des großen Teiches sorgsam zusammengestellt. Für den Futurists-Neuling fällt das auch gar nicht auf, Me, Myself And Rye... wirkt wie ein eigenständiges Album, nur dass es eben voller übermenschlich großer Hits ist. Da gibt es orchestralen Bombast wie das von schmetternden Hörnern angetriebene Paul Simon oder das träumerische Telegram From The Future. Stampfende Partybeats mit dem das Album eröffnenden Let's Get Ready To Crumble oder Hurtin' 4 Certain. Und auch The Postal Service schleichen sich ein bei der intimen Gefühlsoffenbarung Big Brown Eyes.

Bis auf eine Ausnahme singt Hart jedes Stück alleine, dabei bringt er nicht nur bewunderswert viele verschiedene Facetten seiner Stimme zu Tage sondern vervielfacht seinen Gesang auch elektronisch und singt so alleine, im Duett oder auch mal im Chor. Bei all dieser Ein-Mann-Show könnte man furchtbar ernsthafte Musik vermuten die im Schlafzimmer komponiert wurde und dort auch gehört werden soll, aber trotz der Beziehungsthematiken die die Texte meistens behandeln fordert die Musik von The Russian Futurists dringend zum Tanzen auf. Denn Hart ist kein folkiger Songwriter mit Gitarre, sondern hat sich einer anderen Ausdrucksweise verschrieben wie er in Let's Get Ready To Crumble ganz ehrlich offenbartt:

I do pop 'cause that's what my heart goes. I don't call it art, no sir
That denotes that when I wrote it I had other motives


Wenn das keine gute Mentalität für wundervolle Popmusik ist, dann will ich ein spanischer Kubist sein.

[MP3] The Russian Futurists - Paul Simon
[MP3] The Russian Futurists - Your Big Brown Eyes and My Big Broke Heart
[MP3] The Russian Futurists - A Telegram From The Future

The Russian Futurists Myspace

The Hidden Cameras - Awoo



Als hätten The Hidden Cameras nicht schon so den Eindruck eines kleinen Kultes erweckt, hat ihr kreativer und auch sonstiger Kopf Joel Gibb dem neuen Album Awoo gleich noch ein naturreligiöses Überthema verpasst. Dass es das bisher beste Album der mittlerweile bestimmt über ein Dutzend umfassenden Musikergruppe aus Toronto ist liegt aber nicht etwa daran dass dieses Thema hier die vorher prominent von schwulen Lebenserfahrungen berichtenden Texte etwas überschattet, sondern an den durchweg herrlichen poppigen Folkongs. Gibb vermag es wie kaum ein zweiter, aus einfachen Melodien mit seinen Arrangements den maximalen Effekt herauszuholen. Die Stücke erscheinen so weitaus voluminöser als es ihr simples Gerüst vermuten ließe, und verlieren auch bei dutzendmaligem Hören keineswegs an Wirkung. Ein tolles Beispiel für Gibbs Fähigkeiten ist das letzte Stück der Platte, The WAning mOOn, das eigentlich nur eine Variation des Titelstücks Awoo ist aber trotzdem völlig anders klingt.

Ein weiteres Highlight ist der klar aus allen anderen herausstehende Lollipop. Einer dieser Songs der immer wieder direkt von Refrain zur Strophe (in diesem Fall ein stakkatomäßiges halb Hüpfen, halb Stampfen, zu dem Gibb die Worte geradezu ska-mäßig herunterrollt) wechselt, und trotz oder gerade wegen diesem ewig gleichen Wechsel immer wieder aufs Neue entzückt. Drei Minuten erscheinen da fast schon zu kurz, auch mit der Länge von Lards The Power Of Lard oder Televisions legendärem Marquee Moon, deren Reiz auch an solch einem Wechsel liegt, wäre ich gut bedient gewesen.

Ähnlich der Dualität die Lollipop innewohnt ist auch der Grund, dass Awoo so gut als Album funktioniert, der dass sich fast immer hell scheinende, beschwingte Stücke mit langsameren, zurückhaltenden abwechseln. Die einzige Schwachstelle des Albums ist deswegen dort, wo eben dieses Rezept einmal nicht befolgt wird und die von Geigen getragenen Follow These Eyes und Heaven Turns To nur vom etwas verhalten rockenden Instrumental Heiji getrennt werden. Danach nimmt das Album aber wieder an Fahrt auf, und fährt mit dem zauberhaften Wandering, dem fröhlichen Hump For Bending und eben The WAning mOOn mit seine schwersten Geschütze auf. Die ungewöhnliche Zeichensetzung bei letzterem reflektiert übrigens die Verwandheit zu Awoo, dessen Titel sich dort wiederfindet. Damit schließt sich auch auf schöne Weise der magische Kreis dieser Platte, und wenn wie dieser Tage der Vollmond aufzieht werde auch ich mich gerne den Hidden Cameras anschließen und mit einem "Awoo" die Sonne der Nacht anheulen.

[Video] The Hidden Cameras - Awoo (Quicktime)
[Video] The Hidden Cameras - Awoo (Youtube)

Guillemots - Through The Windowpane / The Pipettes - We Are The Pipettes

Guillemots machen diesen Eindruck den auch die Fiery Furnaces machen, dass sie so mühelos großartige eingängige Popsongs produzieren können dass sie sich einfach immer wieder "Fuck It" sagen und etwas Komplexeres aus den Songs machen. Was sollte man sonst von einer Band erwarten, deren Mitglieder mit Avant Garde-Hintergrund aus allen Ländern der Welt kommen.

Through The Windowpane fängt nach dem mehr-als-Intro Little Bear aber erst mal mit den wohl eingängigsten Songs des Albums an, den beiden Übersingles Made-Up Lovesong #43 und Trains To Brazil. Hier merkt man auch direkt was den Indie-Pop der Guillemots neben elaborierten Instrumentalsequenzen so einzigartig macht: die Soul-Elemente, die das Herz der eher intimen Stücke wie Redwings und If The World Ends sind, und die südamerikanischen Sounds die immer wieder in die Songs einfließen. Beides wirkt dabei nie forciert und unnatürlich, sondern manchmal so passend dass man sich nicht vorstellen kann wie es sonst hätte aussehen sollen. Auch was Stimmungen angeht manövrieren Guillemots mühelos von Herzausschütten im Kammerzimmer (Blue Would Still Be Blue) zu euphorisierendem Sambatanz mit Trillerpfeifen (Annie Let's Not Wait).

Am Spektakulärsten kommen alle verschiedenen stilistischen Elemente im monumentalen Schlussstück Sao Paolo zusammen, das in der ersten Hälfte purer weißer Soul ist wie ihn Dexy's Midnight Runners zu Höchstzeiten nicht bewegender machen konnten, dann aber in eine gewaltige Streichersymphonie explodiert und mit einem Crescendo endet bei dem sich einem jedes Mal die Nackenhaare vor Wonne sträuben.

Guillemots Myspace

Ganz und gar nicht schwer zugänglich ist die an den unbeschwerten Pop der 60er erinnernde Musik der Pipettes. Becki, Gwenno und Rosay sind nicht nur einheitlich in weißgepunktete schwarze Dresse gekleidet, auch tanzen sie live fast so synchron wie sie in ihren Songs harmonieren. Dabei nehmen sie nur den vorderen Teil der Bühne ein, im Hintergrund arbeitet ihre Band, die Cassettes. Das öffentliche Gesicht und die Stimme des Großprojektes sind aber die drei Damen, und auch in ihren Texten lassen sich die Pipettes nicht von den Herren der Schöpfung ins Bockshorn jagen.

Mit der zu gleichen Teilen charmanten wie unverschämten programmangebenden Ansage

"We are The Pipettes and we got no regrets, if you haven't noticed yet: we're the prettiest girls you've ever met"

läutet We Are The Pipettes mit preschendem Orgelsound das gleichnamige Album ein, gefolgt von Pull Shapes, diesem geigengefüllten Juwel von einem Popsong durch den allein die Pipettes schon jeden einzelnen Verehrer verdient hätten. Aber das Album besteht fast nur aus klasse Songs, was bei der Simplizität der Songs verblüfft, die tollen Melodien, liebenswerten Texte und leicht immer einen Tick modernen musikalischen Ideen gehen ihnen einfach nie aus.

Manch ein Intellektueller wird wohl aufgrund der scheinbaren Dissonanz zwischen äußerer Aufmachung aus einer popkulturellen Ära in der Frauen oft nur als dümmliche aber hübsche Dekoration dienten und dem starken aber nicht unfemininen Frauenbild das in den Texten vermittelt wird langatmige Traktate über irgendwelche postfeministischen Intentionen oder was weiß ich verfassen, aber das hier ist verdammt noch mal Popmusik zum Spaß haben. Ist es denn so schwer vorstellbar dass die Damen sich dabei nichts Großes gedacht haben?
Deswegen zerrede ich hier auch Nichts weiter und erfreue mich stattdessen an ABC, dem charmantesten Anti-Intellektuellensong aller Zeiten:

"He knows all about the movement of the planets, but he don't know how to move me.
He's the kind of guy who knows just what he knows. He's the kind of guy who.."


The Pipettes Myspace

Burial - Burial



Wer atmosphärische Musik mag wird Burial lieben. Aber Vorsicht, das hier ist keine Musik die man in die neue Moods-Compilation packen kann. Burials Musik ist mehr Dirty Listening als schmalzig-polierte New-Age-Klanglandschaft, Musik, die die abendlich beleuchteten Straßen einer dunklen Großstadt widerklingen lässt. Anders aber als z.B. Bohren & Der Club Of Gore greift die oder der anonyme Burial auf seinem selbstbetitelten Debütalbum aber nicht auf klassische Instrumente wie Saxophon zurück um diese typische Abends-durch-die-Straßen-Fahren-Musik die man aus so vielen tollen Noir-Filmen kennt zu erschaffen, nein, Burial zählt zu den größten Talenten des jungen und noch überaus frischen britischen Elektro-Subgenres namens Dubstep. Das bedeutet hier wabernde Bässe, dazu davon losgelöste hölzerne Beats, bloß keine ordinären 4/4-Takte und vor allem viele bildmalerische Samples.

Dieses Album steht aber aus allen anderen Dubstep-Veröffentlichungen dieses Jahres klar heraus. Neben der ungemein atmosphärischen Wirkung der Songs ist auch die Kompositionstechnik von Burial auffällig. Hier wird nicht millisekundengenau von automatisierten Geräten Sound auf Sound in regelmäßigen Abständen aufgereiht, sondern meist von Hand abgespielt. Diese quasi-analoge instrumentale Herangehensweise an elektronische Musik, eine ungewohnte Unexaktheit die man auch heraushört, trägt nur noch mehr dazu bei dass sich diese Musik so viel lebendiger, wahrhaftiger anfühlt als andere elektronische Musik. Auch dazu bei tragen Sounds die an Fußschritten auf altem Straßenpflaster, an Regen der auf kalte Betonbordsteine klatscht, oder an Wind der durch Tunnel haucht erinnert. Man kann sich beim Hören nicht des Eindrucks erwehren dass Burial einfach aus London kommen muss.

Dies ist nicht nur ein einzigartiges und wichtiges Album, nein, es ist vor allem ein verdammt gutes Album. Auch wenn man sonst gar keine elektronische Musik hört, wenn eine Scheibe es dieses Jahr verdient gehört zu werden dann diese.

Album-Stream auf 3voor12

Burial Myspace

The pAper chAse - Now You Are One Of Us



2002 war eins meiner Lieblingsalben das kriminell unterbewertete Hide The Kitchen Knives von the pAper chAse. Eine der wenigen Bands, die einen ganz eigenen und unverkennbaren Sound haben, der trotzdem auch auf Albenlänge so flexibel ist dass er nie eintönig wird. Ihre Musik klingt immer, als wäre sie auf einem riesigen alten Dachboden aufgenommen worden. An allen Ecken knarzt es, klopften seltsame Gestalten auf altes Holz, scheppert Metall. Unangenehm verzerrte Gitarren zittern, das verstimmte Klavier hämmert brutal. So düster wie die Musik sind auch die Texte, die von Mordgeschichten, Rachefantasien und Monstern in der Dunkelheit erzählen. Damit verglichen machen Nick Cave oder die Dresden Dolls Kuschelrock.

Nachdem die Band auf ihrem letzten Album die Inspiration etwas verlassen hatte, läuft die Düstershow nun auf Now You Are One Of Us wieder auf Hochtouren. Das schon immer recht eigene Melodieverständnis von Bandkopf John Congleton hat vollends Einzug in die Musik gehalten und ist mit den kreischenden Instrumentalsounds und dem ätzend-heulenden Gesang verschmolzen, und wenn man seine Gehirnwindungen einmal genug verdreht hat wird man auch höchsten Gefallen an der bösesten Platte des Jahres finden können.

[MP3] The pAper chAse - We Know Where You Sleep (von Now You Are One Of Us)
[MP3] The pAper chAse - Said The Spider (von God Bless Your Black Heart)

Mehr Songs gibt es auf der Homepage der Band zu hören.

Serena Maneesh - Serena-Maneesh



Verdammte Globalisierung! Da hatte ich die Platte vor Monaten unwissentlich importiert und dachte sie wäre schon längst abgekaut, aber heute sehe ich die kam erst letzte Woche in Good Old Germany auf den Markt? Na dann muss ich doch noch meine Empfehlung aussprechen.

Heute fiel mir nämlich die eine oder andere Besprechung von Serena Maneeshs selbstbetiteltem Debüt in den Musik-Feuilletons auf, und dabei vor allem die Vergleiche wie diese Band wohl klingt. Sonic Youth. Hawkwind. Neu!. My Bloody Valentine. The Jesus & Mary Chain. Pink Floyd. Das kommt der Sache alles recht nahe, trifft sie aber nicht im Kern. Denn es ist nicht so als würden die sternennächtlich verzerrten Gitarrenwände Serena Maneesh wie die Musik dieser Bands klingen, eher andersrum.

Serena Maneesh sind die große Suppenschüssel aus der man Bröckchen aus Psychedelik, Noise oder auch einfach saftigem Rock herausziehen könnte, und es würde doch immer noch ein starkes Stück Musik übrig bleiben. In diesen Klangwolken steckt eben mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile. Über 10 Stücke wird dann auch sehr abwechslungsreich gezerrt, gewabert, gespaced, gefeedbackt, gehauen und gemelodiert. Ob man vor der großen musikalischen Vernetzung durch das Internet von so einer feinen, aber sehr ungewöhnlichen norwegischen Band erfahren hätte? Ich wage es zu bezweifeln. Danke Globalisierung.

Album-Stream

[MP3] Serena Maneesh - UnDeux
[Video] Serena Maneesh - Drain Cosmetics

Serena Maneesh Myspace

Sonic Youth - Rather Ripped

Sonic Youth - Rather RippedOb es durch den Weggang von Jim O'Rourke geschah, oder weil sie in letzter Zeit so viel von ihrem Frühmaterial anlässlich dessen Wiederveröffentlichung gehört haben, oder weil sie einfach mal wieder etwas ganz anders machen wollten als auf dem letzten Album: Sonic Youth klingen auf Rather Ripped so jung und leicht wie sie schon seit Jahren nicht mehr geklungen haben. Dabei ist das Album kein Rückschritt zum Stil von Daydream Nation oder Sister. So sehr ich auch in den letzten Tagen diese alten Alben gehört habe, den neuen SY-Stil kann ich einfach nicht klar auf eins davon beziehen.
Jedenfalls sind die Noise-Eskapaden und avantgardistischen Einflüsse der letzten Alben komplett aus dem Vordergrund verschwunden, gleichzeitig sind die Songs kürzer und vor allem im Songwriting fokussierter geworden. Sonic Youth klingen auf einmal wie die beste Indierock-Band der Mittneunziger (die sie zu der Zeit stilistisch nie waren).

Die Gitarren klingen klarer, moderner, behalten aber immer noch eine gewisse Atonalität bei die den unverkennbaren SY-Sound erzeugt. Auch das Songwriting ist weniger ausladend, sondern klar und fokussiert, geradezu poppig für SY-Verhältnisse. Die schrägen Noise-Sounds beschränken sich, genau wie Gitarrensoli, meist auf wenige Sekunden und sind gleichzeitig Brücken zwischen einzelnen Songpassagen als auch denkwürdige Einzelmomente der Songs. Mit der Souveränität einer Band, die sich von genialen Dilettanten zu genialen Routiniers entwickelt hat, bestimmen SY den Verlauf von eingängigen, aber rockigen Songs wie Incinerate oder What A Waste mit beeindruckender Minutiösität. Überhaupt, Kim Gordons eindringliche vokale Vorstellungen auf What A Waste, Turqoise Boy, Reena und The Neutral machen dies zum ersten Sonic Youth-Album auf dem ich mir mehr Kim Gordon-Songs gewünscht hätte. Und natürlich der obligatorische Lee Ranaldo-Song, Rats, ist ein souveränes Stück Musik das wieder mal die Frage aufwirft warum der Mann nicht schon längst mal ein Soloalbum gemacht hat.

Die Anordnung der Songs jedoch ist das einzige was mir nicht so ganz zusagt. Bis einem das ganze Album so gefällt dürften einige Hördurchläufe vergehen, denn praktisch alle auffälligen Songs befinden sich auf der ersten Hälfte des Albums. Jeder der Songs auf der zweiten Hälfte wäre ein gutes Schlussstück, und so ist man als Hörer nach einer Weile verwirrt dass es immer noch weitergeht und will lieber wieder die frischen Songs am Anfang hören. Aber auch die weniger spektakulären Songs haben ihre Attraktionen, was man einfach rausfindet wenn man mal die Plattennadel zu Beginn weiter zur Mitte hin ansetzt.

Die größte, zunächst unspektakulär wirkende, Sternstunde des Albums ist aber an Position 3 der Stücke Do You Believe In Rapture, auf dem die Gitarrensaiten geradezu gestreichelt und massiert werden. Dabei erzeugen sie ein nebliges Dröhnen, über die ein zartes Geklimper gelegt wird und man sich fühlt als stünde man an einer New Yorker Straßenecke an einerm warmen Herbstabend. Dort steht dann niemand Geringeres als ein gewisses Amerikanisches Staatsoberhaupt und predigt Krieg und Vernichtung. Kann er sich leisten, denn er glaubt ja eh daran dass die Welt bald untergeht und er von dem von ihm Angebeteten gerettet wird. Do you believe in rapture?

[MP3] Sonic Youth - Incinerate
[Stream] Sonic Youth - Do You Believe In Rapture?
[Stream] Sonic Youth - What A Waste

Rather Ripped wird zur Zeit auf zahlreichen Seiten gestreamt, u.a. hier, hier und hier.

Sonic Youth Myspace

Mission Of Burma - The Obliterati

Was macht man, wenn man sein Gehör verliert? Rockstar werden wäre sicher nicht meine erste Wahl, aber genau dazu entschied sich Roger Miller als er Ende der 70er Mission Of Burma gründete. Berühmt für ihre Liveshows, die musikalisch bis auf ihre enorme Lautstärke unvorhersehbar waren, standen Mission Of Burma ganz klar in der Tradition des Post-Punk, Punk zu erweitern und zu ändern ohne dabei dessen ursprünglichen Geist zu verlieren. Richtig Bekanntheit erreichten sie aber erst mit und besonders nach ihrem Ende, als Millers Tinnitus zu schlimm wurde um die Existenz der Band fortzusetzen.
Zum Glück hat sich seine Kondition wieder gebessert, denn Mission Of Burma sind nach einem vor 2 Jahren verhalten rezipierten Comeback-Album jetzt mit ihrem neuen Werk endlich da wo sie schon immer hingehörten, an der Spitze aller Rockkritikcharts.

Obliterati klingt weder wie ein Rockalbum einer neuen Band, noch wie Retro-Rock, denn Mission Of Burma waren zwar ein Produkt ihrer Zeit , waren ihr aber gleichzeitig weit voraus. Und bis heute hat es auch keine andere Band geschafft, diese Art Songs zu schreiben die sowohl druckvoll als auch so ungewöhnlich sind dass man sie sowohl wiederholt hören kann um sie zu analysieren als um um gehörig zu ihnen abzurocken.

Besonders in letzterer Hinsicht steht das Album aus allen anderen Veröffentlichungen älterer Bands dieses Jahr klar heraus, Obliterati ist der Soundtrack zum Sachen kaputt machen 2006 geworden. Nicht erst bei den letzten beiden Songs Period und Nancy Reagan's Head, die die bissigsten, wütendsten des Albums sind, ist klar dass Mission of Burma nicht an Feuer verloren haben. In ruhigeren Stücken wie 13 (mit Geigenarrangement) kann man sich dann auch davon überzeugen dass die filigranen Rhythmen und Geräuschanordnungen nicht nur bei schnellen Krachern funktionieren. Überhaupt Geräusch. Ein Grund dafür warum Mission Of Burma so eine ungewöhnliche Band waren war ihr vierter Mann, damals Putney Swope, heute Bob Weston, der jenseits von der Bühne mit Hilfe eines Tapedecks verzerrende, loopende und andere Effekte erzeugte. Er mag wohl auch der Grund dafür sein, dass dieses Album wie kein anderes derzeitiges klingt. Eben typisch Mission Of Burma.

[MP3] Mission Of Burma - 2wice
[MP3] Mission Of Burma - Donna Sumeria

Mehr als das halbe Album gibt es auf www.obliterati.net im Stream.
Mission of Burma Myspace

Danielson - Ships



Glaube versetzt Berge.
Und wenn grad keine Berge da sind kann er anscheinend auch Musik schaffen die Berge zu versetzen vermag.

Daniel Smith aka Danielson ist der älteste von 5 Geschwistern mit denen er 1997 das erste Album seines Projektes Danielson Famile veröffentlichte. Seitdem hat er seinen Sound und sein Songwriting immer weiter verbessert und mehrere Wandlungen durchzogen, die sich dadurch ausdrücken dass er seitdem auch als Tri-Danielson und Brother Danielson in Erscheinung getreten ist.
Nun heißt er nur noch Danielson und hat seinen bisherigen kreativen Zenit und Fokus mit dem Album Ships erreicht. Das aber keineswegs alleine, anders als der Name vermuten lässt, er ist der Kopf von über 30 Musikern die an dem Album mitgearbeitet haben. Darunter natürlich seine Geschwister, aber auch u.a. Deerhoof, Sufjan Stevens, Serena Maneesh und Why?.

Danielson ist ein stark gläubiger Mensch. Und diese Stärke bringt er auch in seine Musik ein, musikalisch wie textlich. So ist Ships ein Testament der Macht spiritueller Überzeugung geworden. Danielsons Musik ist unnachgiebig freiheitsstrebend, voller Freude und tief verwurzelter Lebensbejahung. Er singt kaum, er jauchzt vielmehr zum Himmel hoch. Das wird einem zunächst ungewohnt vorkommen wenn man derlei animalische Laute nicht schon von der letztjährigen Animal Collective-Platte gewohnt ist. Wie bei der Musik entfalten sich des Gesangs Buntheit und Majestätik erst mit mehrmaligem Hören richtig. Wenn aber einmal der musikalische Groschen gefallen ist wird man kaum noch von dieser Platte lassen können.

Viele Köche verderben nicht immer den Brei. Trotz der ellenlangen Liste von Leuten, die neben ihren instrumentalen Fähigkeiten auch musikalischen Input beigesteuert haben, sind die Songs klar als solche zu erkennen und ufern nicht sinnlos aus. Und die Instrumentierung, sowas hat man seit The Polyphonic Spree nicht mehr gehört. Da ist alles dabei was man sich vorstellen kann plus Glockenspiel, Triangel, Pfeifen und Fingerschnipsen. Und natürlich vielstimmigen Chorälen. Alles für den Herrn.
Eine wirklich göttliche Platte. Glaubt's mir einfach.


Derzeit kann man Ships komplett im Stream auf Scenestars hören. Was ich auch nur empfehlen kann da der nachfolgende Song genau so wenig exemplarisch den Sound des Albums demonstrieren kann wie es ein anderer allein könnte.

[MP3] Danielson - Did I Step On Your Trumpet
Danielson Myspace

Mono - You Are There



Mono waren wohl eine der ersten Bands die ich durch das Internet entdecktt habe. Woher soll man auch sonst von einer japanischen instrumentalen Postrockband wissen (und vor allem hören)? Jedenfalls haben sie allein schon deswegen einen (imaginär) speziellen Platz in meiner CD-Sammlung.
Noch schöner ist es dass sie sich von Album zu Album kontinuierlich verbessert haben, und so ist ihr neuestes, von Steve Albini produziertes Album You Are There wieder ein Schritt nach vorne. Das übliche verzerrte Gitarrenspiel mit den Laut-Leise-Spannungsbögen hatten sie schon immer ganz gut drauf, aber oft wirkten die Kompositionen etwas zu heterogen und kalt. Und, was selten bei Postrockbands dieser Art der Fall ist, zu kurz.

Auf You Are There kann man sich über die Länge der Stücke nicht beklagen, allein vier der insgesamt sechs gehen über jeweils 10-15 Minuten. Auch zu lange wird es nicht, denn Mono haben gelernt sich ihre Zeit einzuteilen. Den träumerischen, ruhigen Teilen wird genau so die am besten geeignete Länge zugesprochen wie den Crescendos und Decrescendos die von und zu den orgasmisch anmutenden instrumentalen Lärmausbrüchen führen, den Gruppen wie Mogwai und Godspeed You! Black Emperor bekannt gemacht haben.
Vor allem in den ruhigen Parts haben sich Mono zu wahren Meistern entwickelt, wo früher der schnelle Weg zum wieder lauter werden gesucht wurde und die etwas widerwillige Kälte zu spüren war, ist die Atmosphäre auf You Are There genau so romantisch wie das Cover vermuten lässt. Wer da nicht den Tag sich schlafen legen und den Mond aufgehen hört...

So bildet sich fast schon ein Gegenentwurf zur Desolation die sich oft in den Geräuschbasteleien von Godspeed You! Black Emperor breit machte, und dadurch wird You Are There zu dem wohl schönsten und erbaulichsten Postrockalbum des Jahres. Man darf gespannt sein womit Mono als nächstes aufwarten.

[MP3] Mono - The Remains of The Day
[MP3] Mono - The Flames Beyond The Cold Mountain

Mono Myspace