Musiiik

Neues Von Stephen Malkmus & The Jicks

Zwischen der Pavement-Reunion, einer neuen Quasi-Platte und Wild Flag kann die Terminsetzung zum gemeinsamen Musizieren nicht ganz leicht gewesen sein, und so wird das am 19.08. erscheinende Mirror Traffic auch das letzte Album von Stephen Malkmus & The Jicks mit der reichlich beschäftigten Janet Weiss am Schlagzeug sein. Dafür scheint sie nochmal ordentlich Druck ins Gemenge zu bringen, das gemütliche Jammen, das auf Real Emotional Trash noch alle Zeit der Welt hatte, bleibt zumindest im nicht umwerfenden aber ganz netten ersten Vorabsong Senator unbemerkt - kein Wunder, soll sich schließlich das Gesamtwerk auch mit 15 Stücken über drei Vinylseiten und eine geschätzte Stunde erstrecken.

[MP3] Stephen Malkmus & The Jicks - Senator

Southern Shores

Während im Norden noch ein paar rumheulen, herrscht in hiesigen Breitengraden endlich mal wolkenfreie Hitze. Ideale Ausgangslage für die beiden Berliner-via-Kanada Southern Shores, die sich mit ihrer Samplefreudigkeit (u.a. Alane auf dem letzten Track!) zu vertrauter Palette luftiger Electroklänger zwar noch eine Weile den Vorwurf des Air-France-Trittbrettfahrens gefallen lassen müssen, denn nach ein paar feinen Vorabsongs erinnert nun auch ihre Debüt-EP Atlantic nicht wenig ans schwedische Duo. Bis das aber mal in die kreativen Gänge kommt - soll ja angeblich dieses Jahr mal wirklich so sein - dürfte die nächste Woche auf Cascine erscheinende Sommerkollektion aber mindestens gefälliger Ersatz sein:

[Stream] Southern Shores - Atlantic EP

Iceage Live

Dass das Internet nicht der allmächtige Kulturdemokratisierer ist, für das es von manchen gehalten wird, lässt sich ganz gut an Iceage ablesen. Während jede Mittelmäßigkeit z.B. im Medienkonzentrationsraum Brooklyn schnell verbreitete Aufmerksamkeit findet, schrieb außerhalb ihrer Heimat kaum jemand über das großartige Debüt der Dänen. Und dabei wäre es wohl auch geblieben, die Veröffentlichung bei einem New Yorker Kleinstlabel erregte wenige Erwähnungen, doch erst die Zweitveröffentlichung drei Monate später auf einem Label mit PR-Agentur im Rücken und begleitet von einer Tour führte auch zu Rezensionen.

Ähnlich wird New Brigade wohl auch hierzulande ein Geheimtipp bleiben, so lange es nicht mal vielleicht über etablierte Vertriebs- und PR-Wege ins Sichtfeld der Medien gerät. Schade wegen solch altmodisch lokalmarktorientierter Produktbewertungs-Attitüden, aber zumindest hat die Band über diese Distanz Zeit gehabt, an ihrer Livedarbietung zu arbeiten, die klingt nämlich in dieser WFMU-Session schon weitaus weniger zerfahren als mitunter zu Jahresanfang.

Iceage live on WFMU

Neues Von Moonface

Hurra, Wolf Parade haben sich getrennt. Das bedeutet nämlich neues Material von Spencer Krug, genauer von seinem Soloprojekt Moonface, das letztes Jahr schon eine brillante EP hervorbrachte. Ganz auf sich gestellt ist Krug beim ersten Vorabstück des am 05.08. erscheinenden Organ Music Not Vibraphone Like I'd Hoped aber nicht, über voranwavender Drum Machine und genüsslichem Georgel sorgt neben Krugscher Sehnsuchtslyrik auch die Stimme von Sunset Rubdowns Camilla Wynne Ingr für Wohlvertrautheit.

[MP3] Moonface - Fast Peter

Nachtrag: Ach, hätt ich mal noch ein wenig länger gewartet: Im Laufe des Tages ist auf der Moonface-Traumseite neben den bis dato fehlenden Albuminformationen ein weiterer Song online gestellt worden, allerdings wird The Way You Wish You Could Live in the Storm nicht auf der Platte vertreten sein - eine Seltenheit, dass Krug, dessen Bands ohnehin fast nie Singles produzieren, mal einen Nicht-Albumtrack veröffentlicht.

Beautiful Swimmers

Besser hätten sie's kaum timen können: Pünktlich zum kurzfristigen Hitzeschub gibt es über ein Jahr nach ihrer letzten Strandgroßtat Big Coast neues Material von Beautiful Swimmers - und das gleich im Doppelpack. Während die neue Single Open Shadow im breiten Variations- und Referenzfeld des Washingtoner Duos schon ein paar Stunden in der Gemütlichkeitsecke gesonnt hat und herrlich träge herumsoult, geht Excited Track im verschwitzten Italo-Keller ans Eingemachte. Der demnächst wohl bei jedermenschs Lieblingsmünchnern Permanent Vacation erscheinende Track ist aber nicht minder klasse und ebenso wie die meisten bisherigen Singles und deutsche DJ-Termine im nächsten Monat auf Beautifuls Swimmers' Soundcloud zu finden.

[Stream] Beautiful Swimmers - Open Shadow featuring John Davis
[Stream] Beautiful Swimmers - Excited Track

Benoit & Sergio

Wenig bereitet mir momentan im Dance-Bereich so viel Freude wie dem kontinuierlichen Treiben von Benoit & Sergio zu folgen. Noch kein Jahr umspannen die bisherigen EP- und Singleveröffentlichungen des Duos, und doch ist darüber schon fast genug Material für ein sagenhaft gutes Album verstreut. Vom melancholisch-loungigen What I've Lost über den Space-House von Day Residue und dessen verträumte A-Seite Walk And Talk bis zum synthig-epischen Let Me Count The Ways zeigen die beiden immer wieder strukturelle Raffinesse, großartiges Gespür für Vocal- und Instrumental-Hooks und vor allem viel Gefühl.

Nirgends wechselhafter als bei ihrer heute auf DFA erschienenen Single, während Principles seine Vocals zu hypnotischem Effekt hoch- und runterpitcht, streckt und zerschnippselt, fordert das weiträumig dimensionierte Everybody über seine ersten anderthalb Minuten noch dezent zum Betreten der Tanzfläche auf, was spätestens dann nicht mehr ignorierbar wird wenn der Track über Marimbaphon und Grummelgroove geschwind gen Euphoriegipel stürmt.

[Stream] Benoit & Sergio - Principles / Everybody

Gold-Bears Live



Nach leichter Produktionsverzögerung ist mein Indiepop-Favorit des Jahres nun endlich auch auf Vinyl erhältlich, das wunderbar krachige Debüt der Gold-Bears hab ich mir daher soeben auch bei Slumberland bestellt. Die Wartezeit bis zum Eintreffen von Are You Falling In Love? werd ich mir denk ich so vertreiben wie bisher auch schon, mit Liveaufnahmen wie ihrer Session für Newtown Radio, die zeigen, was den Unterschied zwischen dieser Wedding-Present-tastischen Gruppe und den meisten müden Socken ausmacht: dass sie genausoviel Energie wie Melodien in ihre Freude spendende Musik einfließen lassen.

Newtown Radio Studio Sessions: Gold-Bears (live)

Neues Von Mungolian Jetset, Todd Terje

Mungolian Jetsets sagenhafte Remix-Sammlung hat zwar mit der Zeit nicht an Hörbarkeit eingebüßt, so langsam bin ich aber doch schwer auf das neue Werk der angemessen spinnerten Prog-Disco-Norweger gespannt. Auch, weil das im September erscheinende Schlungs eben diesmal aus reinem Originalmaterial bestehen wird, für das sicher Unmengen an Samples gesammelt wurden. Ob das kürzlich auch mal offiziell veröffentlichte Moon Jocks And Prog Rocks mit darauf sein wird weiß ich noch nicht, da ich das übergeniale Epos nach bald einem Jahr aber auch immer noch ständig auflege, erwarte ich mir mal ziemlich großes.

[Stream] Mungolian Jetset - Moon Jocks And Prog Rocks

Unter den Moon Jocks-Remixen findet sich auch ohne Überraschung einer von Todd Terje, der sich von seiner Spezialisierung auf tonnenweise Disco-Edits nun ebenfalls wieder auf Eigenmaterial (bei Running Back, auf die ich bald nochmal zurück komme) zu verlegen scheint, und das ist kein Grund zum Klagen. Denn sowohl der solide Stampfer Ragysh als auch die delikate B-Seite Snooze 4 Love mit ihren Glühwürmchenspitzen sind so sagenhaft gut ausgefallen, dass es schwer fällt zu sagen, welche davon schon mehr Sommernächte versüßt hat.

[Stream] Todd Terje - Ragysh
[Stream] Todd Terje - Snooze 4 Love

Wolf Parade Live

Die Berlinfahrt letztes Jahr stellt sich immer mehr als eine exzellente Entscheidung heraus, es könnte nämlich durchaus die letzte Gelegenheit gewesen sein, eine meiner Lieblingsbands live zu sehen. Zunehmend scheint es, als wäre Wolf Parades Post-Album-Trennung dieses Mal von gültigerer Dauer als sonst. Denn vor fünf Minuten ging ihr Konzert in Vancouver zu Ende, das nicht nur mit Frog Eyes im Vorprogramm eine besondere Qualität erhielt, sondern das im Vorfeld wie im Anschluss als ihr letztes bestätigt wurde. So könnte der Auftritt beim Sasquatch Festival am vergangenen Wochenende folglich ihr vorletzter gewesen sein und falls heute keine Aufnahme angefertigt wurde, ist dies der vorerst letzte Konzertmitschnitt dieser Band, die live ihr ganz eigenes Kaliber war:

Wolf Parade live beim Sasquatch Festival 28.05.2011

Our Concert Could Be Your Life



Wer Michael Azerrads Our Band Could Be Your Life gelesen hat - oder ohnehin schon die Geschichte der darin beschriebenen Bands und Labels kennt - weiß, dass für manche der Indie-Begriff nicht nur ein klangstilistischer Umriss ist, sondern auf eine tiefer gehende Tradition von künstlerisch unabhängiger DIY-Attitüde abzielt. Zu einer Jubiläumsveranstaltung kamen so am vergangenen Wochenende zahlreiche kontemporäre Indierock-Bands wie Dirty Projectors, tUnE-yArDs, Ted Leo, Titus Andronicus oder Delicate Steve zusammen, um ein paar der darin beschriebenen Bands zu covern. Das Highlight stellten dabei, wie ich es mir schon bei der ersten Ankündigung erhofft hatte, St. Vincents Big-Black-Cover wie das oben zu sehende Kerosene dar, den Rest gibt es allein oder am Stück bei NPR zu hören:

Our Concert Could Be Your Life