Musiiik

Neues Von Tropics, The Field

Die meteorologische Jahreszeiten-Zählweise ist ja die etwas einfacher einzuprägende, zum zeitweisen Leiden aller Schulkinder jedoch nicht die geläufige. So fängt der Herbst nicht zum Monatsbeginn, dafür aber tropisch an. Fast ein Jahr nach seiner hervorragenden ersten EP schickt sich Chris Ward nun an, sein Debütalbum als Tropics in die große weite Welt zu entlassen. Das erste Vorabstück vom am 30.09. erscheinenden Parodia Flare klingt schon mal verheißungsvoll: Mouves ist zugleich komplexer, feiner verflochten und nuancenreicher, erhält sich aber dennoch die Leichtheit seiner Vorgänger.

[Stream] Tropics - Mouves

Auf das neue Werk von The Field bin ich schon neugierig, seitdem ich die Musik von Alex Willner einmal in ihrer Liveumsetzung mit Band (inklusive John Stanier am Schlagzeug) erlebt habe. Und obwohl er eigentlich schon überaus variierte musikalische Betätigungsräume hat (als Teil von Cologne Tape, Black Fog und mit dem demnächst erscheinenden Debüt als Loops Of The Heart), hat er auch sein wohl bekanntestes Projekt weiter entwickelt, weg vom Laptop, weiter in Richtung der Livedynamik.

Nachdem das physische Veröffentlichungsdatum von Looping State Of Mind bereits auf den 07.10. vorgezogen wurde, ist das Album sogar seit heute schon digital erhältlich, u.a. bei Beatport, Zero Inch und Bleep wo man mit ein wenig Klickerei auch in voller Länge reinhören kann.

[Stream/MP3] The Field - Then It's White

Neues Von Matthew Friedberger

Ich habe aufgehört, über Matthew Friedberger im Rahmen normaler Rezeptionsgegebenheiten nachzudenken. Zu Beginn stand noch die Frage im Vordergrund, wie denn nun die erste oder zweite seiner 6 (oder 8) Soloplatten als Werk ausgefallen war, wie viele der Songs wie gut gelungen waren, das Übliche halt, nachdem man Alben beurteilt. Aber, und das ist natürlich der Vorteil des im Voraus ungehört abgeschlossenen Abonnements, spätestens mit Cut It Out ist viel interessanter geworden, was er macht als die Beurteilung, wie gut er es macht.

Die Grundparameter sind klar: Ich kann mich darauf verlassen, dass alle zwei Monate eine neue LP in meinem Briefkasten steckt. Das Cover ein Foto oder eine Fotocollage von Gebäuden, auf der Rückseite Songtexte oder ein Freistiltext und eine Erklärung, was einen auf der Vinylscheibe (Downloads gibt es keine) innerhalb der Verpackung erwartet. In diesem Fall: "Drums and machines that play drums and things which can be made to sound like drums", in spärlich-intimer Aufnahme mit einer gewissen komponistischen und spieltechnischen Naivität und Friedbergers Stimme zusammengeschichtet zu (mindestens so etwas wie) Songs. Auch wenn es auf diesem Album ja eigentlich kein Melodieinstrument gibt und man schon manchmal bewusst hinhören muss, um Ende und Anfang von Songs (oder Songsektionen) auszumachen, irgendwie haben diese Klappergebilde mit Gesang bis Spoken Words diese Bezeichnung doch verdient. Oder noch. Mal hören, was die Zukunft bringt.

[Stream/MP3] Matthew Friedberger - The Comforts Of The Coffin

Schmelzen


Da dies so langsam die letzte Gelegenheit sein könnte, kleb ich den mal einfach hier rein. Ein Mix diverser Herrlichkeiten, den ich in letzter Zeit immer wieder rausgekramt hab wenn die Hitze gerade besonders brütete. Überwiegend elektronisch, aber nicht so im Balearic-Ambiente, eher irgendwo zwischen Disco- und House-Pop angesiedelt der nicht ganz entspannt sind, aber auch nicht zu allzu viel Bewegung animiert - eher zu wohligem Dahinschmelzen.

Veronica Falls

Ich bin wohl der Einzige, der Best Coast wegen der absurden Auto-Tune-Verwendung unhörbar findet. Dabei hab ich prinzipiell wenig dagegen, so lange nicht z.B. die Tonsprünge bei Boyfriend oder vor allem Our Deal dermaßen robotisch verwässert klingen, dass es mich immer wieder aus der Musik raus reißt. Veronica Falls hingegen polieren ihren Gesang im Studio maßvoll, so dass er nicht schräg abrutscht wie das dem Indiepop-Quartett mitunter live geschieht.

Wobei das Daneben bei dieser Band an anderer Stelle der Schlüssel zur Brillanz ist: Das Crystal-Stilts-ige Beachy Head zögert den großen Harmonierefrain ebenso hinaus wie die Nachfolgesingle Found Love In A Graveyard; dort glaubt man gar zunächst einen ziemlich regenwettrig-mittelmäßigen Song zu hören, bis der zweite, nicht titelgebende Refrain nach 80 verzaubernd einsetzt. Das bisherige, ebenfalls auf dem Ende Oktober erscheinenden Debütalbum zu findende Prunkstück ist aber Come On Over. Nicht minder clever täuscht es eine müde Jangle-Ballade an, nur um im Folgenden Fahrt aufzunehmen und als finale Variation ins himmlische Falsett hochzusteigen.

[Stream/MP3] Veronica Falls - Come On Over
[MP3] Veronica Falls - Found Love In A Graveyard
[Stream] Veronica Falls - Beachy Head

Neues Von M83

Nachdem Anthony Gonzalez mit Saturdays = Youth nicht unbedingt sein bestes - da kann es sich mit seinen exzellenten beiden Vorgängern (die Ambientgeschichte mal ausgeklammert) drum kloppen, aber sicherlich das song-poppigste M83-Album geschaffen hatte, fielen seine anschließenden Beiträge zum Black Heaven nicht gerade inspiriert aus. Doch entgegen jeder Befürchtung, er könnte auf der Stelle treten, hat er seinen Sound von den 80ern in die Zukunft gerichtet: Sowohl der Vangelis-tastische Trailer als auch das erste Vorabstück Midnight City fallen so breitbildformatig aus, dass er mit dem am 14.10. kommenden Hurry Up, We're Dreaming durchaus diesmal auch ein Doppelalbum erfolgreich füllen könnte.

Wohlgemerkt nicht das erste Mal, dass es M83 dieses Jahr in hypersynthigem Bombast zu hören gab: Immer noch einer meiner Lieblingsremixe 2011 beinhaltet das scheinbar nervige, aber nach zweimaligem Hören unwiderstehliche Cyborgfalsett, das über einen aufgenoiseten Daft-Punk-Tron-Track gezaubert wurde.

[Stream] Daft Punk - Fall (M83 Vs Big Black Delta Remix)
[MP3] M83 - Midnight City

Video: Fucked Up - Queen Of Hearts



Man will sich für sowas ja immer genügend Zeit nehmen, aber nun kann ich's doch mit starker Sicherheit sagen: Die neue Fucked Up ist - jetzt mal im Gegensatz zu The Monitor zum Beispiel - zu lang. Einerseits. Andererseits, wie könnte sie es nicht sein? Sicher, es ließen sich vor allem im Mittelteil Stücke wegnehmen, die nicht an die Highlights heranreichen und erst bei jedem erneuten Durchhören registriert und sofort wieder vergessen werden. Die keine "Dying On The Inside, Dying On The Inside"-Vokal- oder "Dää - dädädöö - deedee - duu - de - dorrrrr"-Instrumental-Hooks im Hirn verankern, aber was hätte man dann? Eine dreiviertel Punkrockoper, die sich nicht über vier LP-Seiten erstreckt die man entweder alle hören möchte oder gar nicht, nicht genauso endet wie sie beginnt, so stramm gezurrt dass sie keinen Bauch hat. Und was bitte ist eine Oper oder sind Fucked Up denn schon ohne Bauch?

[Video] Fucked Up - Queen Of Hearts

Neues von St. Vincent, The Rapture

Das Wort "zitieren" ist so ein schöner Sprachetrick beim Musik betexten. Weist ein Stück eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu einem anderen auf, könnte man das dem Zufall zuschreiben, uninspirierten Melodieklau anprangern oder sogar gänzlich unkommentiert lassen. Oder aber man will gleichzeitig die Künstlerin und sich selbst als kenntnisreich und in der Musikgeschichte bewandert darstellen, dann sagt man eben, dass St. Vincent im Intro von Surgeon das Bond-Thema You Only Live Twice unter Streckung und Betonungsverschiebung zitiert - auch wenn ein Musikzitat analog zu einem Textzitat, das zwischen Gänsefüßchen die exakte Form des Originals erhält, ja eigentlich ein Sample sein müsste. Aber dann wäre das Musikschreibetum um eine weniger plumpe Art, "das klingt so wie das" zu sagen, ärmer und das geht ja wohl gar nicht an.

[MP3] St. Vincent - Surgeon

Auch die neue Single von The Rapture klingt an einer Stelle so schwer nach etwas anderem, dass man Absicht dahinter vermuten könnte. Und es hier auch muss, denn nicht nur ist die Melodie dem Refrain von Sisqos Thong Song entliehen, wie von einem invertierten Lispeln wird der Text zu "Let me hear that song" umgemünzt. Frei von Querverweisen lässt aber das nicht minder starke Sail Away vor allem darauf hoffen, dass das dritte Album der Tanzflur-Emos weniger durchwachsen als das letzte ausfallen wird.

[MP3/Stream] The Rapture - How Deep Is Your Love?
[Stream] The Rapture - Sail Away

Mungolian Jetset remixen Wolfmother und Ewoks

Einen deutschen Termin scheint es immer noch nicht zu geben, dafür steht nun fest dass das Discoprog-Epos Moon Jocks & Prog Rocks sehr wohl auf dem neuen Album von Mungolian Jetset vertreten sein, ja es sogar eröffnen wird. Die Zeit bis zu Schlungs braucht aber nicht frei von Wahnsinn zu sein, die Norweger haben nämlich endlich ihren schon vor Ewigkeiten fertiggestellten Wolfmother-Remix selbst online gestellt, da deren Label das selbst nicht auf die Reihe zu kriegen scheint. Nicht nur in den dort gesampelten Lichtschwert- und bereits in vorigen Remixen raushörbaren Tie-Fighter-Sounds lässt sich eine Affinität zum Star-Wars-Universum identifizieren, die beiden haben auch die absurde Idee in die Tat umgesetzt, den triumphalen Siegesgesang der plüschigen Ewoks kräftig aufzumungen. Eine etwas bescheuerte Idee, die deswegen auch nur bei Mungolian Jetset so bescheuert genial gelingen kann.

[Stream] Wolfmother - Cosmic Egg (Mungolian Jetset Lightsaber Version)
[Stream] Knights Of Jumungus - Victory Celebration (Those Late Nights In The Forest Of Endor Edit)

Labrador Records verschenkt Jubiläumscompilation

Als Labrador vor drei Jahren zugleich sein 10. Jubiläum und seine 100. Veröffentlichung erreichte, feierte Stockholms Indiepop-Koryphäe das mit einer ausladenden 4-CD-Sammlung quer durch die geschmackssichere Releasegeschichte. Ähnlich kann man nun alles, was seitdem Feines aus dem Norden herabgeklungen ist, fein zu 22 Songs komprimiert auf der neuen Sommercompilation Stockholm Belongs To Us finden - mit dem Unterschied, dass es diese zum freien Download gibt.

Stockholm Belongs To Us - A Labrador Records compilation

Magazine

Magazine war bislang vor allem der Name des Labels, das seit nun gut einem Jahr einen höchst eigenen Fokus auf Kölner Musikentwicklungen abseits purer Tanzbarkeit richtet. Damals gab es ja schon bei der Eröffnungsfeier Cologne Tape und Drums Off Chaos mit Jens-Uwe Beyer zu sehen, und auch die am 08.08. anstehende vierte Veröffentlichung wird einen kollaborativen Charakter haben. Hinter eben dem Namen Magazine (nicht zu verwechseln mit natürlich) verbirgt sich das Labelboss-Triuvirat aus Beyer, Barnt und Crato und dürfte auf Concerts, Festivals, Shows And Others Special Events der angekrauteten Labellinie treu bleiben, wie der Mini-Soundweltentrip Happen Nearly verspricht.

[Stream] Magazine - Happen Nearly