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Konzert: c/o pop Tag 5 - Clickclickdecker, Locas In Love, Urlaub In Polen, It's Not Not

Der letzte Tag der c/o pop begann wo und wie der erste begonnen hatte, im schönen Rheintriadem vor dem es aus blaugrauen Wolken tropfte. Am Sonntagabend hieß es nun nach den feierlustigen Isländern und den Stimmung machenden Kubanern eine weitere Musikkultur zu entdecken mit der ich sonst eher wenig am Hut habe: die deutsche. 5 Bands aus Deutschland, eine aus der Schweiz und eine aus Spanien spielten an diesem Abend verteilt auf drei Räume, nach Murphys Gesetz der maximalen Terminkollision bedeutete das natürlich dass sich von den vieren die ich sehen wollte drei überschnitten. Sowohl die davor spielenden Wolke als auch Navel waren nicht so mein Fall, also erneuerte ich nochmal meine Bekanntschaft mit der Getränkekarte und machte mich anschließend zur ein paar Meter nebenan thronenden Rheinbrücke auf.



Unter dieser befindet sich nämlich der Bogen 2 wo clickclickdecker spielten. Ich weiß nicht ob das auf Myspace Demos waren die ich vor einigen Monaten auf Myspace gehört hatte oder ob mir mein Gedächtnis einen Streich spielte, aber ich dachte eigentlich das wäre ein 1-Mann-Laptopmusikprojekt, so war es überraschend zu sehen wie gleich vier Männer die Bühne betraten und in klassischer Rockbesetzung loslegten. Dass der Mann am Mikro Kevin Hamann hieß hatte ich aber zumindest richtig in Erinnerung gehabt, leider konnte ich akustisch sehr wenig von seinen Texten verstehen (die Reihe von technischen Problemen der c/o pop riss auch hier nicht ab) aber musikalisch gab es oft melancholisch angehauchte Popmelodien zu denen auch einmal die Melodica gezückt wurde. Hamann wurde besonders sympathisch als er sich zum schlechtesten Selbstpromoter aller Zeiten machte und die anderen Bands empfahl die zeitgleich zum späteren Teil seines Sets spielten, da ich genau die sehen wollte konnte ich dann auch nicht allzu lange unter der Brücke bleiben und sauste zurück zum nächsten Konzert.

[MP3] Clickclickdecker - Wer Hat Mir Auf Die Schuhe Gekotzt
[MP3] Clickclickdecker - Der Ganze Halbe Liter

Clickclickdecker Myspace



Ich habe dieses Jahr Karpatenhund jetzt dreimal sehr gerne live gesehen, da wurde es wirklich mal Zeit die Band zu sehen die 80% des Quintetts ausmacht. Locas In Love waren dann auch nicht nur von der Besetzung her ihrem "Radioprojekt" recht nahe sondern auch musikalisch mit ihrem etwas rockigerem Gitarrenpop, besonders der Gemeinschaftssinn und die Selbstreflexivität fielen mir in den Texten sofort auf. Lustigerweise waren die sicherlich bekannteren Karpatenhund jedes Mal wenn ich sie vor einem Publikum aus Indiesnobs spielen sah in einer größeren Underdogrolle als es die Locas gestern waren, doch obwohl ich vorher einiges an positiven Meinungen über die ein Heimspiel gebenden Kölner gelesen hatte war das Publikum grenzkomatös.

An mangelnden Bemühungen auf der Bühne lag das sicher nicht, die Songs selbst fand ich auch prima besonders wenn die Verzerrer und Verstärker mal aufgedreht wurden. Und ein Gitarrensolo mit Ansage, fuck yeah! Da sie wohl zuletzt im Mai letzten Jahres in Köln aufgetreten waren spielten sie auch obskurere Nummern aus der schon längeren Bandgeschichte, wie genau das aussah kann man der Setliste auf dem Christoph seinem Zuhause, seinem Blog entnehmen. Zum Abschluss wurden die Verstärker noch mal richtig aufgedreht und Gitarrenhälse mit Drumsticks, Deckenbeleuchtung und was sich noch so findet malträtiert, das wirkte noch gut nach...

[Stream] Locas In Love - Saurus

Locas In Love Myspace



...als ich lässig das Treppengeländer runtersurfte (*hust*) und den Raum wo Urlaub In Polen herumbretterten scheinbar proppevoll vorfand. Wohlgemerkt scheinbar, ein kurioser Nebeneffekt der Verteilung der Konzerte im Rheintriadem auf zwei nahezu geschlossene Räume war nämlich dass zwar in, vor und hinter deren Eingängen massig Besucher standen und versuchten einen Blick rein zu erhaschen aber die vorderen Reihen zu denen sich keiner vorgetraut hatte noch massig Platz boten.

Dass ich das Duo auf der Bühne bis dahin noch nie gesehen hatte war auch ein Wunder, so oft wie sie in Köln spielen, aber nun hatte ich es endlich mal geschafft. Die beiden waren live alles was ich mir erhofft hatte, energetisch, dreckig, psychedelisch und lauuuut, der Drummer hatte ordentlich Feuer unterm Hintern während der Gitarrist einen regelrechten Turm an Geräten vor sich aufgebaut hatte, darunter auch das anscheinend neue Trendinstrument Melodica. Zwar kriegte ich nur die letzten paar Stücke mit, die genügten aber schon um mich ordentlich warm anlaufen zu lassen und mir hinter den Kopf zu schreiben die beiden nicht noch einmal zu verpassen.

Urlaub In Polen Myspace



Zum Abschluss des Festivals wollte ich mich noch mal so richtig bewegen, und da gaben die bunt gekleideten Spanier It's Not Not mit ihrem punkigen Postpunk nach Les Sav Fav-Manie(r) genau die richtige Einladung das Tanzbein zu schwingen. Gehemmt lediglich von, Überraschung, "technical difficulties" sorgte besonders der Sänger für denkwürdige Momente. Er verbrachte nahezu das komplette Konzert (dessen Großteil ich wohl noch mitbekam) vor der Bühne, dabei hatte er das lange Kabel eng um den Mikrophonständer gewickelt so dass er bei seinen Exkursionen den Ständer mitzog und wie von Geisterhand bewegt zum Wandern brachte.

[Video] It's Not Not - Squashed Bottom Very Busy

It's Not Not Myspace

Nach diesem Abschluss konnte ich dann auch so richtig die letzten Tage in meinen Knochen spüern, Erleichterung kam zumindest als ich in der Bahn sitzen konnte und auch endlich dieses unangenehm zu tragende Armband abreißen konnte. c/o pop: klasse, nächstes Jahr gerne wieder, aber vielleicht dann ein Stoffarmband?

Konzert: c/o pop Tag 4 - Orishas

Tag 4, der Tag an dem mich die Müdigkeit einholte. Irgendwann rächt es sich halt wenn man tagelang viel trinkt und wenig schläft, so wurde der gestrige Abend dann ein etwas kürzerer als geplant. Wenn man sogar bei einer Drum 'n Bass-Party wegpennt sollte man besser auf seinen Körper hören und ihm eine Mütze Schlaf gönnen, aber bevor mein Kopf sich komplett in Pudding verwandelte hatte ich noch die Gelegenheit ein tolles Konzert zu sehen.



Im Gloria wurden gestern Elektronik- und Indieszenen mal beiseite geschoben um Platz zu machen für Orishas, angesichts des saftigen Eintrittspreises wohl ein sehr bekanntes und erfolgreiches Trio aus Kuba das traditionelle lateinamerikanische Musik mit Hip Hop kombiniert. Wäre ich ansonsten sicher nicht hingegangen, aber hier lud wieder das Dauerticket das dieses Jahr wirklich für alle Veranstaltungen gilt zum Ausprobieren ein. Wobei es damit am Tag zuvor zu einer üblen Panne gekommen sein muss so dass zahlreiche Besitzer eines Dauertickets nicht ins ausverkaufte Gloria reingelassen wurden, außer einer Kontaktadresse findet sich dazu auf der Festivalhomepage noch nichts Genaueres. Es schien aber ein einmaliger Fehler gewesen zu sein, zumindest waren gestern vor dem wieder ausverkauften Gloria keine wartenden Armbandträger zu sehen als ich gegen 9 rausschaute.

Orishas nun betraten die Bühne auf der links ein großes Percussions-Set und rechts ein Tisch mit zwei Laptops aufgebaut war, in der Mitte stand ein Trompeter der auch gesangliche Unterstützung lieferte (und mit einem fetten Trompetensolo für einen meiner Lieblingsmomente des Festivals sorgte, sowas krieg ich echt nicht allzu oft zu hören). Die für die Musik zuständigen drei waren wie die für den Gesang zuständigen drei eindrucksvoll souverän, hielten sich aber auch dezent im Hintergrund.

Bei der Show die Orishas abzogen auch eine gute Entscheidung, ich glaube das war gestern die beste Stimmung die ich auf dem ganzen Festival gesehen hab. Klar, bei dem Preis waren das wohl auch fast alles echte Fans, zudem noch viele die spanisch verstanden was ganz hilfreich war da praktisch alle Ansagen darin gehalten wurden. Manchmal wenn einer der drei sein Solo hatte und die Hand zum schreienden Publikum neigte wirkte das Ganze wie ein Konzert einer Boyband, aber insbesondere der muskulöse der beiden Rapper war mit seinem Körpereinsatz ein exzellenter Antreiber bei den schnelleren Stücken und brachte mühelos nach Wunsch einen Großteil des Saales zum Springen, Hände heben oder Arme wedeln.

Zwar auch weiterhin keine Musik die mich interessiert, aber Orishas waren live einfach so gut dass ich durchgängig großen Spaß daran hatte.

Orishas Myspace

Konzert: c/o pop Tag 3 - M.I.A., Dubstep Im Stadtgarten

Der mittlere Tag des sich bis dahin musikalisch prima anlassenden Kölner Festivals begann mit einer organisatorischen Rätselhaftigkeit. Als ich am Gloria eintraf war die Warteschlange davor praktisch noch nicht vorhanden, trotzdem prangte schon ein "Ausverkauft"-Schild vorne an. Das bedeutete dass es wohl recht voll werden dürfte, also mal flink angestellt. Kurz bevor der Einlass begann stellt sich dann heraus dass es diesmal einen Extraeinlass für Besitzer eines Dauertickets gab, also mal flink um den großen Tourbus vor der Tür gerannt und an der noch kürzeren Schlange an der anderen Seite angestellt. Kurz darauf stellte sich dann heraus dass Besitzer eines Dauertickets erst hereingelassen wurden nachdem alle Besitzer eines normalen Tickets bereits hereingelassen wurden, also.. hä? Nunja, war es letztlich eine längere Warterei als am Mittwoch obwohl ich früher gekommen war, aber wenigstens war ich dann irgendwann drin, rechtzeitig zum genreüberspannenden DJ-Set der Sick Girls die auf das zu kommende vorbereiteten.



Nach einer recht kurzen Umbauzeit trat ein neuer DJ hinters Pult und eine neue Videoshow auf die Wand über ihm. Unter Applaus, Sirenen und donnernden Gewehrschüssen betraten M.I.A. in Kapitänsmütze und eine Sängerin die Bühne und ab ging die Post mit Bamboo Banger vom neuen Album (das ich seit Anfang der Woche sicher schon ein Dutzend Mal gestreamt habe und dementsprechend gespannt war). M.I.A. hat sicherlich eine tolle Livepräsenz und gehört auf die große Bühne vor eine große Menge, in buntem Kostüm und mit militaristischer Mütze sang und tanzte sie aber nicht bloß dort sondern wanderte auch mehrmals über die in den Saal hereinragende Theke ins Publikum, blieb aber souverän immer auf ihrer eigenen Höhe bis sie einmal selbst das Publikum nach oben auf die Bühne einlud. Keine chaotische Erstürmung, zu jedem Zeitpunkt schien sie das physische Geschehen voll unter Kontrolle zu haben.

Während ich bei einem ihrer Ausflüge auf die Theke noch amüsiert darüber war wie schnell davor Handies gezückt wurden zeigte M.I.A. kurz darauf dass sie nicht nur keine Probleme mit den Effekten moderner Technologie hat sondern sie auch selbst zu nutzen weiß als sie alle dazu aufforderte ihre Handykameras zu zücken und die 2007er Version eines Meers aus geschwenkten Feuerzeugen zu schaffen. Auf der Leinwand dahinter setzte sie die Globalität ihrer Musik auch visuell in Szene mit bunt editierten Bildern von fröhlich feiernden Menschen aus Ländern die man ansonsten in Popvideos eher nicht zu sehen kriegt. Die Stimmung war auch vor der Bühne durchgehend euphorisch, bei Galang und Bucky Done Gone schien der Saal regelrecht zu explodieren.

Probleme machte mir allerdings der unebene Sound. Während viele Stücke, insbesondere die herrliche Bollywooddisconummer Jimmy, sich bestens anhörten gelang bei anderen die Umsetzung nicht so gut. Hussel, auf das ich mich mit am meisten gefreut hatte, blieb in einem Morast aus erdrückenden Knarzgeräuschen stecken während bei BirdFlu die markantesten Instrumentalspuren, das Hühnergegacker und die atemlosen Trommeln, auch nicht richtig zur Geltung kamen. Trotzdem ein toller und zu Recht gefeierter Auftritt, den Platz auf dem Cover einer im Flur ausliegenden Musikzeitschrift hat M.I.A. weiß Gott verdient.

[Video] M.I.A. - Jimmy
[Video] M.I.A. - BirdFlu
[Video] M.I.A. - Galang

Danach gab es die Wahl zwischen den zwei größten und besten Lineups des Festivals, der Kompakt Party und der Dubstep-Party im Stadtgarten. Da ich als der Welt schlechtester Dubstepfan trotz zahlreicher Gelegenheiten noch nie auf einer Kölner Veranstaltung war und erstmal genug von überfüllten Säälen hatte fiel die Wahl auf die Veranstaltung die mit Loefah, Plastician, Digital Mystikz und Pinch mit die namhaftesten britischen DJs überhaupt auf dem Programm hatte.

Lustigerweise hatte ich von Erzählungen anderer ohne jemald bei einem Dubstepabend gewesen zu sein bereits eine ziemlich detailierte Vorstellung davon wie es werden könnte, die zeigte sich auch in so ziemlich allen Punkten akkurat. Das heißt zuallererst mal dass Dubstep live absolut kein Vergleich ist mit Dubstep von einer durchschnittlichen heimischen Musikanlage (oder gar nem MP3-Player), das Hörerlebnis ist zwar da aberdie Faszination an Dubstep live ist dass es ein körperliches Erlebnis ist. Die Bässe sind zwar laut aber vor allem so intensiv dass man sie wirklich fühlt, sie bringen das Blut zum pulsieren und durchdringen spürbar den ganzen Raum. An einer Stelle schien der Bass in einer dicken Wolke über den Köpfen der Menge zu schweben, und das war kein erdrückendes Gefühl sondern mehr ein völlig ungewohntes. Mit der Zeit, je mehr ich lernte den Bass zu fühlen, wurde ich mehr und mehr in seinen Bann gezogen.

Das ging nicht nur mir so sondern auch vielen anderen Besuchern die sich im Stadtgarten eingefunden hatten, der Raum war zwar gut gefüllt aber besonders in seinen Ecken war genug Freiraum dass man sich nach belieben bewegen konnte. Das Publikum schien wie ich es aus England gehört hatte gemischt, es gab wirklich keine übergreifenden äußerlichen Gemeinsamkeiten, weder in Kleidung noch in Tanzstil. Manche tanzten schnell, manche zusammen, manche allein, manche langsam, manche sprangen, manche skankten, manche skippten, manche wippten vom einen Bein zum anderen, manche rissen euphorisch die Arme in die Höhe, manche hatten sie durchgehend tief in den Hosentaschen vergraben, manche standen und wippten mit dem Kopf, manche saßen und wippten mit dem Kopf, aber manche standen auch einfach nur mit geschlossenen Augen da. Die einzige Gemeinsamkeit war die Musik.

Da ich mitten rein schneite bekam ich nicht genau mit wer alles spielte, ich kann aber sagen dass Pinch ein brillantes Set spielte das linear von Stück zu Stück an Intensität zunahm und gleichzeitig, merklich etwa um Shackletons Blood On My Hands rum, immer mehr in Richtung Techno gelenkt wurde. Leider bin ich alt und immer noch auf Schlafentzug, so kapitulierten meine Beine trotz der Anfeuerungen von Sgt Pokes am Mikro noch vor 4 Uhr, aber der nächste Dubstepabend in Köln kommt bestimmt.

Konzert: c/o pop Tag 2 - Seabear, Reykjavik!, Ultra Mega Technobandið Stefan

Ein großes Thema bei der c/o pop ist ja dass im Rahmen der "Europareise" Festivals aus ganz Europa hierzulande weniger bekannte Musik vorstellen, so dass man mit dem Festivalticket auch mal völlig blind auf Entdeckungsreise gehen kann. Ein bisschen Vorauswahl hatte ich schon getroffen bei der Wahl des gestrigen Programms, das wurde nämlich vom Iceland Airwaves-Festival ausgewählt. Die Veranstaltung fand im schönen Rheintriadem statt, allerdings nicht im großen Saal in der Mitte, der war mit Tischen und hochbequemen Sitzsäcken zur gemütlichen Lounge umfunktioniert worden. Der isländische Teil des Programms fand im zweiten Konzertraum statt, im Obergeschoss gastierte das polnische Festival Turning Sounds.



So wie das was ich von Seabear schon gehört hatte hatte ich mir einen isländischen Abend vorgestellt, feine, warme Musik mit Geigen gespielt von Wollpulliträgern. Nun, ganz so war es nicht, die sieben Jungs und Mädels waren weitaus bunter und sommerlicher gekleidet als gedacht, und vor allem zum Glück nicht in Wollpullis die in dem mit ca. 5 Lampen pro Quadratmeter versehenen schnell warm werdenden Konzertraum im Erdgeschoss recht schnell unangenehm werden dürften.

Ein zweites Thema bei der c/o pop scheint allerdings die tückische Technik zu werden, das richtige Zusammenstecken aller Kabel und Geräte war zwar recht schnell geschafft aber der Computer muckte anfangs etwas rum. Daraufhin wurde einfach das Programm etwas abgeändert und es gab eine anscheinend spontan eingefügte Kuschelversion von Teenage Kicks. Die live wuchtiger und facettenreicher klingende Band war sehr nett und die Kommunikation mit dem Publikum ging anfangs sogar so weit dass der Sänger die Besucher fragte ob der Sound OK sei oder welche Instrumente sonst lauter gestellt werden müssten. Auch andere Eigentheiten hatte das Konzert, viele Instrumente die ich noch nie gesehen hatte wie eine Art Mundharmonika mit kleinen Metallhörnern, zwei zitherähnliche Saiteninstrumente, und richtig lustig wurde das Gesamtbild dadurch dass neben den drei Mädchen in bunten Kleidern, vor dem Drummer mit butterweichen Drumsticks der Gitarrist ein Black Metal-Shirt trug und einen Totenkopf am Unterarm tätowiert hatte. Aber dieses war noch bei Weitem das normalste Konzert an diesem Abend.

[MP3] Seabear - I Sing I Swim
[MP3] Seabear - Arms

Seabear Myspace



Island, Land der Geysire, Land der schönen Landschaften, Land der Feen und Elfen - aber wo es Elfen gibt gibt es auch boshafte Kobolde die wild herumtoben und harten Schnaps trinken. Reykjavík kommen überraschenderweise ebenfalls aus Reykiavik und boten direkt einen starken Kontrast als sie die Bühne betraten, insbesondere dank des langhaarigen Wifebeater-tragenden Gitarristen der direkt aus einer 80er Thrashmetalband entlaufen schien. Wie um den Stimmungswechsel noch klarer zu machen wechselten als die fünf loslegten die bis dahin meditativ blau schimmernden Leuchten über in blutiges Rot, und dann sprang der Sänger auch schon durch den Saal.

Anfangs wirkte der garagige Rock der bei den späteren Stücken immer mehr in Richtung Mclusky anklang zu bemüht wild und verrückt, aber mit der Zeit schwappte doch die Stimmung über und es wurde richtig spaßig. Spätestens als eine gewaltige Flasche Schnaps einmal durchs ganze Publikum gereicht wurde ("don't return it until it's empty!") war der Bann gebrochen, selbst etwas so kitschiges wie ein Tanzwettbewerb wurde höchst unterhaltsam. Am Wildesten gingen aber die Isländer im Publikum, darunter auch Seabear, ab und spätestens da wurde klar dass der Isländer an sich auch ein höllisches Partytier sein kann.

[MP3] Reykjavík - All Those Beautiful Boys

Reykjavík Myspace



Und dann, tja dann wurde es noch wilder. Ultra Mega Technobandið Stefan sehen aus als dürften sie noch nicht selbst Auto fahren, aber während den ersten paar gespielten Tönen begann der Sänger bereits umherzuhechten wie Iggy Pop (und sich auch sofort seiner Oberbekleidung zu entledigen). Die "Technoband"-Bezeichnung kommt aber nicht von irgendwoher, denn ihr Modus Operandi lautet "stampfige Beats + dicke, eingängige Synthiemelodien + wildgewordener Sänger". Das war auch überraschend spaßig, das Konzert zerfiel jedoch gegen Ende etwas als es zu chaotisch wurde, auch wirkte der Sänger etwas frustriert von der Ungeregtheit vieler Besucher. Mit etwas mehr Erfahrung und an einem etwas anderen Ort bin ich mir aber sicher dass Ultra Mega Technobandið Stefan eine exzellente (und das ist jetzt nicht abwertend gemeint) Partyband abgeben, vielleicht bald im Vorprogramm von Andrew W.K.?

[Video] Ultra Mega Technobandið Stefan - Cockpitter
[Video] Ultra Mega Technobandið Stefan - Story of A Star

Ultra Mega Technobandið Stefan Myspace

Das war also Tag 2, Untertitel "Das Experiment" - es ist sicher ziemlich lange her seit ich das letzte Mal auf ein Konzert gegangen bin mit nahezu null Ahnung was mich erwartet, und es hat sich definitiv gelohnt.

Konzert: c/o pop Tag 1 - Battles, Apparat Feat. Raz Ohara

Sommer, Sonne Sonnenschein hatten wir die letzten Tage, doch damit ist jetzt Schluss denn traditionsmäßig begann es wenige Minuten nachdem der erste Konzertsaal der c/o pop aufmachte zu regnen. Dieses Jahr ist das Wetter weniger erheblich da das Open Air-Festival abgesetzt wurde,

Der erste verregnete Gang führte zum Rheintriadem hinterm Hauptbahnhof wo das fünftägige Festival mit einem Akustikgig von Fehlfarben eröffnet wurde. Wie der war kann ich allerdings nicht sagen, war nur da um mir mein Dauerticket in ein Festivalarmband umtauschen zu lassen und mir einen Festivalplan zu besorgen da ich vergessen hatte vorher zu gucken wo eigentlich das Gloria ist. Brillianterweise sind auf dem Festivalplan keinerlei Straßennamen eingezeichnet, so verbleibt man allein mit der Adresse. Aber kein Problem, schließlich stehen ja überall am Neumarkt öffentliche Stadtpläne... auf denen nur ca. 10% aller Kölner Straßen eingezeichnet sind, na super. Nach etwas Rumfragen findet sich zum Glück ein Kölner der weiß um welche Ecke man gehen muss um direkt zum Gloria zu gelangen, dort stehen sie auch schon in Reih und Glied. Dies aber weniger aus Ordnungsliebe sondern weil man ins Gloria nur kommt wenn man sich durch einen mit einem rot verhangenen Absperrgitter geschaffenen Gang quetscht, jener erweckte bei mir Assoziationen mit diversen Kölner "Edel"discos und ich hoffte dass jetzt nicht an der Tür meine Schuhe misstrauisch beäugt würden.



Die Bühne des mit zahlreichen Discokugeln ausgestatteten Saals betrat dann nach einer Weile die Bandversion von Apparat, die mit einem vierten Mann optisch glatt als Battles-Imitation hätte durchgehen können, vorhanden waren sowohl ein behemdeter Drummer umflankt von zwei Keyboardspielern (links der Gesangsunterstützung leistende Raz Ohara) die oft auch gleichzeitig Saiteninstrumente trugen, dazu kam dann noch Sascha Rings voluminöses Haupthaar, ernsthafte Konkurrenz für Tyondai Braxtons Afro.

Musikalisch lief es aber darauf hinaus die elektronischen Klänge seines Albums Walls live auch mit - Rockisten, Hände auf den Tisch! - nicht elektronischen Instrumenten umzusetzen. Nach einer langen, problemvollen Anfahrt (die wohl auch den späteren Beginn des Konzerts verursachte) wurden die drei leider von technischen Problemen daran gehindert, die linke Gitarre wollte nicht so recht und für meine Ohren waren die Basstöne zu laut und die weicher klingenden Synthsounds zu leise abgemischt, die Wärme die die Musik sonst ausstrahlt ging dadurch besonders in der Mitte verloren. Nachdem man sich mal gründlich um die Gitarre gekümmert hatte gefielen mir aber die letzten Stücke sehr, so bin ich auch nochmal dazu gebracht worden mir das Album anzuhören das mir nach einer etwas holprigen Liveaufführung auf einmal viel besser gefällt. Klingt vielleicht komisch, ist aber so.

[Stream] Apparat - Walls

Apparat Myspace



Der WDR und SWR hatten Anfang der 90er eine sehr tolle Hörspielversion von "Der Herr der Ringe" produziert, jeden Samstag Nachmittag hing ich damals vorm Radio wenn wieder ein neuer Teil kam. Meine Lieblingsstelle darin die mir für immer im Ohr bleiben wird ist als ein vermeintlicher übermächtiger, unbesiegbarer Gegner das Schlachtfeld betritt und die nüchtern beschreibende Stimme des Erzählers einen bedrohlichen Unterton bekommt, als würde selbst der das Geschehen aus sicherer Distanz betrachtende in Ehrfurcht verfallen vor der Tragweite des Ereignisses: "Dann" - kurze Pause - "kamen die Nazgul". Und genau diesen Tonfall stelle ich mir vor wenn ich als nächstes schreibe

Dann kamen Battles. Rhythmisierten wie beim letzten Mal alles und jeden in Grund und Boden, elektrisierten, faszinierten, eine Großmacht der Livemusik. Dieses Mal beobachtete ich das Gruppenmitglied das ich im Studio 672 fast gar nicht sehen konnte, und oh Mann könnte ich John Stanier den ganzen Tag beim Drummen zugucken, selbst wenn es ein Video ohne Ton wäre würd ich jeden einzelnen saftigen Anschlag spüren. Wenn das jetzt groupiehaft klingt so ist das gar nicht gegen die beiden Damen die mit lauten "Joooooohn"-Rufen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen versuchten. Nur sind halt Battles nicht gerade eine Band die beim Spielen noch viel Zeit für andere Dinge hat, wie wichtig die genaue Abstimmung der vier ist merkte man als einmal etwas schief lief und Braxtons geloopter Gesang in Race:In plötzlich zeitverschoben verlief. Bei all der Konzentration mit der Battles zu Werke gehen war dieses Konzert aber keine Reproduktion des letzten, es gab mehr alte Songs zu hören (dafür kein Rainbow, schade) und die Reihenfolge war definitiv auch anders, eröffnet wurde diesmal mit Race:Out, und zum Glück gab es diesmal auch eine Zugabe bei der Stanier eine dicke Drum abkoppelte und sich mit ihr auf den Boden setzte. Es folgten begeisterter Applaus, eine Heimfahrt und viel zu wenig Schlaf. Und in wenigen Stunden geht der Spaß weiter, hussa!

[MP3] Battles - Atlas

Battles Myspace

Konzert: Modest Mouse



Das ging nun wirklich flott. Nachdem sehr kurzfristig Anfang Juni der ursprüngliche Termin abgesagt werden musste stand prompt der Nachholtermin fest, gerade mal einen Monat später. Wie sehr einem nun das Konzert von Modest Mouse gestern gefiel dürfte vor allem davon abhängen wie gut man ihre letzten beiden Alben mag, denn die davon stammenden Stücke machten den überwiegenden Teil des Abends aus. Für mich war das eine ambivalente Angelegenheit, während ich das neue recht gerne mag habe ich bis heute keinen rechten Gefallen an Good News For People Who Love Bad News finden können.

Doch sowas war zunächst noch gar nicht abzusehen, klar war nur dass die Auswahl der Musik, die während des Umbaus vom Band - nun ja, genau genommen einer des Öfteren springenden CD - ablief, die beste seit langer Zeit war. Lauter alte Indierockschätze, jaulende Gitarren, dröhnende Drums und schiefe Stimmen, super! Dann betraten Modest Mouse die Bühne, Isaac Brock piepste mit vermutlich heiserer Stimme ein paar schwer verständliche Worte ins Mikro und die Band spielte Paper Thin Walls auf, Brocks Gesang war aber erfreulicherweise unbeeinträchtigt von seiner Heiserkeit voll da. Na toll, eines der besten Stücke von meinem Lieblingsalbum von ihnen (später kam auch noch Tiny Cities Made Of Ashes), ich war direkt happy. Das ging offenbar nicht allen so, doch war bei den ersten beiden Stücken anscheinend die Parole Stillstand ausgegeben worden erwachten die vorderen Reihen dann ab Float On sprungartig zum Leben.

Als Antreiber erwies sich dabei vor allem Isaac Brock der zwar nicht die Mitte der Bühne besetzt hielt (die gehörte Keyboarder, Trompeter und Mädchen für alles Tom Peloso der links von Johnny Marr und rechts von Brock flankiert wurde) aber trotzdem ganz klar die Zügel in der Hand hielt. Wie besessen bellte, heulte und jaulte er, schüttelte und rüttelte und wirbelte seine Gitarre umher, um dann in der nächsten Sekunde wieder völlig kontrolliert zu wirken, still stehend mit großen weiten Augen einen Horizont am Ende der Halle zu erblicken versuchend. Dabei schien er diese kontrollierten Ausbrüche besonders bei den neuesten Stücken zu genießen, manchmal wirkte er wenn er in seiner Theatralik ein Mikrofon ergriff schon fast wie ein Zirkusdirektor.
Dadurch dass jeder fest auf dem ihm zugedachten Platz blieb entstand noch mehr der Eindruck dass dieser Direktor eine bunt zusammengewürfelte Truppe um sich versammelt hatte: Brock mit Seemannsbart, ein Gitarre tragender Kapitän Haddock; hinter den zwei(!) Schlagzeugen die scheinbaren Zwillinge Jeremiah Green und Joe Plummer, beide mit kurzen gelbblonden Haaren und in grüne Basketballhemden gekleidet aus der Distanz unmöglich voneinander zu unterscheiden; Peloso und ein nicht identifizierbarer Bassist, bereit zum Kneipenbesuch; und.. äh.. mittendrin Johnny Marr. Dass so ein bunter Haufen letztens noch an der Spitze der US-Charts stand war schon ein amüsanter Gedanke.

Modest Mouse live bedeutet heutzutage sicher etwas anderes als vor 10 Jahren. Das Schlagzeugduo verlieh alten wie neuen Songs durch zusätzliche Percussions neue Elemente und brachte dank der Kraft der zwei Drumsets noch einen zusätzlichen Schub in die meist - herrje, jetzt muss ich wohl "tanzbaren" sagen - tanzbaren neueren Nummern, bei denen man dann leider selten ausgedehnte Gitarrenparts solo oder im Wechselspiel geboten bekam.
Marr stand dabei besonders heraus, sichtlich würdevoll im Gebahren, inbrünstig jeden noch so kleinen seiner Gitarrenparts ergreifend, und am Schluss verließ er die Bühne nicht ohne nicht noch schnell seine Jacke übergezogen zu haben. Aber wie schon erwähnt, wichtig für den Besucher war trotz vor allem die Songauswahl. Als Beleg dafür ein im Anschluss überhörter Minidialog: "Das war scheiße, die besten Songs haben sie überhaupt nicht gespielt!" - "Quatsch, den besten Song haben sie direkt am Anfang gespielt!"

Ich für meinen Teil hätte mir ältere statt Good News-Songs gewünscht, aber dass ich das Konzert letztlich überaus glücklich verließ hatte Spitting Venom zu verantworten, mein Favorit von We Were Dead Before The Ship Even Sank das ich just vor der Abfahrt noch gehört hatte. Das längste Stück der Platte wurde live zu einem echten Rockmonster aufgeblasen, doppelt so laut, doppelt so viele Drums, doppelt so viele Gitarren plus zusätzliche Soli und Variationen, und Brock flocht wenn ich mich nicht getäuscht habe gegen Ende auch noch den Text von I Came As A Rat mit ein. Wenn zu dem Zeitpunkt meine Augen nicht so schmerzhaft gebrannt hätten vor lauter Schweiß der dort reinlief (die Live Music Hall kann echt unangenehm heiß werden, weia) hätte ich sicher komplett von einem Ohr zum anderen gegrinst.
Danach verabschiedete Brock sich unter eher anständigem als rauschendem Applaus, bemerkt werden sollte aber nicht nur dass es danach noch eine Zugabe setzte sondern auch dass seine Stimme zu diesem Zeitpunkt wieder normal klang: In der Mitte des Konzertes hatte er es aufgegeben seine Stimme zu verstellen und musste seinen Mitstreitern eingestehen dass er seine Wette verloren habe. Hatten die auf der Bühne also auch ihren Spaß gestern.

Update: Fotos auf Phlickr.

Konzert: The Blood Brothers



Heute in kurzen Absätzen, ich hab irgendwo gelesen dass bei der Jugend zunehmend die Aufmerksamkeisspannen sinken und da will ich's nicht zu langwierig machen. Schließlich betrug der Altersdurchschnitt gestern beim Konzert von The Blood Brothers in den ersten paar Reihen geschätzte 17.

Ich also zum ersten Mal in Düsseldorf, mal abgesehen von den paar Besuchen mit der Schulklasse als Kind u.Ä. Natürlich direkt verlaufen trotz ausgedruckter Wegbeschreibung, auf dem Rückweg sogar nochmal. Aber problemlos rechtzeitig angekommen im Zakk.

Das ist übrigens ein sehr lustiger Laden, hat etwas von ner Kirmesgeisterbahn in Groß. Man geht erst mal durch einzelne, größtenteils verlassene Räume und Gänge. Ein Raum ist größtenteils mit Sitzbänken abgesperrt die einen weiter in Richtung Konzertsaal lenken. Gegenüber der Bänke steht ein rot beleuchtetes Metallbett und man hat den Eindruck als könnten jederzeit von irgendwoher Burlesk-Tänzerinnen auftauchen. Der Konzertsaalraum ist von Juze-Größe und -Aussehen, sehr knuffig.

Die Vorband sind Die! Die! Die! aus Neuseeland. Also spricht sich der Name nicht Dididi sondern Daidaidai, nur noch mit Ausrufezeichen irgendwie. Jedenfalls schon mal ein guter Test für den Ohrenschutz, dicker Bass und die vielen schnellen Trommelstöße erinnern mit den Gitarrenharmonien angenehm an alte Trail Of Dead, aber noch etwas punkiger. Ich glaube einer von denen nennt das echt 'grungy', ein Wort das vermutlich 5% des Publikums kennen.

[MP3] Die! Die! Die! - Blue Skies
Die! Die! Die! Myspace

Dann recht schnell schon auf der Bühne die 5 aus Seattle. Ich muss kurz kichern, Johnny Whitney hat seine gelben Haare in dicke längliche Segmente geformt und erinnert zusammen mit seinem rot-weißen T-Shirt an eine Pommes Rut-Wieß. Ob Düsseldorfer Kölsch sprechen?

Der Auftritt: ganz groß, praktisch nonstop Getanze womit man bei dem enthusiastischen Publikum auch gar nicht auffallen kann. Ob das beim Kölner Konzert auch so war? Die fünf sehen so unterschiedlich voneinander aus (Whitney mit fast ständig angewinkelten Armen, Gajahadar als Spaßmacher an den Drums, Blilie mit einer Schüchternheit die in krassem Gegensatz zu seiner Macho-Sprechstimme auf den Platten steht, Henderson mit einem Bart dass man Angst haben muss er könne von TV On The Radio abgeworben werden und Votolato mit einem original 70er Porno-Oliba) dass ich unwillkürlich an eine Boyband denken muss.

In Pressetexten steht ja immer sowas wie "blabla Chaos bla Punk blorb Krach", aber live kein Chaos, kein Krach, zum Glück. Denn das Material das gespielt wird ist nahezu ausschließlich von den beiden letzten Alben, da ist es sehr erfreulich dass der Sound sehr gut abgemischt ist, sehr kontrolliert wird gespielt und zwischendurch immer wieder nachgestimmt. Wäre zu schade wenn man sie nicht von einer generischen Hardcoreband unterscheiden könnte.

Knapp eine Stunde wird grandiosestens gespielt, dann ist auch schon Schluss, keine Zeit mehr für Zugabe. Es wird noch einmal gefragt ob jemand vielleicht Die! Die! Die! aufnehmen kann, die bräuchten noch eine Unterkunft. Ich bestimmt nicht, ich muss schnellstens zum Bahnhof wenn ich die Nacht nicht selber ohne Unterkunft hier verbringen will.

Ein Alt hab ich natürlich auch probiert, man muss ja mal Vorurteile abbauen. Naja, hab dann 10 Minuten mit Bauchschmerzen kämpfen müssen und bin wieder zu Grolsch übergegangen, das war eh billiger.

Was mir gerade erst aufgefallen ist: Die Frau am Merchandise-Stand ist die übermalte Person auf dem Cover von Young Machetes. Und ein eben damit bedrucktes T-Shirt habe ich von ihr gekauft. Ob ihr das wohl komisch vorkommt?

[MP3] The Blood Brothers - Laser Life
[MP3] The Blood Brothers - Peacock Skeleton With Crooked Feathers

The Blood Brothers Myspace

Konzert: Architecture In Helsinki



Wenn es einen Weg gäbe diesen Text zum Hüpfen zu bringen so dass es beim Lesen nicht unheimlich nervte dann würde ich das machen, denn das gestern war eine ganz glückselige Angelegenheit für alle die noch intakte Sprunggelenke besitzen. Architecture In Helsinki waren für ihren einzigen Clubauftritt in Deutschland nach Köln gekommen, und diesmal war so manches anders als beim letzten Besuch. Einmal war es im Gebäude 9 nicht so unsagbar heiß wie letztes Jahr im zugegeben schöneren Spiegelzelt der Haldener Tour '06, was das Konzert aber vor allem angenehmer machte war dass die Australier diesmal nicht von ständigen technischen Problemen geplagt wurden.

Aber noch mehr war ganz anders, so bestand gut die Hälfte des Sets aus Songs von ihrem kommenden Album Places Like This von dem man sich so schon vor dessen Erscheinungstermin im August einen Eindruck bilden konnte. Die sechs zeigten sich auch überaus unbeeindruckt davon dass sie, noch so eine große Änderung, eben mittlerweile nicht mehr zu acht sind und boten einfach eine tolle Bühnenshow, wie gewohnt zwischen und während den Stücken ständig die Plätze und Instrumente wechselnd (wenn ich mich nicht irre war nach dem 7. Stück keiner mehr dort wo sich er zu Beginn des Konzerts befand) und vor allem mit dieser ansteckenden Energie, tanzend, hüpfend, weit ausholend auf Percussions einschlagend (auch schon mal zu drei Leuten gleichzeitig an verschiedene Stellen einer Instrumentenkonstruktion). Einfach sehr physisch investiert in die Darbietung, das aber so gut aufeinander und miteinander abgestimmt dass man an eine bunte Cartoonversion von Battles erinnert war.

Stichwort Cartoon, von der Melancholie die bei In Case We Die oft noch mitschwang war bei den neuen Stücken erst mal nur wenig zu spüren, dafür wurde alles noch schräger, lauter, bunter, und ja, zum Hüfte schwingen einladend. Heart It Races wird man eventuell schon gehört haben, so rhythmusbetont war vieles von dem was man gestern an frischem Material zu hören kriegte, dabei gab es nicht nur Calypso- sondern auch einmal richtig stampfende Discorhythmen serviert. Anfangs noch etwas zurückhaltend wärmte das Publikum bald auf, sicher auch aufgrund der zunehmend häufiger eingestreuten Favoriten vom zweiten Album wie Wishbone, It'5 oder Do The Whirlwind war bald ein Großteil fröhlich am Hüpfen, Wippen und sonstigem Nichtstillhalten.

Das führte am Schluss nicht nur zu einer, sondern gleich zwei ungeplanten Zugaben von denen die zweite besonders kurios war: aus dem Publikum wurde eine Ersatzband gecastet die fast alle Instrumente besetzte und dann aus dem Stehgreif heraus improvisieren musste. Unter den Umständen schlugen sich alle Beteiligten ziemlich gut, trotzdem hoffe ich dass sich Architecture In Helsinki für ihre Rückkehr nach Köln im August noch ein paar eigene Zugaben vorbereiten, was Musik angeht bei der man sich wie auf einer Hüpfburg fühlt sind sie nämlich nicht so leicht zu überbieten.

[Video] Architecture In Helsinki - Heart It Races

Architecture In Helsinki Virb

Konzert: A Hawk And A Hacksaw



"I thought you guys only listened to electronic music here," wundert sich Jeremy Barnes. Nein, nicht nur solche, für die akustische Musik von A Hawk And A Hacksaw haben sich im Studio 672 (das, wie bereits vermutet, mit der Bühne in der hinteren Ecke und dem atmosphärischen roten Vorhang dahinter wirklich ein sehr schöner Saal für Sitzkonzerte ist) so viele Hörer eingefunden dass die Sitzgelegenheiten knapp geworden sind, hier hat es sich mal wirklich gelohnt früh da zu sein um einen guten Platz zu ergattern. Allerdings ist das wichtiger für die Bequemlichkeit als für Sicht und Klang, denn Barnes und Violinistin Heather Trost spielen vor der Bühne soviel sie können, gegen Ende des Konzerts stehen sie vom Publikum umringt in der Mitte des Raumes. Nur sobald das Schlagzeug zum Einsatz kommt heißt es zurück zur Bühne.

Auch wenn sich für jedes Album (und besonders die gerade erschienene EP die zusammen mit dem achtköpfigen Hun Hangar Ensemble eingespielt wurde) mehr Mitspieler eingefunden haben sind der Mann mit dem Akkordeon und Violinistin Heather Trost dort alleine, wie sich aber schnell herausstellt brauchen sie keinerlei weitere Besatzung um eine furiose Darbietung zu geben. Denn wie um die akrobatische Darbietung von Battles zwei Wochen zuvor im selben Saal zu toppen spielt Barnes nicht nur das mit einer Holzmaske behangene Schlagzeug sondern gleichzeitig ein altehrwürdiges Akkordeon, und manchmal singt er auch noch dazu. Trost währenddessen schafft es sowohl die Geigen- als auch die wichtigen Bläserparts live zum Leben zu erwecken, und, das ist auch toll an diesem Abend, live mit reduzierter Besetzung klingt das sogar noch ein gutes Stück lebendiger als auf Platte. Klingt mal nachdenklich, mal tieftraurig, und dann wieder so feurig und rasant dass man sich am Sitz festhalten muss um nicht aufzuspringen und beim Tanzen alle Tische in der Nähe umzustoßen.

Faszinierend zu beobachten dabei ist der Rapport zwischen den beiden, wie auf dem Foto oben kommunizieren sie bei den rein instrumentalen Nummern mit eindringlichem Augenkontakt die Wechsel zwischen einzelnen Parts, zwischen den Stücken wird einfach verbal das nächste bestimmt. Das ist spätestens dann notwendig als eine Taste am Akkordeon herausspringt und sich einfach nicht mehr befestigen lassen will. So sehr sich die beiden auch über so viele Besucher zu freuen scheinen, es lässt sich keiner darunter finden der weiß wie man so ein Akkordeon repariert. Macht nix, einfach ein anderes Stück angestimmt und von da an beim Greifen immer diese Taste umgangen. Verglichen mit der multiinstrumentalen Akrobatik an diesem Abend wohl wirklich eine Fingerübung.

[MP3] A Hawk And A Hacksaw - God Bless The Ottoman Empire
[MP3] A Hawk And A Hacksaw - Zozobra

Konzert: Battles



Sie kamen, sie sahen, sie siegten. Wer ein extrem gutes Vorstellungsvermögen hat braucht sich Battles nicht live anzusehen, denn sie sind genau so wie man es sich erhofft: Wie eine wohlgeölte Maschine, ein Zahnräderwerk, ein Roboterquartett oder was immer man sich für Metaphern in der Richtung noch ausdenken mag spielen sie so tight zusammen dass man kaum noch von ihnen als "Band" sprechen mag, "Einheit" trifft es besser.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht (theoretisch, aber dazu später) dabei Drummer John Stanier, der schon bei Helmet verschrobene Rhythmen mit lakonischer Präzision zum Leben zu erwecken wusste. Oft startet er mit einem gewohnten Format, vielleicht einem 3/4-Takt, das aber an irgend einem Punkt umkippt und man plötzlich vor einem seltsamen Konstrukt steht das vielleicht ein 13/16-oder-was-weiß-ich-für-ein-Takt sein könnte. Darüber wird vielschichtig und metikulös arrangiert, selten so straight wie in Atlas das im Vergleich zu sich stetig verändernden Nummern wie Ddiamondd oder Tonto schon fast traditionellen Strukturen unterworfen ist.

Mit Aussagen wie "Battles kreieren einen modernen, einzigartigen Sound" muss man immer vorsichtig sein, möglicherweise gibt es ja in einer südwalisischen Ortschaft namens Neu-Buxtehude-Süd eine Gruppe von emigrierten Eskimos die an etwas ähnlichem arbeiten, aber in dem was sie machen, was immer es auch sein mag, sind Battles weltweit garantiert die besten. Der Meinung waren auch viele der Besucher die sich am Samstagabend im Studio 672 eingefunden hatten, Atlas, die einzige Nummer vom ersten Album Mirrored die den meisten dort bekannt gewesen sein dürfte, wurde euphorisch begrüßt wie Manna vom Himmel. Und das will was heißen, denn auch wenn das Studio einen ziemlich guten Jazzkeller abgeben mag möchte ich mal gerne wissen ob jemand ernsthaft dachte es sei eine gute Idee eine Band, deren größte visuelle Attraktion ihr Drummer ist, auf einer 10 cm hohen Bühne auftreten zu lassen so dass von ihnen jenseits der vierten Reihe außer ein paar Menschen- und Gitarrenköpfen kaum etwas zu sehen war. Ja, es war pickepackevoll in dem kleinen Keller, nach den Decemberists und !!! schon das dritte potentielle Konzert des Jahres das sein Potential wegen extremer Enge nicht richtig erfüllen konnte.

Großartig war's trotzdem, die vier auf der Bühne schienen von der Hitze bis auf einen ordentlichen perspirationsbedingten Flüssigkeitsverlust unbeeinträchtigt und ackerten sich ohne ein Wort zu verlieren durch ein imposantes Set. Köln scheint es ihnen auch angetan zu haben, nicht nur ist Leyendecker eben nach der Bushaltestelle an der Straße benannt in der Staniers Freundin wohnte, zudem war noch Tyondai Braxton (dessen verzerrter Gesang live weniger befremdlich wirkte als gedacht und der ebenso wie Ian Williams oft gleichzeitig Gitarre und Keyboard bediente) in ein FC-Trikot gekleidet und auch ein Banner des erfolgreichsten Kölner Fußballvereins zierte die Bühne. Was wohl das stärkste Indiz dafür war dass man es doch nicht mit Robotern zu tun hatte. Und einmal waren Battles an diesem Abend auch gar nicht pünktlich, Mirrored gab es nämlich schon eine Woche vor dessen offizieller Veröffentlichung zu kaufen.

[Video] Battles - Atlas (Imeem)

Battles Myspace

Update: Und so sieht die Menschmaschine in Aktion aus.