Times New Viking - Dig Yourself / Present The Paisley Reich



Es kracht, es rumpelt, es scheppert, man kann stellenweise das Quäken des Keyboards kaum vom Dröhnen der Gitarre unterscheiden. Auch wenn in den letzten Jahren die allgemeine Klangqualität auf dem Musikmarkt nicht merklich angestiegen ist, obwohl ja angeblich heutzutage mit Computerprogrammen jeder Amateur Musik mit professionellem Studiosound in seinem Wohnzimmer produzieren kann, hätten Times New Viking doch sicher sauberere Aufnahmen zustande kriegen können als jene die sich auf ihren ersten beiden Alben finden.

Doch für Times New Viking bedeutet sauberer Klang nicht bessere Musik, im Gegenteil, Lo-fi lautet hier die Devise. Das Trio aus Ohio betrachtet das Aufzeichnen seiner Musik als etwas Persönliches, Intimes, und wie könnte man eine Aufnahme intimer machen als einfach alle drei zusammen spielen zu lassen und dabei einen Recorder in den Raum zu stellen? Meist in nur einem Take wird ein Stück runtergespielt und direkt aufgenommen - und dann nochmal auf ein billiges, x-mal vorher bereits überschriebenes Kassettentape überspielt. Das ist eine Ästhetik wie sie einer Band gefallen dürfte die mit der Musik von Guided By Voices, Sebadoh und Pavement aufwuchs.

Ähnlich wie jene Bands schaffen Times New Viking auf ihren ersten beiden Alben herrlich müllig klingende Popsongs (und da kann mir hier keiner Subjektivität unterstellen, Little Amps wird schließlich von Seiten des Drummers selbst zum "Pop Song!" erklärt). Dig Yourself war 2005 ihre erste Veröffentlichung auf dem legendären Siltbreeze-Label, das in den 90ern vielen ihrer Vorbilder ein Zuhause war. Beth Murphy und Jared Phillips haben hier schon auf We Got Rocket, Fashion To Talk About The Moon, Natural Resources, I Love Mine sowohl den Wechselgesang drauf als auch ihren charakteristischen halb-gleichzeitigen, bei dem beide Stimmen oft ziellos voneinander abdriften,scheinbar so wirr umherfaseln wie ein Armageddon prophezeiender Schildträger auf der Kölner Domplatte, doch dann an markanten Punkten immer wieder zueinander finden. Ohne Booklet wäre man allerdings hier verloren wollte man den Inhalt der Texte identifizieren.

Vom Klang her kaum anders, vielleicht weniger dumpf, aber definitiv mit noch besseren Melodien kommt ihr zweites Album Present The Paisley Reich daher. Mit Imagine Dead John Lennon beginnt ein mit schwarzem Humor versehener Blick auf eine Welt in der zahllose Fehler begangen werden, im Krieg, im Spiel und in der Liebe. Die Instrumente werden hier ein Stück härter rangenommen, machen die Musik beißender und aufgrund der Kürze der meisten Songs kommt man beim Hören schon mal leicht ins Taumeln wenn einem all die Sägezahnwellen um die Ohren schwirren. So muss man bei Common Cold schon mal zurückspulen um sicherzugehen dass man es sich nicht nur eingebildet hat, ja da setzt für ein paar Sekunden der Klang aus dem linken Kopfhörer komplett aus. Bis dahin kommt man allerdings nicht als Käufer der LP-Version, die auf der CD zu findenden zusätzlichen Stücke stammen von diversen Eps, sind aber nicht weniger großartig als das was vorher kam.
Vielleicht eine Hommage, vielleicht auch nicht: das letzte Stück Untitled endet in die Melodie des ersten Songs vom Rites Of Spring-Album. Ich würde das ja jetzt als DJ-Tipp weitergeben, aber in den omnipräsenten Indie-Szenediscos dürfte man Times New Viking wohl eher nicht zu hören kriegen. Warum nur?

[MP3] Times New Viking - We Got Rocket
[MP3] Times New Viking - Natural Resources, I Love Mine (von Dig Yourself)
[Video] Times New Viking - Imagine Dead John Lennon / Teenage Lust (live)
[Video] Times New Viking - Hiding In Machines / Devo & Wine (live) (Present The Paisley Reich)

Times New Viking Myspace