Mariah Carey – #Beautiful (feat. Miguel)

Es ist wohl der Beat Schuld. Irgendwann in der letzten Wochenhälfte zog mir dieser Gesang über leicht verschlurftem, angeschmutztem Schlagzeugschellen und texturierendem Gitarrenjangle durch den Kopf und mir wollte partout nicht einfallen, welcher Indiepop-Band mit 60s-Einschlag diese Stimme zuzuordnen war. Bis ich unabhängig davon nochmal auf den Soundcloud-Button drückte und mir einfiel "Ach nein, das war ja Mariah Carey". Ob das erneut ein geplantes Anvisieren des zielgruppenbewussten Herrn Pimentel ist oder nicht, das Ergebnis ist in jedem Fall ein formidables Duett. Ob getrennt oder zusammen, diese beiden Stimmen scheinen in ihrer Lebendigkeit und Strahlen wie füreinander gemacht.

[Stream] Mariah Carey - #Beautiful (feat. Miguel)

RP Boo - Legacy

Gleich mehrere Ausnahme-Footworker schicken sich an, erstmals hochoffizielle Alben jenseits von Mixtapes und Bandcamp-Geheimtipps in die Welt zu setzen. Vielleicht sogar die größte Überraschung ist dabei der in letzter Zeit vergleichsweise stille RP Boo, der als Begründer des Genres nun vielleicht umso mehr Ohren auf sich ziehen wird. Ob Legacy als Ganzes so gut funktioniert wie die Großtaten des letzten Jahres, weiß ich noch nicht, eine Komplexitätslasse für sich sind die bemerkenswert kunstvollen Tracks aber allemal.

[Stream] RP Boo - Legacy

Eluvium - Nightmare Ending

Doppelalben sind im Feld der Ambient/Drone/Modern Classic keine Seltenheit, schon eher aber, wenn sie nicht bloß ein halbes Dutzend schweinisch lange Stücke beinhalten. Eluvium geht auf dem nächste Woche erscheinenden Nightmare Ending in die Vollen, und das mit dem erhabenen Ambient, der ihm am besten liegt. Ignoriert man die (auch formidable) Rauschorgie Static Nocturne und das weniger gelungene songhafte Similes, liegt Matthew Robert Coopers letztes "typisches" Eluvium-Album locker 6 Jahre zurück - umso wichtiger, dass man sich an Nightmare Ending nicht so schnell satthören können wird.

[Stream] Eluvium - Nightmare Ending

T-Ara N4 - Countryside Life

So langsam scheint sich T-Aras Reputation vom letzten Skandaljahr zu erholen, doch zeigt die Aufspaltung in Teilgruppen noch Spuren von Unsicherheit: Obwohl in N4 (die restlichen, dort am populärsten Mitglieder veröffentlichen eine Single in Japan) eigentlich ihre Rapperin ist, wird die Position an einen Gast vergeben, was eigentlich noch unnötiger ist, da der Track ohnehin ungewöhnlich muskulös angelegt ist. In den aggressiven Ausbruch inklusive "Why you hating?"-Absage mag man was reinlesen oder nicht, ich bin eher mal wieder fasziniert, wie das, was anfangs wie ein arg bemühter Gangnam-Nachahm-Versuch wirkte, bei genauerem Hören immer mehr kleine Seltsamkeiten offenbarte - die verbogen bäähenden Stimmen, das nebenspurige Saxophon, die zweite(?) Strophenart über Ziehharmonika mit traditionalistisch folkig wirkendem Singsang ... Und überhaupt, was das wieder für eine Struktur ist, 6 oder 7 unterschiedliche Strophe/Bridge/Breakdown/Refrain-Arrangements oder so verpassen dem Ganzen eine wahrlich ungewöhnliche Songdynamik, in der Hooks nicht spärlich gesät sind.

[Video] T-Ara N4 - Countryside Life