Benoit & Sergio

Wenig bereitet mir momentan im Dance-Bereich so viel Freude wie dem kontinuierlichen Treiben von Benoit & Sergio zu folgen. Noch kein Jahr umspannen die bisherigen EP- und Singleveröffentlichungen des Duos, und doch ist darüber schon fast genug Material für ein sagenhaft gutes Album verstreut. Vom melancholisch-loungigen What I've Lost über den Space-House von Day Residue und dessen verträumte A-Seite Walk And Talk bis zum synthig-epischen Let Me Count The Ways zeigen die beiden immer wieder strukturelle Raffinesse, großartiges Gespür für Vocal- und Instrumental-Hooks und vor allem viel Gefühl.

Nirgends wechselhafter als bei ihrer heute auf DFA erschienenen Single, während Principles seine Vocals zu hypnotischem Effekt hoch- und runterpitcht, streckt und zerschnippselt, fordert das weiträumig dimensionierte Everybody über seine ersten anderthalb Minuten noch dezent zum Betreten der Tanzfläche auf, was spätestens dann nicht mehr ignorierbar wird wenn der Track über Marimbaphon und Grummelgroove geschwind gen Euphoriegipel stürmt.

[Stream] Benoit & Sergio - Principles / Everybody

Video: Eleanor Friedberger - My Mistakes



2011 ist ein Jahr der Lieblingsband-Aufspaltungen, allerdings kommt dabei eher mehr als weniger tolle Musik für mich bei rum. Matthew Friedbergers jahrlanges Albumprojekt ist mit Old Regimes quasi schon zur Hälfte durch, wie zu erwarten war zwar mit gemischten, aber mitunter feinen Ergebnissen spielt er jedes der sechs Alben mit ausschließlich einem Musikinstrument (das er in der Regel vorher nicht gelernt hat) ein, zuletzt war die Harfe dran. Weitaus konventioneller ist die Herangehensweise seiner Schwester, Eleanor Friedberger bringt am 12.07. auf Merge ihr wohl einziges Soloalbum dieses Jahr heraus, Last Summer dürfte dafür aber eben auch durchgängig so nonchalant eingängig ausfallen wie diese Vorabsingle.

[Video] Eleanor Friedberger - My Mistakes

Stream: Patrick Wolf - Lupercalia

Bin ja mal gespannt, nachdem die Vorabsongs mich erstmal kalt ließen, bin ich dann doch mehr und mehr mit den Nuancen von Patrick Wolfs feinen Arrangements warm geworden. Ideale Vorraussetzungen also, dass das Gleiche bei Lupercalia auch in Gänze geschehen kann, was natürlich nur geht, wenn man sich das ganze Werk auch mal in Ruhe am Stück anhören kann. Aber nachdem bislang nur diese deutsche Bastion der Nutzlosigkeit namens "Webwheel" online war, hinter deren Deluxe-Aufmachung selbst im Jahre 2011 nur ~einminütige Songauszüge rumgurken, gibt's nun auch endlich einen richtigen Albumstream vom großen britischen Romantiker.

[Stream] Patrick Wolf - Lupercalia

Stream: diskJokke - Sagara

Alle hier mitlesenden werden sich natürlich (ha ha) sofort daran erinnern, wie ich vor knapp einem Jahr das neue Projekt von Norwegens Stranddisco-Poet diskJokke erwähnte. Bei der einmaligen Aufführung von Sagara ist es zum Glück nicht geblieben, nächste Woche erscheint bei Smalltown Supersound das gleichnamige Album, auf dem sich u.a. auch der Song von vor einem Jahr als Finale finden wird - das allerdings auch mit Abstand das aufgedrehteste aller Stücke darstellt.

[Stream] diskJokke - Sagara

Stream: The Men - Leave Home

Immer, wenn ich so gerade zu alt für Musik der härteren Gangart zu werden glaube, kommt irgendwie zum Glück so eine Platte vorbei, das mich doch wieder vollauf begeistert. So dieses Jahr die Punkplatten von Iceage oder Fucked Up, der im-weiteren-Sinne-ja-wohl-doch-Metal von Liturgy und nun in Sachen Hardcore/Noiserock das Album von The Men. Größere Worte darüber hab ich ja schon verloren, seit heut Nacht kann man die feine Thrashwalze aber auch in voller Länge online anhören:

[Stream] The Men - Leave Home