Neues Von Animal Collective

Mit so wenigen Fanfaren im Rücken wie seit langem nicht mehr erscheint morgen ein neues Animal Collective-Album. Das liegt sicher auch daran, dass das bereits vor Jahren begonnene ODDSAC nicht gerade die Popschiene der Band fortführen sondern nochmal mehr in experimentellen Gewässern waten dürfte. Darüber hinaus ist es kein gewöhnliches Musikalbum für den Massenmarkt, sondern entstand in Verbindung mit den visuellen Beiträgen von Filmmacher Danny Perez und ist auf DVD soweit ich sehe nur als Import, z.B. direkt bei Domino Records oder dem Hersteller Plexifilm erhältlich. Neben einem Trailer gibt nun auch ein Filmausschnitt einen Eindruck davon, wie trippig dieses audiovisuelle Erlebnis zu werden verspricht:

ODDSAC Trailer / ODDSAC Clip

Video: Janelle Monáe - Cold War



Janelle Monáes Debütalbum ist schon konzeptuell ein höchst ambitioniertes Werk, aus den beiden mittleren Sequenzen ihrer vierteiligen Metropolis-Suite bestehend und thematisch an Fritz Langs Film angelehnt die ganz großen Themen abarbeitend. Musikalisch zeigt sich Monáe nicht reservierter, The ArchAndroid dehnt zudem R&B-Elemente in ein Dutzend höchst verschiedener Stilrichtungen so weit aus, dass es vielleicht auch deswegen einige Nicht-Anhänger des Genres begeistert. Aber Ambition ist nichts ohne Erfolg, und so wird dieses Album natürlich auch nur dadurch großartig, weil die clever aneinander arrangierten Stücke nicht nur ein Rausch interessanter konzeptueller und stilistischer Ideen, sondern vor allem tolle Popsongs sind.

[Video] Janelle Monáe - Cold War

Video: School Of Seven Bells - Windstorm



Auf ihrem zweiten Album haben School Of Seven Bells ihren Sound, der auf Alpinisms schon höchst eindrucksvoll war, nochmal auf eine neue Stufe gehoben. Allerdings nicht als Reflektion ihrer Liveshows, die mit deutlich muskulöseren Gitarren und mittlerweile auch echten Drums aufwarten, sondern als eine delikat zurückhaltende, aber herrlich produzierte Kristallisierung ihrer Qualitäten.

Die typischen Gitarrenwände und tief begrabenen Wischstimmen des Shoegaze fast schon invertierend, steht der traumtänzelnde, und dennoch bestimmte Gesang der Deheza-Schwestern weit und glasklar im Vordergrund, Ben Curtis' oft nur einzelne Saiten zupfendes Gitarrenspiel noch hinter der melodie- bis Atmosphäre gebenden Elektronik, alle vorangetragen von abwechslungsreichen und wohlgeformten Beats, die in ständiger, kräftiger Bewegung einen wichtigen Kontrast zum langsam schwirlenden Rest beisteuern und dem Album einen vitalen Zusammenhalt liefern.

Wenn Wolf Parade nicht wären, wäre das gleichzeitig das Herz schneller pumpen lassende und den Kopf mit warmen Winden füllende Disconnect From Desire ohne Frage zumindest mein Lieblingsalbum des Juli-Monats, zum ersten Song davon gibt es nun ein schön fotografiertes Video, dessen Betrachten ebenso mit hochauflösender Vollbildqualität empfohlen ist wie das Anhören des Albums mit Kopfhörern oder auf einer lauten Anlage.

[Video] School Of Seven Bells - Windstorm

Solar Bears



Da die meisten Musikpublikationen mit der "Ist doch Sommerloch"-Ausrede momentan auf ödem Autopilot laufen ("Wussten SIE schon, dass Arcade Fire ein neues Album haben? Und darauf total ernst über Vororte singen? Unglaublich!"), muss man für interessante Neuerscheinungen halt mal mehr als sonst andere Quellen bemühen. So wurde ganz altertümlich bei einem (Online-)Plattenhändler die Debüt-EP Inner Sunshine des irischen Duos Solar Bears angepriesen, das sich herrlich unvorhersehbar auf Trans Waterfall von krautigen Kosmikimpulsen zu sonnengetränktem Downtempo-Pop à la Quiet Village hangelt, oder in Photo Negative Living sanft hallende Akustikgitarren-Zirkel plötzlich mit shoegazig dichten Texturen sprengt und doch alles irgendwie harmonisch vereint.

Mehr als nur ein Ausblick auf das komplett anderes Material enthaltende, nun bereits vielversprechende Debütalbum She Was Coloured In, von dem sich auch schon Children Of The Times und The Quiet Planet auf Myspace anhören lassen. Nächste Woche erscheint aber erst mal Inner Sunshine als 12" und Download auf Planet µ und lässt sich jetzt schon bei Bleep anhören.

[Stream] Solar Bears - Trans Waterfall
[Stream] Solar Bears - Photo Negative Living (beide von der Inner Sunshine EP)
[MP3] Solar Bears - Crystalline (Be Again)
[MP3] Solar Bears - Neon Colony (beide von She Was Coloured In)

Video: The Chap - We Work In Bars



Nach dem zum erst- kommt nun auch ein Video zum zweitbesten Song auf Well Done Europe. Mit We Work In Bars servieren The Chap eine kleine, bewegte Ode an den Lebensunterhaltsort vieler künstlerisch tätiger, überaus aufwendig muss dabei die Erschaffung des Clips gewesen sein, der u.a. aus Zeitraffer-Sequenzen und zahllosen animierten Einzelbildern besteht.

[Video] The Chap - We Work In Bars

Stream: PVT - Church With No Magic

PVTs erstes Album, damals noch als Pivot, auf Warp war mir vor zwei Jahren ne Spur zu kühl und konstruiert wirkend. Auf dem heute erscheinenden Zweitwerk Church With No Magic ist das Stilgemisch des australischen Trios aber entweder flüssiger geworden oder die neu eingeführten Vocals und klassischeren Songstrukturen helfen, die Nähte zu überdecken. In jedem Fall sagt mir das grundsätzlich mehr zu, auch wenn sich irgendwie noch keine eindeutige Gesamtmeinung ausgebildet hat, aber für sowas gibt es ja diesartige Probehörmöglichkeiten:

[Stream] PVT - Church With No Magic

Video: These New Puritans - Hologram



Dass der Fact-Mix, mit dem These New Puritans ihre zahlreichen wie vielfältigen Einflüsse dokumentieren, in Einzelteilen besser funktioniert als ingesamt unterstreicht nur, wie andersweltlich genial die Briten sie auf Hidden zu etwas höchst Eigenem kanalisiert haben. Wobei die dahinter stehende, kühl-düstere Vision eine einzelne ist: Die von Komponist und Zeremonienmeister Jack Barnett, der auf Hologram weder Kriegsgötter noch Naturgeister beschwört, dennoch auch im Video einen Einfluss auf seine Mitspielenden ausübt, die über bloßes technisches Dirigieren hinausgehen.

[Video] These New Puritans - Hologram

Coolrunnings



Auf bislang wenig bekannte Bands zu stoßen ist, da mache man sich nichts vor, die leichteste Sache der Welt, dieser Tage mehr denn je. Nicht viel schwerer ist es, einen guten Song einer bislang wenig bekannten Band zu finden, schließlich hat einer alten Pop-Theorie zufolge jede(r) mindestens ein solches Werk in sich. Überaus selten findet sich aber so etwas wie die Babes Forever-EP von Coolrunnings, die bei aller Schlampigkeit voll toller, leicht verquerer Popnummern steckt und sich noch darüber hinaus aus der momentanen Masse selbstproduzierter Musik abhebt.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass Brandon Biondo, neben Forrest Ferguson die eine Hälfte des Kern-Songwriterduos, mal als Schlagzeuger bei den Royal Bangs tätig war und so statt blasser Maschinen-Drums von der Stange unruhige, abwechslungsreiche Rhythmen die kantigen Gitarrenwechselspiele und farbenfrohe Elektronik darüber mit lustvoller Bestimmtheit antreiben. Aber nicht nur in flotten Nummern wie dem Titelstück, auch im geradlinigen Psych-Pop von Better Things und dem angemessendst funkelnden When I Got High With You zeigt die live bis zum Septett (inklusive à la Bosstones dauertanzendem Hypeman (im Tropenhut!) !) anwachsende Band synthmelodische Sommerhighlights.

Babes Forever gibt es ebenso umsonst auf Bandcamp zum Download wie die Nachfolge-EP Buffalo und einzelne Cover und Originale, aber die ungestüme Klasse dieser EP erreichen diese (noch) nicht:

Coolrunnings - Babes Forever EP