Video: Shiina Ringo - Tsugou No Ii Karada


Apropos Disney-Bombast. Sieht aus als würde Shiina Ringo zu jedem Song von Sanmon Gossip ein Video anfertigen lassen, jüngst auch zu Tsugou No Ii Karada das inmitten der symmetrischen Genrewechselei des Albums trotz orchestraler Dicke fast ein wenig untergeht. Das Video erinnert in einer herrlichen Mischung aus Real- und Animationsfilm und anthropomorphisierten Tieren (und Gegenständen) an Mary Poppins oder Bedknobs and Broomsticks, nachdem ich bisher nur aus vereinzelten Interpretationsansätzen ersehen konnte dass sich das Album mit den Schattenseiten des Starrummels befasst kann ich auch ohne Textverständnis erkennen dass hier der Schlankheitswahn aufs Bunteste behandelt wird.

[Video] Shiina Ringo - Tsugou No Ii Karada

Stream: Marit Larsen - If A Song Could Get Me You

Dass ich If A Song Could Get Me You, die erste Single des gleichnamigen Albums, bei Weitem nicht für einen der besten Songs von Marit Larsen halte zeigt mal wieder wie wenig ich von Hitpotential und so verstehe, mittlerweile hab sogar ich mitgekriegt dass der im Radio rauf und runter läuft. Das Gleiche macht bei mir das Album seit ein paar Tagen, zwar kannte ich die Stücke schon was länger aber da ich immer zu faul zum Norwegen-Import war hatte ich sie bislang nur vereinzelt gehört.

Und gerade in dieser Summe fällt mir auf wie hervorragend Larsens Pop in seiner Balance aus Folkballadie und Disneybombast bis ins Detail arrangiert ist, mit den enthusiastischen Melodien zusammen täuscht ihre helle Stimme schnell darüber hinweg dass nahezu alle Songs (Selbst-)Zweifel und kaputte Beziehungen behandeln, ein Kontrast der sie ein gutes Stück interessanter macht. Das komplette Album kann man mittlerweile, auch wenn das auf der Seite selbst irgendwie nicht ersichtlich ist, auf last.fm anhören, bei den ersten Stücken ist wohlgemerkt jedes Mal das zweite mit gleicher Tracknummer von der Single mit reingerutscht.

[Stream] Marit Larsen - If A Song Could Get Me You

Video: The Pastels / Tenniscoats - Vivid Youth


Da hatte man schon geglaubt nie wieder etwas von den C86-Veteranen The Pastels zu hören, aber am 04.09. erscheint tatsächlich nach über 10 Jahren das lange angekündigte neue Album in Form der Kollaboration mit den Japanern Tenniscoats. Das erste Video dazu zeigt schon was man von Two Sunsets erwarten darf, Sanftheit soweit das Ohr reicht und ein verträumtes Gefühl das sich auch in den Heimvideo-Bildern zu Vivid Youth wiederspiegelt.

[Video] The Pastels / Tenniscoats - Vivid Youth

Livemitschnitte vom La Route Du Rock auf ARTE Live Web

Ich vermute mal ich bin nicht der einzige dem das feine Live Web-Angebot von ARTE bislang völlig entgangen war. Dort kann man sich seit Anfang des Jahres Berichte über und komplette Konzertmitschnitte von diversen europäischen Festivals in überragender Qualität ansehen und -hören, neben den erwartbaren ARTE-Repertoires aus Klassik, Jazz und Theater finden sich dort auch von Seiten wie La Blogotheque und Grandcrew produziertes Material und Auftritte von populärmusikalischen Veranstaltungen wie dem Pinkpop, dem spanischen Midi Festival und dem letztwöchigen La Route Du Rock. Von Letzterem ist schon ein Batzen ausgiebiger Mitschnitte online gegangen, u.a. gibt es Konzerte von Deerhunter, St. Vincent, Crystal Stilts, Bill Callahan, Tortoise und Camera Obscura zu entdecken.

ARTE Live Web: La Route Du Rock

Neues Von Nite Jewel



Sicherlich rein zufällig und nicht in einer PR-koordinierten Aktion sind in den vergangenen paar Stunden drei neue Songs von L.A.s Schlafzimmerdisco-Chanteuse Nite Jewel aufgetaucht, aber da ich ihr Debüt Good Evening von Anfang des Jahres ziemlich gut finde lass ich mich auch gern als Netzmultiplikator ausnutzen. Falling Far und Spiritual Nightlife, beide eher von der entschleunigt-nebligen Fraktion, stelllen A- und B-Seite einer kommenden 7'' dar während das ein wenig an die San-Fran-Strandspiele von Sorcerer erinnernde Want You Back das Titelstück einer neuen EP auf Italians Do It Better ist die zumindest in digitaler Form bereits erhältlich ist.

[MP3] Nite Jewel - Falling Far (auf The Fader)
[MP3] Nite Jewel - Spiritual Nite Life (auf RCRD LBL)
[Video] Nite Jewel - Want You Back

In vier Wochen kommt Nite Jewel, offenbar mit Gitarrenverstärkung live nun schon zu dritt unterwegs, auch für zwei Termine nach Deutschland:

17.09.2009 West Germany, Berlin
18.09.2009 King Georg, Köln

Konzert: c/o pop Tag 5 - Kreidler, Von Spar



Irgendwie hatte es diese c/o pop zeitorganisatorisch auf mich abgesehen: Immer wenn es mir egal wäre waren Anfang und Ende überpünktlich, wenn ich hingegen wie gestern weg musste um noch die letzte Bahn zu kriegen verzögerte sich schon der Einlass um eine Stunde. Dadurch entging mir leider die Gelegenheit mir am Ende auch noch was von Prins Thomas' Set zu geben, um die Nacht durchzumachen und den ersten Zug am nächsten Morgen zu nehmen fehlten mir nach 5 Tagen c/o pop dann doch die Energiereserven, aber das änderte nichts daran dass die sonntägliche 10jährige Italic-Jubiläumsparty den würdigen Abschluss eines sehr feinen Festivals bot.

Kreidler stellen bislang zugegeben eine meiner zahlreichen BIldungslücken dar, in der Zeit meiner musikalischen Geschmacksfindung war das auf Wah Wah die Art von "ernster" Musik bei der ich wegschaltete bis dann wieder Sonic Youth über die Parallelen ihrer Diskographie zur Star-Wars-Trilogie bullshitteten. Von daher weiß ich nicht wie viel des gestern gespielten Materials neu war, die Darbietung war aber hervorragend. Schön krautig groovten die Düsseldorfer (mit Alex Paulick von Coloma am Bass zum Quartett angewachsen) voran, spannten instrumentale Landschaften auf die mich vor allem an Trans Am ohne Vokoder-Albernheiten erinnerten, besonders in der Verstrickung elektronischer und handgeschlagener Beats tat sich da rhythmisch ein ganzer Nebenschauplatz auf. Sogar kleine Bongos kamen mal zum Einsatz, wenn der Fokus mehr auf die elektronischen Melodien gerichtet war entfachte sich dann gegen Ende ein zunehmend heftigeres Farbgewitter von den Leuchtsäulen an der Rückseite der Bühne.



Den besten (und ich glaube auch besser besuchten, wegen Heimvorteil vielleicht?) Auftritt gaben aber davor Von Spar. In Nebel getaucht war von der Bühne zunächst nicht viel erkennbar, die Aufmerksamkeit wurde so auf das Geschehen auf der Leinwand über ihr gelenkt. Dort wich das Tunnellogo des Quartetts einer langsam aufsteigenden, hoffnungserregend brennenden Sonne, die Musik machte in ihrer damit einhergehenden Wärme die goblineske Unholdigkeit, die besonders die zweite Hälfte ihres 2007er selbstbetitelten Albums zu einer etwas zähen Angelegenheit gemacht hatte, zunächst vergessen. Zugänglicher sind Von Spar nicht unbedingt geworden, aber bunter, variationsreicher mit tausend stilistischen Anknüpfungspunkten, bestens exempliert durch das heute erschienene HyBoLT das auch als Zweites gespielt wurde.

Die Gitarre wurde entweder für sonnige Mittelmeer-Melodieskelette oder als ratternde Textur genutzt, bestimmend für das größtenteils rein instrumentelle Klangbild waren vor allem analoge Synthesizer, digitale Sounds kamen von den mit analogen Drums in regem Wechsel stehenden elektronischen Beats. Anders als noch vor drei Jahren kam Gesang kaum ins Spiel, ein einziges Mal kam der auch an der Gitarre in der ersten Hälfte unterstützende Popnoname am Mikro zum Einsatz und erzeugte auch hier leise und sanft einen starken Kontrast zum sich überschlagenden Jauchzen Thomas Mahmouds der die Band vor der Entstehung ihres kommenden dritten Albums verließ.

In der zweiten Hälfte nahm der abenteuerliche, selten für applausgefüllte Pausen unterbrochene Klangtrip dann an Intensität zu, das Schlagzeug drängte die Beine mehr zur Bewegung und die Melodien wurden schizophrener. Dazu ging der Sichtfokus von der bildlosen Leinwand auf die mittlerweile beleuchtete Bühne vor der sich das Publikum in der ersten Reihe rührend um den stets an den Rand des Abgrunds (und einmal sogar unbeschadet darüber hinaus) wackelnden Laptop kümmerte. Insgesamt verging vielleicht eine Dreivertelstunde, das reichte aber schon um den Auftritt zu einem weiteren Highlight des bislang besten c/o-pop-Festivals zu machen das hoffentlich auch im nächsten Jahr die Priorität auf Qualität statt flüchtige Major-Hypes und solch vielfältige Veranstaltungen wie die der vergangenen Woche setzen wird.