Konzert: The Indelicates


Ganz ehrlich: Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal The Indelicates hörte reizte mich der Gedanke an ein Livekonzert nicht sonderlich. Die handvoll Songs waren damals schon toll, textlich wie melodiös, aber machten nicht so den Eindruck als müsse man sich das unbedingt auch mal live geben. Nun weiß ich nicht wie ein Konzert damals gewesen wäre, aber was gestern auf der Bühne des Blue Shell stand war eine wirklich famose Liveband. Zuallererst mal der Gitarrist: eine geborene Rampensau. Der Mann zappelte wirklich nonstop herum, drehte sich im Kreis, kletterte herum und stierte in die Menge, poste und animierte. Was alles noch weitaus bewundernswerter wurde weil er nicht gerade viel Freiraum für sein Tun hatte, ein falsch kalkulierter Schritt und er wäre in einen Boxenturm oder das Keyboard geknallt oder direkt ins Publikum gestürzt.

Das Blue Shell sorgte mit seiner Beengtheit auch vor der Bühne für ungewohnte Bedingungen. Einmal war es, obwohl wirklich nicht berstend gefüllt, ziemlich schnell ziemlich warm woran der hämisch langsam kreisende Deckenventilator auch nichts änderte. Vor allem aber gibt es im Blue Shell keinen direkten Durchgang von den Hinterräumen zur Bühne, und so musste die Band nicht nur durchs Publikum um zur Bühne zu kommen, auch zur Zugabe führte der Weg von und wieder zur Bühne nicht ganz elegant erst mal durch die Menge die zu diesem Punkt aber eh so begeistert war dass ein souveränes Auftreten nicht sonderlich wichtig erschien.

Verantwortlich für die positive Resonanz eines anfangs verhaltenen Publikums war nicht nur die Liveumsetzung der Songs des großartigen American Demo, auch zeigt sich Sänger Simon als toller Unterhalter. Auch eine Grippe mit der er den rechten Teil der Besucher anzustecken drohte konnte daran wenig ändern, kündigte schon anfangs humorvoll ein völlig unprofessionelles Konzert und unterhielt sich zwischen den Stücken mit der Menge, die ganze Zeit in eine US-Flaggenhemd gehüllt. Den vorerst letzten Song, ein pervers schnelles Our Daughters Will Never Be Free (das die sonst hinterm Keyboard sitzende Sängerin Julia leicht hüftschwenkend im Stehen absolvierte und sich wie durch ein Wunder nicht die Zunge brach), kündigte er affektiert augenzwinkernd als das "wirklich, wirklich allerletze. Ganz ehrlich" an und nach dem eigentlich den Schluss markierenden We Hate The Kids vergaß er auch nicht launisch eine halbe Handvoll Glitter in die Luft zu wirbeln.

Doch durch andauernden Applaus wurden sie nochmal zurückgeholt, da Simon seine Stimme (nach dem amüsanten aber sicher nicht Hals schonenden Heroin dessen Strophen er Bob Dylan und Tom Waits imitierend darbot) dann mittlerweile völlig abgeschrieben hatte musste erstmal nach einem Song gesucht werden bei dem seine vokalen Dienste nicht benötigt wurden (die Wahl fiel auf einen Song den ich selbst nicht kannte oder zumindest in dieser Umsetzung die so flott wie die meisten an diesem Abend war nicht wiedererkannte).

Davor gab es aber noch den Song zu hören der sich nicht auf dem Album befindet, der niemals eine Single war und den doch jeder an diesem Abend zu kennen schien. "Waiting For Pete Doherty To Die" erklang es dann sogar mit erhobenen Händen aus dem Publikum, aber gerade als der Abend perfekt zu werden drohte fiel kurz vor Ende das Keyboard aus und der Song kam zum abrupten Halt. Alles stoppte für ein paar Sekunden, das Ehepaar schaute sich kurz an und beendete die Nummer a capella. Spätestens da wollte man beide umarmen.

Nachtrag: Fuergutemusik hat Mp3s vom Abend!

Ab heute Nacht Livestream vom Coachella-Festival

Auf der anderen Seite des großen Teiches geht spätestens an diesem Wochenende im kalifornischen Coachella die Festivalsaison los. Ein großer Teil der Auftritte wird dabei auch live im Internet übertragen, und auch wenn mir das Lineup nicht so gut wie im letzten Jahr erscheint gibt es doch den einen oder anderen Anreiz für Nachtschwärmer und Frühaufsteher mal reinzuschauen. U.a. dürften Les Savy Fav, Man Man, Animal Collective, Portishead, Stars und Gogol Bordello ansehnliche Shows abziehen.

Video: Annie - I Know Your Girlfriend Hates Me


"Dingidingidingidingdingding..."
Hallo Sommerhit! Wen interessiert da noch ob Madonnas neue Single nun total fürchterlich oder nur fürchterlich mittelmäßig ist wenn Annie wieder da ist?

[Video] Annie - I Know Your Girlfriend Hates Me

LET IT ALL GO!


Achtung Achtung, das hier wird ziemlich gut sein: Jay Reatards Singles 06/07, als CD/DVD oder 2xLP. 24. Juni, bitte komm bald. Bis dahin gibt's einen Konzertmitschnitt auf Pitchfork.tv bei dem es auch ein paar der Songs live zu hören gibt die zwischen Blood Visions und den neuen Matador-Singles erschienen, wobei mir vom Finale diese Version etwas besser gefällt weil das Hammerriff klarer hervorsteht:



Update: Und Matador bringt dieses Jahr noch einen zweiten Longplayer raus, den nächsten bereits Anfang des kommenden Jahres. Good times.

Stream: Ladytron - Velocifero

Erst dachte ich ich hätte mir da falsche Datum gemerkt, aber doch: Ladytrons Velocifero erscheint erst Ende Mai, und doch kann man jetzt schon ins ganze Album online reinhören. Vielleicht damit die Fans sich schon vor der Tour mit dem neuen Material vertraut machen können? Egal, Witching Hour war das erste Ladytron-Album das mir auf voller Länge gefiel und auch die beiden ersten Songs von Velocifero haben mir sehr zugesagt, auf den Rest bin ich auf jeden Fall gespannt. Düstersynths ahoi!

[Stream] Ladytron - Velocifero

Stream: Boris - Smile

Anfangs scheint es so als würden Boris die ruhigeren Pfade des letztjährigen Rainbow weiter beschreiten, nicht zuletzt weil ihr damaliger Kollaborateur Michio Kurihara hier ebenfalls in Aktion tritt, doch danach heulen 6- und 4-Saiter auf als wollten sie einem das Gesicht wegschmelzen. Smile belässt es aber dann auch nicht beim wilden Thrashen, mit My Neighbor Satan werden schon verhältnismäßig fast poppige Pfade betreten und zum Ende wird es noch mal ausgedehnt dronig, genau andersrum als bei Pink das ja mit Farewell denkwürdig eröffnet wurde. Enorm ideenreich und produktiv ist das Trio ja schon seit Jahren, aber so vielseitig wie hier haben sie sich wohl auf einem einzigen Album noch nie gezeigt.

[Stream] Boris - Smile

Ponytail


Celebrate The Body Electric (It Came From An Angel) ist nur die Vorabsingle von Ponytails kommendem Ice Cream Spiritual, aber von mir aus könnte man auch einfach den Song siebenmal loopen und hätte direkt ein Überalbum. Ein 7minütiges Stück glückseligmachende Boredomsche Sonnenanbetung mit ekstatischem Geheule, rasenden Trommelwellen und mehr Hooks und Wendungen als man an zwei Händen abzählen kann. Seit einer Woche begebe ich mich jeden Morgen als allererstes auf Ponytails Myspace, warte bis die Gitarren zu funkeln beginnen und weiß: dieser Tag, der wird was. Suchtpotential: hoch. AWAY WE GO NOW!

Ponytails Myspace

Mittwoch Abend Livestream Vom Indelicates-Konzert

So langsam kommt das mit den Internet-Liveübertragungen von Konzerten á la Fabchannel auch hierzulande in Gange. Ligx nennt sich ein Seite die eine Art Portal für Künstler und Clubbesitzer bietet um Konzertmitschnitte live zu streamen. So kann dort z.B. morgen der Auftritt von The Indelicates in Hamburg angesehen werden, ab 9 soll's los gehen. Ich selber werd natürlich am nächsten Tag in Köln mit dabei sein denn einen Ersatz für das echte Liveerlebnis kann es kaum geben, aber für alle die sonst nichts von der Tour mitkriegten ist das durchaus ein nettes Trostpflaster.