Rings - Black Habit


Den Klang der Musik auf Black Habit zu beschreiben erscheint mir nach längerer Überlegung nicht enorm wichtig. Sicher, mit Abby Portner hat das Trio aus Manhattan die Schwester von Avey Tare an Bord und so kann man für ein paar Sekunden durch einen hallenden Schrei mal an Animal Collective erinnert werden, durch die ungewöhnlichen Stimmen vielleicht auch für ne Sekunde an Cocorosie, aber einem Vergleich oder einer Beschreibung der Musik gehen Rings fast schon aus dem Weg. Sie sind ihre eigene Referenz. Weil sie es schaffen für sich zu existieren, als wären sie die erste und einzige Band auf der Welt, nichts außerhalb des unsichtbaren Kreises der sie zusammen hält.

Der einzige der nicht abgeschottet wird ist der Hörer selbst, er sitzt in der Mitte dieses Kreises, hört dank Kria Brekkans Produktion genau woher das Schlagzeug kommt, wo Gitarre und Keyboard gerade sind. Rings wirken dazu so unbewusst und naiv als wüssten sie gar nicht dass ihnen jemand beim Spielen zuhört, einmal brechen sie sogar mittendrin in Gelächter aus. Aber auch wenn sie nicht immer perfekt den Ton treffen sind ihre Melodien unglaublich warm, einladend, bewegend und denkwürdig. Wie stets wiederkehrende Kometen umkreisen Motive elegant die Songs, Songs die meist auf einem guten alten Strophe-Refrain-Gerüst aufgebaut sind aber alles andere als wie Popsongs aus dem Radio klingen. Sollten Rings es jedoch einmal schaffen es den Super Furry Animals anno 2001 gleich zu tun, ich bin mir sicher das finale, bewundernswert schöne Teepee wäre sofort ein Welthit.

[MP3] Rings - Mom Dance

Rings' Myspace

Disco Ungeschnitten

Die Arbeit die in diesen Spin-Artikel über die gegenwärtige Wiederbelebung europäischer Discosounds gesteckt wurde kann man beim Lesen nicht direkt ausmachen. Ursprünglich sollte der Text offenbar viel ausführlicher (und interessanter) werden, u.a. auch die Parallelen und Unterschiede zwischen Punk und Disco betrachten, doch wie das im Journalismus so ist wird halt nicht immer alles so wie es der Autor plant. Dafür nimmt sich Andy Beta nun eben sein Blog um dort einen Haufen Interviews zu veröffentlichen die er für den Artikel geführt hatte, mit Morgan Geist, Mike Simonetti, DJ Harvey, James Murphy, Run 'n Tug und Johnny Jewel, überaus lesenswerter Stoff wenn man damals nicht mit dabei war.

Und wie das so oft im Internet läuft machte ich beim Lesen noch eine tolle Entdeckung: Dieses Youtube-Profil von einem Typen der über 1000 alte Disco-/Funknummern wie diese online gestellt und vermutlich vorher eigenhändig digitalisiert hat, eine Wahnsinnsarbeit.

Stream: Kelley Polar - I Need You To Hold On While The Sky Is Falling

..und gerade als mich die NIN-Instrumentals einzuschläfern drohen kommt Paper Thin Walls zur Montagsrettung, Kelley Polars träumerische Weltraumplatte mit dem eines Romans würdigen Titel I Need You To Hold On While The Sky Is Falling kann dort nämlich diese Woche angehört werden. Erschienen ist sie bereits letzten Freitag und klingt wirklich bezaubernd, egal ob man Polars Hintergedanken die er auf der Seite teilweise beschreibt nun heraushört oder nicht.

[Stream] Kelley Polar - I Need You To Hold On While The Sky Is Falling

Neues Von The Long Blondes


Wie vermutet war das Stück auf der Seite der (gerade auch kurz tourenden) Dead Eyed Bitches die Rohversion eines Songs von "Couples", dem in Anführungszeichen getitelten neuen Album von The Long Blondes. Century ist sogar die erste Single und kann jetzt in der fertigen, kompletten Albumversion auf dem Myspace der Blondes angehört werden. Wie schon das Museumsstück beginnt der Song repetitiv und mit einer spärlichen Instrumentierung, zieht sich einer Spirale ähnlich aber immer intensiver zusammen als die ersten Horrorfilmsynths einfallen und endet sogar in einem bunten Laserfeuerwerk. Außer Red gibt es derzeit kein Album auf das ich neugieriger bin, denn wie bei den Guillemots kann ich mir bisher einfach nicht so recht vorstellen wie der Zweitling der Blondes klingen wird.

The Long Blondes' Myspace

Stream: Destroyer - Trouble In Dreams

Das vorletztjährige Destroyer's Rubies zu überbieten ist keine leichte Aufgabe, aber wenn jemand es schaffen kann Wortmeister Dan Bejar zu übertreffen dann ist das immer noch Dan Bejar aka Destroyer selbst. Trouble In Dreams hat zwar ein scheußliches Cover aber dafür dürften die Melodien - wenn auch teilweise subtil - verlässlich fein sein, reinhören kann man jetzt schon mal ins komplette Album:

[Stream] Destroyer - Trouble In Dreams

Konzert: Los Campesinos!



So langsam machen mir Los Campesinos! Angst. Nicht nur hauen die seit über einem Jahr einen Spitzensong nach dem anderen raus, nicht nur haben sie genau die richtigen Helden (am Mittwoch Tshirts von Sleater-Kinney und Black Flag) und Feinde (Seitenhiebe gegen den sexistischen NME in ...And We Exhale And Roll Our Eyes In Unison), nun stellten sie sich auch noch live als so sympathisch wie begeisternd heraus. Im Luxor (das nach all der Umbauerei wirklich nur der Prime Club mit neuer Tapete, neuer Klofrau und schlechterem Bier ist) spielten sie ein gut einstündiges Set vor einem anfangs typisch leblosen Kölner Publikum das aber spätestens mit You! Me Dancing! (live der absolute Waaaahnsinn) in Bewegung gebracht wurde. Das Publikum bestand besonders vorne überwiegend aus jüngeren Fans, es waren aber ansonsten noch viel mehr Kerle jenseits der 25 als ich ohnehin schon vermutet hatte anwesend. Das zeigte sich auch als Frontwards angekündigt wurde und die wissenden "Whoo"-Rufe auf die Erwähnung von Pavement ausschließlich von hinten folgten.

Ansonsten aber gar es ausschließlich Originale, das komplette Material von EP und Album wurde gespielt, sogar den Hidden Track gab's als Zugabe. Der für manche anstrengend dichte Sound der Studioaufnahmen war live weitaus sauberer, auch was die Darbietung angeht haben's Los Campesino! einfach drauf. Den mehrstimmigen Gesang (auch die ekstatischen Zwischenrufe in die alle irgendwann mal einfallen), die wilde Turnerei des Sängers über die Bühne bei der er sich immer mal wieder an Instrumenten seiner Mitspieler bediente und ein Ausflug in die Menge, witzige und abartig charmantes Gerede zwischen den Songs (u.a. Anekdoten über eine Irrwanderung die alles andere als zum Kölner Dom führte, einen Auftritt im flämischen Belgien bei dem die Anrede des Publikums auf Französisch gar nicht so gut ankam und eine kindische Sequenz gegen Ende bei der sich alle ähnlich eines Abzählreims auf Deutsch mit Namen vorstellten) und ein von Anfang bis Ende belebtes Spiel. Jauchzend, tanzend und fröhlichmachend dass man selber mitsingen oder bei The International Tweexcore Underground einfach nur mitschreien möchte.

Apropos, sogar die Songtexte wurden teilweise der Lokalität entsprechend geändert, Broken Heartbeats Sound Like Breakbeats begann mit "Eins! Zwei! Drei! Vier!" und ich könnte schwören dass in The International Tweexcore Underground mal die Rede von Lukas Podolski war. Passenderweise lief auch im Vorderteil des Clubs ein Fußballspiel was zumindest manche der Campesinos ins Schwärmen ob dieser Lokalität versetzte. Mal sehen ob sie beim nächsten Besuch wieder in einem Club dieser Größe spielen werden, dass sie wiederkommen werden ist aber ganz klar. Ein Jahr "hope, yearning, publicity & excitement " (kurz "Hype") ist an dieser Truppe nicht nur spurlos vorbeigezogen sondern hat sich auch noch auf ganzer Linie als völlig gerechtfertigt herausgestellt. No death to Los Campesinos!