Chauchat


Chauchat. Ich weiß nicht wann mich Musik das letzte Mal so erwischt hat. Sonntag saß ich von Mittag bis Nacht da und hörte alles was ich von Tyler Whitneys Musik finden konnte, und das war so einiges. Mit einer Stimme die wechselweise an Okkervil River, Bright Eyes, My Morning Jacket und Neutral Milk Hotel zu erinnern schafft wäre er eigentlich wie gemacht für den nächsten US-Folksänger, aber in Chauchats abwechslungsreich arrangierte Musik halten auch schon mal schräge oder gar shoegazige E-Gitarren Einzug, im nächsten Song dann tauchen auf einmal klassische Instrumente oder antiquierte Synths auf.

Am meisten aber fällt auf wie die Musik aufgenommen ist, wie bedächtig alles aufeinander abgestimmt wurde und trotz des Lo-Fi-Sounds ausgemacht werden kann. So entsteht beim Hören ein außergewöhnliches räumliches Gefühl und ich kann nur glauben dass der Entstehungsprozess dem von Grizzly Bears Yellow House stark ähnelt, die Umgebung wird Teil des Gesamtklangs. Chauchats bisherige Veröffentlichungen scheinen alle vergriffen zu sein, das Album Cardboard Projectors sowie die Zusammenstellungen Chauchat und The Homeless Shelter kann man aber komplett als Mp3s herunterladen. Zudem soll in Kürze das Album Upon Thousands auf Yerbird Records rauskommen, die folgenden Songs sind aber eine soweit es ging repräsentative Auswahl aus obigen Alben.

[MP3] Chauchat - Murdering Chair
[MP3] Chauchat - Arrive With Her
[MP3] Chauchat - Eyelash
[MP3] Chauchat - A Chance Is Missed

Chauchats Myspace

Stream: Stephen Malkmus & The Jicks - Real Emotional Trash

Sind es jetzt schon bald 10 Jahre seit Pavement sich aufgelöst haben? Muss wohl so sein, immerhin ist Real Emotional Trash schon das vierte Album das Stephen "Gott" Malkmus mit den Jicks seitdem rausbringt. Neu mit dabei ist Janet Weiss an den Drums und im Gegensatz zu mancher Band bei der solch eine Personaländerung höchstens die Pressetexte etwas bunter macht kann man das auch hören. Hören kann man auch das komplette Album jetzt schon mal, erscheinen wird's dann nächste Woche.

[Stream] Stephen Malkmus & The Jicks - Real Emotional Trash

Video: Les Savy Fav - We'll Make A Lover Of You / The Sweat Descends


Wo wir gerade bei außergwöhnlichen Livebands sind: Vermutlich für alle die sie erst letztes Jahr durch Let's Stay Friends kennengelernt haben bringen Les Savy Fav ihre nicht minder große Singlesammlung Inches neu heraus. Mit dabei u.a. We'll Make A Lover Of You zu dem es auch ein offizielles Puppenvideo gibt und The Sweat Descends, zu letzterem sei hier ein Livemitschnitt ans Herz gelegt der klar macht warum Tim Harrington so ziemlich das beste ist was man seit Jahren an vandalismusfreudigen Rockbierbäuchen finden kann.

[Video] Les Savy Fav - We'll Make A Lover Of You
[Video] Les Savy Fav - The Sweat Descends (live)

Konzert: British Sea Power


Um ehrlich zu sein kann ich nicht allzu viel über das ganze phänomenale Konzert von British Sea Power schreiben, an die ersten 60+ Minuten kann ich mich nämlich kaum noch erinnern. Ich weiß noch dass die Songs von Do You Like Rock Music live alle besser rüber kamen als auf Platte - kurioserweise mit Ausnahme von Atom, dem flottesten und rockigsten Stück. Ich weiß noch wie das Konzert im ordentlich gefüllten Gebäude 9 mit den ersten beiden Songs des Albums begann, gefolgt von gleich mehreren weniger bekannten B-Seiten. Neben dem Kernquartett standen eine Violinistin und ein Trompeter auf der Bühne. Oh, und zu dem großartigen Instrumental The Great Skua wurde eine Videoprojektion aufgefahren mit Möwen die übers Meer dahingleiten, definitiv ein Highlight des Abends.

Aber all das wurde mühelos von dem Wahnsinn überschattet der sich ereignete nachdem die Band unter ausdauerndem Applaus wieder auf die Bühne zurückgefordert wurde. Bis hierhin war der Auftritt nicht groß ungewöhnlich, nichts wie die Legenden die ich über BSP-Konzerte gehört hatte. Flaggen imaginärer Herkunft gaben der Bühne ein internationales Flair, außerdem stand eine Sirene allzeit einsatzbereit die auch für das Finale von No Lucifer bereits genutzt worden war. Oh, und Hamilton - einer der beiden singenden Brüder die auch öfters ihre Positionen an Bass und Gitarre tauschten - trug ein leicht zerfetztes Nachthemd. Das war enttäuschenderweise das ganze Ausmaß an Ungewöhnlichkeit. Aber dann.

Ich erinnere mich noch an folgende Dinge die sich während des mindestens zehnminütigen Rock In A ereigneten:
Der Gitarrist (der die Bühne mit 3D-Brille betrat und verließ) kletterte auf den meterhohen Lautsprecherturm hinter ihm, machte dort oben Flugbewegungen mit den Armen und sprang irgendwie wieder auf die gefüllte Bühne herunter ohne sich was zu verdrehen. Dann nahm er einen sichtlich schweren Lautsprecher, drehte ihn zum Publikum und begann ihn umherzutragen. Später schnappte er sich ein Mikro, begann ekstatisch hineinzujohlen und schleppte das Mikro ins Publikum auf der Suche nach Mitjohlern. Als nächstes schnappte er sich den Trompeter und ließ sich von ihm trompetend durch die Gegend tragen bis beide dann irgendwann in die Sänger rannten/fielen. Yan hatte derweil versucht ein Mikro herunterzuschlucken und schaute dabei mit weit aufgerissenen Augen höchst manisch durch die Gegend, sein Bruder hingegen suchte Menschennähe und ließ sich vom Publikum umarmen. Gegen Ende flogen dann auf einmal rechts und links Äpfel, Orangen und ein kompletter Strunk Bananen durch die Gegend als irgendwer den Inhalt einer Obstschüssel ins Publikum feuerte.

Und irgendwann dann waren sie weg, ein absolut denkwürdiges Konzert zu Ende und British Sea Power hatten gezeigt warum sie einfach unvergleichlich sind. Nur das Publikum, das versuchte gar nicht erst noch eine Zugabe zu erklatschen, aus Angst davor dass nun noch Wilderes passieren könnte.

Video: Boris - Statement


Nach u.a. der dronigen Kollabo mit Sunn O))), der Liveplatte mit Merzbow-Noise und der enorm ruhigen und entspannten Rainbow stellt sich wieder mal die Frage: Wie wird das nächste Boris-Album klingen? Nimmt man Statement als Indikator so stehen für Smile alle Zeichen auf Arschtritt, 3 Minuten geht es mit dreckigst verzerrten Instrumenten (u.a. einem doppelhalsigen Gitarre/Bass-Konstrukt) unaufhaltsam nach vorne. Die Songschnipsel auf der Diwphalanx-Seite deuten noch mehr an, besonders Track 5 der schon fast poppig klingt, aber für den Ersteindruck ist bereits das in gelb getauchte Video höchst vielversprechend.

[Video] Boris - Statement