Stream: Sambassadeur - Migration

Der im hohen Norden mit Coast Is Clear seit Jahren eins der besten deutschen Musikblogs betreibende Parklife hat ungefähr 10000mal mehr Ahnung als ich wenn es um Gitarrenpop aus Schweden geht, und deswegen kann ich nur hellhörig werden wenn er Migration von Sambassadeur als Popalbum des Jahres in Aussicht stellt. Mit der zweiten Hälfte bin ich mir noch nicht ganz sicher, aber die erste gehört sicher zu den besten Popsequenzen in diesem Jahr, tolle Melodien mit bewegender Wirkung. Besonders gefallen mir die etwas finsterer wirkenden Klänge wie z.B. der Brummchor und die dazu gezupften - hmm, Streicher? - in That Town. Labrador (wer sonst?) bringt das Album in zwei Wochen heraus, komplett anhören kann man es aber bereits auf Last.fm:

[Stream] Sambassadeur - Migration

Wie bringt man meine Synapsen zum Durchbrennen?

So:

Pitchfork: If you could pick one songwriter you could collaborate with that you haven't already, who would it be?

SK: Oh, I dunno. Crazy question. I don't want to just yell something off the top of my head...

Pitchfork: Well, in the attainable world, someone you might cross paths with.

SK: You know, I don't even know his name, and I don't even know if he's still doing stuff, but the band Neutral Milk Hotel?

Außerdem erzählt Spencer Krug im Pitchfork-Interview u.a. dass Anfang des nächsten Jahres ein zweites Swan-Lake in Arbeit steht. Verständlich, abgesehen davon dass diesen Freitag das neue von Sunset Rubdown und hoffentlich bald auch das zweite von Wolf Parade erscheint und vom Touren mit beiden Bands hat der Mann ja üüüüberhaupt nichts zu tun!

Holy Fuck



Dass !!! ihre Tour absagen mussten war doppelt schade, denn fast ebenso hatte ich mich darauf gefreut ihre Vorband Holy Fuck in Aktion zu sehen, zumal ihr Auftritt in Köln mit dem 26.10. genau auf das Veröffentlichungsdatum ihres Albums LP gefallen und somit eine nette Releaseparty in Aussicht gewesen wäre. Grund genug für hohe Erwartungen gab das Vorabstück Lovely Allen, ein wunderschönes Instrumental das mit jeder Steigerung euphorischer wird und mittlerweile zu meinen Favoriten des Jahres gehört. Heute frisch ins Internet gelangt ist zudem das von Chad VanGaalen animierte Video zum stark an Trans Am erinnernden Milkshake, die Frage wie sich ein Album zwischen diesen beiden Stücken erspannen soll wird dann wohl in zwei Wochen beantwortet werden.

[MP3] Holy Fuck - Lovely Allen
[Video] Holy Fuck - Milkshake (Youtube)

Holy Fuck Myspace

And now, for something completely AWESOME:


Pavement 1994 live bei Jay Leno

Aus der Reihe "Ich dachte nicht dass ich das mal komplett zu sehen kriegen würde"

Alles wird gut... nicht!

Ich war nie ein großer Fan der Theorie dass alle Musiker in Zukunft ihr Einkommen vorwiegend mit Liveauftritten verdienen werden und Veröffentlichungen (mit welchem Geld produziert?) nur noch als Werbung für diese Touren dienen sollten. Da erlebe ich jetzt schon zu viele für die sich das kaum lohnen kann, und so ziemlich alle weiteren Befürchtungen die sich nach etwas Weiterdenken dieses Modells ergaben finden sich jetzt in einem Posting eines Promoters in Philadelphia wieder:

Konzerte werden teurer damit die Bands sich Tourunkosten, Musikmachen und Leben davon finanzieren können, es gibt häufiger Konzerte und damit weniger Besucher pro Konzert, und dazu touren Bands auch noch häufiger (was man dieses Jahr auch hierzulande beobachten konnte, auch aus den USA und UK kam ein großer Teil zweimal oder noch öfter nach Deutschland) was ihnen dann noch weniger die Möglichkeit für einen 'richtigen' Job lässt. Ich weiß nicht ob es hierzulande auch schon so schlimm ist, aber ein Blick auf den irren November wo innerhalb von 13 Tagen 10 für mich enorm attraktive Konzerte stattfinden stimmt da nicht gerade optimistisch.

Konzert: Handsome Furs



Was ist noch weniger angenehm als einen weiten Weg zurückzulegen und dann nur vor einem winzigkleinen Publikum zu spielen? Vor einem winzigkleinen Publikum in einem riesengroßen Saal zu spielen zum Beispiel. Aber Alexei Perry und Dan Boeckner, die Handsome Furs, waren weder enttäuscht noch frustriert, im Gegenteil nahmen sie die Komik der Situation wahr als sie auf der großen Bühne im Kulturbunker Mülheim standen vor nicht mal einem Dutzend Leuten und einem ansonsten gähnend leeren Raum in den mehrere Hundert gepasst hätten. "We've got some Sandwiches, does anyone want some Sandwiches?" fragt Boeckner beim Aufbauen in die Runde. "I've also got some cigarettes."

Und so direkt und locker blieb es auch während des Konzerts als Boeckner von seinen Verwandten in Bonn erzählte, von einem lausigen deutschen Charthit den er im Radio hörte und dass das jüngst verheiratete Paar sich dazu entschied seine Flitterwochen auf dieser (anderorts weitaus besser besuchten) Tournee zu verbringen, romantisch und kostengünstig. Auch wenn die beiden Vieltätowierten auf den ersten Blick wie ein Rockerpärchen wirken, er mit hochstehenden und an der Seite abrasierten Haaren und sie blondiert und mit im Takt stampfenden Stiefeln, von arroganter Rockerattitüde nicht die Spur.

Ein zweiter Blick ist auch ein Muss für Plague Park, ihr unscheinbares Juwel von einem Debütalbum, das live noch eindrucksvoller rüberkommt. Die simple Instrumentierung mit hallender Gitarre und Keyboards ergänzt durch elektronische Effekte scheint viele Freiräume zu lassen, doch darein sickern zunehmends die Melodien vorgetragen in Boeckners herrlich emotionaler Stimme die man immer härter und rauchiger in Erinnerung hat als sie es ist. Er singt damit wie er selbst erklärt nur über drei Themen: Sex, das Leben in einer beschissenen Kleinstadt und das beschissene Leben in der Großstadt. Über eine Großstadt, Toronto, haben die beiden Handsome Furs Hate This City verfasst bei dessen Darbietung das Pärchen mit einem Twister-Spiel ähnlichen überkreuzten Armen zu zweit am Tisch die Elektrogeräte bediente bis Boeckner zum Finale in Windesweile und mit perfektem Timing sich entworr, zum Verstärker rannte, seine Gitarre einstöpselte, sie umschwang und auf die Sekunde genau zum Anschlag bereit war.

Und auch wenn es bei der Planung für das Konzert wohl etwas Chaos gab - bis vor Kurzem war selbst auf Myspace- und Labelseite noch zu lesen dass der Auftritt im "Blue Shell, Cologne Denmark" stattfinden solle - so war es eigentlich ganz passend dass sie mit ihrer melancholiebehafteten Musik ausgerechnet in Mülheim landeten das ja nun nicht gerade der freudestrahlendste Stadtteil Kölns ist. Umso erwärmender dann dass diese Band sich an diesem Abend so ins Zeug legte, dafür nach jedem Stück mit dankbarem und weitaus längerem Applaus belegt wurde als man ihn ansonsten hört, dass schnell der große Saal und der geringe Andrang vergessen waren und einfach nur alle mit ganz toller Musik eine gute Zeit hatten.

Die setzte sich auch noch etwas fort, als nach u.a. einem neuen Song (Heaven) das Konzert mit einem Tom-Petty-Cover (You Got Lucky) beendet worden war ging es nicht sofort an den Merchandise-Verkauf oder den Nachhausweg sondern es wurde sich erst noch auf eine Zigarette und einen Schwatz draußen getroffen. Mit Arcade Fire wäre das nicht passiert.

[MP3] Handsome Furs - What We Had
[MP3] Handsome Furs - Cannot Get Started
[Video] Handsome Furs - Dumb Animals

Handsome Furs Virb