Konzert: Lucky Soul



Wenn es dieses Jahr eine Band gibt die eine Bühne mit Vorhang verdient dann Lucky Soul, und so trifft es sich ausgezeichnet dass das Münsteraner Gleis 22 eben damit ausgestattet ist. Auch sonst passt das Ambiente mit vielen gemütlichen Sitzgelegenheiten vermeintlich zu der gutgekleideten britischen Band die man sich in allerlei Nachtclub-Filmszenen bestens hereindenken kann, doch Lucky Soul sind nicht hier um vor weit entfernt sitzenden Leuten zu spielen. "Come closer," fordern sie bald die großteils im Raum verteilt stehende Menge auf die dann auch angenehmerweise aufrückt.

In der Mitte der Bühne steht selbstverständlich Ali Howard im sommerlichen Blumenkleid, flankiert von Gitarristen Andrew Laidlaw und Ivor Sims die beide auch großen Anteil an den Gesangsharmonien haben; Bassist und Drummer sind beide erst seit kurzem dabei aber machen dafür einen sehr soliden Eindruck, dem Bassisten fließt auch sein Solo problemlos von der Hand. Eine große Attraktion ist in dem Keyboarder Malcolm Young aber leider etwas an den Rand gedrängt worden, der Mann haut enthusiastischer in die Tasten als Rolf aus der Muppet Show. DIe Band ist überhaupt sehr routiniert, was klar ist nach langer Tourerei durch die sie erst bekannt wurden, aber auch charmant und weiß auf das Publikum einzuwirken. So wird auf Aufforderung fast zögerlos mitgeklatscht (was nun wirklich nicht jeder Band gelingt, erst recht nicht wenn sie nur vor zwei bis drei Dutzend Leuten spielt) und auch zunehmend fröhlich getanzt, bei Lips Are Unhappy gibt es Shake und Shimmy nicht nur auf der Bühne zu beobachten.

All das wird natürlich möglich gemacht durch die vielen großartigen Popsongs, und sie spielen sie an diesem Abend oft noch besser als auf The Great Unwanted. Ain't Never Been Cool rockt noch unaufhaltsamer, Add Your Light To Mine ist paradoxerweise eindringlich locker, und Howards Gesang bei One Kiss Don't Make A Summer ist als sie sich vorm letzten Refrain zu voller Stimmkraft aufschwingt so irre schön dass es noch härter trifft und, oh Himmel, mir doch tatsächlich die Augen etwas feucht werden. Außerdem spielen sie noch die bezaubernde B-Seite Give Me Love, leider kann ich danach nicht mehr viel länger bleiben und verpasse so die letzten beiden Stücke des Abends. Beim Lauf zum Bahnhof stelle ich mir dafür vor wie Ali Howard gleichzeitig zum letzten Stück auf der Setliste ansetzt: "Gotta get out of town!" Ich hab zwar noch eine lange Rückreise vor mir, aber das war es wirklich wert.

[Video] Lucky Soul - Lips Are Unhappy
[Video] Lucky Soul - My Brittle Heart
[Video] Lucky Soul - Add Your Light To Mine, Baby

Lucky Soul Myspace

Ich stehe in einer Warteschlange



Musikkauf 2.0: Plus ça change, plus c'est la même chose.

St. Vincent Bei Concerts Á Emporter



Das musste ja so kommen: Annie Clark spielt Paris Is Burning in Paris, Vincent Moon tanzt dazu mit Kamera in Hand. Mag ich nicht nur weil ich generell Songs mag in denen diese Stadt in Flammen steht sondern auch wegen der Musik, und die wird auch noch in zwei weiteren Videos auf jedermanns französischer Lieblingsseite dargeboten:

Concerts Á Emporter mit St. Vincent

Handsome Furs Heute Abend Live Auf Fabchannel

Dieser Termin macht mich schon seit Wochen irre, ich kann mich einfach nicht entscheiden ob ich mir am Mittwoch nun Lucky Soul oder Handsome Furs ansehen soll. Da der Auftritt der Furs vom Blue Shell nach Mülheim verlegt wurde fällt auch mein debiler Plan vom einen Konzert ganz schnell zum anderen zu rennen ins Wasser, aber vielleicht hilft es mir ja wenn ich mir heute Abend den Auftritt von Handsome Furs in Amsterdam ansehe, der wird nämlich gegen 20.00 Uhr vom guten Fabchannel live übertragen.

Handsome Furs Live Auf Fabchannel

Blueberry Book

Ja was ist denn hier los, steigen jetzt alle ins Buchgeschäft ein? Erst das kanadische Kollektiv, nun das geniale Geschwisterpaar: Auf ihrer neuen Webseite kündigen The Fiery Furnaces eine illustrierte Buchausgabe ihres wohl bekanntesten Albums an:

The Fiery Furnaces have a new pamphlet or book nearly ready. It is a version of their album Blueberry Boat and features the lyrics, much improved and translated into many ‘languages’. More importantly, it has, instead of the ‘music’, illustrations by Mike Reddy. A biography of Mike Reddy is forthcoming for this site. The band will be selling a version of the book at shows starting on the 9th of October. It will be available for purchase via the internet very soon after. Details (also) forthcoming.
Super, damit dürfte das auch rechtzeitig für die Novembertour fertig sein. Auf der inoffiziellen Furnaces-Fanseite gibt es unterdessen jeden Tag bis zur Albumveröffentlichung (in den USA morgen) ein sehr schönes Livevideo zu sehen, und auch wenn man etwas Geduld haben muss bis die lahmen Imeem-Videos fertig geladen haben lohnt sich das Warten allein schon für die fetzigen Basssoli von Jason Loewenstein. Bisher sind Restorative Beer, Ex-Guru und Evergreen online, heute Abend kommt dann das vierte - und morgen die 9.3?

A Place To Bury Strangers



Shoegaze wird wenn man nur Albumaufnahmen hört schon mal bloß für etwas Ätherisches, Leichtes, Angenehmes gehalten. Doch schaut man sich mal aktuelle Bands oder alte Liveauftritte von My Bloody Valentine oder Ride an ergibt sich da ein anderes Bild, da bluten Ohren, da wird aggressiv verzerrt und die Hörer in Schallwellen zu ertränken versucht. Daran erinnern sich auch A Place To Bury Strangers und hauen einem als ersten Eindruck vor allem laute Gitarren um die Ohren die durch ausgetüftelte Schaltkreise gejagt werden bis aus den Lautsprechern etwas richtig schön Fieses herauskommt, und das beste daran ist dass die live noch viel lauter sein sollen. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum hat vermutlich nicht zuletzt dank Pitchfork-Hype nun endlich den Sprung über den Atlantik geschafft und erscheint nächste Woche im Schuhgucker-Mutterboden des UK, via Sound Control sollte daran auch hierzulande dranzukommen sein.

[MP3] A Place To Bury Strangers - To Fix The Gash In Your Head
[MP3] A Place To Bury Strangers - My Weakness
[MP3] A Place To Bury Strangers - I Know I'll See You

A Place To Bury Strangers Myspace

Grizzly Bear Live



Gehören bloße Audiobootlegs bald zum alten Eisen? Mit billigeren Digitalkameras und besseren Videoportalen wird jedenfalls die Machbarkeit von höchst ansehnlichen Videomitschnitten für Amateure zunehmend einfacher gemacht, auch wenn man wohl auch in Zukunft Geduld und ruhige Hände brauchen wird, so ist beispielsweise auf Stage6 ein knapp einstündiges Video zu finden das einen Auftritt von Grizzly Bear sehr schön und in beeindruckender Bildqualität einfängt. Wobei Qualität auch ihren Preis hat, so ist das Video nicht im von Youtube gewohnten Flashformat sondern benötigt die kurze Installation eines Plugins für den Browser und schlägt dann mit ordentlicher Datengröße zu Buche, dafür sieht es aber auch echt toll aus. Und wahlweise kann man's auch direkt runterladen, Youtube wirkt echt immer schneller wie ein Internetfossil.

[Video] Grizzly Bear - Live In Ottawa 22.09.2007

Erdbeermarmeladen-TV

Kann man einen Auftritt von Animal Collective noch seltsamer wirkend machen? Ja, und zwar indem man sie zu bester Abendstunde ausgerechnet mit einer nun wirklich nicht hitverdächtigen Nummer im US-Fernsehen auftreten lässt. Dass ich das mal erleben würde hätte ich mir vor ein paar Jahren sicher nicht vorgestellt..


Animal Collective - #1 (Live bei Conan O'Brien)

Hype(r)d(ub)



Auf dem Hyperdub-Blog gibt es nun so ziemlich alles was man braucht um massiv aufs zweite Album von Burial gespannt zu sein. Das obige Cover, eine Trackliste mit Titeln wie In McDonalds und Raver (Stairwell, von dessen perkussivem Wahnsinn man schon vorab Fragmente im Netz finden konnte, überraschte zunächst durch Abwesenheit und wird wie sich nun herausstellt nächstes Jahr separat veröffentlicht) die schon so hätten vermuten lassen dass dies kein Wiederaufguss des letztjährigen Großwerks wird, und ein längeres Interview mit Hyperdub-Chef und D-Theoretiker Kode9. Einen Sequencer hat Burial demnach wieder nicht benutzt, dafür mehr Vocals, er bleibt weiterhin anonym und unabgelichtet und meint zum Klang von Untrue:

This one is a bit more buzzin', glowy. It's a bit more uplifting. It doesn't hang around. It's a bit more up. The tunes were made quite fast in the middle of the night and they had to fight for their right to exist. but they came out of nowhere. Its a bit like an unwanted pregnancy, i wasn't always in a good place, but most of the tunes had to be faith restoring somehow to me, but they still take a while to get into.