Animal Collective Live



Zu meiner Überraschung bin ich noch nicht richtig überzeugt vom neuen Animal Collective-Album, die Hälfte der Songs reißt mich zwar mit aber bei den anderen verliere ich etwas das Interesse was einen mäßigen Gesamteindruck hinterlässt. Doch bei einem Livebesuch kann einem eigentlich ziemlich egal sein was man nun von der aktuellen Veröffentlichung der zu Zeit zu dritt tourenden hält, denn bei Animal Collective fängt das Album einen Punkt in ihrer Schaffenszeit ein der schon lange zurück liegen kann. So bekommt man auf ihrer aktuellen Tour eher Stücke der nächsten und übernächsten als der letzten Platte zu hören, ihr jüngstes Konzert in Wien ist als Beispiel dafür in sehr feiner Qualität auf Archive.org zu finden.

Animal Collective - Live in Wien 29.07.2007

Für einen halbstündigen Besuch blieb auch kürzlich beim Radiosender KEXP genug Zeit, bei dem Mitschnitt gibt es neben zwei etwas intimer klingenden Doppelnummern auch ein amüsantes Interview mit Spezialeffekten zu hören. Das A-Team-Mobil das im Interview erwähnt wird kann auf dem Blog des Senders betrachtet werden.

[MP3] Animal Collective - Live bei KEXP 14.09.2007

Der Promotext Der Woche

Gerade bei der Ticketstöberei auf Kartenhaus entdeckt:

Sie ist der mörderischste und gewinnendste Popstar der Welt. Eine bierglasgroße Atombombe, hoch dosiert bis zu den elektrisierten Nippeln. Sie versprüht ihre Weisheit in dreiminütigen, modernistischen Pop- Bulletins mit post-adoleszenter Prägung. Ihr Album "Robyn" ist eine Sammlung von ultrapräzisen Popmomenten, und seltener Vertreter der raren Spezies 'echtes und überzeugendes Pop Album'. Mit einem traurigen Lächeln und immer vollen Akku feuert sie ihre atomaren Geschosse ab. Pop ist ihre stärkste Waffe.
Zum Glück ist der WTF-Faktor nur in der Einleitung so hoch, wenn der gesamte Text so geschrieben wär wär mir wohl der Kopf explodiert. Btw, bin ich der einzige der sich noch mühelos aus den 90ern an die Frau erinnert? Ein Großteil der Pressetexte die ich in letzter Zeit gelesen habe beginnen in der Form "Die muss wohl mal ein paar Hits gehabt haben, weiß ich aber nix von." Ist mein Gedächtnis so gut, sind die Schreiber so viel jünger als ich oder habe ich damals einfach viel zu viel MTV geguckt?

Vampire Weekend



Neuentdeckung mit Verzögerung: Als ich gestern die Dirty Projectors hörte musste ich ständig an Vampire Weekend, die Band von Longstreths (und Castanets' Ray Raprosas) Hausmitbewohner Ezra Koenig denken. Die hatte ich vor, oh, gut einem halben Jahr mal gehört und fand ihre Songs prima gemacht aber etwas simpel, doch erst jetzt bemerke ich dass genau darin ihre Stärke liegt, wie in Cape Cod Kwassa Kwassa und dem flotten A-Punk diese sommerlichen unscheinbaren Melodien immer wieder wiederholt werden dass man sie auch nach Monaten wieder ohne Zutun im Gehör hat. Und was soll ich sagen, nun häng ich jeden Tag auf ihrer Myspaceseite rum und höre mir ihre erste EP an und bin mehr und mehr begeistert und frage mich wieso ich für manche Sachen so lange brauche. Aber zum Glück kommt's ja nicht drauf an etwas als erster gut zu finden.

[MP3] Vampire Weekend - Cape Cod Kwassa Kwassa

Vampire Weekend Myspace

Stream: Dirty Projectors - Rise Above

Es hat ihnen sicherlich mehr Aufmerksamkeit gebracht, trotzdem weiß ich nicht ob es Dirty Projectors besonders gut tut dass nahezu überall wo man über ihr jüngstes Album Rise Above liest dessen Entstehung hervorgehoben wird. Denn auch wenn sich Dave Longstreth von Black Flags Damaged zu diesem Album inspirieren ließ so ist es musikalisch so weit davon entfernt dass man wirklich nur von einem Coveralbum im Geiste reden kann, daher braucht man weder als Fan den Sakrileg noch als Nichtfan ein ähnliches Hörerlebnis zu befürchten und kann mit völlig offenen Ohren mal reinlauschen.

[Stream] Dirty Projectors - Rise Above

In Bälde kann man die Projectors auch live sehen, nach dem was man so hört soll das noch um einiges besser sein als auf Platte.

28.10.2007 Bad Bonn, Düdingen
29.10.2007 Palace, St. Gallen
03.11.2007 Festsaal Kreuzberg, Berlin
05.11.2007 Manufaktur, Schorndorf
06.11.2007 Karlstorbahnhof, Heidelberg
07.11.2007 Bastard, Berlin
08.11.2007 Westwerk, Hamburg
19.11.2007 Stadtgarten, Köln

Samstagmorgenkaffeelektüre

Während bei der c/o pop angenehmerweise die Musikveranstaltungen im Vordergrund standen finden auf der Popkomm wenn man sich das Medienecho so anschaut massig Geschäftemachereien und Diskussionen statt, die Zeit hat zur Zeit einiges an Berichten dazu. Unter anderem diesen über die deutsche Musikpresse der mir sofort wieder klar macht warum ich kaum die deutsche Musikpresse mitverfolge:

Den Online-Journalismus betrachtet er als „Häppchenkultur“. „Die Leute wollen von einem Monatstitel satt werden, daher muss man im Print anders – detaillierter – schreiben als online.“
Die Taz hat ein "Manifest eines Rappers" (Textor von Kinderzimmer Productions) der die Finanzsituation der Musikschaffenden mal sehr unrosig betrachtet (und meinen Eindruck untermauert dass auch Konzerte kaum einem in Zukunft das nächste Album allein finanzieren werden):

Das Live-Spielen bringt nur dann Geld, wenn man bekannt genug ist, um mehr als 200 Leute am Abend zu ziehen. Dafür muss man Promotion machen, die kostet Geld - wo soll das herkommen? Und die Gagen für unbekanntere Bands sind in den letzten Jahren schlechter geworden, nicht besser. Man ist als Musiker entweder arm oder reich, das Dazwischen ist viel seltener als noch vor zehn Jahren.
Mal was ganz anderes: Auf Stylus beschäftigt sich Matthew Ingram aka Woebot mit Bandlogos von ABBA bis Young Gods, und der A.V. Club blickt fast 10 Jahre in die Vergangenheit auf ein goldenes Zeitalter für aufregende Hardcorealben:

Between 1998 and 1999, a torrent of utterly rad records started pouring into the local record shop and into my heart. The Shape Of Punk To Come by Refused. Jerusalem by Sleep. Calculating Infinity by Dillinger Escape Plan. The Fine Art Of Original Sin by Ink & Dagger. The Opposite Of December by Poison The Well. American Nervoso by Botch. Choke by Kiss It Goodbye. The first two Isis EPs, Mosquito Control and The Red Sea. Self-titled debuts by The Locust and Queens Of The Stone Age. The list goes on and on.

Video: Pissed Jeans - I've Still Got You (Ice Cream)



Das Gefühl dass Pissed Jeans nicht besonders tiefsinnig sind hat man oft besonders wegen der Banalität ihrer Texte, so singen sie in I've Still Got You (Ice Cream) eben über nicht viel mehr als die kleine Freude die eine leckere Portion Speiseeis bereiten kann. Das bunt-cartoonige Video dazu scheint direkt dem MTV-Randprogramm der Mittneunziger entsprungen zu sein, Beavis und Butthead hätten das sicher cool gefunden. Ein kleines Stück Kurzweil mit etwas überraschendem wenngleich unspektakulärem Ende.

[Video] Pissed Jeans - I've Still Got You (Ice Cream)