Sternstunden der Musikfernsehgeschichte - Folge 27

Heute: So feiert man seinen Abschied von der Weltbühne! Der letzte Auftritt der KLF, mit Metal und Maschinengewehren:

Konzert: Explosions In The Sky



Hilfe, wie groß sind Explosions In The Sky seit ihrem letzten Auftritt in Köln nur geworden? Das gestrige Konzert war 3 Wochen im Voraus schon restlos ausverkauft wohingegen vor drei Jahren das Gebäude 9 noch genug Platz geboten hätte für einige Hörer mehr. Die übliche Mischung aus Lederjackenträgern jenseits der Midlife-Crisis und langhaarigen Wollpulloverstudenten die man auf jedem Post-/Instrumentalrockkonzert antrifft war diesmal klar in der Unterzahl, ein enormer Zulauf an Jungvolk hat die Fanbasis der Texaner wohl in letzter Zeit ereilt. Das macht sich aber fast nicht bemerkbar, das Publikum ist durchweg angenehm, selbst der Vorband wird sehr höflich gelauscht obwohl die Temperatur schon merklich ansteigt und die Luft dementsprechend dünner wird. So kriegen noch bevor Exlosions In The Sky die Bühne betreten die ersten Leute in der dichten Menge Kreislaufprobleme und verziehen sich in besser klimatisierte Ecken.

Dann ist es soweit, Explosions In The Sky eröffnen die Europatour zu ihrem neuen Album All Of A Sudden I Miss Everyone. Ich muss dazu direkt sagen dass ich es im Vorfeld nur einmal gehört hatte und deswegen nicht sicher sagen kann wieviel davon gespielt wurde, hatte aber den Eindruck dass es nicht viel neues Material zu hören gab. Ist aber auch nicht so wichtig, denn egal was für Material Explosions In The Sky spielen, sie sind und bleiben live einfach nur mächtig. Nicht übermächtig laut, was verwundern mag, aber wenn Explosions In The Sky richtig aufdrehen haut einen mehr die Rohheit ihrer Klänge um. Dazu machen sie auch optisch einen denkwürdigen Eindruck, an einer Stelle hauen alle drei Saiteninstrumentalisten synchron mit lang ausgeholten Anschlägen immer wieder so gewaltig auf ihre Instrumente ein dass man glatt Angst bekommt einem von ihnen könnte dabei der Arm abfliegen.

Überhaupt, auch wenn es keine Diashow o.ä. gibt, ein Explosions In The Sky-Konzert macht auch optisch was her. Alle haben eine ganze eigene Art sich zur Musik zu bewegen, und je nachdem welches Instrument gerade im Vordergrund steht verschwinden die anderen schon mal für eine Weile aus dem Scheinwerferlicht, setzen sich bis sie sich wenn ihre Klänge wieder mehr Anteil an der Dramaturgie bekommen langsam erheben. Das Hinsetzen hat aber auch sicher damit zu tun dass den Musikern das Klima nicht angenehmer sein kann als dem Publikum, trotzdem geben sie genau wie beim letzten Mal alles von Anfang bis Ende eines tollen Sets an dem sie derart fertig und ausgepowert sind dass keine Kraft mehr für eine Zugabe bleibt.

Vom Publikum, das vorher rauschenden Beifall spendete, könnte man an dieser Stelle Enttäuschung und Widerspruch erwarten. Aber stattdessen gibt es nochmal mehr Applaus, denn alle sind sich sicher dass sie nicht mehr zufriedener aus diesem Konzert herausgehen könnten als sie es jetzt schon sind. Man kann ihre Aufnahmen hören soviel man will, aber die wahre Qualität von Explosions In The Sky erkennt man erst wenn man sie einmal live sieht.

Fotos finden sich auf Flickr, ein Miniclip auf Youtube

[Stream] Explosions In The Sky - All Of A Sudden I Miss Everyone

Stream: Patrick Wolf, Explosions In The Sky, Loney, Dear, Hella, Tokyo Police Club

Wow, da hab ich ja gestern so einiges verpasst als ich mich zu Explosions In The Sky begab. Nicht nur deren Album, sondern auch die von Englands derzeit zartbesaitetstem Poptroubadour Patrick Wolf, Schwedens Schlafzimmerpopstarkomponist Loney, Dear, Killrockstars' meistbeschäftigtem Drummer Zach Hill mit seinem Hauptprojekt Hella und auch das der kanadischen Jungspunde Tokyo Police Club gibt es allesamt beim Luisterpaal im Stream. Dass mir jetzt ja niemand behauptet er wüsse nichts mit seinem Samstag anzufangen!

[Stream] Patrick Wolf - The Magic Position
[Stream] Explosions In The Sky - All Of A Sudden I Miss Everyone
[Stream] Loney, Dear - Sologne
[Stream] Hella - There's No 666 In Outer Space
[Stream] Tokyo Police Club - A Lesson In Crime

Sternstunden der Musikfernsehgeschichte - Folge 1

Heute: Ein Auftritt von Carter USM bei der Awardshow des britischen Kinder-Musikpreises Smash Hits 1991. Bitte beachten: das Publikum besteht dementsprechend auch vor allem eben aus Kindern.

Aereogramme - My Heart Has A Wish That You Would Not Go



Auf My Heart Has A Wish That You Would Not Go setzt sich der Trend der sich schon bei Aereogrammes Seclusion-EP angedeutet hatte fort: Craig B wird völlig zum Sänger und schreit gar nicht mehr. Dafür geht die Platte mit Conscious Life For Coma Boy direkt von 0 auf wunderschön in 5 Sekunden, die Gitarren schwingen sich druckvoll in herrliche Höhen auf. Aber dies bleibt auch die lauteste Sektion des dritten Albums der Schotten, die hiermit in neue, poppigere Gefilde begeben.

Gleich mit Barriers, dem zweiten Teil des glorreichen Eröffnungssongduos, gibt es großes Gefühlskino mit Geigen serviert, und ja, ein bisschen schmalzig ist es. Angst in Coldplay-Lala-Land abzudriften braucht der Hörer für diese Platte aber nicht zu haben, denn Aereogrammes Musik hat etwas das solcherlei britischen Barden fehlt: Atmosphäre und damit auch einen eigenen Charakter. Das laut-leise-Spiel haben sich Aereogramme aus ihren (post-)rockigeren Tagen ebenso bewahrt wie die gelegentlichen Glitcheffekte und Gitarrenüberfälle, die das Ganze zu alles anderem als einem eingängigen Hitbrei machen.

Und dies ist weiß Gott nicht ein melancholisch angehauchtes Britpopalbum. Besonders in der zweiten Hälfte begibt sich das Album (dessen Titel einer Zeile aus The Exorcist entliehen ist) in dunkle Gefilde, mit Nightmares und Living Backwards welches nach unspektakulärem Beginn einen Verlauf ins Bedrohliche annimmt. Zudem ist alles immer noch episch skaliert: die Marschsektion in Trenches, die über-lebensgroßen Gitarrenwände direkt zu Beginn, die süße Streicherarmada in Barriers, das bescheiden gezupfte Saitenspiel das in Nightmares von durch und durch düsteren Paukenschlägen haushoch überschattet wird - das Albumcover ist sicher nicht aus Zufall so cineastisch ausgefallen.

Aereogramme haben einen mutigen Schritt nach vorne getan, denn obwohl ihnen dieses Album sehr gut gelungen ist werden nicht alle aus ihrer bisherigen Hörerschaft gewillt sein diesen Schritt mitzugehen. Hoffen wir sodann dass sich hierfür mindestens ebensoviele neue Hörer finden wie sich alte abwenden.

[Stream] Aereogramme - My Heart Has A Wish That You Would Not Go

of Montreal kommen!



Hissing Fauna, Are You The Destroyer ist mit Sicherheit eine meiner derzeitigen Lieblingsplatten 2007. Im Mai nun kommen of Montreal tollerweise auch mit diesen neuen Songs im Gepäck auf Tour, ich freu mich schon sehr.

08.05.2007 Lido, Berlin
09.05.2007 Übel & Gefährlich, Hamburg
10.05.2007 Gebäude 9, Köln
11.05.2007 Swamp Club, Freiburg
12.05.2007 Orangehouse, München
13.05.2007 Planet, Wien

Stream: My Brightest Diamond - Tear It Down



Ich glaub ich hab's schon vor einem Jahr gesagt, aber es stimmt immer noch, Remixalben sind derzeit sehr populär. Nun hat auch My Brightest Diamond ihr Debütalbum von einer internationalen Künstlerriege (aus der ich ehrlich gesagt nur Anticons Alias kenne) zu dem Anfang dieses Monates erschienenen Tear It Down neu arrangieren lassen, wie das Ergebnis ausgefallen ist kann man nun auf 3voor12 probehören:

[Stream] My Brightest Diamond - Tear It Down

Neuer Song von Low



Oder irre ich mich da? Sind das wirklich Low, die ungekrönten Könige des minimalistischen Rock? Ja, sie sind es, mit Keyboard im Vordergrund und einem enorm elektronisch anmutenden Beat mit Handklatschern im Hintergrund. Drums And Guns, das Album auf dem auch Breaker zu finden sein wird, könnte wenn dieser Track exemplarisch für den Rest der Stücke steht wohl der radikalste stilistische Schritt in der ja nicht gerade kurzen Bandgeschichte werden.

[MP3] Low - Breaker

Nach dem für mich eher mäßigen Sub Pop-Debüt The Great Destroyer könnte so ein Schritt auch benötigten frischen Wind hereinbringen, Breaker gefällt mir jedenfalls schon mal sehr. Ab Ende März/Anfang April werden wir's genau wissen, dann gibt es nämlich irgendwann das Album zu kaufen und im Mai auch Low selbst in voller Live-Präsenz zu sehen und hören:

01.05.2007 Gebäude 9, Köln
02.05.2007 Molotov, Hamburg
03.05.2007 Knaack, Berlin
04.05.2007 Gleis 22, Münster
22.05.2007 Salzhaus, Winterthur
23.05.2007 Ampere, München
24.05.2007 Künstlerhaus, Wien

Modest Mouse Live



Einfach nur toll über was man im Internet immer wieder so stolpert. Zum Beispiel das Session-Archiv des Radiosenders KVRX wo sich u.a. eine 10 Stücke umfassende Livedarbietung von Modest Mouse findet, eingespielt ein paar Wochen bevor sie The Moon And Antarctica rausbrachten. Und nicht nur ist die Qualität der Aufnahmen sehr gut, auch Modest Mouse sind munter drauf und hauen u.a. tolle Fassungen von Drink What I Can't Sleep AwayPolar Opposites (danke an den Kommentarnazi für die Korrektur), Never Ending Math Equation und Paper Thin Walls raus.

Modest Mouse - Live bei KVRX 19.03.2000