5 für 2007

Wie letztes Jahr, auch hier wieder 5 vielversprechende Bands die nächstes Jahr vermutlich ihr erstes Album veröffentlichen werden. Hat ja schon ganz gut geklappt mit der letzten Prognose.


Voxtrot

Geradezu wahnsinnig gemacht haben Voxtrot ihre Fans als sie anstatt des erhofften Albums dieses Jahr noch eine dritte EP veröffentlichten. Nun stehen aber alle Zeichen voll auf Album, und auch wenn niemand sagen kann wieviel man von dem darauf enthaltenen Material schon kennen wird, schlecht wird es kaum sein können.

[MP3] Voxtrot - Trouble


Young Galaxy

Ich hab versucht meine Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben, aber wenn ein Ex-Stars-Mitglied zur Galaxie wird und von aufgehenden Sonnen singt und so ein unvergessliches Ding wie Swing Your Heartache raushaut, dann kann ich nicht anders als mich enorm auf das erste Album zu freuen.

[MP3] Young Galaxy - Swing Your Heartache (gezippt)


Emmy The Great

Das ist jetzt mehr eine Hörensagen-Angelegenheit, ich habe die junge Folksängerin selbst nie live gesehen und auch nur die paar Songs von ihrem Myspace gehört, aber mehrere Bekannte die sie in England mal live gesehen haben waren hellauf begeistert und deswegen bin ich auch sehr zuversichtlich dass man von ihr dieses Jahr auch hier vermehrt hören wird.

Emmy The Great Myspace


Klaxons

Auch hier kann ich nicht anders. Große Hooklines, Songs die Burroughs, Pynchon und Crowley referenzieren und ein Album namens Myths Of The Near Future - futuristisch infusionierter Mystik und Mythik vermag ich nicht zu widerstehen, und auch wenn die Idee Tanzmusik mit Rockinstrumenten zu machen weiß Gott nicht originell ist haben Klaxons bisher genug musikalischen Ideenreichtum gezeigt dass ich mich auf das Album ungemein freue.

[MP3] Klaxons - Atlantis To Interzone


Fields

England brachte uns Shoegaze, Island brachte uns auf Geysiren schwebende Elfenmusik. Fields bringen beide Kulturen zusammen und geben noch jeweils einen ordentlichen Schuss Pop und Folk hinzu, mal sehen was dabei für ein Album herauskommt.

[Video] Fields - If You Fail We All Fail (Youtube)

Social Distortion, Low & Dresden Dolls Live

Das wär ein abgefahrenes Konzert, was? Dank des Internets kann man es sich selbst zusammenstellen.

Eröffnet wird der Abend vom Piano der Dresden Dolls. Ein Konzert des Duos in Australien kann man von etree via Bittorrent laden:

Dresden Dolls live in Richmond 18.09.2006

Weiter geht's mit Low. Seit The Great Destroyer hat man von dem Trio wenig bis gar nix mehr gehört, aber zur Zeit werden auf Archive.org massig ältere Konzerte, von den Anfängen bis heute, hochgeladen. Das aktuellste davon sollte aber von besonderem Interesse sein, denn da spielten Low mit Pretty People, Sandinista, Dragonfly, (That's How You Sing), Violent Past, Take Your Time, Breaker und Murderer gut die Hälfte der Songs ihres zweiten Sub Pop-Albums Drums And Guns, das im kommenden März erscheinen soll.

Low live in Colorado Springs 28.10.2006

Und zur Krönung des Abends hat rbally, der zum Glück das Bloggen doch nicht aufgegeben hat, eine alte Show einer der wohl coolsten Bands schlechthin ausgegraben: Social Distortion. Die arbeiten zwar aktuell auch an einem neuen Album, aber diese Aufnahme stammt aus der Somewhere Between Heaven And Hell-Zeit und tritt dementsprechend nach einer kurzen Aufwärmphase gehörig Arsch mit vielen vielen Klassikern.

Social Distortion live in Minneapolis 06.05.1992

Und Der Ganze Dreckige Rest Aus 2006

Bester Songtitel: Dark Meat - Angel Of Meth
Ein Haufen Athens-Hippies macht ausgerechnet eine Anlehnung an Slayer! Superb!

Bester Albumtitel: Yo La Tengo - I Am Not Afraid Of You And I Will Beat You Ass

Bester Albumtitel in Kombination mit Bandnamen: You Say Party! We Say Die! - Hit The Floor!

Bestes Best Of-Album: The Russian Futurists - Me, Myself & Rye
Zwar war dies das erste Album der Russian Futurists das man hier kaufen konnte, jedoch war es 'nur' eine Auswahl der ersten drei Alben des kanadischen Elektronik-Popster Matthew Hart. Sonst hätte es ganz sicher einen Platz in meiner regulären Bestenliste gefunden. [mehr]

Beste Neuedition: Pavement - Wowee Zowee - Sordid Sentinels Edition
Auch wenn ich bis jetzt noch nicht so viel Gefallen am Bonusmaterial gefunden habe wie bei den ersten beiden Neueditionen, so bin ich doch allein weil es Pavement sind so befangen dass hier nichts anderes stehen kann. Dass das Album selbst akustisch mehr als angemessen aufpoliert wurde steht eh außer Frage.

Beste Website: Daytrotter
Mittlerweile mehr als eine exklusive Session pro Woche von Indie-Größen und auch -Neulingen, und das auch noch kostenlos, damit hat sich Daytrotter ganz schnell extrem beliebt gemacht. Dazu bietet die Seite noch andere, reguläre Texte, wie die sehr schönen über mehrere Tage verteilten Plattenkritiken. Spätestens seit der fantastischen Sunset Rubdown-Session gab es dieses Jahr keine andere klassische Website die in Sachen Inhalt mit Daytrotter mithalten konnte.

Bestes Musikblog: Fluxblog & Stereogum.
Matthew Perpetuas Fluxblog war das erste Musikblog das ich je las, und bis heute hat sich an der tollen und eklektischen Songauswahl nichts verschlechtert. Besonders in Sachen Popmusik habe ich auch dieses Jahr wieder ne Menge dort entdeckt, allen voran The Pipettes und Girls Aloud.
Stereogum hingegen ist stellenweise etwas schwerer erträglich geworden, Einträge darüber wie schlecht Kevin Federlines CD ist, dass es jetzt dieses und jenes Album irgendwo schon zum Download gibt oder Nacktfotos von Lily Allen in einem dubios jungen Alter sind nicht gerade das wofür ich Musikblogs schätze. Aber so lange ich dort zwischendurch noch so tolle Geheimtipps wie Malajube und Beach House entdecken kann werd ich nicht so schnell von der Seite loskommen.

Bestes Konzert das nicht stattfand: My Morning Jacket
Ich weine immer noch.

Bestes Konzert das stattfand: Sleater-Kinney
Vielleicht nur weil es die letzte Gelegenheit war sie zu sehen, mit u.a. den Thermals, Guillemots, Fiery Furnaces und TV On The Radio gab es dieses Jahr genug denkwürdige Konzerte, aber nur bei Sleater-Kinney werde ich bestimmt immer als erstes an dieses eine zurückdenken. [mehr]

Bester Songwriter: Spencer Krug
Mit 2 Alben (Sunset Rubdown, Swan Lake) hat es für Spencer wie schon 2005 mit Wolf Parade auch dieses Jahr nicht zum ersten Platz gereicht, deswegen hier nun ein Bonuspreis für einen der verdammt noch mal besten Songwriter der Gegenwart.

Bestes Video: Bis vor einer Woche hätte ich den Preis an Ben Dickinson für sein Ultra-Fun-Video zu The Raptures W.A.Y.U.H.gegeben; das wurde aber in letzter Sekunde noch überholt von diesem überfantastischen Video zu Jarvis Cockers Don't Let Him Waste Your Time:

[Video] Jarvis Cocker - Don't Let Him Waste Your Time (Youtube)

Beste Single: CSS - Let's Make Love & Listen To Death From Above
Vielleicht weil ich etwa ein halbes Jahr zu spät erst zu diesem Lied gefunden habe, aber seitdem kann ich nicht mehr aufhören zu diesem spaßig trashigen Stück Pop mitzuwippen. "Wine then bed then more then again!"

[MP3] CSS - Let's Make Love & Listen To Death From Above

Bestes Comeback: Yo La Tengo

Bestes Album das ich letztes Jahr total übersehen hatte: Isolée - We Are Monster

Mein heimlicher Scham: My Chemical Romance - Welcome To The Black Parade (in voller Länge)
Mit epischem Grandeur wird angekündigt was letztlich 'nur' ein gemein ohrwurmiger Emo-Punk-Popsong ist. Aber My Chemical Romance scheinen das alles so bierernst zu meinen, es ist alles so unglaublich pompös, so lächerlich übertrieben, mit Marschmusik, Fanfaren, großen händeringenden Gesten, dass ich diesem Song einfach nicht widerstehen kann, egal wie oft ich ihn auch höre.

Bestes Album-Cover: Justin Timberlake - Futuresex / Lovesounds
Death To Disco!

Bestes Gesamtdesign: Asobi Seksu - Citrus
Schon der Pappschuber außen wirkt wie nichts anderes was man dieses Jahr in CD-Regalen sah, das orange Case verbirgt dann ein noch bunter gestaltetes Booklet und eine rosa 33 1/3 Vinyl-Attrappe (die CD). Ich wüsste zu gern wie die LP-Version designt ist.

Bestes Preis/Leistungsverhältnis: Melt Banana - 13 Hedgehogs
13 Euro. Eine CD. 56 Songs. Eine totale Hirnschmelze.

Bester Onlinetrend: Albumstreams
Bis etwa zur Jahresmitte hätte ich noch gesagt die Zunahme an Podcasts, sowohl von Musikfans als auch von Labels selber, sei der erfreulichste Trend im Netz dieses Jahr. Aber mittlerweile bin ich vor allem begeistert wie viele Alben ich dieses Jahr online ganz bequem per Stream probehören konnte, das Angebot war gegen Ende so gut dass locker jedes dritte Album das mich interessierte irgendwo als Stream zu finden war (und noch viele andere die ich sonst gar nicht erst gehört hätte) und ich 2006 wieder mal einen neuen Rekord an Albenkäufen aufgestellt habe. Die besten Musikquellen waren dabei 3voor12, AOL und, ja man muss es sagen, Myspace.

Leider beschränkt man sich in Deutschland bisher (vermutlich wegen der ewiggestrigen GEMA) meist darauf die Titel selbst per Stream nur anzuspielen, sehr schade und es liegt sicher auch daran dass ich in diesem Jahr so gut wie gar keine Platten von deutschen Künstlern gekauft habe. Nicht aus Boykott oder so, nur wenn es so viel andere Musik zu entdecken gibt warum sich dann auf den Wohnort beschränken? Meine große Hofffnung für 2007 wäre dann auch vor allem dass man hierzulande einsieht dass es kein Genickbruch ist seine Musik online zu präsentieren. Raubkopien kann man nicht, ich wiederhole, absolut nicht verhindern, die einzigen denen man mit jeglichen Einschränkungen das Leben schwer machen kann sind die ehrlichen Musikfans.

Mehr Aus 2006

Bevor ich meinen Rückblick über 2006 abschließe und mich langsam dem neuen Jahr hinwende, möchte ich erst noch auf folgende gebloggte Jahresendlisten (teilweise noch im Entstehen begriffen) hinweisen:

- .txt (beste Alben)
- Nicorola (beste Alben/beste Songs)
- Nachrichten Aus Absurdistan (beste Alben Teil 1)
- Machtdose (beste Alben/beste Songs)
- Jackpot Baby! (beste Songs Teil 1)
- Coast Is Clear (beste Alben)

Und wem das noch lange nicht reicht, der sei auf Largehearted Boys Mutter aller Jahresendlisten-Liste verwiesen.

Video: Guillemots - Annie, Let's Not Wait



Sodale, die letzten Sektflaschen sind geleert, die Festmahlreste alle getilgt, der Kühlschrank ist leer und auch mein Kater vom endgültigen Entsorgen der großen Weihnachtsbowle überstanden, damit lass ich Weihnachten offiziell hinter mir und mach mal wieder das Internet an.

Und was seh ich, da wartet doch glatt ein neues Guillemots-Video auf mich, noch dazu ein animiertes mit klassischen Scherenschnitt-Silhouetten. Annie Let's Not Wait kann man durchaus als einen neuen Schritt für die Briten bezeichnen, wird es doch im Januar ihre erste Veröffentlichung auf einem Major-Label sein. Dementsprechend ist dies dann auch nicht die über 6 Minuten lange Album-Fassung mit längerem Intro, Zwischenspiel und einem Outro bei dem die bereits vorhandenen Stilelemente endgültig in einen Trillerpfeifen-Samba ausbrechen, sondern eine etwas kompaktere Angelegenheit die mehr der gitarrenbasierten Liveversion entspricht.

Die fabelhafte Melodie, der das Tanzbein provozierende Rhythmus und vor allem die mit einer elektrischen Bohrmaschine gespielte E-Gitarre (die erzeugt dieses Sirren und das Schreien mechanischer Klippenvögel) machen den Song aber weiterhin zu einem typischen Guillemots-Hit zu dem ich gerne öfters aufstehen würde. Und da Guillemots jüngst ein eigenes Label gegründet haben werden sie mit ihren Veröffentlichungen in Zukunft vermutlich zwischen Major und Indie springen, im Frühling soll es an die Aufnahmen von Album Nr. 2 gehen.

[Video] Guillemots - Annie, Let's not Wait (Quicktime)
[Video] Guillemots - Annie, Let's not Wait (Youtube)

Ein letztes Mal: Weihnachtsmusik

Nach all den Weihnachtssongs der letzten Tage hier einmal 5 Alben die inhaltlich eher nichts mit Weihnachten zu tun haben, die aber wie ich finde klanglich sehr gut in die Zeit passen. Hierzu bereite ich heute ein kleines Festmahl zu:

Pixies - Bossanova:
Auch wenn ich weiß dass dies nicht das beste Pixies-Album ist, so war es doch mein erstes und ist immer noch mein liebstes. Und nie klang Frank Blacks Stimme so zart wie in Ana oder Alison, die meist weniger hart schneidenden als vielmehr laut hallenden Gitarren tun ihr Übriges um dem Album etwas außerweltliches zu geben.

The Walkmen - Hundred Miles Off:
Es sind mehr die Instrumente im Hintergrund die dieses Album solch wohleignende Begleitung zum Weihnachtsbaum fällen/schmücken machen, z.B. die Mariachi-Trompeten und die Schellen, dazu klingt jeder Song mindestens 5 Minuten lang und hat mindestens einen Sonnenscheinmoment was auch heute den Nebel gut vergessen machen lässt.

Sîgur Rós - Ágætis Byrjun:
Engelsmusik³.

Neutral Milk Hotel - In The Aeroplane Over The Sea:
Mein Lieblingsalbum überhaupt. Allein deswegen gehört es schon zu jedem Fest, aber vor allem wegen Jeff Mangums herrlicher und von einem gewissen Geiste ergriffene Stimme und den immer denkwürdigen Melodien zu diesem.

Mogwai - My Father, My King
Mogwai nehmen sich eine traditionelle jüdische Melodie und bauen daraus einen musikalischen Moloch. Spätestens wenn der Weihnachtsbaum brennt weiß man diese andere Form von Grandeur an diesem Tag zu schätzen.

66 aus 2006 Teil 6

(Teil 1) (Teil 2) (Teil 3) (Teil 4) (Teil 5) (Teil 6)

Platz 11
Malajube - Trompe L'Oeil


Das Ideenalbum Nr. 1 dieses Jahr. Malajube klingen so originell, nicht nur von Song zu Song sondern auch innerhalb eines einzelnen Stücks vollführen sie so viele Wendungen und Luftsprünge, dass man erstmal nur baff ist. Was nehmen diese Kanadier nur für Kreativförderer ein? Ein ganz großer Zirkus, in dem sich Malajube nicht zum Narren machen müssen um die Zuhörer auf ihrer Seite zu haben, aber sich doch keinen Deut darum zu scheren als seriös wahrgenommen zu werden. Vielleicht find ich's auch nur so toll weil ich kein Wort verstehe.. nee, das wohl doch nicht. [mehr]


Platz 10
TV On The Radio - Return To Cookie Mountain


Wohl das einzige Album auf dieser Liste, das ich größtenteils live zuerst gehört habe. Und weil TV On The Radio live pure Energie sind und auch verbreiten hatte ich nicht nur bereits vorm Kauf des Albums das Gefühl komplette Songs auswendig zu kennen, sondern war mir auch ganz sicher dass all die hohen Erwartungen die im Vorfeld an Return To Cookie Mountain gestellt wurden erfüllt werden würden. TV On The Radio wollen laut einem Interview wie niemand sonst klingen, und dafür verfremden sie ihre Songs strukturell und klanglich so lange bis sie ihr Ziel erreicht haben. Wer weiß wie gut das Ergebnis ausgefallen ist, kann nicht weniger als restlos erstaunt über diese Art des Schaffens sein.

Platz 9
Destroyer - Destroyer's Rubies


Tja, wird sich der eine oder andere der dieses Blog 2006 verfolgt hat wohl wundern, wieso steht nun diese Platte hier ganz weit oben obwohl ich sie noch nie erwähnt habe? In meinen Last.fm-Charts wird man sie auch kaum finden, jedenfalls nicht in den Top 200. Nun, das liegt zum einen daran, dass für mich Daniel Bejars Texte zwar bezaubernd, aber doch sehr kryptisch sind und ich mich einfach nie getraut hatte etwas darüber zu schreiben ohne sie richtig durchgelesen zu haben. Zum anderen war dieses Album 2006 meine Badewannenmusik Nr. 1, so wie ich zur Bewegung Be Your Own Pet hörte erschallte zu fast jedem warmen, entspannenden Bad Destroyer's Rubies von den Kachelwänden. Irgendwas bewegt diese Musik so sehr dass ich mich nicht traue irgendwas anderes dazu zu unternehmen, sei es Lesen, Bewegen oder auch nur Denken. Ein unglaublich fesselndes Album dessen Qualitäten ich vielleicht mal an einem fernen Tag richtig verstehen werde. Wenn es so weit ist werd ich mich melden.

Platz 8
Liars - Drum's Not Dead


Auch hierzu wurde wenig gesagt von mir, zu groß schien die Aufgabe dieses Ungetüm von einem Album zu beschreiben. Das Konzept ist der Titel. Eine immer betrommelte schamanische Zeremonie, die zwischen psychedelischem Traumtanz und ekstatischem Wahn schwankt haben die drei Liars hier geschaffen, und wenn es ein Album dieses Jahr gab das von einer beigelegten DVD mit Videoshow profitiert dann war das Drum's Not Dead. Jedes Mal wenn ich diese Bilder zur Musik ablaufen sehe muss ich an diesen einen Abend denken, als die Bilder noch größer und die Musik noch lauter waren, und vor den Bildern drei scheinbar Verrückte eine musikalische Unglaublichkeit abzogen. Eigentlich zu groß um nur gehört zu werden.

Platz 7
Joanna Newsom - Ys


Tja, warum ist das hier nicht auf Platz 1? Eigentlich nur weil ich meine dass es noch reifen muss. Wenn ich eine 10er-Punkteskala hätte, ich wüsste einfach nicht ob ich Joanna Newsoms lose autobiographischer Fabelstunde jetzt 9 oder 10 Punkte geben sollte. Newsoms Harfekünste sind unangreifbar, über die verschiedenen Lagen der Produktion, die nicht leicht überschaubaren Songstrukturen und ihre quäkige Stimme kann man sich sicher streiten. Aber das ist es nicht mal was mich zweifeln lässt, ich find das alles ganz groß, ich kann nur immer noch nicht richtig verstehen was ich da höre. Erst dann, wenn ich ein richtiges Bild hab, dann werd ich genau sagen können wo dieses Album steht. Daher ist für Ys kurz vor den Top 5 Endstation.

Platz 6
Swan Lake - Beast Moans


Ein unausgegorenes Album, keine Frage. Wohlgeschliffeheit war Cary Mercer, Dan Bejar und Spencer Krug auch gar nicht wichtig, sie wollten nur einmal ihre wahnsinnig kreativen Köpfe zusammenstecken und gucken was dabei herauskommt. Herausgekommen ist eben Beast Moans, ein Album von dessen Größe und Langlebigkeit ich nun völlig überzeugt bin. Es gab da vor einer Woche diesen Moment, da hatte ich nur ein paar Minuten Zeit und wollte noch kurz ein Stück von diesem Album hören. Und habe minutenlang nur überlegt welches ich am liebsten hören würde, und konnte mich einfach nicht entscheiden. Da wusste ich: das hier muss in die Top 10. [mehr]

Platz 5
The Pipettes - We Are The Pipettes


Bloßer Retro ist das hier nicht, man achte nur mal auf die Produktion bei der ersten Strophe von Pull Shapes, in der mit Geigen auf Disco, mit einem Gitarrenanschlag auf Rock 'n Roll und mit einem Scratchen auf Hip Hop getanzt wird. Die gab es auch alle in dieser Parallelwelt in die Pipettes uns einen Einblick gewähren, nur sind dort eben Girl Groups im Spector-Stil eine dominante Form im Pop und haben diese anderen Musikrichtungen als Stilelemente in ihr Repertoire aufgenommen wie es bei uns der Pop in Beatles-Tradition getan hat. Das alles wäre mehr oder weniger nur theoretisch interessant, wenn die Pipettes die unvergesslichen Popmelodien nicht im Dutzend aufgefahren hätten. Zusammen mit den ebenso emanzipierten wie lockeren Texten, den herrlichen Gesangsharmonien und Gareth Partons detaillierter Produktion die stellenweise eines Tevor Horns würdig wäre, wurde We Are The Pipettes nach anfänglicher Skepsis ganz schnell zu meinem meistgehörten Album in diesem Jahr. [mehr]

Platz 4
Burial - Burial


Burial ist, wie seine Musik, ein körperloses Gespenst. Sein Name, seine Identität, sein/ihr Geschlecht sind allgemein unbekannt. Irgendwie hat Burial es geschafft, ein solches Mysterium auch musikalisch auszustrahlen. Burials gleichnamiges Debüt ist eine Aura, ein Hauch von London bei Nacht, zeitlich vielleicht schon gegenwärtig aber nie richtig körperlich manifestiert, wahrscheinlich nicht einmal wenn man es in den Straßen Londons selbst hört. So wie ich es beschreibe wird sich vermutlich jeder etwas ganz anderes darunter vorstellen als den Dubstep, die Bässe und die Steps und die Klicks und die gesampelten Stimmen. Aber Burial lässt Begriffe wie analoge und elektronische Musik allein schon von seiner Arbeitsweise her weit hinter sich, und konzentriert sich darauf mithilfe von etwas das dem Feld der Tanzmusik entstammt ein Album zu schaffen zu dem gar nicht tanzen muss um es wirklich zu fühlen. [mehr]

Platz 3
The Blood Brothers - Young Machetes


Hier gilt wie für Xiu Xiu: wer mit den Blood Brothers bisher gar nicht klar kam, der sollte auch hiervon die Finger lassen. Dies ist das Meisterwerk einer der ganz wenigen Bands heutzutage mit einer einzigartigen Stimme (künstlerisch wie auch wirklich im Gesang selbst), das Zen Arcade der Blood Brothers, eine perfekte Vereinigung aller ihrer kreativen Leistungen und mehr, und in 10 oder 15 Jahren werden wir uns vielleicht mit einem Haufen junger Leute konfrontiert sehen deren Leben diese Platte verändert hat. Werden die Blood Brothers sich auf dieser Höchstleistung ausruhen oder sich danach wieder zu neuen Ufern aufmachen? Dass auf diesem Album, was vielleicht nicht zunächst auffällt, eine andere Sektion der Band die meisten neuen kreativen Akzente setzt lässt zumindest die zweite Möglichkeit als genauso wahrscheinlich wie die erste erscheinen, und macht die Zukunft der Blood Brothers so spannend ungewiss wie immer. Aber erfreuen wir uns doch erst mal an der Gegenwart. [mehr]

Platz 2
Sunset Rubdown - Shut Up I Am Dreaming


Nein echt, haltet die Klappe, seid bloß still und lasst Spencer Krug träumen. Träumen von Pferden und Schlangen, von Königen und ihren Reichen, von Gefühlen die einen Ozean überwinden können. Ja, Spencer Krug ist ein Romantiker, und dazu macht er Musik von einer Dimension die seinen fabelhaften Visionen sowohl in ihrer Bildgewaltigkeit als auch ihrer Emotionalität tatsächlich gerecht werden kann. Wir Hörer leiden mit dem Mann der seine Liebste an den Grund eines Sees verloren hat, mit dem kleinen Lord dem das Herz ausgerissen wurde, und mit dem armen Wesen das nie auch nur einmal die Sonne zu Gesicht bekam. Ja, Spencer Krug ist einer der größten Songwriter der Gegenwart, und dies ist sein erstes ganz eigenes Meisterwerk. [mehr]

Platz 1
Guillemots - Through The Windowpane


Ein Haufen musikalischer Querköpfe kommen aus aller Welt zusammen, manche klassisch trainiert, manche haben das Spielen auf der Straße gelernt, manche kommen aus der avantgardistischen Noise-Ecke. Zusammen nehmen sie ein... Popalbum auf? Und was für eins! Kurze Popsongs die ganz groß sind, lange Popsongs die ganz groß sind, mit einer Mischung aus all dem was sie kennen, mit Kontrabass, Gitarre, Schlagzeug und Percussions, Keyboards, mit Bläsern, Schreib- und Bohrmaschinen, Weckern, mit Soul, mit Samba, mit Björk und Vogelgezwitscher, und immer klingt dann alles so gut und so richtig. Wer braucht da noch "normal"? Lieber zahllose Nächte zu diesen Klängen durchs Zimmer tanzen.[mehr]