Black Devil Disco Club



So, genug erholt, jetzt wird's Zeit das wilde Wochenende einzuläuten. Ich werde gar nicht erst so tun als hätte ich Ahnung von elektronischer Tanzmusik, deshalb kann ich nur sagen dass ich im kürzlichen Beitrag auf 20 Jazzfunk Greats das düster-nebelschwadige Stück des wohl ebenso mysteriösen websitelosen Black Devil Disco Club vielmals cooler fand als den Track des zur Zeit wohl sehr populären Lindstrøm. Make of that what you will, aber vor allem schaut falls ihr im Besitz eines Real Players seid bei der BBC vorbei, die streamen nämlich zwei Stücke von dem wohl ersten neuen Werk des/der Künstler(s) seit 28 Jahren(!). Besonders Constantly No Respect hat es mir schwerstens angetan, erinnert mit seinen unangenehm hackenden Keyboardsounds irgendwie an die Soundtracks italienischer B-Movies der 70er.

Black Devil Disco Club auf BBC Collective

Video: The Dresden Dolls - Backstabber



"Die Dresden Dolls machen Brechtsches PunkKabablabla" schön und gut, aber mal ehrlich, wer von all denen die diesen Satz einfallslos abschreiben weiß schon was zum Geier das bedeuten soll? Einfacher als Worte ist es doch oft mal zu sehen, und weil man im Video zur neuen Single Backstabber, Regie führte dabei übrigens wieder der Dolls Hausregisseur Michael Pope, etwas mehr nackte Haut (um es mit den Worten des unsterblichen Alfred E. Neumann zu sagen: "lechz") als Bühnenpräsenz zu sehen bekommt habe ich unten auch noch ihre überaus exzellente Liveversion von Sabbaths War Pigs mitverlinkt.

[Video] The Dresden Dolls - Backstabber (Quicktime)
[Video] The Dresden Dolls - Backstabber (Youtube)

[Video] The Dresden Dolls - War Pigs (live) (Quicktime)
[Video] The Dresden Dolls - War Pigs (live) (Youtube)

Stream: Jóhann Jóhannsson - IBM 1401, A User's Manual



Perfekt um einen anstrengenden Freitag ausklingen zu lassen: Dienstag habe ich erst drüber geschrieben, jetzt kann man IBM 1401, A User's Manual von Jóhann Jóhannsson auch schon komplett im Stream anhören. Das Album erscheint hier in ziemlich genau zwei Wochen, und enthält 5 sich mit reicher Instrumentierung auf extremes Breitwandformat erstreckende Kompositionen bei denen sich einem die epischen Bilder im Geiste nur so aufdrängen. Island ist wohl unschlagbar was inspirierende Landschaften angeht.

[Stream] Jóhann Jóhannsson - IBM 1401, A User's Manual

15 Jahre Intro



Gratulation! Das wohl größte kostenlose deutsche Musik+Popkulturgedönsmagazin mit Indie-Fokus wird 15. Danke für viele tolle Musikempfehlungen und die Konzertveranstaltungen mit den wohl größten Ansammlungen von Hornbrillenträgern aller Zeiten. So ein Jubiläum wird natürlich auch gefeiert, nicht zuletzt mit vier Parties mit ordentlichem Künstleraufgebot: Bei den Intro Intims in Köln, Berlin, Hamburg und München spielen auf Stereo Total, Sport, Le Hammond Inferno, Cold War Kids, Sophia, Andreas Dorau, Sid LeRock uvm.

Außerdem gibt's zum Jubiläum ein Geburtstagsabo, ein Quiz und natürlich die Wahl zum besten Album der letzten 15 Jahresendcharts.

Video: Tokyo Police Club - Nature Of The Experiment



Dass die Jungs von Tokyo Police Club zünftig rocken können hatte ich ja schon erwähnt. Dass die das aber auch in Zeitlupe können hätte ich so ohne weiteres nicht gedacht. Nun, hier ist der Beweis.

[Video] Tokyo Police Club - Nature Of The Experiment (Youtube)

Clap Your Hands Say Cold War Kids

Na sowas, wie ich gerade bei Kartenhaus sehe wird's Anfang des nächsten Jahres gleich zwei Indiehypebands zum Preis von einer live zu sehen geben. Dabei ist die eine so alt dass sie schon Albumveröffentlichung und eine Deutschlandtour hinter sich hat und vermutlich bis zum nächsten Besuch ihr zweites Album draußen haben wird, die andere hat gerade erst ihre bisherigen EPs zu einem ersten Album vereint und wird dieses Jahr für zwei Intro Intim-Geburtstagsfeiern das erste Mal hierhin kommen.

Keine davon findet in Köln statt, deswegen bin ich um so froher zu hören dass die Cold War Kids (die ja live viel besser sein sollen als auf Platte) von Clap Your Hands Say Yeah (von deren Liveauftritten es ein ziemlich durchwachsenes Meinungsbild gibt) gleich nochmal hierher geschleift werden. Bisher sind zwei Termine gelistet, da könnten aber aufgrund der bemerklichen Lücke dazwischen noch welche dazukommen, für Köln ist noch nicht mal der Vorverkauf gestartet.

06.02.2007 Gebäude 9, Köln
11.02.2007 Knust, Hamburg

Video: Tilly And The Wall - Sing Songs Along



Die einzige Saddle Creek-Band die ums Verrecken keinen düsteren Song schreiben kann, Tilly And The Wall, schlägt wieder zu. Mit diesem charmant locker choreographierten Tanzparcour durch die Turnhalle lassen sie sogar das früher so gefürchtete Zirkeltraining wie einen einzigen großen Spaß aussehen.

[Video] Tilly And The Wall - Sing Songs Along (Quicktime)
[Video] Tilly And The Wall - Sing Songs Along (Youtube)

Ariel Pink



Der Lo-Fi Indiepop von Ariel Pink legt es darauf an zu verwirren. Soviel Imperfektion, mit scheinbar zufällig schwindender Lautstärke, Kratzern, schwammigen Wabergeräuschen muss mit Absicht herbeigeführt worden sein. Damit verweigert sich Pink einer Gegenwart in der jeder am heimischen PC Musik in einer Qualität aufnehmen und bearbeiten kann von der vor einigen Jahren die meisten Künstler nur träumen konnten. Sein Pop erinnert so auch eher an Größen einer anderen Gegenwart wie die Brians Wilson und Eno, als stamme die Musik aus einer alternativen Vergangenheit in der Pop nicht immer sauberer produziert wurde sondern sowohl Künstler wie Produzent als auch den Instrumenten selber genug halluzinogene Substanzen eingeflößt wurden damit bis in die heutige Zeit hinein die Musik nur durch einen bunt schimmernden Nebel zu hören ist.

[MP3] Ariel Pink - Helen
[MP3] Ariel Pink - Jules Lost His Jewels
[Video] Ariel Pink - For Kate I Wait (Quicktime)

Stream: Isis, Trentemøller



Neues Hörfutter zum Mittag: Nachdem mich das letzte Tool-Album doch etwas enttäuscht hat bin ich nun sehr gespannt was die in letzter Zeit mehr und mehr in Richtung Tool gerückten Isis auf ihrem neuen Werk für vertrackte Metallgeschichten erzählen. Außerdem neu im Stream bei 3voor12 vertreten ist der dänische Drehreglerzauberer Trentemøller mit seinem bereits Anfang Oktober erschienenen ätherischen Albumdebüt.

[Stream] Isis - In The Absence Of Truth
[Stream] Trentemøller - The Last Resort

Kode9 & The Spaceape - Memories Of The Future



Nie zuvor habe ich so deutlich gemerkt dass sämtliche meiner Kopfhörer kompletter Schrott sind wie als ich ohne meine heimischen Lautsprecher völlig daran scheiterte die exquisiten Bässe auf dieser zweiten ganz großen Veröffentlichung des Londoner Dubstep-Labels Hyperdub auszumachen. Wie Burial mit seinem Debütalbum erwirkt Kode9 im Gegensatz zu seinem Mix Dubstep Allstars Vol. 3 (ebenfalls in Kollaboration mit Spaceape entstanden) auf Memories Of The Future eine andere musikalische Wirkung als im Clubumfeld in dem er normalerweise seine Musik aufführt. Das Album wirkt nicht wie ein Mixtape sondern wie eine durchdachhte Strukturierung aufeinanderfolgender separater Stücke, ein 'richtiges' Album eben.

Anfangs allerdings zeigt sich Kode9 noch im Club-Modus, allerdings schon hier mit vokaler Unterstützung des immer großartig auf den Fluss der Stücke achtenden Spaceape, der mit einer mächtigen Stimme ausgestattet die gesamte Stimmung des Albums sicher problemlos ersticken könnte, aber sich stattdessen unglaublich geschickt in die elektronischen Klänge die ihn umgeben einfügt und einem meist weder als Sänger noch als Rapper vorkommt, sondern wie ein weiteres höchst wichtiges Instrument neben z.B. Beat oder Hi-Hats vorkommt das eine ganz eigene Frequenz belegt. Während er mit seiner Frequenz meist nur einen Schritt gut hörbar hinter dem Vordergrund steht, arrangiert Kode9 beginnend mit Nine immer mehr Soundtexturen die sich in nur etwas mehr Entfernung dahinter abspielen, aber so weit entfernt sind dass es unmöglich ist sie ganz zu fassen.

Dieses außer-Reichweite-Thema führt Kode9 in Curious fort, wo die Stimme von Ms. Haptic um Spaceape umherschwirrt. Es ist nicht klar ob sie wirklich in der Gegenwart in der sich die Musik abspielt präsent ist, wahrscheinlicher ist sie nur ein Echo der Vergangenheit, oder auch ein Echo der Zukunft. Vielleicht sind diese Echos eben die Erinnerungen an die Zukunft die diesem Album seinen Namen gegeben haben.
Es sind auch nichtstimmliche Echos die dieses Album heimsuchen, fast alles was man sich an musikalischen Genres vorstellen kann wirft hier einen vagen Widerhall, tritt aber nie richtig in Erscheinung, macht die Musik so alles und zugleich auch fast nichts, etwas das außerhalb von allem was existiert steht.

Als Mensch steht überaus existent vor (, neben, über, hier gilt jede Präposition) diesem futuristisch/singularistischem elektronischen Ungetüm der überaus menschliche Spaceape, nie aufgeregt, meist monoton, aber unglaublich variantenreich auch wenn man's zuerst vielleicht nicht merkt. Hier wird die Stimme mehr zum Grummel, da zum leicht infernalischen Lachen, dort zum Geflüster, irgendwo scharrt sie fast nur noch und droht sich gar in vereinzelte Brocken aufzulösen, bleibt aber davon verschont zum Echo zu werden.

Auch Echos eines anderen Mediums, des Films, trifft man auf diesem Album an. Neben dem Albumtitel, der auch der Titel eines Buchs über Chris Marker und auch ein wichtiger Plotaspekt dessen Film La Jetee ist, wird auch das musikalische Thema zu einem von Kurosawas Meisterwerken auf 9 Samurai wie man schon am Titel erahnen kann weniger kopiert als variiert, bis es auch hier wieder nur eine halbgegenwärtige Präsenz wird.
Natürlich kann nicht alles ein Echo sein, meist ist die Melodie voll präsent, aber vor allem sind es auch die Bässe die den Hörer in seiner ganzen Physikalität genussvoll als Resonanzkörper nutzen in allen Tiefen die sie ausloten, nicht so dass man die Boxen vibrieren sieht, dass man Hörschaden bekommen könnte, nicht aufdringlich, aber eindringlich. Und so dafür sorgen dass man diese Platte als eine der ganz besonderen dieses Jahres in Erinnerung behält. Aber bitte, ohne gute Lautsprecher oder Kopfhörer wird das nix werden.

[Stream] Kode9 & The Spaceape - Memories Of The Future

Jóhann Jóhannsson



Der Apfel fällt manchmal wirklich nicht weit vom Stamm. Nicht nur hat der Isländer Jóhann Jóhannsson den Vornamen seines Vaters geerbt, sondern auch eine gewisse Faszination für uralte Computer. Nachdem die ersten beiden Soloalben des klassisch ausgebildeten Komponisten besonders wegen ihrer filigranen Durchdachtheit, die dazu führt dass man von Mal zu Mal mehr Facetten heraushören kann, bereits großen Anklang bei einer langsam aber stetig wachsenden Hörergemeinde fanden, bringt er nun mit IBM 1401, A Users Manual ein Werk heraus mit dem er seine Horizonte in anderer Richtung erweitert, weg von der Intimität und hin zu großzügig orchestrierten Epen die jeden ordinären Filmsoundtrack beschämen würden. Dagegen wirken Sigur Rós fast schon wie die zweite Geige.

In seine neue Veröffentlichung bindet Jóhannsson Geräusche uralter Computerperipherie ein die alle zu dem besagten 1401 gehörte, u.a. ein Lochkartenleser und ein Drucker, aber auch das Hauptgerät bot reichlich akustisches Material. Damals waren aus einem Computergehäuse eben etwas mehr als Festplatten und Ventilatoren zu hören. IBM 1401 soll am 17. November hier erscheinen, ich freu mich schon gewaltig. Auf der offiziellen Homepage zum Album kann man nur Ausschnitte aus jedem Akt streamen, zum als Single veröffentlichten letzten Akt gibt es aber ein Video wobei dieses Finale glaub ich keine gesampelten Computersounds nutzt.

[Video] Jóhann Jóhannsson - The Sun's Gone Dim And The Sky's Black (Youtube)

Jóhann Jóhannsson Myspace

Stream: Sufjan Stevens - Songs For Christmas



Weihnachten kommt dieses Jahr für Fans von Sufjan Stevens gleich doppelt verfrüht am 10. November. Zum einen findet dann in Köln das einzige Deutschlandkonzert seiner Europatour statt (das einzige? Shit, langsam sollte ich mir echt mal Karten besorgen...), zum anderen bringt Asthmatic Kitty dann das 5-fach EP-Set Songs For Christmas heraus.
Seit 2001 hat Stevens fast jeden Winter über eine Woche hin eine dieser EPs mit Freunden aufgenommen, und von den 42 Stücken sind immerhin 17 Eigenkompositionen die bei weitem interessanter und schöner anzuhören sind als die doch meist sehr originalgetreu und nur mit Piano eingespielten Weihnachtsklassiker. Alle 5 EPs kann man jetzt auf der Asthmatic Kitty-Seite streamen (einfach auf das jeweilige Cover klicken):

[Stream] Sufjan Stevens - Songs For Christmas (Quicktime)