Mojave 3



Die ersten Gitarrenanschläge von Breaking The Ice erinnern zwar an "Emily Kane" von Art Brut, aber direkt danach wird klar dass es sich hier um einen absolut träumerischen Sommersong von Mojave 3 handelt. Wenn Neil Halstead und Rachel Goswell, der ich an dieser Stelle gute Besserung wünsche, singen

"You are the star that sits in the sky,
the fire that burns when the battle is high,
the feeling that yearns when the yearning is all,"


dann fühlt man sich mehr denn je erinnert an den träumerischen Pop, den die meisten Mitglieder von Mojave 3 Anfang der Neunziger als Slowdive machten. Instrumental ist zwar alles wieder typisch Mojave 3, Indie-Pop mit folkigem Einschlag, aber irgendwie wirkt es hier bunter, fröhlicher als sonst. Breaking The Ice ist die erste Single von Mojave 3s neuem Album Puzzles Like You, dessen Existenz ich komplett vergessen hatte bis Ally mich dran erinnerte. Zum Glück, denn besonders zu dieser Jahreszeit könnte dies gut das bisher beste Mojave 3-Album sein. Einen Großteil des Albums kann man sich im Mojave 3-Player anhören.

[MP3] Slowdive - Breaking The Ice
[MP3] Slowdive - Puzzles Like You
[Video] Slowdive - Breaking The Ice (Youtube)

Mojave 3 Myspace

In The Summertime


Vergangene Woche war ich mal wieder auf alljährlichem Schuheinkauf, und hab mich dort schon über Misfits-, Ramones- und Lemmy-Sneaker amüsiert. Aber die hier sind so scheußlich dass man sie schon fast für einen Abend mieten möchte: Dinosaur Jr. Nikes

Slayer Day ist zwar schon ein paar Wochen vorbei, aber das hier darf nicht unerwähnt bleiben: Anlässlich des Weltereignisses haben die schottischen Aereogramme dieses sehr eigene Cover von Slayers Disciple produziert:
[MP3] Aereogramme - Disciple

Wenn es eine Band gibt deren Gesamtwerk ich bereits besitze aber mit Bonusmaterial bedenkenlos gleich noch einmal kaufen würde (und auch tatsächlich kaufe), dann sind das Pavement. Ende Oktober muss ich das nächste Mal tief ins Portemonnaie greifen, dann kommt die Deluxe-Version von Wowee Zowee heraus. Mit dabei enthalten neben einem Livekonzert und den obligatorischen Demos, Outtakes und Alternativversionen (immer sehr faszinierend bei Pavement) sind desweiteren um die 20 (alternative?) Albumcover.


Wenn es eine Band gibt deren Erstlingswerk ich bereits lechzend herbeisehne, dann ist das Swan Lake, das Projekt der kanadischen Indiestars Dan Bejar (Destroyer, The New Pornographers), Carey Mercer (Frog Eyes, Wolf Parade und Spencer Krug (Sunset Rubdown, Wolf Parade, Frog Eyes). Ihr Debüt Beast Moans erscheint Ende November, und angesichts des Albumtitels und dass der Bandname zuerst Thunder Cloud werden sollte vermute ich da was ganz Wildes.

Darauf hat die Welt gewartet: Jeremy Enigk von Sunny Real Estate bringt im Oktober nach über 10 Jahren sein zweites Soloalbum World Waits heraus. Zwei Stücke davon kann man sich auf der Myspace-Seite des Meister anhören.

Und zum Schluß noch - ich weiß nicht wieso, weshalb oder gar warum, aber hier ist Billy Idol der mit Slash zusammen "In The Summertime" zum Besten gibt:

Two Gallants bei Daytrotter; Neuer Sparklehorse-Song



Mein Preis für die beste neue Internetseite dieses Jahr wird garantiert an Daytrotter gehen, diese Woche gibt es dort exklusiv 4 Songs die Two Gallants dort im Studio zum besten gegeben haben. Das Beste: die 4 Songs sind alle bisher unveröffentlicht, und einer davon ist so neu das er sogar noch keinen Namen hat. Für Fans der Band sollte das aber sicher egal sein, ihren stimmungsvollen modernen Country-Sound haben die beiden jedenfalls nicht geändert.

Two Gallants auf Daytrotter


Bis zum September muss man noch warten bis nach 5 Jahren endlich endlich das neue Album der melancholischen Sparklehorse erscheint, allerdings gibt es auf der Myspace-Seite der Band schon das neue Stück Don't Take My Sunshine Away zu hören. Ist das Leben nicht wundervoll?

Guillemots - Through The Windowpane / The Pipettes - We Are The Pipettes

Guillemots machen diesen Eindruck den auch die Fiery Furnaces machen, dass sie so mühelos großartige eingängige Popsongs produzieren können dass sie sich einfach immer wieder "Fuck It" sagen und etwas Komplexeres aus den Songs machen. Was sollte man sonst von einer Band erwarten, deren Mitglieder mit Avant Garde-Hintergrund aus allen Ländern der Welt kommen.

Through The Windowpane fängt nach dem mehr-als-Intro Little Bear aber erst mal mit den wohl eingängigsten Songs des Albums an, den beiden Übersingles Made-Up Lovesong #43 und Trains To Brazil. Hier merkt man auch direkt was den Indie-Pop der Guillemots neben elaborierten Instrumentalsequenzen so einzigartig macht: die Soul-Elemente, die das Herz der eher intimen Stücke wie Redwings und If The World Ends sind, und die südamerikanischen Sounds die immer wieder in die Songs einfließen. Beides wirkt dabei nie forciert und unnatürlich, sondern manchmal so passend dass man sich nicht vorstellen kann wie es sonst hätte aussehen sollen. Auch was Stimmungen angeht manövrieren Guillemots mühelos von Herzausschütten im Kammerzimmer (Blue Would Still Be Blue) zu euphorisierendem Sambatanz mit Trillerpfeifen (Annie Let's Not Wait).

Am Spektakulärsten kommen alle verschiedenen stilistischen Elemente im monumentalen Schlussstück Sao Paolo zusammen, das in der ersten Hälfte purer weißer Soul ist wie ihn Dexy's Midnight Runners zu Höchstzeiten nicht bewegender machen konnten, dann aber in eine gewaltige Streichersymphonie explodiert und mit einem Crescendo endet bei dem sich einem jedes Mal die Nackenhaare vor Wonne sträuben.

Guillemots Myspace

Ganz und gar nicht schwer zugänglich ist die an den unbeschwerten Pop der 60er erinnernde Musik der Pipettes. Becki, Gwenno und Rosay sind nicht nur einheitlich in weißgepunktete schwarze Dresse gekleidet, auch tanzen sie live fast so synchron wie sie in ihren Songs harmonieren. Dabei nehmen sie nur den vorderen Teil der Bühne ein, im Hintergrund arbeitet ihre Band, die Cassettes. Das öffentliche Gesicht und die Stimme des Großprojektes sind aber die drei Damen, und auch in ihren Texten lassen sich die Pipettes nicht von den Herren der Schöpfung ins Bockshorn jagen.

Mit der zu gleichen Teilen charmanten wie unverschämten programmangebenden Ansage

"We are The Pipettes and we got no regrets, if you haven't noticed yet: we're the prettiest girls you've ever met"

läutet We Are The Pipettes mit preschendem Orgelsound das gleichnamige Album ein, gefolgt von Pull Shapes, diesem geigengefüllten Juwel von einem Popsong durch den allein die Pipettes schon jeden einzelnen Verehrer verdient hätten. Aber das Album besteht fast nur aus klasse Songs, was bei der Simplizität der Songs verblüfft, die tollen Melodien, liebenswerten Texte und leicht immer einen Tick modernen musikalischen Ideen gehen ihnen einfach nie aus.

Manch ein Intellektueller wird wohl aufgrund der scheinbaren Dissonanz zwischen äußerer Aufmachung aus einer popkulturellen Ära in der Frauen oft nur als dümmliche aber hübsche Dekoration dienten und dem starken aber nicht unfemininen Frauenbild das in den Texten vermittelt wird langatmige Traktate über irgendwelche postfeministischen Intentionen oder was weiß ich verfassen, aber das hier ist verdammt noch mal Popmusik zum Spaß haben. Ist es denn so schwer vorstellbar dass die Damen sich dabei nichts Großes gedacht haben?
Deswegen zerrede ich hier auch Nichts weiter und erfreue mich stattdessen an ABC, dem charmantesten Anti-Intellektuellensong aller Zeiten:

"He knows all about the movement of the planets, but he don't know how to move me.
He's the kind of guy who knows just what he knows. He's the kind of guy who.."


The Pipettes Myspace

Burial - Burial



Wer atmosphärische Musik mag wird Burial lieben. Aber Vorsicht, das hier ist keine Musik die man in die neue Moods-Compilation packen kann. Burials Musik ist mehr Dirty Listening als schmalzig-polierte New-Age-Klanglandschaft, Musik, die die abendlich beleuchteten Straßen einer dunklen Großstadt widerklingen lässt. Anders aber als z.B. Bohren & Der Club Of Gore greift die oder der anonyme Burial auf seinem selbstbetitelten Debütalbum aber nicht auf klassische Instrumente wie Saxophon zurück um diese typische Abends-durch-die-Straßen-Fahren-Musik die man aus so vielen tollen Noir-Filmen kennt zu erschaffen, nein, Burial zählt zu den größten Talenten des jungen und noch überaus frischen britischen Elektro-Subgenres namens Dubstep. Das bedeutet hier wabernde Bässe, dazu davon losgelöste hölzerne Beats, bloß keine ordinären 4/4-Takte und vor allem viele bildmalerische Samples.

Dieses Album steht aber aus allen anderen Dubstep-Veröffentlichungen dieses Jahres klar heraus. Neben der ungemein atmosphärischen Wirkung der Songs ist auch die Kompositionstechnik von Burial auffällig. Hier wird nicht millisekundengenau von automatisierten Geräten Sound auf Sound in regelmäßigen Abständen aufgereiht, sondern meist von Hand abgespielt. Diese quasi-analoge instrumentale Herangehensweise an elektronische Musik, eine ungewohnte Unexaktheit die man auch heraushört, trägt nur noch mehr dazu bei dass sich diese Musik so viel lebendiger, wahrhaftiger anfühlt als andere elektronische Musik. Auch dazu bei tragen Sounds die an Fußschritten auf altem Straßenpflaster, an Regen der auf kalte Betonbordsteine klatscht, oder an Wind der durch Tunnel haucht erinnert. Man kann sich beim Hören nicht des Eindrucks erwehren dass Burial einfach aus London kommen muss.

Dies ist nicht nur ein einzigartiges und wichtiges Album, nein, es ist vor allem ein verdammt gutes Album. Auch wenn man sonst gar keine elektronische Musik hört, wenn eine Scheibe es dieses Jahr verdient gehört zu werden dann diese.

Album-Stream auf 3voor12

Burial Myspace

The Exploding Hearts



Oft ist es bitter, Bands früh scheiden zu sehen, aber am schlimmsten ist es immer wenn dieses Scheiden durch einen Tod bedingt endgültig ist. Vor 3 Jahren kamen bei einem Autounfall drei der vier Mitglieder von The Exploding Hearts tragisch ums Leben. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie gerade mal erst ein Album veröffentlicht, das grandiose Guitar Romantic, auf dem sie mühelos zwischen lockeren und rockigen 70s-beeinflussten Powerpop-Songs pendelten. Aber was sie in meinen Ohren unvergesslich macht ist Making Teenage Faces, der Song mit einem der besten Intros der Musikgeschichte. Simpel, kraftvoll und unwiderstehlich. Einer für die Ewigkeit.

The Exploding Hearts - (Making) Teenage Faces