Musiiik

Kingdoms Clubposite-Mix

Eine der faszinierendsten Arten, überwiegend beastbasierte Musik zu rezipieren, ist für mich die gelegentliche Rune Audiosurf. Das Spiel analysiert Tondateien auf einzeln herausstehende Elemente wie Lead-Melodie und Rhythmus, aber auch einen gesamtdynamischen Verlauf mit, um daraus eine futuristische Rennstrecke zu entwerfen, die man parallel zur Musikwiedergabe nach farbigen Blöcken abgrast. Je nach Dichte und Tempo der Musik kann die extrem unterschiedlich ausfallen, von ereignisarmer Gemütlichkeit bis zu einem Rustie- oder stolprigen Footwork-Track. Vor allem kann das Spiel bemerkenswert oft ein stärkeres oder sogar neues Gefühl für den Charakter eines Stückes verleihen, wenn man es derart virtuell-physisch manifestiert sieht

Gerade komplexe Footwork-Stücke waren in kleinen Dosen bislang für mich die ideale Struktur dafür, paarten sich ästhetisch wunderbar mit der futuristischen Optik und generierten extrem aufregende Strecken. Doch auch die Digi-Bassvisionen von Night Slugs und Fade To Mind passen oft formidabel dazu, dieser Mix von Kingdom ist sogar einer der seltenen, den das Programm trotz seiner Länge zu einer einzigen Strecken verarbeiten konnte.

Und die bietet dann auch eine der denkwürdigsten und schier neuen Musikerfahrungen seit Längerem, wenn am Ende eines Trips durch die perkussionslustigen Cyber-Wolken oben genannter Labels, vorwiegend mit überaus mainstreamigen R&B-Vocals infusioniert, nach einer Strecke voller Auf und Ab, anziehender und entspulter Energie (aber nie Aggro-Überdrehtheit, die sich in gelben und roten Farben statt einer blau-grün-violetten Palette äußern würde) - wenn man am Ende dieses Trips schon von Weitem das Ziel sehen kann und auf dem federleichten finalen Abschnitt dieses Mixes hindernisarm in ätherischer Leichtigkeit ins Ziel gleitet.

Kingdom - Clubposite (Achtung, Autostart - Soundcloud-Direktlink hier)

SISTAR19 - Gone Not Around Any Longer

Letztes Jahr setzten SISTAR mit Alone den Trend zum Unflashig-"Erwachsenen" K-Pop, nun hat die Hälfte des Quartetts erneut mit Brave-Brothers-Produktion eine völlig überragende Single hingebogen, deren Einfluss noch gar nicht abzusehen ist. Noch trockener klöppeln die Anschläge mit einer Bestimmtheit, dass sie eigentlich auch ohne zaghafte Pianobegleitung zum gesanglichen Höhepunkt ehrfurchtgebietend im Raum stehen, auch ist das (im Trend liegende) metallumrahmte Holzblasinstrument essentiell und doch nur zweitrangig neben der Wände zum Einsturz bringenden Schmelzstimme Hyorins, die ihre Partnerin dermaßen überschattet, dass dies eigentlich eine Solonummer ist.

[Video] SISTAR19 - Gone Not Around Any Longer

Droop-E ft. Nite Jewel & J. Stalin - N The Traffic

Die darum gewobenen vibraphonigen-synthigen Melodieimpulse und Nite Jewels Gesangsperformance schaden sicher nicht, aber vor allem bin ich endlos fasziniert von der Beat-Produktion dieses Songs. Stereo-Panning, von einem Lautsprecher zum anderen zu wandern, ist eine Sache (und wäre hier wohl kaum so sinnvoll), doch die mehrfachen Anschläge zur und auf der 3-Zählzeit wirken, als würde der Bass von oben nach unten perlen, was sich tatsächlich körperlich nachempfinden lässt, wenn man einen Fuß vorm Bass-Lautsprecher platziert - die ersten Wummer hört man mehr, den dicksten spürt man mehr, mit jeweils unterschiedlichen Sinnesorganen.

[Stream] Droop-E ft. Nite Jewel & J. Stalin - N The Traffic

Criminal Code - Hidden Anger

Derzeit wohl meine Lieblings-Punkband Criminal Code hat so einiges in Aussicht für die Zukunft, wovon Hidden Anger schon mal den Anfang macht. Wer genau aufgepasst hat, wird den als nicht ganz neu identifizieren können - unter falschem Titel war er glaub ich ne Weile auf Soundcloud - aber auf dem neuen Mixtape von Iron Lung Records, das auch tatsächlich nur auf Tape erhältlich ist, kriegt der Song seine erste offizielle Veröffentlichung. Und macht auch klar, warum er zwischen den anderen Cold Thought-Songs bestens aufgehoben war.

[Stream] Criminal Code - Hidden Anger

Mix: K-Pop 2012

Jetzt hab ich diese Playlist schon einen Monat und immer noch nicht den Impetus, groß was dazu zu erklären - bevor ich das gar nicht mehr mache, sei sie also hiermit verlinkt: satte anderthalb Stunden des besten, was die insgesamt immer noch interessanteste Pop-Ecke der Welt im vergangene Jahr so für mich hergab, ein kurzer Überblick über Trends zu stärkerem Fokus auf unmanipulierte Stimmen, mehr Dramatik, neue Bombast-Ausreizungen und überhaupt so ziemlich alles. Und nebenher eine Illustration, warum Gangnam Style nicht so richtig dazugehört - der Song konnte eigentlich nur an Anfang, Ende oder gar nicht dazu.

Blumige Essays, was diesen und jenen Song so toll macht, maile ich gern auf Anfrage zu, für 2013 versuche ich an dieser Stelle auf dem Laufenden zu bleiben - mit so ziemlich dem einzig brauchbaren Mittel der Youtube-Playliste, Spotify & CO. haben davon ja keine Ahnung. Oh, und vor allem fürs Kopfhörern sei HD-Bild-/Tonqualität empfohlen, was wohl von Video zu Video nur bei Fullscreen daueraktiv bleibt, sonst muss man's immer wieder manuell nachjustieren.

[Youtube-Playlist] K-Pop 2012

GLAM - I Like That / MFBTY - Sweet Dream

Bislang sticht K-Pop vor allem mit Songs hervor, bei denen zu Beginn nicht erraten kann, wie sie sich entwickeln werden. I Got A Boy war da nur der Anfang, I Like That windet sich von Diplo-nahem Snare-Rap-Fest in gitarrenschlenkerndes Upbeat-Quietschbunt, während Sweet Dream in verträumt pianoplinkerndem Tranceinfusions-Dance beginnt, seine Strophen jedoch plötzlich in bissigem Sprechgesang zu Sirenen und Brummsynth dahergewippt kommen. Und irgendwie geht das in beiden Fällen sogar ganz gut.

[Video] GLAM - I Like That
[Video] MFBTY - Sweet Dream

Julieta Venegas - Ve Ti

Sicher ist Julieta Venegas' Song wohl am ehesten Synthpop, doch seine instrumentalen Hauptattraktoren sind Klänge, die man durchaus auch stromlos hinkriegen könnte: Das luftige Flöten und das gläserne Glockenspiel, dazu noch etwas, das wahrscheinlich sogar tatsächlich eine gezupfte Gitarre ist, sie bilden spärliche Melodiekonstellationen, für die Funkelsynth und Beatbrummen mehr Drumherum als essentieller Teil sind.

[Stream] Julieta Venegas - Ve Ti

HAIM - Send Me Down (Dan Lissvik Remix)

Merkwürdige Fokus-Trennung: Denke ich an HAIMs Musik im Original, kommt mir partout die formidable Produktion in den Sinn, vor allem die Drums - der Gesang jedoch bleibt kaum hängen. Umgekehrt sieht es bei Remixen von durchaus renommierten Remixern aus: Da sind mir sofort die Vocals präsent, ob bei Lindstrøm & Prins Thomas' Forever oder bei Dan Lissviks bereits zweiter Überarbeitung eines HAIM-Songs, dem elastisch springenden, stimmbeschäftigten Send Me Down.

[Stream] HAIM - Send Me Down (Dan Lissvik Remix)

Wynter Gordon - Human Condition Pt 2: Sanguine

Übers Wochenende hat Bandcamp endlich seine Funktionalität um Fan-Accounts erweitert und ist damit prompt ein Stück attraktiver als Soundcloud geworden. Ist Letzteres doch eher zur Promotion von einzelnen Stücken, finden sich auf Bandcamp so viele feine Alben auf Kleinlabels, die sonst keinerlei Promotion erhalten, dass es nicht leicht war, da den Überblick zu behalten. So hab ich die letzten Tage nun mehrmals überraschend eine Mail bekommen, die über eine Neuerscheinung informierte - gerade eben zum Beispiel, wenn auch nicht überraschend in diesem Fall, die zur neuen EP von Wynter Gordon, die auf Sanguine ihre Human Condition-Reihe fortsetzt.

[Stream/Download] Wynter Gordon - Human Condition Pt 2: Sanguine

Mix: Wenn der Boss in die Disco geht

Am vergangenen Sonntag überkam mich auf einmal ein merkwürdiges Hörverlangen nach Springsteen, nach anthemischem Röhren, raunigem Balladieren und überhaupt. Doch zugleich war da ein Gefühl, eine Intuition, die irgendwie nach einem Disco-artigen Rahmen schrie, nach buntem Nu-Disco-Stampfen und entspanntem Balearic-Schweben und dass das eigentlich ziemlich gut zu Springsteen-Songs passen müsste. Gedacht, gegoogelt und nicht allzu viel später hatte ich eine dreiviertel Stunde Materials genau dieser Art beisammen. Die Qualität mag mitunter nicht die beste sein, da diese praktisch nie offiziellen Remixe aus allen Ecken des medialen Internets zusammengeklaubt wurden, aber ich hab sie mal alle zu einem feschen Mix zusammengepappt - natürlich mit angemessen anspruchsvollem Artwork.