Musiiik

T-Ara N4 - Countryside Life

So langsam scheint sich T-Aras Reputation vom letzten Skandaljahr zu erholen, doch zeigt die Aufspaltung in Teilgruppen noch Spuren von Unsicherheit: Obwohl in N4 (die restlichen, dort am populärsten Mitglieder veröffentlichen eine Single in Japan) eigentlich ihre Rapperin ist, wird die Position an einen Gast vergeben, was eigentlich noch unnötiger ist, da der Track ohnehin ungewöhnlich muskulös angelegt ist. In den aggressiven Ausbruch inklusive "Why you hating?"-Absage mag man was reinlesen oder nicht, ich bin eher mal wieder fasziniert, wie das, was anfangs wie ein arg bemühter Gangnam-Nachahm-Versuch wirkte, bei genauerem Hören immer mehr kleine Seltsamkeiten offenbarte - die verbogen bäähenden Stimmen, das nebenspurige Saxophon, die zweite(?) Strophenart über Ziehharmonika mit traditionalistisch folkig wirkendem Singsang ... Und überhaupt, was das wieder für eine Struktur ist, 6 oder 7 unterschiedliche Strophe/Bridge/Breakdown/Refrain-Arrangements oder so verpassen dem Ganzen eine wahrlich ungewöhnliche Songdynamik, in der Hooks nicht spärlich gesät sind.

[Video] T-Ara N4 - Countryside Life

Quadron - Hey Love

Quadrons großartiges Debüt hab ich glaub ich erst vor zwei Jahren mit reichlich Verspätung entdeckt, doch nicht nur wegen der vermehrten Bekanntheit von Produzent Robin Hannibal mit Rhye dürfte der Nachfolger nicht so leicht ignoriert werden. Die erste Single daraus versprüht schon eben jene Pop-Eleganz, die das dänische Duo so auszeichnet und kann eigentlich nur mit einem ebenso grazil-warmen Video untermalt werden.

[Stream] Quadron - Hey Love

Jagwar Ma / Classixx

Fast als hätte die letztjährige Compilation einen kleinen Club-Zwischenstrich gezogen, pocht Future Classic zunehmend auf Pop. Nach Flumes radioprogrammierbaren Singles stehen die überaus namenskompatiblen Classixx zwar mit mindestens einem Bein noch solide auf der nach Disco schreienden Tanzfläche, lassen aber zunehmend - wie auf der neuen Single All You're Waiting For - solides Songwriting durchscheinen.

[Stream] Classixx - All You're Waiting For feat. Nancy Whang
[Stream] Classixx - Borderline
[Stream] Classixx - Holding On

Jagwar Ma dürfen sich über ihr Kernduo hinaus live gar eine vollwertige Band schimpfen, mit Gitarre und Bass und so. Die setzen sie aber nicht zum in Aussie-Indie-Zirkeln so exzellierenden Trübsalblasen ein, sondern zum fast schon balearisch lockeren Psych-Flug. The Throw und Man I Need fürchten sich dabei nicht vorm Überdehnen ihrer catchigen Samples und handgespielten Motive, über fein verquarzter Perkussion und durch Oszillations-Tunnel führt ihr Trip auch zu kleinen Disco- oder House-injizierten Abwegen, ohne gänzlich zu versanden.

[Stream] Jagwar Ma - The Throw
[Stream] Jagwar Ma - Man I Need / Exercise

Momoiro Clover Z

Ein überdrehteres Album wird es dieses Jahr wohl nicht geben, oder zumindest keines, das auch in großartigem Pop resultiert. Ich wüsste zu gern mehr über den Entstehungsprozess von Momoiro Clover Z zweitem Album, denn die Idee, die genremäßig nicht auf Perfektion setzende Stimm-Animiertheit des Quintetts mit einer Vielzahl an Produzenten außerhalb der Standard-Popgefilde (und überhaupt Japans) zu kombinieren, hat sich als enorm fruchtvoll erwiesen. Der einzige Reinfall ist da ein Song vom OK-Go-Sänger, ansonsten entwerfen unter anderem Ian Parton (The Go! Team), Narasaki (Coaltar Of The Deepers) und Marty Friedman (Megadeth) eine überbordernde Popwelt zwischen Sci-Fi-EDM-Bombast und von klassischeren Stilen geprägtem Pop-Rock, die man sich anhand der Singles schon ganz gut ausmalen kann:

[Video] Momoiro Clover Z - Neo Stargate / Birth Ø Birth / Moretsu Uchu Kokyokyoku Dai 7 Gakusho / Otome Senso / Rodo Sanka / Saraba, Itoshiki Kanashimitachi Yo

Electroboyz feat. Nana - Ma Boy 3

Songrecycling ist kein Novum im K-Pop - siehe Hot Summer beispielsweise, das vor f(x) schon mit starken deutschen Akzenten intoniert wurde -, doch Brave Brothers' Ma Boy-Produktion durchläuft gerade die faszinierende dritte Stufe ihrer etwas anderen Evolution. Zunächst war es eine soulige Single für SISTAR19, dann wurde es mit einer der beiden als Gastsängerin etwas süßer-belebter an Electroboyz weitergegeben, deren dritte Version nun vielleicht sogar die beste darstellt. Was nicht nur der Verdienst der etwas bemessener agierenden Herren, sondern auch einer Vokalistin ist, die hier einmal nicht mit ihrer seltsam gequetschten Baby-Kobold-Stimme sprechsingt, sondern unerwartet bestechende, glanzvolle Höhen erklimmt.

[Video] Electroboyz feat. Nana - Ma Boy 3

HAIM - Go Slow

Nach und nach muss ich wohl meine Meinung zu HAIM hier revidieren. Erst gefielen mir die Vocals vor allem in Remixen, dann die Produktion ihrer Originale, ohne dass es die Songs in Gänze taten. Doch mit der Zeit und vor allem in der Summer ihres mittlerweile veröffentlichten Materials hat sich das geändert, auch abseits der Singles: Go Slow hat gemäß seiner Entspannungskurve zwar keine Stelle, an der sich ein paar Vocal-Silben zuviel in eine Zählzeit quetschen müssen, doch sowohl satt klatschende Drums als auch tollkühne Tonsprünge zeigen selbst in diesem Stück typische HAIM-Charakteristika, das weniger auf Hit-Aufmerksamkeit als goldig gewebte Stimmung ausgelegt ist.

[Stream] HAIM - Go Slow

Robin Thicke - Blurred Lines (feat. T.I. & Pharrell)

Während sich Timba und Timbo etwas zu bemüht an die Kritik anbiedern, erinnert Robin Thicke umgehend daran, dass er in Sachen schmalzig-albernen R&B-Charmes in den letzten Jahren die Marktführung übernommen hat. Deutlicher kann er das kaum signalisieren als mit einem herrlich spaßig-verklöppelten Groover aus den Fingern von Timberlakes Ex Pharrell, der in vier Minuten lässiger überzeugt als jedes doppelt so lange 20/20-Stück und etwa zwei Dutzend .gif-Steilvorlagen aufbietet.

[Video] Robin Thicke - Blurred Lines (feat. T.I. & Pharrell)

Bok Boks FADEMIX 003

Ich mag ja die Cyberbeat-Mixe aus dem Fade To Mind/Night Slugs-Kosmos am liebsten, wenn sie irgendein bindendes Motiv haben - einen Schlüsseltrack, der in diversen Facetten auftaucht oder variiert wird oder, wie in Bok Boks Mix, ein bestimmtes (Vocal-)Sample, das im Verlauf des Mixes immer wieder in die Musik eingewoben wird. Hier erstreckt sich das zwar nur über die erste Hälfte, aber Bok Boks Beats sind derart konsequent hämmernd, dass der Rest auch dadurch mit stärkerem Zusammenhalt erscheint.

FADEMIX003: Bok Bok

Balearic Sunday

Ich bedauere es fast etwas, dass nicht heute nochmal eine dicke weiße Schicht draußen liegt. Denn dann könnte ich mich nochmal warm einpacken und zu diesem Mix in aller Ruhe Schnee schippen, wie ich's die letzten Wochen über schon zweimal gemacht hab. Michele Cesana mag dabei eher ein sonniges Klima im Sinn gewesen sein, doch seine warme Auswahl aus u.a. Stones, HAIM, Rhye und Land Of Light ist von einer solchen Gemütlichkeit geprägt, dass das Wetter drumherum letztlich egal ist. Hauptsache, man geht nichts zu hektisch an.

Balearic Sunday

Ciara - Body Party

Keine Frage, in R&B-Zirkeln ist Ciaras Alleinstellungsmerkmal ihre Physikalität, wenn sie beim Tanzen im Vergleich zu anderen wie eine Hochleistungssportlerin wirkt. Derart hochenergetischer R&B ist derzeit wohl einfach nicht angesagt, doch schien Wake Up No Make Up noch wie ein nicht ganz geglückter Kompromiss, ist ihre zweite Produktion von Mike WiLL Made It in Folge eine Punktlandung im Midtempo. Für Body Party packt sie ihre Körperkraft in diesen einen aufgeregten Stimmsprung im Refrain, der mir nach einmaligem Hören mehrere Tage im Kopf verblieb und sich mit jeder Wiederholung als nicht minder denkwürdig zeigt.

[Stream] CIara - Body Party