Musiiik

Summer Global

Summer Global by Aufeinneues on Mixcloud


Ist das jetzt schon oldschool, einen Mix aus MP3s zusammenzubasteln? Aber anders geht's halt nicht, Spotify und co. haben halt nur einen ziemlich beschränkten Katalog, erst recht wenn es in internationale Popgewässer geht. Eigentlich wollte ich nur ganz konzeptlos meine Lieblings-Sommersongs aus 2014 zusammenwerfen, doch ganz am Ende fiel mir dann auf, dass dabei eine recht internationale Mischung herausgekommen ist: 15 Stücke mit InterpretInnen aus 11 Ländern auf 5 Kontinenten, wenn ich mich nicht verzählt habe. Naja, jedenfalls dachte ich mir, wo ich das Ding schon für mich gemacht habe, kann ich's ebensogut hier teilen. Auch irgendwie oldschool.

Oranssi Pazuzu - Valonielu / Yamantaka // Sonic Titan - UZU

Ich find diese Woche besonders viel Gefallen an psychigem Space-Metal (oder spacigem Psych-Metal? Beides unaussprechlich jedenfalls). Während das kanadische Duo Yamantaka // Sonic Titan zwischen Doom mit Indiepop-Vocals und einem frisierten Acid Mothers Temple mehr auf kompakte Präzision setzt, kommt es dabei aber nicht weniger prachtvoll weit rüber als das ebenfalls zweite Album der Finnen Oranssi Pazuzu, die mit ihren verstimmen Synths auch ein wenig an (die jazzigen) Shining oder Teeth Of The Sea erinnern. Beide Alben schaffen es vor allem, bei gesamtkohärentem Sound derart unterschiedliche Facetten zu formen, dass sich auch das bei derart bildstarker Musik unweigerliche Kopfkino höchst unterhaltsam gestaltet.

[Stream] Yamantaka // Sonic Titan - UZU
[Stream] Oranssi Pazuzu - Valonielu

Young Galaxy - Crying My Heart Out

Einerseits dürften Young Galaxy mit dieser neuen SIngle oberflächlich/genre-elementmäßig eine Wandlung vollzogen haben, die (Achtung: Vergangenheitsschock möglich) rückblickend enorm ist. Aus der indierockig-shoegazigen Traumfabrik ist ein knackiger Dancepop-Track mit mehrminütigem Anlaufnehmen erwachsen, doch hat sich im Sentiment, im Inneren, in dem was transportiert wird so viel geändert? Als Traumfabrik darf das hier sicher immer noch gelten, wie immer sich auch das Gerüst geändert haben mag.

[Stream] Young Galaxy - Crying My Heart Out

Deep Water.....With Love From An Ibizan Sunset

Das Mysterium lebt weiter: International Feels Labelchef Mark Barrott deutete nach seiner Übersiedlung von Uruguay nach Ibiza als The Sonic Aesthetic kurz eine Umorientierung an, auf den Rest des Labels scheint das aber keine Auswirkungen gehabt zu haben. Das schließt auch den Hang zur Kryptik mit ein, so gibt es zu diesem Stück keine anderen Angaben als den (vermutlichen) Titel, kein wer, wann und ob überhaupt - das hält es aber nicht davon ab, das nu-agigste Sandstrandzeitlupenlaufstück seit Chariots Of Fire zu sein.

[Stream] Deep Water.....With Love From An Ibizan Sunset

2NE1 - Falling In Love

Auch wenn wie immer Youtube die einfachste Möglichkeit zum Anhören ist, ist ein Video nahezu überflüssig bei einem Song, dem man die passenden Bilder bereits anhört: Strand, Palmen, für die Hängematte vielleicht einen Tick zu belebt, eher stehend im Sand dazu schaukeln. Denn es war eigentlich schon immer die Stärke der Gruppe, dass sie ihre Songs bereits musikalisch und stimmlich verkörpern kann, bevor die physische Darbietung sie nochmal intensiviert. Die Hauptattraktion hier ist der Refrain über auf Wesentliches reduziertem Dub, wobei aber beide von Vocal-Modulationen und Rap auf moderner Spur gehalten werden.

[Video] 2NE1 - Falling In Love

Mix: The Roots Of Deafheaven

Die hochfrequenten Blastbeats und Tremolos mögen von Black Metal inspiriert sein und auch die Abmischung insbesondere der Vocals dem nachempfunden, doch ich assoziiere mit Deafheavens Sunbather vorwiegend etwas anderes. Das Volumen der Gitarrenwand, durch die eine Melodie sticht, die "Postrock"-Getragenheit à la GY!BE und die emotionale Katharsis der Vocals, das alles ähnelt in meinen Ohren doch stark dem Screamo von vor etwa 10 Jahren. Um das jetzt nicht nur als Statement stehen zu lassen, hab ich eine Handvoll Stücke gesammelt, die das vielleicht ganz gut illustrieren - am praktikabelsten dafür hat sich hier mal eine Youtube-Playlist erwiesen, der Qualität zum Trotze:

The Roots Of Deafheaven

Todd Terje - Strandbar (Disko)

Ich freu mich ja jetzt schon auf seine nächsten Singles Sønnenbad, Surfbård und Hängmatta, aber selbst wenn Todd Terje sich damit wieder ein Jahr Zeit lässt, wird Strandbar bis dahin wohl kaum an Frische verlieren. Ganze drei Versionen hat man davon sogar zur Auswahl, wobei Terje nunmal Terje und die Disko-Version die terjigste ist: Drei Minuten Aufbau bedeuten zwar keine Sofortbefriedigung, dafür fällt der Pianohammer dann umso genüsslicher.

[Stream] Todd Terje - Strandbar (Disko)

Mix: Italo Dreams


Anscheinend muss es nur spät und warm genug in der Nacht werden, damit ich in eine Youtube-Schleife fallen kann. Es ist eigentlich unwichtig, nach welchem Italo-Klassiker ich eigentlich suchte. Auch als ich ihn gefunden hatte, konnte ich nicht aufhören, mich entlang der Youtube-Vorschläge von einem Video zu fünf weiteren zu hangeln, in einem schier endlos erscheinenden Strudel aus überwiegend mäßig guten, aber dann auf einmal doch immer wieder so zauberhaft fremdartig-irrealer Discoproduktionen, wie sie vor allem aus dem Süden Europas kamen. Die kreisenden Basslinien und Synth-Arpeggios, die kompakt bis blechern peitschenden Drums, die mitunter schon fast geisterhaften Vocals, auf mich hatten sie irgendwie immer eine trippigere Wirkung als alle verquarzten Psychedelik-Musikarten - und in ausgewählten Highlights meines Youtube-Trips, die ich in diesem Mix gesammelt habe, eben auch meist einen schonungslos dick aufgetragenen Pop-Appeal.

Classixx - Valley Vacation

Classixx legen nach. Oder haben es eigentlich schon, mancherorts kam der Download ihrer Discopop-Qualitätsoffensive Hanging Gardens mit einem Bonustrack, der zumindest auf Bleep angenehmerweise auch losgelöst davon erhältlich ist. In seiner Deluxe-Losgelöstheit hätte Valley Vacation wohl nicht ganz einfach neben ähnliche Stücke aufs Album gepasst, lebt aber auch entschieden zwischen den Welten: Was wie ein wolkig verträumter Eurotrip Marke Skatebård oder Agebjörn beginnt, fährt zum Finale ein entflammtes Saxo-Solo auf, das eher an der Classixx-heimischen US-Westküste gegen den Sonnenuntergang anbläst.

[Stream] Classixx - Valley Vacation

Mariah Carey – #Beautiful (feat. Miguel)

Es ist wohl der Beat Schuld. Irgendwann in der letzten Wochenhälfte zog mir dieser Gesang über leicht verschlurftem, angeschmutztem Schlagzeugschellen und texturierendem Gitarrenjangle durch den Kopf und mir wollte partout nicht einfallen, welcher Indiepop-Band mit 60s-Einschlag diese Stimme zuzuordnen war. Bis ich unabhängig davon nochmal auf den Soundcloud-Button drückte und mir einfiel "Ach nein, das war ja Mariah Carey". Ob das erneut ein geplantes Anvisieren des zielgruppenbewussten Herrn Pimentel ist oder nicht, das Ergebnis ist in jedem Fall ein formidables Duett. Ob getrennt oder zusammen, diese beiden Stimmen scheinen in ihrer Lebendigkeit und Strahlen wie füreinander gemacht.

[Stream] Mariah Carey - #Beautiful (feat. Miguel)