Interessantes

Samstag Ist Record Store Day, Auch In Deutschland

Am übermorgigen Samstag, den 18.04., wird in den USA der noch recht junge Record Store Day stattfinden, dieses Jahr in größerer Dimension als je zuvor. Und so langsam etabliert sich diese gleichzeitige Werbemaßnahme und Zelebrierung unabhängiger Plattenläden auch in anderen Ländern, freut mich besonders da ich seit einigen Monaten wieder viel öfter Freitags in die Köln/Bonner Läden pilgere.

Eine (kleine) Liste teilnehmender deutscher Läden ist hier zu finden, da die zahlreichen Sonderveröffentlichungen (u.a. ausgerechnet das Köln-Livekonzert von Pavement) die es in den USA gibt leider erstmal auf US-Territorium beschränkt sind lässt man sich hierzulande wohl andere Aktionen einfallen wie z.B. die 20%-Rabatt-Aktion beim a-Musik in Köln. Aber auch so kann man den Tag natürlich als Anlass nehmen um mal wieder ein wenig zu stöbern oder sich unter Gleichgesinnte zu begeben, soll ja tatsächlich noch ein paar Leute geben die sich für Musik nicht nur in Form von Downloads interessieren.

Von Promos, Notgeilen Bloggern Und Lahmen Journalisten

Ich würde ja gerne ein Highlight daraus zitieren, aber dieses gesamte Interview über die oft genauso unter- wie überschätzte Kunst und Macht der PR aus Idolators eh immer lesenswerter Behind-The-Scenes-Serie ist einfach von vorne bis hinten exzellent. Sei hiermit wärmstens empfohlen.

"Shhhh-it!": Idolator's Super-Secret Music Interview Talks Shop

Von wegen Long Tail

Das ist mal ein Text dem ich wirklich nichts hinzufügen und aus dem ich nicht einen besonders wichtigen Absatz zitieren kann, denn Eric Harvey fasst genau meine Probleme mit der Long-Tail-Theorie zusammen, selbst die eMusic-Pressemeldung hat bei mir die gleichen Gedanken erweckt:

"The Long Tail Works!", reports Tail

The Last Beat über Muslimgauze

Es scheint absurd zu sein, dass ausgerechnet ein unscheinbarer Einzelgänger aus Manchester zu einem der, auf musikalischer Ebene, größten Unterstützer Palästinas, der Hamas und der P.L.O. werden sollte, aber jedes Album, jeder Track von Muslimgauze entsprang einem polit-historischen Ereignis, war mit einer ganz bestimmten, wenn auch abstrakten Idee verknüpft.
The Last Beat am Todestag von Bryn Jones mit einem lesens- und hörenswerten Feature über Muslimgauze, gleichzeitig Nachruf und Einführung in das umfangreiche Schaffen des Ausnahmekünstlers.

Samstagmorgenkaffeelektüre

  • When it comes to pop, “style over substance” is an enduring criticism: almost as powerful as it is dumb. So often pop plays a shell game with the ideas – using style as a mask or code to make sure the right people get the substance; or using the excuse of artistry to get away with the most outrageous leaps in style. “Stand And Deliver” is a stylist’s manifesto in lyric and sound, and in the record’s worst line – “Deep meaning philosophies where only showbiz loses” – Adam buys into the binary himself and betrays a certain fretful conservatism. Why not turn philosophies into showbiz, like the rest of the New Pop was doing? (It hadn’t done the Beatles or McLaren any harm, after all)
    Tom Ewings imposantes "Popular"-Projekt, Profile aller Singles die es je auf Platz Eins der UK-Charts geschafft haben, nähert sich dem Tag meiner Geburt. #479: Adam And The Ants - Stand And Deliver, den Song kannte ich ehrlich nicht bis zu Chynna Clugstons wunderbarem Blue Monday.
  • [...] helps to illustrate the frustrating overabundance of unnecessarily reworked material being hurled at listeners. Want more proof? Take a listen to the bounty of remixes clogging up music-blog aggregators such as Hype Machine and count how few actually move you and how many are there to give bloggers another reason/excuse to keep a band's name in the elbo.ws headlines.
    Haha, bin ich also nicht der letzte dem deswegen der Kragen geplatzt ist.
  • At least one long and winding road to hell is paved with interpretations of rock lyrics. Writing on the subject tends to fall apart because lyrics make less sense to the eye than to the ear. Words are blurred and bent by the music that swirls around them. "A song doesn't exist to convey the meaning of the words," the critic Simon Frith has written. "Rather, the words exist to convey the meaning of the song." A Cambridge psychologist once found that if a singer deliberately switches from ordinary words to nonsense syllables in the middle of a song only a few people hear anything amiss.
    The Pavement Tapes von Alex Ross, auch nachzulesen im Booklet zur Brighten The Corners-Neuauflage.
  • Pitchforks größter AC-Fanboy im Chatinterview über Merriweather Post Pavilion und numerische Bewertungen im Allgemeinen.

"The Desperation Of The Annual Tipster Orgy"

What's more pertinent, though, is just how long many of the artists currently being given the 2009 buzz shove have spent being preened and buffed by the A&R machine. (Here's how A&R works. suit A talks to Suit B in the pub, who then tells Suit C, who then tells Suit A without crediting Suit B as his source, the rest of the alphabet then jumps to catch up.)
Luke Turners Quietus-Artikel reißt zwar im Rahmen seiner versuchten Demontage des Hypes um Florence & The Machine die wirklich interessanten Punkte nur an (die Lückenfüllarbeit von Tippabgebereien der Musikpresse zum langsamen Jahresbeginn, die PR-Profitabilität aufgesetzter Exzentrik für Frauen in der Musik), gibt aber gutes Material zum Weiterdenken und -forschen. So ist es sicher nicht uninteressant zu erfahren dass von den 15 brandneuen Up&Comern die die BBC propagiert ganze zehn auf Majorlabels sind und die Liste sogar zur Hälfte nur aus dem Frühjahrsprogramm von Universal besteht. Ein Schelm wer dahinter PR-Einfluss vermutet. Oder?

Samstagmorgenkaffeelektüre + Bonusgedanken

  • Which is what I like about Los Campesinos – they’re unafraid to be Los Campesinos, to be themselves. Which is a different thing from the boring old issue of authenticity. This is about transparency, the idea that you can throw your obsessions into art’s frame and, by doing so, demonstrate the blessed democratic nature of experience and existence. And some people will never forgive you for that.
    Kieron "Phonogram" Gillen über das nach einem seiner Texte benannte We Are Beautiful, We Are Doomed und 40 andere Stücke aus 2008.
  • Diederichsen beklagt den Niedergang von Pop im Radio. Lesenswert auch wenn ich Probleme habe das persönlich nachzuvollziehen, war halt nie ein großer Radiohörer oder Zeitschriftenleser sondern habe, als ich mich Ende des letzen Jahrzehnts massiv für Musik zu interessieren begann, damit eben im Netz begonnen, mit Diskussionen in Foren oder auf Seiten wie der von Gillen.
  • I need to clean out my ears. So from January to November 2009, I'm embarking on a kind of purification rite. In that time, I'm only allowing myself to download one MP3 at a time; the next MP3 can only be downloaded once I listen to the first one. With CDs, if I buy one, I have to listen to it all before I buy another, and before I am allowed to rip any of it to iTunes. There will surely be exceptions--CDs that suck, that I can't deal with playing all the way through--but hearing a bad album end to end is, if nothing else, a learning experience, so I plan to stick by this rule as much as I can.
    Michaelangelo Matos gründet die Slow Listening Movement, eine Einschränkung der Hörgewohnheiten die ich in dieser oder anderer Form nur empfehlen kann. Ich hatte schon letztes Jahr Ermüdungserscheinungen von der Mp3-Promoflut die das Bloggen so mit sich bringt und höre die Dinger seitdem nur noch in gezielten Dosen, dafür kann ich mich größtenteils eben der Musik widmen von der ich schon im Vornherein weiß dass sie mich interessiert. Zudem hab ich mich völlig aus der ganzen Hysterie um die, wie man bei Animal Collective gerade wieder mit lächerlichen bis ekligen Ausmaßen beobachten konnte, Leakgeilheit und dieses verfehlte Gefühl der Berechtigung seitens der Hörer die da mitkommt ("Give us the goddamn album! We as your fans deserve to hear it!") ausgeklinkt. Noch keinen Thread über das neue Album (die sich eh zu 90% um das Runterladen des Leaks zu drehen scheinen, danach ebbt die Diskussion schnell ab) gelesen, keine Reviews die nach einem mal Durchhören schnellstmöglich online gesetzt wurden, weil ich festgestellt habe dass mein Musikhören viel angenehmer und belohnender geworden ist wenn ich im Zweifelsfall erst mal abwarte, nicht sofort höre oder auch nicht sofort alles blogge. Vielleicht werd ich auch omg alt.

    Ähnlich ist es mir wichtig die Alben die ich gerne höre (und davon hier Kund tue) auch zu kaufen, das "Put your money where your mouth is"-Prinzip, auch dann wenn ich die Dinger schon als Promo hab. Abgesehen davon dass ich mich damit eben den Leuten die es verdienen gegenüber erkenntlich zeige, hebt das die Musik in meiner Erachtung eben aus einem Datenhaufen hervor den man anhäufen kann ohne sich ihm jemals wirklich zu widmen. Albumstreams hör ich online trotzdem, denn um alle was mich interessiert ungehört zu kaufen fehlen mir einfach die finanziellen Mittel, aber wenn ich mich dann mal entschieden habe warte ich auch wieder mit dem Hören bis ich das gute Stück in der Hand halte. Also ja, Entschleunigung macht mehr Freude. Mir zumindest. Slow Listening!

"The destruction heaven roughly is formed"

Der Tag naht, nahezu 16 Jahre nach der ersten Ausgabe veröffentlichen Boredoms am 28.01.2009 Super Roots 10 in Japan. Und beim Preis von 2500 Yen dürfte nun endgültig feststehen dass es nicht wie lange gerüchtelt eine Sammlung aller 8 bisherigen Ausgaben ist (es gibt keine Super Roots 4), was es stattdessen ist kann ich jedoch nicht sagen denn die Babelfish-Übersetzung ist mal wieder so mysteriös-großartig dass sie hier im Vollen zitiert werden möchte. Sonic Use!

Band and BOREDOMS where also [boadamuzu] and V∞REDOMS are called, even from the member of sonic use and [niruvuana] respect are done. After the debutting, being consistent, they who show the extent of space scale shoot, “the SUPER ROOTS” series of popularity 10th feature! Present [teisuto] and world view that way, to the supergroup who represents Japan their attempts which grew [gitsushiri] this work which is plugged. With the sound which unexpectedness the seizure rhythm which is attached, the destruction heaven roughly is formed, with bold approach such as vocal and tape operation, is shown one feature as “outer space which recently gathers revaluation from many media the music life body which you are proud in” their, is.
Die Google-Übersetzung ist btw etwas besser, nennt Boredoms aber immerhin "Japan's leading supermarket group".

Daft Punks Electroma Morgen Im Onlinestream

Was ist das für ein filmlastiges Wochenende? Für 24 Stunden zeigt Pitchfork.tv gratis Electroma, den ersten Spielfilm von Thomas Bangalter und Guy-Manuel De Homem-Christo (manchen besser als Daft Punk bekannt). Los geht's um 20.00 Uhr EST, das sollte in mitteleuropäischer Zeit 2 Uhr am Samstag Morgen entsprechen. Hoffentlich ist die Seite bis dahin etwas stabiler, momentan habe ich etwas Schwierigkeiten sie zu erreichen.

Vincent Moons Arcade Fire-Film erscheint nächste Woche

Auf der Webseite zu Miroir Noir gibt's bislang nur einen kleinen Schnipsel zu sehen, allein daran kann man aber schon sehen wer die Bilder für diesen Film beigesteuert hat. Vincent Moons grandiose Aufnahme beim Pariser Auftritt letztes Jahr sollte noch jedem in Erinnerung sein, ab 15.12. soll nun ein 70minütiger von ihm gedrehter Film auf der Miroir Noir-Seite in einer Download- und DVD-Version bestellbar sein. Preis und andere Details werden wohl erst dann bekannt gegeben, für ein Weihnachtsgeschenk könnte es allerdings schon etwas knapp werden. [via]