Video: Blood Red Shoes - Heartsink / Heartsink Live



Nach dem rumpelnden Donnerlauf, der dem zweiten Refrain folgt, ist Blood Red Shoes' Heartsink scheinbar zu Ende. Kein Ton hängt mehr in der Luft, und nach zwei, drei Sekunden beginnt das Publikum zu applaudieren - nur um einen dreiviertel Atemzug später überrascht seinen Irrtum zu realisieren, wenn das Duo genauso plötzlich erneut zum Refrain ansetzt, wie es vorher aufgehört hatte.

Ich frage mich, ob sich die beiden der Wirkung dieser verwirrenden Pause bewusst sind, schließlich ist sie in der Studiofassung kaum vorhanden während sie live genüsslich ausgedehnt wird. So werden dort auch Leute den Song verfrüht beendet wähnen, die ihn schon ganz gut kennen, in jedem Fall vermittelt das verfrühte Klatschen aber ein seltsames Gefühl. Man fühlt sich ertappt, unwissend, kann die hämischen Blicke der "wahren Fans" geradezu im Rücken spüren. Dabei ist dieser Applaus Interruptus nicht mal unbedingt ein Indikator für musikalische Nichtvertrautheit. Mir unterlief er zuletzt bei Ariel Pink - den betreffenden Song hatte ich schon ein halbes Jahrzehnt über immer wieder gehört. Schämen braucht sich deswegen keiner, es gibt schon genug sinnlose Unsicherheiten die manche Leute von der (genuss)vollen Konzertpartizipation abhalten.

Noch mehr aber fühlt man sich vom Applaus Interruptus irritiert, weil in solchen Momenten das gewohnte Wechselspiel auf Konzerten ins Wackeln gebracht wird. Band spielt, Publikum klatscht, Band spielt, etc. - das ist der etablierte Ablauf, sofern er denn mal etabliert wird (Jay Reatard beispielsweise ließ durch sein nonstop Runterspielen bis zum letzten Stück eine derartige Dynamik gar nicht erst aufkeimen). Hier werden die Zuschauenden selbst aus dem Takt gebracht, dem sie vor der Bühne folgen, haben vielleicht gerade das Tanzen eingestellt um die Applaudantenrolle einzunehmen, nur um zu realisieren dass sie immer noch in der Tänzerrolle stecken. Und für eine Sekunde dämmert einem, wie ritualisiert doch diese Konzerterfahrung ist, wie vorhersehbar und schematisch und so gar nicht spontaner Rock und Roll.

Und dann spielt die Band den letzten Ton, man wartet eine Sekunde länger als sonst ab, ob da noch was kommt, und klatscht. Diesmal aber auch ganz sicher richtig.

[Video] Blood Red Shoes - Heartsink / Heartsink (live beim Haldern Festival 2010)