c/o pop 2011 Tag 1: Oh Land, Janelle Monáe
Von Uli am 23. Juni 2011, 12:57
Ein neues Jahr c/o pop, zum ersten Mal seit Langem ohne Dauerkarte - dafür ist das Hauptprogramm des Festivals diesmal zuwenig mein Ding (gestern las ich wieder so einen amüsant scheuklappig-elektronikorientierten Vorbericht, nach der das Festival für jeden Geschmack etwas bieten soll. Nunja, ignoriert man mal z.B. Indie-Rock aus Übersee - nicht, dass der in den letzten Jahren eine größere popkulturelle Relevanz erlangt hätte oder so.)
Jeden Tag mindestens einen guten Grund zum Aufbruch in durchwachsene Wetterverhältnisse gibt es trotzdem, glücklicherweise verzieht sich der letzte Regenschauer bis zum Eröffnungskonzert von Janelle Monáe zugunsten von Sonnenschein. Doch die erste Livedarbietung findet schon vorher statt, die Dänin Oh Land, deren Album nach dem Rest der Welt gen Sommerende auch hierzulande rauskommen soll, spielt einen exklusiven Showcase im Rahmen der Präsentation eines ... ach Mist, jetzt hab ich glatt wieder vergessen was das genau war. Sah aber wie ne Mischung aus Duplostein und Wii-Controller aus.
Eingeladen zu dieser ultraexklusiven Veranstaltung sind jedenfalls wohl Medien- und Musikbranchenleute - und irgendwelche Volldeppen, die ahnungslos an einem Gewinnspiel teilgenommen haben ohne sich genau vorher anzugucken, wo sie sich dort hinbegeben. Ups. So muss ich mich doch erstmal schwer daran gewöhnen, von 10X eleganter als ich eingekleideten TablettträgerInnen kontinuierlich und kostenfrei mit Glasschälchen-Speis und Trank versorgt zu werden, wer hätte gedacht, dass das so anstrengend sein kann? Nie in meinem Leben habe ich mich so oft bedanken müssen. Richtigen Stress hat aber der (vermutliche) Maître d' der direkt am Ufer ragenden Rheinterassen, immer wieder muss er die vom starken Wind verwehten Tischbedeckungen zurechtzupfen.
Und als käme ich mir auf so einer Veranstaltung noch nicht deplatziert genug vor, spielt im Innenraum Nanna Øland Fabricius dann vor einem Publikum aus 34 Menschen, 5 Foto- und 3 Videokameras in einer klinischen Atmosphäre zwischen steifem Observieren und quasselndem Networking. Trotzdem singt, tanzt und trommelt (die Musik kommt überwiegend vom Band und einem huttragenden Stehdrummer (der nicht Bela B. ist!)) sie, als wäre sie schon auf Tour mit Katy Perry und vor entsprechenden Menschenmassen, nur am Rande ihrer durchaus netten, andersweltlich anmutenden Synthmalerei klingen auch interessant abwegige Details mit. Nach dem letzten Song bleibt sie neben der fußhohen Bühne stehen und eine Sekunde überlege ich, einen Dialog über die kulturelle Ignoranz von Federschmuck-Kopfbedeckungen wie der ihren zu beginnen, doch da steht ihr schon ein den ganzen Auftritt angespannt zuschauender Anzugträger beiseite.
So mache ich mich auf zum nebenan gelegenen Tanzbrunnen, merke erst nach dem Betreten durch den Haupteingang, dass ich mich dort auch ohne Karte durch einen verborgenen Weg zwischen den Gebäuden hätte einschleichen können. Die letzten Minuten von Maylee Todd amüsiere ich mich vor allem darüber, dass sie die stereotypisch kanadischste Begleitband aller Zeiten hat, mit Bärten, Tennis-Schweißtuch und einem Matrosenanzugträger. Dann erst mal Streifzug übers Areal, wo sich schnell das wohlige Gefühl einstellt, unter normalen Menschen gelandet zu sein die minutenlang unsicher hin- und herschauen bevor sie eine Unisex-Toilette betreten. Nur ein Bruchteil des Riesengeländes ist gefüllt, bis ans andere Ende, wo einsam die Crew eines Tabakherstellers ein Zelt aufgespannt hat, scheint sich keiner zu verirren.
Dem in jeder Hinsicht diversifizierteste Publikum des Festivals wird von Janelle Monáe und Band dann auch eine Show geboten, die ich eigentlich gar nicht beschreiben möchte - das käme dem Verraten der Wendungen und Überraschungen einer Geschichte gleich, nicht nur Monáe, sondern alle schwarz-weiß eingekleideten auf der Bühne stehenden projizieren ihre eigenen Persönlichkeiten durch Showeinlagen, Tänze, Reaktionen, Soli in der größtenteils Medleyartigen Darbietung. Die umfasst überraschend wenige The ArchAndroid-Songs, würde man doch meinen, dass die Mehrheit des Publikums vor allem damit vertraut ist. Doch nicht minder stark spricht es auf Cover von Stevie Wonder und Jackson 5 an, die allerdings in ihrer Offensichtlichkeit der medleyartig aufgezogenen Show zeitweise einen merkwürdigen Hitparaden-Charakter verpassen.
Geht es aber ans eigene Material, ist die Leidenschaft hinter Monáes technisch übersauberer Stimme unverkennbar, Cold War (zu dem selbst den Leuten auf der Bühne kaum ein passender Tanz einfiel, bemerkenswert schwer wie auch bei anderen "Rocknummern") und Tightrope werden genüsslich lang ausgedehnt bis auch anfangs nicht dazu animierte Zusehende zu mitklatschenden, jauchzenden, Ballons in die Luft schlagenden Mitwirkenden an dieser bunten Schwarzweiß-Show werden.
Jeden Tag mindestens einen guten Grund zum Aufbruch in durchwachsene Wetterverhältnisse gibt es trotzdem, glücklicherweise verzieht sich der letzte Regenschauer bis zum Eröffnungskonzert von Janelle Monáe zugunsten von Sonnenschein. Doch die erste Livedarbietung findet schon vorher statt, die Dänin Oh Land, deren Album nach dem Rest der Welt gen Sommerende auch hierzulande rauskommen soll, spielt einen exklusiven Showcase im Rahmen der Präsentation eines ... ach Mist, jetzt hab ich glatt wieder vergessen was das genau war. Sah aber wie ne Mischung aus Duplostein und Wii-Controller aus.
Eingeladen zu dieser ultraexklusiven Veranstaltung sind jedenfalls wohl Medien- und Musikbranchenleute - und irgendwelche Volldeppen, die ahnungslos an einem Gewinnspiel teilgenommen haben ohne sich genau vorher anzugucken, wo sie sich dort hinbegeben. Ups. So muss ich mich doch erstmal schwer daran gewöhnen, von 10X eleganter als ich eingekleideten TablettträgerInnen kontinuierlich und kostenfrei mit Glasschälchen-Speis und Trank versorgt zu werden, wer hätte gedacht, dass das so anstrengend sein kann? Nie in meinem Leben habe ich mich so oft bedanken müssen. Richtigen Stress hat aber der (vermutliche) Maître d' der direkt am Ufer ragenden Rheinterassen, immer wieder muss er die vom starken Wind verwehten Tischbedeckungen zurechtzupfen.
Und als käme ich mir auf so einer Veranstaltung noch nicht deplatziert genug vor, spielt im Innenraum Nanna Øland Fabricius dann vor einem Publikum aus 34 Menschen, 5 Foto- und 3 Videokameras in einer klinischen Atmosphäre zwischen steifem Observieren und quasselndem Networking. Trotzdem singt, tanzt und trommelt (die Musik kommt überwiegend vom Band und einem huttragenden Stehdrummer (der nicht Bela B. ist!)) sie, als wäre sie schon auf Tour mit Katy Perry und vor entsprechenden Menschenmassen, nur am Rande ihrer durchaus netten, andersweltlich anmutenden Synthmalerei klingen auch interessant abwegige Details mit. Nach dem letzten Song bleibt sie neben der fußhohen Bühne stehen und eine Sekunde überlege ich, einen Dialog über die kulturelle Ignoranz von Federschmuck-Kopfbedeckungen wie der ihren zu beginnen, doch da steht ihr schon ein den ganzen Auftritt angespannt zuschauender Anzugträger beiseite.
So mache ich mich auf zum nebenan gelegenen Tanzbrunnen, merke erst nach dem Betreten durch den Haupteingang, dass ich mich dort auch ohne Karte durch einen verborgenen Weg zwischen den Gebäuden hätte einschleichen können. Die letzten Minuten von Maylee Todd amüsiere ich mich vor allem darüber, dass sie die stereotypisch kanadischste Begleitband aller Zeiten hat, mit Bärten, Tennis-Schweißtuch und einem Matrosenanzugträger. Dann erst mal Streifzug übers Areal, wo sich schnell das wohlige Gefühl einstellt, unter normalen Menschen gelandet zu sein die minutenlang unsicher hin- und herschauen bevor sie eine Unisex-Toilette betreten. Nur ein Bruchteil des Riesengeländes ist gefüllt, bis ans andere Ende, wo einsam die Crew eines Tabakherstellers ein Zelt aufgespannt hat, scheint sich keiner zu verirren.
Dem in jeder Hinsicht diversifizierteste Publikum des Festivals wird von Janelle Monáe und Band dann auch eine Show geboten, die ich eigentlich gar nicht beschreiben möchte - das käme dem Verraten der Wendungen und Überraschungen einer Geschichte gleich, nicht nur Monáe, sondern alle schwarz-weiß eingekleideten auf der Bühne stehenden projizieren ihre eigenen Persönlichkeiten durch Showeinlagen, Tänze, Reaktionen, Soli in der größtenteils Medleyartigen Darbietung. Die umfasst überraschend wenige The ArchAndroid-Songs, würde man doch meinen, dass die Mehrheit des Publikums vor allem damit vertraut ist. Doch nicht minder stark spricht es auf Cover von Stevie Wonder und Jackson 5 an, die allerdings in ihrer Offensichtlichkeit der medleyartig aufgezogenen Show zeitweise einen merkwürdigen Hitparaden-Charakter verpassen.
Geht es aber ans eigene Material, ist die Leidenschaft hinter Monáes technisch übersauberer Stimme unverkennbar, Cold War (zu dem selbst den Leuten auf der Bühne kaum ein passender Tanz einfiel, bemerkenswert schwer wie auch bei anderen "Rocknummern") und Tightrope werden genüsslich lang ausgedehnt bis auch anfangs nicht dazu animierte Zusehende zu mitklatschenden, jauchzenden, Ballons in die Luft schlagenden Mitwirkenden an dieser bunten Schwarzweiß-Show werden.



wunderschön und dänsich