Konzert: c/o pop Tag 3 - The Ruby Suns, The Go! Team



Ein bisschen das dreckige, unterschlagene Negativum dieser Berichte ist ja, dass mich das Programm dieser c/o pop nach denen der letzten Jahre enttäuscht. Zum ersten Mal seit Langem hab ich mir kein Festivalticket für alle Veranstaltungen gekauft, denn ein großer Teil der Handvoll interessanterer Konzerte fand dummerweise gestern zur gleichen Zeit statt. Gut, hätte ich früher gewusst dass Diamond Rings recht pünktlich und The Ruby Suns mit kräftiger Verspätung anfangen würden, hätte sich noch ein Sprint von einem Konzert zum anderen einfädeln lassen, aber dann hätte ich wahrscheinlich auch das beste Lied des Neuseeländer-Trios verpasst.

Die Bühne der Opernterassen, die sonst die Veranstaltungsstätte für anspruchsvolle Avantgarde-Kunstevents wie "Muschi Club" und "Ohrgasmus" geben, versuchte mit hawaiianischem Blumenkranzbehängung ein wenig tropisches Feeling zu erwecken, auch die bereits bevor sich der Raum füllt warm-feuchte Luft trug authentisierend dazu bei. Übertropisch gut gelaunt zeigte sich Gitarrist, Sänger und einziges festes Bandmitglied Ryan McPhun, er war schon vor seinem eigenen Auftritt gespannt wie ein Flitzebogen auf den später anstehenden Auftritt der von ihm obsessiv verehrten Robyn ein paar Meter weiter Richtung Dom. Gehypt spang er munter im Kreis, schon mal auf Kosten ihn umgebender Stühle oder Trommeln, vom präzisen Spiel und Gesang hielt ihn das aber nicht ab.

Die ähnlich viel von Afropop-Melodien wie von Tropicalia-Elementen durchzogenen farbenfrohen Songs waren weniger geradlinig als erwartet, vollzogen immer wieder mit oder ohne Stop Richtungswechsel. Nicht immer war dabei direkt ein Sinn zu erkennen, so dass unklar wurde, ob hier zwei verschiedene Stücke hintereinander gespielt wurden oder ob es Absicht war. Egal war das, wenn die Melodie so stark war wie beim traumhaften Cranberry, verwirrend waren aber besonders die beiden Songs im 80er-Britpopgewand, die mit dem Rest auf keiner erkennbaren Linie standen und so wirkten, als hätte hier auf einmal eine andere Band die Bühne betreten. Trotzdem ein guter, gutgelaunter Auftritt der durch ein Running Up That Hill-Cover nicht weniger sympathisch wurde.



Mit einem Mal doppelt so voll schien es auf und vor der Bühne zu werden, als die britischen Labelkollegen The Go! Team selbige betraten. Die legten von Anfang an mit der vollen Kraft der zwei Schlagzeuge los, weder Rapperin/Sängerin/Hypewoman Ninja noch der im Sprung Gitarren rumreißende Chef Ian Parton zeigten eine Spur von Einrostung, obwohl die Band nun schon seit längerer Zeit an ihrem dritten Album arbeitet. Trotzdem gab es an diesem Abend nur drei neue Stücke zu hören, die mit ihrer pseudonaiv-freuderfüllten Mischung aus Funk, Hip Hop, Cheerleading, Gitarrenbrettern und Xylophon-Melodica-Tweeness eben typisch Go! Team waren, qualitativ aber nicht direkt an alte Highlights ranzukommen schienen. Wobei sich das nicht unbedingt mit den Studioaufnahmen decken muss, deren zahlreiche Samples in der Vergangenheit live oft durch andere Parts ersetzt werden.

Deutlich genug auszumachen waren die vielen Go!-Team-Klassiker, die an diesem Abend gespielt und trotz zunehmender Hitze munter betanzt wurden, aber allemal. Ninja kriegte die Menge sowohl zu Gesängen in Grip Like A Vice und Doing It Right animiert, als auch zum Händeschwenken und beim großen Finale zum Springen. Zwischendurch wurde dem Verliererteam des sonntäglichen Matches - wer immer es auch sein möge - Everyone's A V.I.P. To Someone gewidmet, das, wie die anderen ruhigeren Stücke auch, eine willkommene Schnaufpause darstellte bevor das nächste friedlich-freudige Tohuwabohu ausbrach. Lange wurde nach der ersten noch eine zweite Zugabe gefordert, vergeblich allerdings, so dass wir nun wohl wieder eine Weile warten müssen bis es wieder Neues von Englands ältester Rasselbande zu hören gibt. Für mich war's das wahrscheinlich schon mit dieser relativ attraktionsarmen c/o pop, aber das schöne Wetter sollte ja auch genug nette Alternativen bieten.