Konzert: British Sea Power


Um ehrlich zu sein kann ich nicht allzu viel über das ganze phänomenale Konzert von British Sea Power schreiben, an die ersten 60+ Minuten kann ich mich nämlich kaum noch erinnern. Ich weiß noch dass die Songs von Do You Like Rock Music live alle besser rüber kamen als auf Platte - kurioserweise mit Ausnahme von Atom, dem flottesten und rockigsten Stück. Ich weiß noch wie das Konzert im ordentlich gefüllten Gebäude 9 mit den ersten beiden Songs des Albums begann, gefolgt von gleich mehreren weniger bekannten B-Seiten. Neben dem Kernquartett standen eine Violinistin und ein Trompeter auf der Bühne. Oh, und zu dem großartigen Instrumental The Great Skua wurde eine Videoprojektion aufgefahren mit Möwen die übers Meer dahingleiten, definitiv ein Highlight des Abends.

Aber all das wurde mühelos von dem Wahnsinn überschattet der sich ereignete nachdem die Band unter ausdauerndem Applaus wieder auf die Bühne zurückgefordert wurde. Bis hierhin war der Auftritt nicht groß ungewöhnlich, nichts wie die Legenden die ich über BSP-Konzerte gehört hatte. Flaggen imaginärer Herkunft gaben der Bühne ein internationales Flair, außerdem stand eine Sirene allzeit einsatzbereit die auch für das Finale von No Lucifer bereits genutzt worden war. Oh, und Hamilton - einer der beiden singenden Brüder die auch öfters ihre Positionen an Bass und Gitarre tauschten - trug ein leicht zerfetztes Nachthemd. Das war enttäuschenderweise das ganze Ausmaß an Ungewöhnlichkeit. Aber dann.

Ich erinnere mich noch an folgende Dinge die sich während des mindestens zehnminütigen Rock In A ereigneten:
Der Gitarrist (der die Bühne mit 3D-Brille betrat und verließ) kletterte auf den meterhohen Lautsprecherturm hinter ihm, machte dort oben Flugbewegungen mit den Armen und sprang irgendwie wieder auf die gefüllte Bühne herunter ohne sich was zu verdrehen. Dann nahm er einen sichtlich schweren Lautsprecher, drehte ihn zum Publikum und begann ihn umherzutragen. Später schnappte er sich ein Mikro, begann ekstatisch hineinzujohlen und schleppte das Mikro ins Publikum auf der Suche nach Mitjohlern. Als nächstes schnappte er sich den Trompeter und ließ sich von ihm trompetend durch die Gegend tragen bis beide dann irgendwann in die Sänger rannten/fielen. Yan hatte derweil versucht ein Mikro herunterzuschlucken und schaute dabei mit weit aufgerissenen Augen höchst manisch durch die Gegend, sein Bruder hingegen suchte Menschennähe und ließ sich vom Publikum umarmen. Gegen Ende flogen dann auf einmal rechts und links Äpfel, Orangen und ein kompletter Strunk Bananen durch die Gegend als irgendwer den Inhalt einer Obstschüssel ins Publikum feuerte.

Und irgendwann dann waren sie weg, ein absolut denkwürdiges Konzert zu Ende und British Sea Power hatten gezeigt warum sie einfach unvergleichlich sind. Nur das Publikum, das versuchte gar nicht erst noch eine Zugabe zu erklatschen, aus Angst davor dass nun noch Wilderes passieren könnte.