Konzert: The Fiery Furnaces
Von Uli am 22. November 2007, 19:26

Wenn man nicht wie letztes Jahr zufällig The New Pornographers heißt stelle ich mir den Job der Vorband für die Friedbergers nicht sonderlich attraktiv vor. Denn gegen so furios aufspielende The Fiery Furnaces wie gestern kann man eigentlich nur verblassen, insbesondere wenn man wie Franz Kasper die Art von solider aber unspektakulärer Rockmusik spielt die nicht wirklich mein Fall ist. Immerhin kam ich durch den Namen auf die amüsante Vorstellung von Franz Ferdinand als Vorgruppe der Furnaces und beim Umbau auf die Frotzelei dass die Friedbergers den Schotten wohl das Schlagzeug geklaut hatten, das war nämlich mit zwei Fs gefolgt von ausgeschwärzten Buchstaben beschriftet. Um so größer mein Amüsement als ich bei genauerem Hinsehen unter der Übermalung "Fromz Ferdanind" zu erkennen meinte. Ebenfalls ohne Erklärung, selbst auf Nachfrage hin, blieben die Kanada-Logos auf Bass und T-Shirt des Mannes außen links der gewiss nicht von dort kommt.
Ebenso unernst aber sehr süß begann dann das Konzert, die bereits beim letzten Mal dabei gewesenen Jason Loewenstein und Bob D'Amico besetzten ihre Positionen an Bass und Schlagzeug, gefolgt von Matthew Friedberger der sich statt einer Gitarre um den Hals diesmal rechts mit mehreren Keyboards/Orgeln bewaffnet hatte. Er bat dann die Menge seine Schwester, die am vergangenen Abend mit einer Erkältung zu kämpfen gehabt hätte, mit einem extra Applaus zu begrüßen was auch prompt geschah. Von Formschwäche war bei ihr aber nur wenig zu merken, auch dass ihnen auf dem Weg nach Köln die Achse am Tourwagen gebrochen und die Autobahnahrt so unbemerkt höchst gefährlich geworden war blieb zum Glück ohne Folgen. An der Rückseite der Bühne war ein großes aufsehenerregendes Banner mit bunten Textauszügen aufgehängt, die Aufmerksamkeit war aber schnell auf das tatsächliche Geschehen gelenkt.
Die Rhythmussektion legte von Anfang an mit sattem Druck vor, besonders Loewensteins Bassklang war irre schwer und knarzig und groovte so noch mehr. Im Vergleich zum letzten Mal waren die Songs aber kein einziges manisches Holterdipolter sondern behielten ihre melodischen Akzente, insbesondere die Songs von Widow City die den Großteil des Programms ausmachten klangen absolut fantastisch in diesen Arrangements. Instrumental waren sie dank der irren Keyboards nah an der Plattenversion, strukturell wurde aber imer wieder umgeschichtet, vor allem die gesanglosen Garagerock-Einlagen meist verlängert oder vervielfacht.
Meistens gab es aber Eleanor Friedbergers Gesang zu hören, und der war natürlich wahnsinnig toll. Mit dieser einmaligen, kräftigen Stimme trug sie stellenweise lächerlich schnelle Wortfolgen vor, ohne eine einzige Silbe zu verhaspeln, und behielt dabei auch noch die Betonung. Seltbst während sie sich vom Mikro entfernte schienen die Worte noch genauso kräftig hinüberzuwallen, als hätte sie ein wunderbarer Geist besessen für den die Gesetze der Physik egal waren und den nichts daran hindern konnte freigesetzt zu werden. Ein großes Highlight war der Titelsong des neuen Albums, keine bloße Gesang + Piano-Nummer mehr und trotzdem alle hing alles an dieser Stimme.
An älteren Stücken (die ich identifizieren konnte - manche waren doch noch so verändert dass ich ratlos blieb) gab es vor allem EP-Material zu hören wie Evergreen, Single Again und Smelling Cigarettes, letztere beiden wurden mit Don't Dance Her Down in ein Medley geschachtelt. Ein anderes Medley gab es überraschenderweise mit nur schwer zu erkennenden Nummern von Rehearsing My Choir, davon wurden glaub ich direkt drei am Stück gespielt. Irgendwann war dann alles vorbei, irgendwie schon viel zu früh denn was hätte man nicht noch alles spielen können, aber es war sicher auch nicht ratsam Eleanours Stimme zu überstrapazieren. Zum Abschluss gab es dann auf Besucherwunsch Tropical Iceland, wohl den größten potentiellen Pophit den die Furnaces je geschaffen haben. Natürlich weder in der ursprünglichen langsamen noch in der neueren Südseeversion sondern als zappeligen Garagerock serviert. Ganz ganz großer Murks. Im guten Sinne. Nur schade dass es kein Los Fieros Furnacios-Shirt mehr in tragbarer Größe gab.