Konzert: The New Pornographers / The Fiery Furnaces
Von Uli am 14. Mai 2006, 18:09
"Warum gehst du eigentlich auf Konzerte?" fragte mich letztens jemand ganz unbedarft. Ich vergesse immer wieder dass das für die meisten keineswegs ein alltägliches Ereignis ist, aber als ich die Antwort darauf geben wollte musste ich doch zuerst etwas stutzen. Wie erklärt man in Worten warum ein gutes Live-Konzert einer Band die und deren Musik man liebt eines der besten Dinge ist die es gibt?
Ich weiß jetzt, meine korrekte Antwort hätte darin bestehen müssen, ihn zum gestrigen Konzert der New Pornographers und Fiery Furnaces im Kölner Gebäude 9 zu schleifen, ihm Augen und Ohren weit aufzureißen und anzubrüllen "DA, SIEHST DU DAS? HÖRST DU DAS? FÜHLST DU DAS? DESWEGEN GEHE ICH AUF GOTTVERDAMMTE KONZERTE!"
Zunächst einmal war ich überrascht dass die New Pornographers die Vorgruppe waren, eigentlich hatte ich das Gegenteil erwartet. Aber jegliche Gedanken waren nach dem ersten Takt vergessen, denn die kanadische Supergroup legte sofort los. Neko Case war nicht mit dabei, aber ich kann nicht behaupten dass ich sie vermisst hätte. Ihre Parts übernahm die Nichte von Sänger und Songschreiber A.C. Newman, Kathryn, die auch eine klasse Stimme hat und mir ehrlich gesagt ein bisschen enthusiastischer vorkam als Case.
Abgesehen davon hatte ich nach dem vorherigen Anhören mehrerer Live-Aufnahmen schon eine ganz gute Ahnung davon was mich erwarten würde, aber die fast schon majestätische Wucht der Live-Performance war wirklich fabelhaft. Die Band ist rhythmisch eingespielt, und da die Akustik auch gut war war das Konzert genau so exzellent wie ich gehofft hatte, so mitgerissen dass ich zu jedem Stück tanzen musste war ich schon lange nicht mehr gewesen.
Die Pornographers spielten Stücke von allen ihren Alben, und bis auf ein oder zwei Songs wurde wohl kein Publikumsfavorit ausgelassen. Dementsprechend gut war auch die Stimmung, wobei die Halle nicht mal halbvoll war. Und als nach dem letzten Song Sing Me Spanish Techno die Band die Bühne verlassen hatte und bereits die "das Konzert ist vorbei"-Musik aus den Lautsprechern dröhnte, hielt der Applaus immer noch an, so dass die Band nochmal zu einer feurigen Zugabe raus kam. Wer hätte da gedacht dass der Abend noch feuriger werden würde...
Ich hatte nur vage Andeutungen gehört dass die Live-Shows der Fiery Furnaces radikal anders wären als ihre schrägen Keyboard-Kompositionen auf Platte klingen. Frühestens konnte man das daran merken dass auf der ganzen Bühne weit und breit nichts auch nur annähernd Tastenbesetztes stand, das Setup bestand aus Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren. Die eine Gitarre betätigte Matthew Friedberger, und wie man bald merkte tat er das mit Gusto. Vom ersten bis zum letzten Ton bretterten die Fiery Furnaces nur so durch ihre Stücke durch, und das mit der Wucht einer Metal-Band. Wer die Songs nicht auswendig kannte wäre niemals darauf kommen dass es sich überhaupt zum die gleiche Band handelt, die Stücke wurden nicht nur doppelt so schnell und laut gespielt, sondern waren radikal umgearbeitet. Und wenn man die Songs kannte konnte man viel Spaß damit haben, herauszufinden welcher Song gerade gespielt wurde und was sich die Furnaces alles für diese Live-Version hatten einfallen lassen.
Teilweise waren Passagen komplett gestrichen was z.B. einen Pop-Hüpfer wie Tropical geradezu in einen Ramones-Song umwandelte, teilweise verschmolzen Teile von verschiedenen Stücken zu einem neuen. Und praktisch alle Stücke waren durchweg vom frenetischen Gebolze des exzellenten Drummers durchzogen, das immer wieder beeindruckte Atemlosigkeit beim Hörer verursachte. Die schrägen Keyboardorgien waren teilweise in Gitarrenkrach seitens Matthews umgewandelt worden, der seine verzerrenden Pedale enthusiastischer bediente als ein 15jähriger bei der ersten Probe seiner Punkband. Eleanor Friedbergers Stimme schaffte es aber tatsächlich, unter der Wucht der Musik nicht unterzugehen, sie schien das Ganze sogar als Ansporn zu nehmen sich noch mehr ins Zeug zu legen. Was wirklich beachtlich war angesichts der Tatsache dass sie ihre ohnehin schon oft dicht gefüllten und zungenbrecherischen Passagen in einem halsbrecherischen Tempo vortragen musste um mit der Musik mitzuhalten.
Und dann war irgendwann alles vorbei. Bis auf Matthew verließen alle die Bühne, er signierte noch vorne auf der Bühne, und da merkte ich dass ich wohl das ganze Konzert über ein dickes fettes Grinsen auf meinem Gesicht gehabt haben muss. Und das war dann nun wirklich das letzte was ich von einem Fiery Furnaces-Konzert erwartet hätte.
Eines dieser Konzerte allein wäre ein fantastisches Erlebnis gewesen. Beide an einem Abend: Großes Kino für die Ohren. Ein Feeling, das einen auch am Tag danach nicht loslässt. Pure Euphorie.
Der Grund warum ich auf Konzerte gehe.
Edit: 4 Bilder vom Konzert finden sich hier
Ich weiß jetzt, meine korrekte Antwort hätte darin bestehen müssen, ihn zum gestrigen Konzert der New Pornographers und Fiery Furnaces im Kölner Gebäude 9 zu schleifen, ihm Augen und Ohren weit aufzureißen und anzubrüllen "DA, SIEHST DU DAS? HÖRST DU DAS? FÜHLST DU DAS? DESWEGEN GEHE ICH AUF GOTTVERDAMMTE KONZERTE!"
Zunächst einmal war ich überrascht dass die New Pornographers die Vorgruppe waren, eigentlich hatte ich das Gegenteil erwartet. Aber jegliche Gedanken waren nach dem ersten Takt vergessen, denn die kanadische Supergroup legte sofort los. Neko Case war nicht mit dabei, aber ich kann nicht behaupten dass ich sie vermisst hätte. Ihre Parts übernahm die Nichte von Sänger und Songschreiber A.C. Newman, Kathryn, die auch eine klasse Stimme hat und mir ehrlich gesagt ein bisschen enthusiastischer vorkam als Case.
Abgesehen davon hatte ich nach dem vorherigen Anhören mehrerer Live-Aufnahmen schon eine ganz gute Ahnung davon was mich erwarten würde, aber die fast schon majestätische Wucht der Live-Performance war wirklich fabelhaft. Die Band ist rhythmisch eingespielt, und da die Akustik auch gut war war das Konzert genau so exzellent wie ich gehofft hatte, so mitgerissen dass ich zu jedem Stück tanzen musste war ich schon lange nicht mehr gewesen.
Die Pornographers spielten Stücke von allen ihren Alben, und bis auf ein oder zwei Songs wurde wohl kein Publikumsfavorit ausgelassen. Dementsprechend gut war auch die Stimmung, wobei die Halle nicht mal halbvoll war. Und als nach dem letzten Song Sing Me Spanish Techno die Band die Bühne verlassen hatte und bereits die "das Konzert ist vorbei"-Musik aus den Lautsprechern dröhnte, hielt der Applaus immer noch an, so dass die Band nochmal zu einer feurigen Zugabe raus kam. Wer hätte da gedacht dass der Abend noch feuriger werden würde...
Ich hatte nur vage Andeutungen gehört dass die Live-Shows der Fiery Furnaces radikal anders wären als ihre schrägen Keyboard-Kompositionen auf Platte klingen. Frühestens konnte man das daran merken dass auf der ganzen Bühne weit und breit nichts auch nur annähernd Tastenbesetztes stand, das Setup bestand aus Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren. Die eine Gitarre betätigte Matthew Friedberger, und wie man bald merkte tat er das mit Gusto. Vom ersten bis zum letzten Ton bretterten die Fiery Furnaces nur so durch ihre Stücke durch, und das mit der Wucht einer Metal-Band. Wer die Songs nicht auswendig kannte wäre niemals darauf kommen dass es sich überhaupt zum die gleiche Band handelt, die Stücke wurden nicht nur doppelt so schnell und laut gespielt, sondern waren radikal umgearbeitet. Und wenn man die Songs kannte konnte man viel Spaß damit haben, herauszufinden welcher Song gerade gespielt wurde und was sich die Furnaces alles für diese Live-Version hatten einfallen lassen.
Teilweise waren Passagen komplett gestrichen was z.B. einen Pop-Hüpfer wie Tropical geradezu in einen Ramones-Song umwandelte, teilweise verschmolzen Teile von verschiedenen Stücken zu einem neuen. Und praktisch alle Stücke waren durchweg vom frenetischen Gebolze des exzellenten Drummers durchzogen, das immer wieder beeindruckte Atemlosigkeit beim Hörer verursachte. Die schrägen Keyboardorgien waren teilweise in Gitarrenkrach seitens Matthews umgewandelt worden, der seine verzerrenden Pedale enthusiastischer bediente als ein 15jähriger bei der ersten Probe seiner Punkband. Eleanor Friedbergers Stimme schaffte es aber tatsächlich, unter der Wucht der Musik nicht unterzugehen, sie schien das Ganze sogar als Ansporn zu nehmen sich noch mehr ins Zeug zu legen. Was wirklich beachtlich war angesichts der Tatsache dass sie ihre ohnehin schon oft dicht gefüllten und zungenbrecherischen Passagen in einem halsbrecherischen Tempo vortragen musste um mit der Musik mitzuhalten.
Und dann war irgendwann alles vorbei. Bis auf Matthew verließen alle die Bühne, er signierte noch vorne auf der Bühne, und da merkte ich dass ich wohl das ganze Konzert über ein dickes fettes Grinsen auf meinem Gesicht gehabt haben muss. Und das war dann nun wirklich das letzte was ich von einem Fiery Furnaces-Konzert erwartet hätte.
Eines dieser Konzerte allein wäre ein fantastisches Erlebnis gewesen. Beide an einem Abend: Großes Kino für die Ohren. Ein Feeling, das einen auch am Tag danach nicht loslässt. Pure Euphorie.
Der Grund warum ich auf Konzerte gehe.
Edit: 4 Bilder vom Konzert finden sich hier