HAIM - Go Slow

Nach und nach muss ich wohl meine Meinung zu HAIM hier revidieren. Erst gefielen mir die Vocals vor allem in Remixen, dann die Produktion ihrer Originale, ohne dass es die Songs in Gänze taten. Doch mit der Zeit und vor allem in der Summer ihres mittlerweile veröffentlichten Materials hat sich das geändert, auch abseits der Singles: Go Slow hat gemäß seiner Entspannungskurve zwar keine Stelle, an der sich ein paar Vocal-Silben zuviel in eine Zählzeit quetschen müssen, doch sowohl satt klatschende Drums als auch tollkühne Tonsprünge zeigen selbst in diesem Stück typische HAIM-Charakteristika, das weniger auf Hit-Aufmerksamkeit als goldig gewebte Stimmung ausgelegt ist.

[Stream] HAIM - Go Slow

Stream: Dick Diver - Calendar Days / Camperdown & Out - Couldn't Be Better

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn darin über schlechtes Wetter gesungen wird, ist es gute australische Musik. Melbournes Dick Diver (Hauptband von Boomgates' Steph Hughes und produziert von Mikey Young, quelle surprise) treiben das in ihrem zweiten Album grenzparodistisch auf die Spitze, indem sie sogar Regenfall sampeln - an der Schönheit ihres Downer-Jangles ändert das aber nichts. Durchgängig ein Stück flotter halten Camperdown & Out, wenn auch nicht so furios wie die Band ihres Bassisten Royal Headache oder so versägt wie deren anderes Nebenprojekt Bed Wettin' Bad Boys - bloß leichtfüßiger Jangle-Pop in grenzperfekt imperfektem Sound, in dem mir allerdings noch kein Schlechtwetter aufgefallen ist.

[Spotify] Dick Diver - Calendar Days
[Stream] Camperdown & Out - Down & Out

Robin Thicke - Blurred Lines (feat. T.I. & Pharrell)

Während sich Timba und Timbo etwas zu bemüht an die Kritik anbiedern, erinnert Robin Thicke umgehend daran, dass er in Sachen schmalzig-albernen R&B-Charmes in den letzten Jahren die Marktführung übernommen hat. Deutlicher kann er das kaum signalisieren als mit einem herrlich spaßig-verklöppelten Groover aus den Fingern von Timberlakes Ex Pharrell, der in vier Minuten lässiger überzeugt als jedes doppelt so lange 20/20-Stück und etwa zwei Dutzend .gif-Steilvorlagen aufbietet.

[Video] Robin Thicke - Blurred Lines (feat. T.I. & Pharrell)

Stream: The Suicide Of Western Culture - Hope Only Brings Pain

Ein wenig Befangenheit werde ich bei diesem Album nicht abstreifen können. Zu unauslöschlich ist mir das Bild eingebrannt, das sich bot, als The Suicide Of Western Culture live in einer simultanen Noisepop- und Kunstnebel-Attacke mehrere Unvorbereitete im Publikum die Flucht ergreifen ließen und mit ihren überzogenen Kapuzen wie sonische Terroristen wirkten. Wer das zweite Album von Fuck Buttons als poppig empfinden konnte, wird aber von Hope Only Brings Pain kaum terrorisiert werden, dessen Stücke nicht selten wie knappere Versionen davon mit einer Prise M83 wirken.

[Stream] The Suicide Of Western Culture - Hope Only Brings Pain