Big Bang - Fantastic Baby

Angesichts ihres Status als größte Boygroup Koreas (wenn nicht sogar, mangels Konkurrenz, der Welt) waren die ersten beiden Singles aus Big Bangs durchweg gelungenem Mini-Album Alive nicht gerade Aufmerksamkeit haschende Comebacks, das softe Blue schon fast das polare Gegenteil vom maximalistischen K-Pop-Zirkus. Doch während dieses sich besser im Albumkontext geriert, sind Bad Boy und Fantastic Baby inner- und außerhalb davon die deutlichen Highlights; der Großstadt-R&B von Ersterem ebenso unbesorgt lässig wie Letzteres mit seinen diversen Rufen und Spoken-Word-Einwürfen, vor deren akkumulierter Stimmpräsenz das Electro-Instrumental fast zur Nebensache gerät. So klingt es, wenn sich eine Popgruppe unantastbar fühlt (siehe im letzten Jahr 2NE1 mit I Am The Best, das Big Bang prompt selbst aufführten) und zumindest eine Weile auf ihren Thronen niederlassen kann.

[Video] Big Bang - Fantastic Baby

Miguel - Adorn

Ich hatte mich nie für einen R&B-Puristen gehalten, schon allein in Ermangelung dafür nötiger Fachkenntnis. Aber irgendwie fand ich die mäßig gut besungenen Niedrigbitraten-Beats und Beach-House-Samples, die letztes Jahr so in den Indie-Bereich überkreuzten, nicht so mitnehmend wie vereinzelte mainstreamigere Sachen. Vor allem die von Miguel, der wohlgemerkt schon recht eigentümliche, visionäre Produktionen hat. Das zeigt sich auch am schwummrig verhangenen, bebrummten und beblubberten Mitternachtssoul von Adorn, dem herausragenden Eröffnungsstück seiner ersten von drei monatlichen Art Dealer Chic-Mini-EPs.

[Stream] Miguel - Adorn

Moonface - Teary Eyes And Bloody Lips

Was für einen Sonderstatus Spencer Krug hat merke ich dann wieder, wenn ich schon üble Vorfrude auf sein neues Werk als Moonface bekomme, sobald ich nur die Texte lese. Dabei sind die (falls tatsächlich auch auf dem Album vorhandenen) zwei Spoken-Word-Teile (einer davon zitiert Rainer Maria Rilke) noch nicht mal das Bemerkenswerteste an dem am 20.04. erscheinenden With Siinai: Heartbreaking Bravery.

Um wie versprochen die Moonface-Künstleridentität variabel zu halten, hat er dafür mit den Finnen Siinai kollaboriert, mit deren krautiger Rückendeckung er zumindest auf dem vorletzten Stück gehörig Dronerockig ankommt und fast an die synth-psychedelischeren Momente der Horrors erinnert. Jedoch höchstenst, bis der Song im letzten Drittel eine Güteklasse höher steigt und Krug ein simpel-perfektes "You looked so beautiful then. And you look so beautiful now" mit doppelten Tastenanschlägen einrahmt.

[MP3] Moonface - Teary Eyes And Bloody Lips

Stream: Nite Jewel - One Second Of Love

Sagenhaftes Timing, dass nächste Woche neben Julia Holters auch das neue Album von Nite Jewel erscheint, haben sich beide doch die letzten Jahre oft in einem ähnlichen Umfeld aufgehalten (und hatten so z.B. nun den gleichen Mischer am Werke). Musikalisch bleibt Ramona Gonzalez aber ganz sich selbst treu, in vollem, selbstvertrautem Sound schwummert ihr Spätnachts-Pop auf One Second Of Love klarer, aber nicht minder synthig daher.

[Stream] Nite Jewel - One Second Of Love