Our Concert Could Be Your Life



Wer Michael Azerrads Our Band Could Be Your Life gelesen hat - oder ohnehin schon die Geschichte der darin beschriebenen Bands und Labels kennt - weiß, dass für manche der Indie-Begriff nicht nur ein klangstilistischer Umriss ist, sondern auf eine tiefer gehende Tradition von künstlerisch unabhängiger DIY-Attitüde abzielt. Zu einer Jubiläumsveranstaltung kamen so am vergangenen Wochenende zahlreiche kontemporäre Indierock-Bands wie Dirty Projectors, tUnE-yArDs, Ted Leo, Titus Andronicus oder Delicate Steve zusammen, um ein paar der darin beschriebenen Bands zu covern. Das Highlight stellten dabei, wie ich es mir schon bei der ersten Ankündigung erhofft hatte, St. Vincents Big-Black-Cover wie das oben zu sehende Kerosene dar, den Rest gibt es allein oder am Stück bei NPR zu hören:

Our Concert Could Be Your Life

Video: Katy B - Easy Please Me



Auch wenn die Designation "Urban Pop" meistens einen merkwürdigen Beiton hat, im Falle von Katy Bs Debüt passt sie bestens. Betanzbare Popsongs, die die hellen Lichter der Großstadt bei Nacht emulieren, nicht von oben herab sondern aus der Froschperspektive bewundernd nach oben blickend, normalo-stimmlich mit mindestens einem Bein auf dem Boden . Oder wie in Easy Please Me mit beiden, bis es am Ende ein oder zwei Oktaven nach oben geht.

[Video] Katy B - Easy Please Me

Stream: Planningtorock - W

W von Planningtorock scheint so ein zu Album sein, dessen Vorzüge sich mir beim bloßen Anhören nicht so schnell und klar offenbaren. Oder vielleicht hat es mich bislang einfach in den falschen Momenten erwischt, jedenfalls kamen mir die erhabenen Kompositionen bei bisherigen Versuchen zwar erhaben, aber dramaturgisch zu steif rüber - was sich jedoch gestern änderte, beim Liveauftritt offenbarte sich eine Körperlichkeit und Sinnlichkeit, von der ich hoffe, dass ich sie beim nächsten Anhören wieder antreffen werde.

[Stream] Planningtorock - W

Video: Dominik Eulberg - Die 3 Millionen Musketiere



Es ist kein Wunder, dass der Wald nicht nur seit jeher Romantiker zu dichterischen Auswüchsen inspiriert, sondern auch den Ruf einer Märchenkulisse anhängen hat. Alle paar Meter führt ein kleiner, mysteriöser Pfad ins Ungewisse, verlockt zur Entdeckungsreise, auf der man eine Unmenge an großen wie kleinen Naturwundern entdecken kann. Dominik Eulberg zelebriert derartige Mikrokosmos-Wundererfahrungen auf seinem herrlichen neuen Album Diorama, jedes der 11 Stücke ist einer davon gewidmet. Mit Glöckchen und Aphex-IDM-Glitches nimmt sich Die 3 Millionen Musketiere einer mächtigen Kolonie an, ein Beispiel für die weniger clubbigen Auswüchse diese Albums, das sich übrigens auch bestens für einen gemütlichen Waldspaziergang eignet.

[Video] Dominik Eulberg - Die 3 Millionen Musketiere