Stream: Solar Bears - She Was Coloured In

Mein Text zum kaum in wenige Worte fassbaren, enorm vielseitigen Debütalbum des irischen Duos Solar Bears ist gerade online gegangen, ich kann aber in aller Kürze aber sicher schon mal sagen, dass es die durch die Inner Sunshine-EP geweckten Hoffnungen nicht enttäuscht hat. Das Erscheinen des wie's aussieht nur via Import erhältlichen She Was Coloured In auf Planet Mu hat sich zwar etwas verschoben, seit heute sollte die farbenträchtige Klangwelt aber nicht nur als Download, sondern auch auf CD/LP bestellbar sein - und ist zudem bei 3voor12 komplett anhörbar:

[Stream] Solar Bears - She Was Coloured In

Warpaint



Nicht gerade die bestgeeignete Wochenbeginn-Musik, aber Warpaint aus L.A. müssen hier wirklich mal so langsam erwähnt werden. Seit fast drei Wochen bin ich nun schon ihrem Stück Undertow mit seinem traumhaft geschichteten Wechselgesang verfallen, das übernächste Woche mit dem Debütalbum The Fool hoffentlich reichlich gute Gesellschaft bekommt. Ihr angepsychter Schattenpop erinnert in seiner Intimität und Räumlichkeit wohl viele ein wenig an The xx, mich aber vor allem an das wundervolle Quasi-Debüt von Rings oder eben den erhabenen Gesang der Deheza-Schwestern. Stücke wie Elephants von der schon etwas älteren, diese Woche wiederveröffentlichten EP Exquisite Corpse belegen aber, dass das Quartett auch mit aufgedrehtem Verzerrer ziemlich bezaubernde Instrumentalverwebungen zustande bringt.

[MP3] Warpaint - Undertow (von The Fool)
[MP3] Warpaint - Elephants (von der Exquisite Corpse-EP)

Video: Wolf Parade - Yulia



Ach nun, wo es schon einen konkretesten Anlass gibt werde ich wohl kaum drum herum kommen zu erzählen, wo ich letztes Wochenende war. Nachdem nun schon zum zweiten Mal (RIP never forget Sleater-Kinney-Tour 2005) ein Köln-Konzert von Wolf Parade abgesagt wurde und so schnell nicht mehr mit einem erneuten Besuch zu rechnen war, bin ich dann halt nach Berlin gepilgert wo die Kanadier die Hauptattraktion einer Clubnacht darstellten. Weil man für diese Band sowas eben macht.

Nach einem amüsanten Trip (einen kulissenhafter wirkenden Stadtanbau als Bielefeld hat wohl kein Bahnhof), auf dem das Wetter schlechter und die Menschen unangenehmer wurden je näher es dem Ziel entgegen ging, fand ich mich dann in den verwirrenderweise miteinander verbundenen Clubs Magnet und Comet wieder. Erste prägende Eindrücke: Ein prominent hinter der Bar hängendes "Keine illegalen Drogen!"-Schild, etwas beunruhigend da der Club nach dem was ich vorher gelesen hatte ansonsten eher ein sehr junges Publikum anziehen sollte, und eine mir bis zum Bauch reichende Frau die schnurstracks vom verregneten Eingang zur Theke marschierte um dort 3 aufgereihte Shots zu exen. Ob mit oder ohne Aufputschmittel, das dortige Publikum zeigt sich so leicht begeisterungsfähig (und allgemein auch was kontaktintensiver - wenn dort wer an mir vorbei wollte, wurde ich irgendwie immer gleich halb umarmt), wie man es als Kölner kaum gewöhnt ist.

Das wirkte anfangs sehr sympathisch, wie da eine Band wie Earl Greyhound, die ich nur aus Werbemails kannte, enthusiastisch bei ihrem ersten Deutschlandauftritt bejubelt wurde. Auch wenn sie mir ne Spur zu routiniert und mit dem Ashton-Kutcher-Verschnitt an der Gitarre fast schon gecastet wirkend runterrockten dass der Groovefunken nicht so recht überspringen wollte... aber lange sollte dies der beste Auftritt des Abends bleiben. Es folgte nämlich ein schmieriges Quartett, dessen irgendwo zwischen drittklassigen Hives und vierklassigen Hellacopters rangierender Schweinerock der Rezeption nach dort wohl Kult oder sowas zu sein schien. Lieber gab ich mir da die nebenan spielenden Indiepopper, die gefolgt wurden von Menschen die nicht nur wie Interpols Stuntdoubles wirkten, sondern, na klar, prompt auch eine abgehalfterte Ian-Curtis-Impersonierung ablieferten.

Langsam musste ich aber rüber in den anderen Raum, wo erstmal der ganz große Horror die Bühne betrat: Eine Truppe total flippiger und partylustiger Isländer, die nicht nur auf mich wie ein Billigverschnitt von - ausgerechnet! - frühen Wolf Parade wirkten. Was irgendwie die Leute vor der Bühne nicht daran hinderte, schweißtriefend dazu abzugehen und mich endgültig an der Menschheit zweifeln ließ. Wer waren diese Menschen, die davon ebenso körperlich motivierbar waren wie zum in den Pausen gespielten Billiglectro und Nu-Metal(!) - beides ziemlich unpassende Musikauswahl an diesem Abend. Hatten sie noch nie zuvor Musik gehört? Oder tanzten sie prinzipiell zu absolut allem, was irgendwie betanzbar war? Wuchs vor meinen Augen die geschmacksbefreite Spaßgesellschaft 2.0 heran? Oder lag es an mir, war mir die Zugfahrt einfach nicht bekommen? Mein Rücken drückte allmählich vom vielen Rumstehen nach dem vielen Sitzen. Vielleicht schlug das auch auf meine Stimmung, vielleicht würde selbst das was folgen sollte mich nicht mitreißen können.

Aber nein. Dann kam die Erlösung, die all die Strapazen wert gewesen war, nach einem Song und damit einhergehender Bewegung war alle negative Energie über den Ural geblasen. Zwar hatte das Quartett nicht seinen besten Abend, schien nicht sonderlich von einer der skandinavischen Vorbands begeistert gewesen zu sein und verspielte sich zwei, dreimal, was aber auch damit zusammen hängen dürfte dass die Monitore nicht funktionierten. Trotzdem war der Raum bald proppevoll, so dass vor dem Eingang noch eine extra Menschenschleuse eingerichtet werden musste, und wogte die Masse spätestens nach dem Doppelhammer aus This Heart's On Fire und I'll Believe In Anything immer wieder nach vorne in einer Begeisterung, deren Ausmaß aufgrund alles Vorhergegangenen allerdings nur schwer einzuschätzen war.

Nach drei Alben und demnächst auch drei EPs können sich die Kanadier mittlerweile ein Set leisten, das quer durch ihre Diskographie geht und bei dem man trotzdem vermutlich irgend einen Song vermissen wird (in meinem Fall war dies Cave-O-Sapien!). Live intensivierten sich unter blitzender Lightshow die verschiedenen Elemente ihrer selten bei einem davon verbleibenden Stücke, die straighten Rockpassagen rockten heftiger, instrumentale Zwischenreisen mäanderten mehr, discoig anmutende Tanzpassagen pumpten farbenfroher. Vor allem dank des vermehrten Einsatz von Synths, neben ihren Saiteninstrumenten stand sowohl Dante DeCaro als auch Dan Boeckner mittlerweile mindestens einer davon zur Seite.

Letzterer spielte das Tasteninstrument natürlich nicht so voller unruhiger Energie wie seine Gitarre, deren Griffbrett er würgte während sich ein nervöses Schütteln durch seinen ganzen Körper zog. Da die Band zuvor schnell eigenhändig die Bühne umgebaut hatte, schwitzte Spencer Krug, trotz persönlichen Ventilators im Rücken, diesmal sogar schon bevor der erste Ton gespielt wurde. Trotzdem balancierte er ohne Ausrutscher seinen nur sporadisch zum Sitzen genutzten Hocker mit Knie und Fuß wippend in seiner bei Rückenärzten Besorgnis erweckenden, über Keyboards gebückten Haltung, akzentuierte gleichzeitig immer wieder wie ein Lagerfeuernarrateur seine Gesangspassagen mit Gesten vor seinem langen, gewundenen Haar. Allzu viel Gelegenheit bekam er dazu aber nicht, denn Wolf Parade spielten ihr ruhigstes Material an diesem Abend nicht. Sie waren gekommen, um mal wieder zu beweisen was sie sind: Die beste verdammte Liverockband der Gegenwart.

[Video] Wolf Parade - Yulia

Matador Records' Geburtstagsfestival Im Livestream

Dieses Wochenende feiert Matador Records sein 21jähriges - natürlich mit, wie sich das mittlerweile so etabliert hat für volljährige Indielabels, einem hochkarätig besetzten wochenendlichen Festival. Besonders ist allerdings die Location, die sich Matador dafür ausgesucht hat: Ein Casino in Las Vegas. Gerne wäre man natürlich dabei, doch wenigstens in Bild und Ton wird von der Veranstaltung ab morgen früh 5:30 übertragen, mit von der Partie werden dabei sein (in chronologischer Reihenfolge):

Chavez, Fucked Up, Sonic Youth, Pavement, Girls, Come, Perfume Genius, Cat Power, Superchunk, Spoon, Belle & Sebastian, Shearwater, Ted Leo & The Pharmacists, The New Pornographers, Liz Phair und Guided By Voices. Yup.

Matador At 21

Nachtrag: Wo ich hier gerade Sonic Youth gucke (yeah!) kann ich 1. bestätigen, dass der Stream auch in Deutschland funktioniert und 2. nachtragen, dass es nicht nur ein Audio- sondern gleich ein Videostream in sehr sehr feiner Qualität ist. Der auch im Anschluss wohl nochmal ansehbar sein wird.

Neues Von Envy, 65daysofstatic

Nach der Insomniac Doze-EP und Split-Veröffentlichungen mit Jesu und Thursday, auf denen sie stellenweise was in Synthbegeisterung erlahmt schienen, kehren die mächtigen Klopper Envy am 22.10. endlich mit einem neuen Album zurück. Und die ersten Vorabstücke davon machen doch ordentlich Hoffnung auf Recitation, A Breath Clad In Happiness nimmt langsam aber stetig an Dichte und Intensität zu und im wunderbar mit seinem Video harmonisierenden Worn Heels And The Hands We Hold wirkt die Kombination aus heiseren Krächzschreien und Spoken-Word-Teil dringlich wie lange nicht mehr. Anscheinend haben Envy noch was zu sagen - und zu schreien.

[MP3] Envy - A Breath Clad In Happiness
[Video] Envy - Worn Heels And The Hands We Hold

65daysofstatic haben, wie mir jüngst auffiel, offenbar so viel von ihrem exzellenten diesjährigen Album abgesetzt dass es vor einem Monat in einer Standardedition neu aufgelegt wurde. Bereits am 29.10. steht auch schon ordentlich Nachschub an, die Heavy Sky-EP wird neben einem Edit ihres titanischen Shoeravers Tiger Girl ganze 6 neue Stücke enthalten über deren Gestalt nur spekuliert werden kann - abgesehen vom pianogetragenen, von 4x4 in angemathtes Getaumel umschwingenden PX3 das die Band auf ihrer Webseite zu Download anbietet:

[MP3] 65daysofstatic - PX3

Stream: Marnie Stern - Marnie Stern

Zu behaupten, dass Marnie Sterns munterst holzendes Zweitwerk This Is It And I Am It And You Are It And So Is That And He is It And She Is It And It Is It And That Is That (hui, ich kann's noch immer) hierzulande unterging, würde etwas an der Crux der Sache vorbei führen. Vielmehr blieb es gänzlich ignoriert, wie so ziemlich jedes ausländische Album das hier keinen physischen Vertrieb erfährt und lediglich in so ziemlich jedem Downloadshop zu bekommen ist. Vom Drittling wird man aber garantiert wieder hören, spätestens wenn er in zwei Wochen bei Souterrain Transmissions erscheint, vorher schon können alle selbst in Marnie Stern reinhören:

[Stream] Marnie Stern - Marnie Stern

Video: The Joy Formidable - I Don't Want To See You Like This



Hab ich eigentlich irgendwie verpasst, dass The Joy Formidable von nem großen Label gesignt wurden? Ich mein das jetzt nicht nur weil Indie-Bands keine Videos mit solchen Distanzeinstellungen schießen und der Clip zum mir immer besser gefallenden I Don't Want To See You Like This auch ansonsten nicht schlechter ausschaut als z.B. dieser Wüstenlangeweiler der Klaxons; vor allem kam mir beim Versuch einer Youtube-Betrachtung eines dieser Stoppschilder von Warner Records in den Weg, weswegen ich erst mal ein bisschen suchen musste um eine Seite zu finden, die sich nicht an so was aufhängt:

[Video] The Joy Formidable - I Don't Want To See You Like This

Stream: Blank Dogs - Land And Fixed

"New album is almost done. You're going to hate it." prophezeite Mike Sniper vor zwei Monaten, und in der Tat könnte das dritte Album von Blank Dogs so manchen, die den schwammigen Texturen der bisherigen Veröffentlichungen verfallen waren, unangenehm aufstoßen. Das am 12.10. erscheinende Land And Fixed zeigt sich wie erwartet sauberer und mit mehr Freiräumen als zuvor, irgendwo auch poppiger. Ob und wie sich das auf die Musik ausgewirkt hat, lässt sich erstmalig schon vor Erscheinen des Werks feststellen, das auf Elektronik und Goth abonnierte und damit hierfür prädestinierte FACT-Magazin streamt es in ganzer Länge:

[Stream] Blank Dogs - Land And Fixed