TV On The Radios Köln-Konzert fällt aus

Eilmeldung, tüt tüt: TV On The Radios Konzert heute abend in der Kulturkirche ist wegen einer Krankheit von Tunde Adebimpe abgesagt worden, Nachholtermin angeblich am 21.03. des nächsten Jahres. Auf jeden Fall doppelt schade, hätt ich das früher gewusst hätte ich vielleicht auch mal versucht das mit dem No Music Day durchzuziehen. Wenigstens wird das die Frage nach dem Konzert des Jahres in ein paar Wochen etwas einfacher machen. [via]

Video: Jay Reatard - See/Saw


"You don't like what you see? You must not care for me." Die Textzeile aus See/Saw erfasst die künstlerische Fuck-You-Attitüde von Jay Reatard ganz gut, wer nicht damit klar kommt dass seine Songs immer poppiger werden hat halt Pech gehabt. Andererseits hatte er bei seinem ersten "offiziellen" Video anscheinend auch keine Lust auf inhaltliche Kompromisse, obwohl der Clip auf einer gesponserten Seite premiert wurde hat er einen Hochglanzfaktor von Null. Stattdessen strollen Jay und Band albern im Park rum als wollten sie die slackerige Uncoolness alter Pavement- oder Superchunk-Videos nachahmen, fehlen eigentlich nur noch die Nikolauskostüme.

[Video] Jay Reatard - See/Saw

Und im März wird dann nach fast zwei Jahren auch mal wieder hierzulande getourt. Es sei aber darauf hingewiesen dass sich trotz des Szeneriewechsels vom Sonic Ballroom ins Gebäude 9 live noch am wenigsten geändert hat: Die Konzerte sind immer noch so rasant wie kurz, 30 Minuten Länge wären schon ein mittleres Wunder.

18.03.2008 Gebäude 9, Köln
19.03.2008 59:1, München
20.03.2008 Beatpol, Dresden
21.03.2008 Festsaal Kreuzberg, Berlin
23.03.2008 Molotow, Hamburg

D. Lissvik



Dan Lissvik, obig tanzend zu sehen, macht stattliche 50% des schwedischen Duos Studio aus. Da überrascht es nicht dass sein heute unter dem mysteriösen Pseudonym D. Lissvik veröffentlichtes Soloalbum sich nicht enorm anders anhört als die Stücke des großartigen letztjährigen West Coast oder die nicht minder hörenswerten seitdem erschienenen Remixe. Etwas reduzierter, etwas entspannter aber unverkennbar von der Sonnenseite Göteborgs. Seine 7 Trx + Intermission kann man auf der Homepage von Studios Label alle probehören und bei Gefallen direkt als Mp3s oder in den grifflicheren CD- und LP-Versionen im markanten Information-Design ordern.

[Stream] D. Lissvik - 7 Trx + Intermission

D. Lissviks Myspace

Eine Mix-CD ist kein CD-Sampler

Via Nico kam ich auf den Eintrag ein CD-Sampler ist kein Mixtape in dem mal wieder die Idee aufgewärmt wird dass Mix-CDs doch völlig seelenlos und im Gegensatz zu Mixtapes in Sekundenschnelle mühelos zusammengestellt seien. Das ist natürlich eine völlig egozentrische und subjektive Darstellung.

Mein letztes Mixtape (vor vieeelen Jahren) war z.B. ein Urlaubssampler den ich für mich selber gemacht habe und eine Arbeitsinvestition von insgesamt ner Minute. Kassette rein, 5 CDs in die Kompaktanlage eingelegt, auf Aufnahme gedrückt und das Prozedere nach ca. 20 Minuten noch 2-3mal wiederholt, fertig war das Mixtape. Nur weil der Mix auf einem bestimmten Medium ist kann man doch keine Rückschlüsse auf die physische und emotionale Investition des Machers ziehen! Zumindest wenn ich eine Mix-CD mache dauert das seine Zeit und Kunst, das läuft nämlich in etwa so ab:

1. Motto, Konzept o.Ä.
Es beginnt meistens mit einer Grundidee wie "Ich frage mich was passiert wenn man einen Mix aus abwechselnd Metal- und Folksongs macht" oder "Erste Hälfte sonnige Songs, zweite Hälfte Nachtmusik" oder auch ein gemeinsames Thema oder nur gewisses Feeling das man bei völlig unterschiedlichen Stücken ausmacht und dieses mit anderen auszuloten versucht. Dann beginnt der Brainstorming-Teil, das Sammeln von 15-25 Kandidaten meist noch ohne Reihenfolge, und da ich keine zentral digitalisierte Sammlung habe bedeutet das die müssen eben erst mal alle von CDs kopiert werden. (Zeitaufwand: mindestens anderthalb Stunden)

*** Die goldenen Auswahlregeln ***
- Keine zwei Tracks vom gleichen Interpreten in einem Mix
- Ein Künstler darf allerdings zusätzlich einmal als Remixer vertreten sein
- Kein Track der schon mal in einem Mix war

2. Assemblierung
Dann wird erst mal gehört, kreuz und quer, komplett oder nur kurz, um das Gefühl für eine erste grobe Struktur zu bekommen. Dabei erkennt man schon welche Stücke einfach überhaupt nicht reinpassen, welche man ungefähr zusammen gruppieren müsste um sinnvoll von Stimmung X zu Stimmung Y zu kommen, was es für aufregende/subtile/lustige Parallelen zwischen Stücken gibt oder mit viel Glück auch schon mal tolle Übergänge von einem Track zum nächsten (mein Favorit dieses Jahr: School Of Seven Bells' Connjur zu Hold On To Me, Baby von Air France. Göttlich, insbesondere im Kontext des Mixes) die für den Rest des Prozesses zusammen bleiben, das passiert aber selten so schnell. Hierbei gibt's natürlich auch immer die Zeitbeschränkung von 74 oder 80 Minuten die man möglichst schon ungefähr hier einhalten sollte. (Aufwand: je nachdem wie gut die intuitive Vorauswahl war zwischen 30 und 120 Minuten)

3. Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren!
Jetzt geht's ans Eingemachte. Man kann am Anfang beginnen, am Ende oder einfach irgendwo, jedenfalls wird nun die erste komplette Trackliste erstellt bis erst einmal alle Sachen drin sind. Und hört man sich halt alles an, mehrmals von Anfang bis Ende, geht immer wieder zurück und guckt was am besten klappt. Neben der Gesamtnarrative die durch die Anordnung der Stücke entsteht ist hier auch der Blick fürs Detail wichtig: zwei Stücke können noch so gut zueinander passen, wenn das Ende vom einen nicht mit dem Anfang vom anderen harmoniert klappt es halt oft einfach nicht. Insbesondere bei stark unterschiedlichen Tracks ist zudem die Pause zwischen den Stücken wichtig, extra lange Pausen können genau so wirksam sein wie überraschen schnelle Übergänge, hier hab ich mittlerweile sogar angefangen die Stücke selbst am Ende oder Anfang zu editieren wenn zu lange Pausen sonst die Stimmung zerstören würden.

Dies ist wirklich der unvorhersehbarste Teil, unter zweimal komplett durchhören hab ich's noch nie geschafft, in der Regel dauert's aber insgesamt mindestens doppelt so lang. Am Härtesten war's letztes Jahr, da hab ich einen kompletten Nachmittag nur mit Sequenzieren und Editieren verbracht (Warnung an alle: das Konzept "die besten Rockalben '07 treffen Justice & Cos Elektrogeboller" ist eine ziemliche Schnappsidee!!). (Aufwand: mindestens anderthalb Stunden, Ende offen.)

So, und deswegen läuft in mir die rote Glut hoch wenn ich Sätze lese wie "Mix-CDs sind was für Faule". Der Empfänger kann sich bei mir genau so sicher sein dass hier jemand Herz, Schweiß und Zeit rein investiert hat wie bei einem Tape, egal ob man dabei nun rumspulen muss. Was zählt ist ja wohl immer noch das Resultat: Eine individuell zusammengestellte, wahrscheinlich einzigartige, zusammenhängende Sammlung von Musikstücken die sich irgend jemand gerne anhört. Nennen wir's mal einen Mix.

Neues Von Dälek


Die Temperaturen fallen, ebenso die Blätter von den Bäumen, kein schlechter Zeitpunkt um sich mit den saisongemäß atmosphärischen Klängen von Däleks schweren Beats und Drones zu umgeben. Die drehen auch gerade richtig auf, nächsten Monat wickeln sie noch die letzten Tourdaten des Jahres ab bevor sie Anfang 2008 bereits ein neues Album rausbringen. Zwei Stücke von Gutter Tactics kann man bereits auf Myspace hören, Dälek selbst dann vor Ort zu folgenden Terminen:

08.12.2008 Gebäude 9, Köln
10.12.2008 Nato, Leipzig
13.12.2008 Palace, St. Gallen

Däleks Myspace

Stream: School Of Seven Bells - Alpinisms

Ich meine es wäre letztes Jahr schon mal so gewesen, jedenfalls würde ich nach einem Rechtsblick sagen gibt es im Herbst viele der schönsten und buntesten Albumcover des Jahres. Ein Album bei dem auch der Inhalt dem Äußeren entspricht ist das großartige Debüt von School Of Seven Bells, das verträumte Alpinisms ist jüngst erschienen und kann nun auch bei 3voor12 probegehört werden.

[Stream] School Of Seven Bells - Alpinisms

Gang Gang Dance Live


Also entweder verging die Zeit dermaßen im Fluge dass es mir nur so vorkam oder der Kölner Auftritt von Gang Gang Dance war erheblich kürzer als der einen Tag zuvor in Paris. Gut 75 abenteuerliche Minuten lang spielten sie dort, den ganzen Auftritt kann man sich in drei Teilen auf der relativ neuen französischen Seite Grandcrew ansehen. Wie bei allen anderen Aufzeichnungen die ich in letzter Zeit gesehen habe scheint die Abmischung da leider stellenweise etwas holprig, aber wer den perfekten GGD-Sound haben will sollte eh dafür lieber auf das überwältigend gut produzierte Saint Dymphna zurückgreifen.

Gang Gang Dance Live in Paris 12.10.2008 Teil 1 / Teil 2 / Teil 3

Seabear bei They Shoot Music Don't They

Seabear hatte ich ja, wie die anderen Isländer an dem Abend auch, mehr als gutgelaunte Party(see)löwen kennengelernt. Für derlei Feierei war es zu der Uhrzeit wo sie von They Shoot Music Don't They gefilmt wurden noch etwas zu früh, vor dem abendlichen Konzert stand offenbar noch mindestens ein Pressetermin auf dem Plan so dass Sänger Sindri sobald der letzte Ton verklungen ist im Sprint losdüst, vorher kriegt man aber noch zu sehen und hören wie 4/7 der Band musizierend über den Wiener Wochenmarkt wandern.

They Shoot Seabear Don't They