Absorb it! Inflame it! Respect it! Molest it!



Es gibt so Songs, die sind untrennbar verbunden mit der visuellen Erinnerung an das erste Hörerlebnis. Im Falle von The Power Of Lard vom Ministry/Biafra-Superprojekt Lard ist das für mich der Abend als ein schlanker Typ etwa in meinem jetzigen Alter seinen Tanz zu dieser beinahe-8-Minuten-Nummer aufführte, sich jedes Trommelanschlags, jeder Bassnuance, jeder Drehung, jeder Repetition des Songs bewusst.

Was er während der Strophen machte weiß ich nicht mehr, aber zum Refrain, diesem irgendwann ewig wiederkommenden nimmermüden Wohlbekannten, habe ich jedes Mal beim Hören das Bild vor Augen wie dieser hoch gewachsene auf seinen Fersen balancierend abwechselnd die Knie lässig erhebt und die Schultern mit erhobenen Ellbogen elegant nach vorne schwingt, die nimmer endend nach vorne bollernde Hektik der unerbittlichen Drums die einen weniger in den Wegen des Songs bewandten irgendwann verzweifeln lassen würde elegant reitend. Ohne Verschnaufpause, ohne einen Einsatz zu verpassen. Lieber Herr Ausdauertänzer, im Nachhinein danke für diese Erinnerung, sie ist gewiss jedem Fanvideo das man zu diesem tollen Song auf Youtube finden kann weit überlegen.

Pacific!


Oh Schweden, was hat man euch nur ins Trinkwasser gekippt? Pacific! sind, man wird's schon vom Namen her vermuten, noch so ein Popduo dessen Musik einen direkt an Strände versetzt wie es sie im nördlichen Europa unmöglich geben kann. Sunset Blvd auf ihrem Myspace ist mit seinen rasenden Streichern so lächerlich euphorisch dass ich beim Hören irgendwann nicht mehr ums Grinsen herumkomme, andere Songs schielen in Richtung von Landsmann Lekmans Disco-Ausflügen, der mehrstimmigen Gesangsharmonien kalifornischer Strandjungs oder der Tough Alliance/Air France-Ecke. Das Debütalbum Reveries ist mittlerweile so ziemlich überall außer in Deutschland physisch erschienen, auf hiesigen Downloadportalen ist es aber zu finden.

[MP3] Pacific! - Hot Lips
[Video] Pacific! - Number One

Pacific!s Myspace

Stream: The Fiery Furnaces - Remember

Wenn die aufregendste Band der Gegenwart ein Livealbum herausbringt verwundert es kaum wenn dieses auf gespaltene Reaktionen stößt und als "The strangest live album ever" bezeichnet wird. Remember ist kein Dokument eines einzigen oder mehrerer Auftritte von The Fiery Furnaces, durch ein Zusammenschneiden mehrerer Einzelaufnahmen werden die Songs vielmehr in verschiedenen Livefassungen – wer die Friedbergers auf mehr als einer Tour gesehen hat wird wissen wie völlig verschieden – in ein und demselben Track mehrfach neu interpretiert. Das ist nicht leicht zu beschreiben, noch schwerer sich das genau vorzustellen. Zum Glück stellt ihr Label Thrilljockey auf seiner Webseite das in zwei Wochen erscheinende Album zum Anhören bereit:

[Stream] The Fiery Furnaces - Remember

The Long Blondes sind wieder "Singles"

The Long Blondes müssen derzeit leider krankheitsbedingt pausieren, allerdings nicht veröffentlichungstechnisch. Im Oktober machen sie was Voxtrot schon längst hätten machen sollen und bringen ihre gesammelten ersten Veröffentlichungen unter dem Titel "Singles" heraus (clevere Titelanlehnung). Darunter befinden sich nur 3 Songs die es es in anderen Versionen auch auf ihr erstes Album schafften, mehr aber freu ich mich auf die garagigen Klassiker wie Autonomy Boy und My Heart Is Out Of Bounds.

Auf Dublab kann man sich zudem eine Session mit aktuellerem Material herunterladen die anscheinend bei einem Soundcheck aufgezeichnet wurde. Die ersten Takte sind daher auch etwas holprig, schnell gewinnt die Aufnahme mit Century aber an Fahrt und zeigt wie die Blondes dieses und andere Stücke von "Couples" live umsetzen.

The Music Nerd's Burden

So wahr, so wahr.

Ein weiteres Indiz dafür dass man ein Musiknerd ist: Man kann zu jedem Song auf seinem Mp3-Player ein kleines Detail oder gar eine ganze Geschichte erzählen. So wie Lou Barlow:

I love Devo. There's nothing not to like. Other than some of their stuff is so sexually regressive, all the lyrics and stuff. My wife and I sat down and watched all of their videos once back-to-back; got really stoned. This was a while ago. And at the end of it, we were like, "God, I don't feel good. Devo hates sex. My God!"

Stream: Volcano! - Paperwork

Die ersten Songs ließen es schon erhoffen dass Volcano! nach dem eindrucksvollen Erstling Beautiful Seizure auf Paperwork nicht plötzlich die Ideen ausgegangen sind. Das Trio das sich stellenweise, so viel wie einem da an den Kopf geworfen wird, eher wie ein Quar- oder Quintett anhört ist auch kein Stück ruhiger geworden, hangelt sich kunstvoll zuckend von einem Jazz-Mess-Math-Artrockeinfall zum nächsten ohne dass man auf Melodiösität verzichten muss. Das am 29.08. erscheinende Album, für mich jetzt schon ein Monatshighlight, kann man ab heute bei Luisterpaal vorab auf sich wirken lassen:

[Stream] Volcano! - Paperwork