Zur Abwechslung mal Leute die nachdenken

Ich kann mich einfach des Eindrucks nicht erwehren dass fanatische Pitchfork-Hasser nur einen Teil der Seite lesen (i.e. die News und die Zahlen über den Reviews), längere Texte wie Tim Finneys Gedanken zu "Balearic", das letztjährige Interview mit P.J. Harvey oder die Kolumne von Tom Ewing gehören regelmäßig zu den interessantesten und lesenswertesten Musiksachen die es online gibt. So auch Ewings Poptimist 16 vom letzten Freitag über eine kreative Industrie die, ähnlich wie heute viele andere, vor ein paar Jahren schon totgesprochen wurde und sich dennoch weiterhin auf den Beinen hält.

"Just as the music business, desperate to shore up its remaining purchasers, gives deluxe reissue treatment to records barely a decade old, so the comics industry turns to continuity cannibalism, strip-mining the past to excite jaded loyalists. DC brings the Flash back from his 1985 death, Marvel decides Spider-Man's 1987 marriage never happened: fans cheer or recoil, and the slow sales decline is interrupted for a while."
Und wo wir gerade bei lesenswert sind, hier ist Eric Harvey über zwei typisch Wired-mäßige Web 2.0-Technologie-Bullshit-Artikel.

Neues Von Oxford Collapse, The Mae Shi


Und schon wieder gibt es Neues zu hören von der einzigen Band deren Gesang zu exakt 50% nach Superchunk klingt. Nach EP- und Singleveröffentlichung müssten Oxford Collapse ihren Fans Anfang August eigentlich eine Runde ausgeben, denn ihr zweites Album auf Sub Pop ist für den schnappszahligen 08.08.08 geplant. Jegliches Gerede dass BITS ein monströses Doppelalbum werden solle war wie vermutet nur Rumgescherze, passend für eine Band deren lockerer Frohsinn sich auch in ihrer Musik wiederspiegelt, das erste der schlanken 11 neuen Stücke kann man sich dafür jetzt schon mal anhören. So rauschig dass es schon bald als No Age-Kollabo durchgehen könnte:

[MP3] Oxford Collapse - The Birthday Wars


"Frohsinn" haben sich auch The Mae Shi schon immer auf die Fahne geschrieben, und das meine ich nicht unbedingt metaphorisch, es würde mich nicht wundern wenn die wirklich eine Bandfahne besäßen. HLLLYH, ihre vorzügliche Spaß-Spaz-Version eines biblisch-apokalyptischen Konzeptalbums, ist bei uns schon länger draußen, höchste Zeit also für Nachschub von der Gruppe die vor ein paar Jahren noch täglich mit einer neuen Idee anzukommen schien. See You Again, zu hören dank Pitchfork, ist ein Song des Disney-Popstars Miley Cyrus und damit schon ein klarer Kandidat für eine bliepigere, extrem catchige Neuauflage von Team Shi.

[MP3] The Mae Shi - See You Again

Rock Harder!


Stephen Malkmus - Discretion Grove

Zwischen Real Emotional Trash-Hören und dem Ansehen vom Vampire Weekend-Video kam mir eben ein anderes Video in den Sinn das in einem einzigen Take aufgenommen wurde (OK, den Kopf oben rechts ausgenommen, der war mir aber früher auch nie aufgefallen), das ich aber bisher nie im Internet auftreiben konnte. Nun hat aber vor ein paar Monaten endlich jemand das Video zu Discretion Grove von Stephen Malkmus' erstem Soloalbum dort hochgeladen und es ist noch genau so wie ich es in Erinnerung hatte, einfallsreich, schlampig und abartig sympathisch.

"Ach, die verdienen doch eh total viel mit Touren"

Das ist immer eine dieser schönen Ideen die man im Zusammenhang mit sinkenden Musikkäufen hört, dass Musikaufnahmen (wodurch finanziert?) doch eh nur Werbung für die Liveauftritte einer Band seien und daher doch gleich verschenkt werden könnten. Ohne Belege für diese Behauptung bin ich dem gegenüber immer sehr skeptisch gewesen, als regelmäßiger Konzertbesucher stehe ich zu oft in weniger als halb gefüllten Säälen um glauben zu können dass abgesehen von den großen der Branche viele Bands mit Touren gut über die Runde kommen.

Und jetzt kommen auch noch steigende Tourkosten dazu, in den letzten Tagen haben gleich mehrere Seiten über die zunehmenden Probleme kleinerer (und besonders auch neuer) Bands berichtet für die größere Touren aufgrund der hohen Benzinpreise einfach nicht mehr finanzierbar geworden sind:

"When the rise of file-sharing culture in 2000 looked to cut deeply into CD sales, musicians could take comfort knowing that they made most of their money on the road. Langford, who joined the Gourds in 1998, figures the band is on the road about six months out of the year. A solid two-week tour here, a weekender there, all add up to playing 100 to 150 shows a year, closer to the latter in the past four or five years.

But as gas prices hover near $4 per gallon and show no signs of decreasing, many bands are taking losses on touring and soon might not be able to afford to tour at all."

Klar wird da mancherorts sarkastisch kommentiert dass das doch positiv sei, so könnten sich nur noch die "guten" Bands das Touren leisten. Aber erstens muss jede Band die nicht sofort in den Himmel gehypt wird (und selbst wenn noch oft genug) mal klein anfangen, und zweitens geht das von der naiven Annahme aus dass die "Qualität" der Musik immer mit den Besucherzahlen übereinstimmt (und noch schlimmer dass nur Musik die ein großes Publikum hat es wert wäre so gehört zu werden). Wer das ernsthaft glaubt schalte mal die nächste Ausgabe von "The Dome" ein, da gibt es die Künstler zu sehen denen die Benzinpreise egal sein können.

Future Islands


Eigentlich wäre ich jetzt schon seit Monaten im Besitz des Debütalbums von Future Islands aus Dan Deacons Ecke von Baltimore, aber wie das manchmal so läuft wenn man sich nicht nur für die "großen" Bands der Welt interessiert schlug das Unglück zu und ihr Label ging pleite kurz nachdem ich Wave Like Home geordert hatte. Nächsten Monat aber bringt das geschmackssichere UTR die Platte endlich heraus, bin auch nach der verlorenen Zeit noch darauf gespannt denn die Songs die man davon schon hören kann wie das gebellt-soulige Beach Foam haben nicht an Reiz verloren.

[MP3] Future Islands - Old Friend
[Video] Future Islands - Follow You

Future Islands' Myspace

I FUCKING HATE KULA SHAKER!


Also ja, habe gerade nachdem es fast exakt ein Jahr in meinem Regal stand endlich Kieron Gillen und Jamie McKelvies Phonogram: Rue Britannia gelesen, dazu Kenickie, Elastica, Pulp, Long Blondes und Pipettes gehört und kann nur sagen: wow. Das beste Leseerlebnis das ich seit sehr langer Zeit hatte (noch besser als Scott Pilgrim 4), eine Geschichte über Musik, wie sie uns verändert, emotional, historisch und charakterlich, aber auch wie wir sie verändern. Über Jugend, Jugendbewegung, Idolisierung, Mythifizierung, Oberflächlichkeit, Nostalgie, Retro, Indie, Pop, Großbritannien und einen John Constantine ähnlichen Bastard von einem Protagonisten der auf der Suche nach der sterbenden Göttin seiner identitätsstiftenden Jugendmusik sich selbst erkennen muss. Sehr einladend und sauber in Szene gesetzt von McKelvie und in dieser Form wohl auch nur in diesem Medium machbar, dabei natürlich voller Musikreferenzen die man zur Not hinten im Glossar nachschlagen kann und mit einem Vorwort von Luke Haines.

Phonogram Preview & Podcast

Und wie ich gerade sehe ist der zweite Teil bereits in Arbeit, musikalisch geht's aber klar in die Gegenwart und (irgendwie überrascht mich das kaum) genau zu den Bands die ich gerade eben beim Lesen gehört habe.

But the radio waves were like snow

Dan Boeckner über die Aufnahmen zu At Mount Zoomer :

"It's an old Neil Young trick," Boeckner explains. "He used to do that to Crazy Horse. He'd be like, 'This song has got these chords' and then they'd play it so they could barely be able to get through without screwing up. There's still that kind of tension there. And that's something -- I talked to Spencer about that, and Arlen -- that I really find is lacking from a lot of modern records recorded on Pro Tools. Even indie rock records, which are presumably like the punk rock of today, there's just so much tinkering you can do with them."
Ah, das erklärt warum insbesondere An Animal In Your Care so sehr wie eine Liveaufnahme klingt, ich war echt verwundert als ich den Song zum ersten Mal hörte. Gefällt mir größtenteils sehr, erinnert auch stark an die Rohheit der ersten EP deren Version von We Built Another World ich der Apologies...-Fassung durchaus bevorzuge. Mein einziges Problem mit dieser Aufnahme ist dass dabei Spencer Krugs und Hadji Bakaras Synth-/Keyboardspiel etwas untergeht das auf diesem nuancierteren Album so immens viel wichtiger sind als auf dem ersten. Sobald ich mal darauf die hörte gefiel mir die neue Platte praktisch direkt, das bringt zusätzlich zum Melodienspiel so viel Farbe und auch Eigenartigkeit mit rein.

Wobei die neue Swan Lake ja auch schon so gut wie fertig sein soll, Carey Mercer wird da beim Abmischen die Synths wohl kaum untergehen lassen ...

Eat Skull


Obwohl ich so ziemlich alles gut finde was Siltbreeze in letzter Zeit rausbringt sind mir doch die poppigen Sachen á la Times New Viking oder Psychedelic Horseshit am liebsten. Die neueste Veröffentlichung die sich in diese Aufzählung einreiht dürfte das Album von Eat Skull sein, einem Trio aus Portland von dem einer auch mal mit Beth von TNV zusammen ein Tape als Hole Class aufgenommen hat. Sick To Death gibt es auf LP und CD und dürfte einen frischen Nachschub an schönem Müllpop enthalten.

[MP3] Eat Skull - Shredders On Fry
[MP3] Eat Skull - Seeing Things

Eat Skulls Myspace

Only Shall Loud

Wann immer in den vergangene Jahren irgendwas von My Bloody Valentine angekündigt wurde, offiziell oder inoffiziell, war man gut beraten nicht sofort in Enthusiasmus auszubrechen wie sich gerade wieder an der zum x-ten Mal verschobenen Loveless-Neuauflage und am seit Anfang des Jahrzehnts angekündigten Boxset zeigte. Doch zumindest eines kann man nun glauben: My Bloody Valentine sind wieder live unterwegs, und offenbar so laut wie eh und je:

"Over the course of the last few minutes the smug hippy chick is on her knees, reduced to a foetal ball, sobbing into her sandals. How do you like transcendence now, Shiva? This is amazing. Punish the hippy. Punish her, Shields. Pummel her into the floor with your brilliant, brilliant noise."