No Money No Music?

Mal sehen ob Boingboing und die anderen Techno-Optimisten den Nachtrag zu dem Wired-Artikel mit David Byrne auch noch so oft verlinken. Byrne erhielt als Reaktion auf seine Äußerung "Recording costs have declined to almost zero", ein oft gesehenes aber selten mit Fakten unterlegtes Argument, interessante Reaktionen von Musiker- und Produzentenseite. Auf seinem Blog hat er diese veröffentlicht und gibt in seiner Antwort zu dass er in dem Artikel übertrieben habe und selbst noch kein Album für eine weniger als fünfstellige Geldsumme machen könnte, man kann sich vielleicht ausmalen dass das für Musiker ohne jahrzehntelange Studioerfahrung kaum leichter sein dürfte. Das Hauptproblem des Laptop-Ansatzes (und warum Labels vermutlich noch eine Weile gebraucht werden) wird unterdessen schön in einer Analogie festgehalten:

You can buy a cheap pair of scissors at every corner store, but that doesn't mean everyone (wants to or) should be out there cutting their own hair.
Es ist unbestritten dass Aufnahmen billiger geworden sind und auch von vielen für sehr wenig Geld gemacht werden können. Aber bevor man zu kühnen DIY-Theorien ansetzt sollte man sich vielleicht erst mal bei seinen musikalischen Neuanschaffungen des letzten Jahres angucken wie viele davon wirklich in Eigenregie angefertigt wurden. Ich komme kaum auf 10%.

Stream: Xiu Xiu - Women As Lovers

Ich finde es ist ein gutes Zeichen an wenn der erste Albumstream des Jahres von Xiu Xiu kommt. Women As Lovers kann vor seinem Erscheinen am 1. Februar bereits in voller Länge auf Myspace angehört werden, und da die zweifellos hochkompetenten Programmierer dort endlich mal eine sinnvolle Änderung gemacht haben spielen die Stücke auch automatisch in der richtigen Reihenfolge ohne dass man sie wie früher einzeln anklicken muss. Und ja, das in der Mitte der Trackliste ist wirklich ein Cover von Under Pressure, und als wäre diese Kombination noch nicht traumhaft genug singen darauf sowohl Jamie Stewart und Caralee McElroy als auch Michael Gira.

[Stream] Xiu Xiu - Women As Lovers

Philip Glass In Der Sesamstraße

Wie cool ist das denn? Ende der 70er hat Philip Glass vier Animationen musikalisch unterlegt die in der Sesamstraße gezeigt wurden, Minimalismus im Kinderprogramm! Die enzelnen Clips gibt es wohl schon länger auf Youtube, nun aber auch zu einem einzigen zusammen geschnitten, und ich glaub einen oder zwei davon hab ich auch mal gesehen. Fast so trippig wie traumatisierende tschechische Märchenfilme. [via]

[Video] Philip Glass - Geometry Of Circles

Neues Von Blood On The Wall, Times New Viking



Zwei großartige melodiöse Trios die heute in 2 Wochen ihre dritten Alben in den USA herausbringen: Times New Viking mit Rip It Off und Blood On The Wall mit Liferz. Beide nicht bemüht sonderlich modern zu klingen und wenn sie auf irgendwelchen Retrozügen fahren sollten dann als einzige Passagiere. Nach dem ersten Doppelschlag setzt nun Drop Out dazu an sowas wie Times New Vikings Where Is My Mind zu werden, der Song den man im Finale des großen Kultfilms 2008 spielen hört, wird daran aber gehindert indem er bevor man auch nur an eine zweite Strophe denken kann schnell abgewürgt wird. Blood On The Wall rocken unterdessen munter weiter auf den Fußspuren von Mudhoney, Superchunk, Sonic Youth, Pixies und anderen 90er Gitarrenheroen. Und haben ihren Spaß dabei wie man am Ende des bei Rcrdlbl zu findenden Sorry Sorry Sarah hören kann, auf Hibernation hingegen kriegt der Verstärker mal einen ordentlichen Workout zu beißendem Geschrammel.

[MP3] Times New Viking - Drop Out
[MP3] Blood On The Wall - Hibernation
[MP3] Blood On The Wall - Sorry Sorry Sarah

Videothing

Internetvideos von Konzerten sind ja nun wirklich nichts Neues mehr, ob einzelne Songs oder ganze Auftritte, ob mit vernünftigem Equipment oder mit Wackelhandys, ob von Amateuren oder Profis, Herausragendes sieht man da zunehmend selten. Umso erfreulicher dann wenn man noch mal auf so etwas wie Videothing stoßen kann. Die Videos (u.a. über Glass Candy, A Place To Bury Strangers, 1990s, Justice, The Slits und Ariel Pink) dort fokussieren sich nicht auf den Auftritt an sich, mehr fassen sie das ganze Ereignis Konzert in Filmform. Dazu gehören dann auch mal absurde inszenierte Interviews oder der Hotdog mit dem man anschließend den Hunger stillt. Sehr originell und offenbar von einem der Roboter aus Daft Punks Electroma gemacht.