Konzert: Malajube



So richtig Lust wegzugehen hatte ich ja eigentlich gestern nicht, der Kopf brummte ein bisschen und der Blutdruck war so niedrig dass der Schock einer eiskalten Dusche beinahe zum Herzstillstand geführt hätte, doch dass Malajube endlich nach Köln kamen konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Und was gibt es für ein besseres Mittel gegen Schlechtwetterstimmung als ein gutes Konzert? Keines will ich meinen, seit gestern Abend bin ich wieder richtig gut drauf.

Mir gefällt das Studio 672 als Veranstaltungsort für Stehkonzerte immer noch nicht sonderlich, so musste man eigentlich froh darüber sein dass es nicht richtig voll war denn selbst so wurde es später schon ziemlich warm da drin. Aber wenigstens waren diesmal nicht so viele Titanen da wie bei Battles sondern kleine und schmale Indieböhnchen, so gab es keinerlei Probleme mit der Sicht nach vorne. Und die fünf (wann haben die denn aufgestockt?) Kanadier bildeten schon einen kuriosen Anblick, insbesondere bei den hinausgedehnten improvisiert wirkenden Instrumentalparts die nicht so im Drehbuch von Trompe L'Oeil stehen sah das mitunter nach einer flippigen Art-Prog-Band aus wie der Schlagzeuger abging und neben ihm wil die Keyboards beackert wurden, wie dem entweder hockenden oder mit zuckenden Beinen abrockenden Julien Mirneau die Wollmütze immer weiter übers Gesicht rutschte bis sie ihm für der Rest des Konzertes bis zur Oberlippe ging (und bildete ich mir das nur ein oder hat der Wuschelhaar schüttelnde Bassist ein Guns 'n Roses-Tattoo aufm Unterarm??).

Aber Malajube haben zum Glück nicht nur Gefallen an Prog und Krach machen, sondern auch daran damit tolle Songs zu machen, egal ob die nun im Walzer enden oder in einer hallenden E-Gitarre. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten bei denen der hohe Gesang und die glamourösen Gitarrenparts an mancher Stelle kaum zu hören waren pendelte sich der Sound auch gut ein und man konnte ein nahezu vollständige Darbietung der Stücke ihres grandiosen zweiten Albums plus des Konzertbesuchern und Bootleghörern schon bestens bekannten Le Pirate d'Hochelaga erleben, live und laut und begeisternd gut. Dabei fiel mir auf wie wichtig die Sprache ist, die vielen Worte die in den ruhigeren Stellen in Vokale enden gehören unbedingt zu den ihnen folgenden Seufzern oder dem bloßem Hauchen des Sängers, an ein "Sch" wäre wäre kaum zu denken.

Ob es an meinem rammdösigen Kopf lag oder daran dass ich mich so an die Platte gewöhnt hab, ich war überrascht wie enorm die abrockten ohne dass die Melodien von Gesang, Gitarre und Keyboard in dem Lärm untergingen, und dem Applaus der Leute um mich herum nach zu urteilen hatte ich nicht als einziger Spaß. So gab es nach der geplanten Zugabe eine weitere für die die Band schon sehr erschöpft wirkte, aber die Besucher wollten sie einfach nicht gehen lassen und holten die sich ihrer Oberbekleidung bereits entledigt habenden mit Standing Ovations doch noch mal auf die Bühne wo sie die letzten Kraft- und Repertoirereserven für Le Robot Sexy, La Conclusion und zwei weitere Nummern von ihrem Debüt Le Compte Complet mobilisierten.

Resümee: Froh über einen gelungenen Abend, froh über ein tolles Konzert, aber vor allem froh darüber dass mich diese Band auch nach einem Jahr immer noch so begeistert.

Anderswo: Die Setlist, nackte Haut, recht junge Frauen und ziemlich alte Männer und der Sound war anscheinend davon abhängig wo man sich befand.

[MP3] Malajube - Montréal -40° C
[MP3] Malajube - Casse-Cou
[Video] Malajube - Fille À Plume
[Video] Malajube - Pâte Filo

Neues Von The Fiery Furnaces



Genau in 30 Tagen kommt mit Widow City endlich wieder neues Material von The Fiery Furnaces heraus, und es wird auch höchste Zeit, am Ende hätten wir sonst erstmalig ein Jahr ohne ein neues Friedberger-Album gehabt und das wäre doch insbesondere in so einem muskalisch feinen Jahr wie diesem eine Schande gewesen. Pitchfork hat eine kleine Vorschau darauf in Form von Duplexes Of The Dead bereitgestellt, dass der begleitende Text Widow City als eine reifere Form von Blueberry Boat beschreibt gibt guten Grund zu der Hoffnung dass hier ein weiteres grandioses Album den Jahrgang 2007 anführen könnte.

[MP3] The Fiery Furnaces - Duplexes Of The Dead

Blog Visions



Myspace war dem ständig eifrigen Jay Reatard offenbar nicht genug, jetzt hat er ein eigenes Blog auf dem er noch viel mehr altes und neues Material verbreitet. Darunter sind dann nicht nur seine derzeitigen Pop-Punk-Kunststreiche wie Let It All Go sondern auch Akustiknummern (Wounded) und psychedelischere Ausflüge (Please Say So) wie sie bereits schon auf Blood Visions hin und wieder anklangen, außerdem Kuriositäten wie das einzige Demo seiner alten Blackmetalband und Outtakes der Lost Sounds. Genau richtig für alle die wie ich nicht genug von dem Mann bekommen können.

Video: Pixies - Tame



Es geschehen noch Zeichen und Wunder. So ist doch tatsächlich vor ein paar Tagen ein bisher praktisch unbekanntes Musikvideo der Pixies aufgetaucht, und für deren Verhältnisse ist Tame sogar recht ansehnlich (gibt es überhaupt eine andere so gute Band die durchweg dermaßen beschissene Videos hatte?) und angemessen hektisch geschnitten, nur der Sound ist unter aller Sau. Und Black Francis mit Haaren find ich immer wieder aufs Neue merkwürdig.

[Video] Pixies - Tame (Youtube)

Stream: Josh Ritter - The Historical Conquests Of Josh Ritter

Josh Ritter ist mal so ein Singer/Songwriter der auch Leuten gefällt die generell weniger auf Singer/Songwriter stehen, und ähnlich wie M. Ward schüttelt er auf The Historical Conquests Of Josh Ritter das Klischee vom allein rumsitzenden Gitarreklampfer mühelos ab mit einer tollen Band als Begleitung, Lockerheit und großen Arrangements die einen gewissen Kontrast zum letztjährigen The Animal Years bilden. Am Mittwoch gibt er seinen einzigen Deutschlandauftritt im Festsaal Kreuzberg, das am 28.09. erscheinende Album kann man derweil in voller Länge auf seiner Homepage anhören, den ersten Track gibt's dazu noch als Mp3.

[MP3] Josh Ritter - To The Dogs Or Whoever
[Stream] Josh Ritter - The Historical Conquests Of Josh Ritter

Also doch nicht "Biepenbrumm?"

Über nichts, absolut gar nichts wurde in diesem Jahr mehr spekuliert und gerätselt. Hunderttausende der klugsten Köpfe der Welt haben sich nächtelang ergebnislos den Kopf darüber zerbrochen, selbst die modernsten Mittel der Technik zeigten sich hilflos - aber nun haben all die Debatten ein Ende, Schluss, aus: Battles haben auf ihrer Myspaceseite die offiziellen Lyrics zu Atlas veröffentlicht.

"People won't be people when they hear this sound
That's been glowing in the dark at the edge of town
People won't be people, no
The people won't be people when they hear this sound
Won't you show me what begins at the edge of town"


Und das ist erst der Anfang, danach wird's noch unglaublicher!

Eine Frechheit, das sollte mindestens 7.9 sein!

Pitchfork Gives Music 6.8

Music, a mode of creative expression consisting of sound and silence expressed through time, was given a 6.8 out of 10 rating in an review published Monday on Pitchfork Media, a well-known music-criticism website.
[...]
"Music used to be great, but let's be honest, it's a 6.8 now at best," said Los Angeles resident Lowell Radler, 23, who admitted that he just looked at the rating rather than reading the whole review. "I seriously might never listen to music again."


(Btw, da ich zuletzt ganz gut damit gefahren bin, meine Tipps für diese Woche: Strawberry Jam 7.8, Proof Of Youth 7.4)

Edit: Shit!
Edit 2: Ahh, knapp.

Studio



Ich weiß nicht ob mir die Musik der Schweden Studio früher in diesem Jahr gefallen hätte, aber derzeit wo ich die Abende öfters ruhiger angehen lasse und von Bier auf Cocktails umsattle macht sich ihr Mittelmeerflair ungemein gut um vom Tag Abschied zu nehmen. Lange, entspannte und warme meist instrumentale Stücke allein wären dafür eigentlich schon genug, mit Life's A Beach! als Songtitel bin ich dann aber noch leichter zu haben. Laut Amazon sollte ihr Album West Coast seit Freitag erhältlich sein, hab natürlich prompt vergessen im Laden danach zu gucken. Mich darüber zu ärgern ist mir aber schwer möglich sobald ich einmal auf Myspace West Side anspiele, herrlich, New Order und die Junior Boys beim Strandurlaub.

[MP3] Studio - Life's A Beach!
[Video] Studio - West Coast Promovideo (Youtube)

Studio Myspace