Konzert: c/o pop Tag 5 - Clickclickdecker, Locas In Love, Urlaub In Polen, It's Not Not

Der letzte Tag der c/o pop begann wo und wie der erste begonnen hatte, im schönen Rheintriadem vor dem es aus blaugrauen Wolken tropfte. Am Sonntagabend hieß es nun nach den feierlustigen Isländern und den Stimmung machenden Kubanern eine weitere Musikkultur zu entdecken mit der ich sonst eher wenig am Hut habe: die deutsche. 5 Bands aus Deutschland, eine aus der Schweiz und eine aus Spanien spielten an diesem Abend verteilt auf drei Räume, nach Murphys Gesetz der maximalen Terminkollision bedeutete das natürlich dass sich von den vieren die ich sehen wollte drei überschnitten. Sowohl die davor spielenden Wolke als auch Navel waren nicht so mein Fall, also erneuerte ich nochmal meine Bekanntschaft mit der Getränkekarte und machte mich anschließend zur ein paar Meter nebenan thronenden Rheinbrücke auf.



Unter dieser befindet sich nämlich der Bogen 2 wo clickclickdecker spielten. Ich weiß nicht ob das auf Myspace Demos waren die ich vor einigen Monaten auf Myspace gehört hatte oder ob mir mein Gedächtnis einen Streich spielte, aber ich dachte eigentlich das wäre ein 1-Mann-Laptopmusikprojekt, so war es überraschend zu sehen wie gleich vier Männer die Bühne betraten und in klassischer Rockbesetzung loslegten. Dass der Mann am Mikro Kevin Hamann hieß hatte ich aber zumindest richtig in Erinnerung gehabt, leider konnte ich akustisch sehr wenig von seinen Texten verstehen (die Reihe von technischen Problemen der c/o pop riss auch hier nicht ab) aber musikalisch gab es oft melancholisch angehauchte Popmelodien zu denen auch einmal die Melodica gezückt wurde. Hamann wurde besonders sympathisch als er sich zum schlechtesten Selbstpromoter aller Zeiten machte und die anderen Bands empfahl die zeitgleich zum späteren Teil seines Sets spielten, da ich genau die sehen wollte konnte ich dann auch nicht allzu lange unter der Brücke bleiben und sauste zurück zum nächsten Konzert.

[MP3] Clickclickdecker - Wer Hat Mir Auf Die Schuhe Gekotzt
[MP3] Clickclickdecker - Der Ganze Halbe Liter

Clickclickdecker Myspace



Ich habe dieses Jahr Karpatenhund jetzt dreimal sehr gerne live gesehen, da wurde es wirklich mal Zeit die Band zu sehen die 80% des Quintetts ausmacht. Locas In Love waren dann auch nicht nur von der Besetzung her ihrem "Radioprojekt" recht nahe sondern auch musikalisch mit ihrem etwas rockigerem Gitarrenpop, besonders der Gemeinschaftssinn und die Selbstreflexivität fielen mir in den Texten sofort auf. Lustigerweise waren die sicherlich bekannteren Karpatenhund jedes Mal wenn ich sie vor einem Publikum aus Indiesnobs spielen sah in einer größeren Underdogrolle als es die Locas gestern waren, doch obwohl ich vorher einiges an positiven Meinungen über die ein Heimspiel gebenden Kölner gelesen hatte war das Publikum grenzkomatös.

An mangelnden Bemühungen auf der Bühne lag das sicher nicht, die Songs selbst fand ich auch prima besonders wenn die Verzerrer und Verstärker mal aufgedreht wurden. Und ein Gitarrensolo mit Ansage, fuck yeah! Da sie wohl zuletzt im Mai letzten Jahres in Köln aufgetreten waren spielten sie auch obskurere Nummern aus der schon längeren Bandgeschichte, wie genau das aussah kann man der Setliste auf dem Christoph seinem Zuhause, seinem Blog entnehmen. Zum Abschluss wurden die Verstärker noch mal richtig aufgedreht und Gitarrenhälse mit Drumsticks, Deckenbeleuchtung und was sich noch so findet malträtiert, das wirkte noch gut nach...

[Stream] Locas In Love - Saurus

Locas In Love Myspace



...als ich lässig das Treppengeländer runtersurfte (*hust*) und den Raum wo Urlaub In Polen herumbretterten scheinbar proppevoll vorfand. Wohlgemerkt scheinbar, ein kurioser Nebeneffekt der Verteilung der Konzerte im Rheintriadem auf zwei nahezu geschlossene Räume war nämlich dass zwar in, vor und hinter deren Eingängen massig Besucher standen und versuchten einen Blick rein zu erhaschen aber die vorderen Reihen zu denen sich keiner vorgetraut hatte noch massig Platz boten.

Dass ich das Duo auf der Bühne bis dahin noch nie gesehen hatte war auch ein Wunder, so oft wie sie in Köln spielen, aber nun hatte ich es endlich mal geschafft. Die beiden waren live alles was ich mir erhofft hatte, energetisch, dreckig, psychedelisch und lauuuut, der Drummer hatte ordentlich Feuer unterm Hintern während der Gitarrist einen regelrechten Turm an Geräten vor sich aufgebaut hatte, darunter auch das anscheinend neue Trendinstrument Melodica. Zwar kriegte ich nur die letzten paar Stücke mit, die genügten aber schon um mich ordentlich warm anlaufen zu lassen und mir hinter den Kopf zu schreiben die beiden nicht noch einmal zu verpassen.

Urlaub In Polen Myspace



Zum Abschluss des Festivals wollte ich mich noch mal so richtig bewegen, und da gaben die bunt gekleideten Spanier It's Not Not mit ihrem punkigen Postpunk nach Les Sav Fav-Manie(r) genau die richtige Einladung das Tanzbein zu schwingen. Gehemmt lediglich von, Überraschung, "technical difficulties" sorgte besonders der Sänger für denkwürdige Momente. Er verbrachte nahezu das komplette Konzert (dessen Großteil ich wohl noch mitbekam) vor der Bühne, dabei hatte er das lange Kabel eng um den Mikrophonständer gewickelt so dass er bei seinen Exkursionen den Ständer mitzog und wie von Geisterhand bewegt zum Wandern brachte.

[Video] It's Not Not - Squashed Bottom Very Busy

It's Not Not Myspace

Nach diesem Abschluss konnte ich dann auch so richtig die letzten Tage in meinen Knochen spüern, Erleichterung kam zumindest als ich in der Bahn sitzen konnte und auch endlich dieses unangenehm zu tragende Armband abreißen konnte. c/o pop: klasse, nächstes Jahr gerne wieder, aber vielleicht dann ein Stoffarmband?

Und Noch Eine Last.fm-Statistik

Heute: Wie eklektisch ist dein Musikgeschmack? Die Methodik ist recht einfach: Nach Eingabe des Nutzernamens werden dessen 20 meistgehörte Künstler ausgelesen und von denen wiederum die Top 5 der "similar artists", also die laut last.fm am ähnlichsten klingenden. Diese 100 werden dann auf Einzigartigkeit überprüft, und je mehr unterschiedliche Künstler sich in dieser Liste befinden umso vielfältiger wird der Musikgeschmack bewertet. Fwiw, mit 77/100 bin ich wohl ziemlich in der Mitte.

Konzert: c/o pop Tag 4 - Orishas

Tag 4, der Tag an dem mich die Müdigkeit einholte. Irgendwann rächt es sich halt wenn man tagelang viel trinkt und wenig schläft, so wurde der gestrige Abend dann ein etwas kürzerer als geplant. Wenn man sogar bei einer Drum 'n Bass-Party wegpennt sollte man besser auf seinen Körper hören und ihm eine Mütze Schlaf gönnen, aber bevor mein Kopf sich komplett in Pudding verwandelte hatte ich noch die Gelegenheit ein tolles Konzert zu sehen.



Im Gloria wurden gestern Elektronik- und Indieszenen mal beiseite geschoben um Platz zu machen für Orishas, angesichts des saftigen Eintrittspreises wohl ein sehr bekanntes und erfolgreiches Trio aus Kuba das traditionelle lateinamerikanische Musik mit Hip Hop kombiniert. Wäre ich ansonsten sicher nicht hingegangen, aber hier lud wieder das Dauerticket das dieses Jahr wirklich für alle Veranstaltungen gilt zum Ausprobieren ein. Wobei es damit am Tag zuvor zu einer üblen Panne gekommen sein muss so dass zahlreiche Besitzer eines Dauertickets nicht ins ausverkaufte Gloria reingelassen wurden, außer einer Kontaktadresse findet sich dazu auf der Festivalhomepage noch nichts Genaueres. Es schien aber ein einmaliger Fehler gewesen zu sein, zumindest waren gestern vor dem wieder ausverkauften Gloria keine wartenden Armbandträger zu sehen als ich gegen 9 rausschaute.

Orishas nun betraten die Bühne auf der links ein großes Percussions-Set und rechts ein Tisch mit zwei Laptops aufgebaut war, in der Mitte stand ein Trompeter der auch gesangliche Unterstützung lieferte (und mit einem fetten Trompetensolo für einen meiner Lieblingsmomente des Festivals sorgte, sowas krieg ich echt nicht allzu oft zu hören). Die für die Musik zuständigen drei waren wie die für den Gesang zuständigen drei eindrucksvoll souverän, hielten sich aber auch dezent im Hintergrund.

Bei der Show die Orishas abzogen auch eine gute Entscheidung, ich glaube das war gestern die beste Stimmung die ich auf dem ganzen Festival gesehen hab. Klar, bei dem Preis waren das wohl auch fast alles echte Fans, zudem noch viele die spanisch verstanden was ganz hilfreich war da praktisch alle Ansagen darin gehalten wurden. Manchmal wenn einer der drei sein Solo hatte und die Hand zum schreienden Publikum neigte wirkte das Ganze wie ein Konzert einer Boyband, aber insbesondere der muskulöse der beiden Rapper war mit seinem Körpereinsatz ein exzellenter Antreiber bei den schnelleren Stücken und brachte mühelos nach Wunsch einen Großteil des Saales zum Springen, Hände heben oder Arme wedeln.

Zwar auch weiterhin keine Musik die mich interessiert, aber Orishas waren live einfach so gut dass ich durchgängig großen Spaß daran hatte.

Orishas Myspace

Konzert: c/o pop Tag 3 - M.I.A., Dubstep Im Stadtgarten

Der mittlere Tag des sich bis dahin musikalisch prima anlassenden Kölner Festivals begann mit einer organisatorischen Rätselhaftigkeit. Als ich am Gloria eintraf war die Warteschlange davor praktisch noch nicht vorhanden, trotzdem prangte schon ein "Ausverkauft"-Schild vorne an. Das bedeutete dass es wohl recht voll werden dürfte, also mal flink angestellt. Kurz bevor der Einlass begann stellt sich dann heraus dass es diesmal einen Extraeinlass für Besitzer eines Dauertickets gab, also mal flink um den großen Tourbus vor der Tür gerannt und an der noch kürzeren Schlange an der anderen Seite angestellt. Kurz darauf stellte sich dann heraus dass Besitzer eines Dauertickets erst hereingelassen wurden nachdem alle Besitzer eines normalen Tickets bereits hereingelassen wurden, also.. hä? Nunja, war es letztlich eine längere Warterei als am Mittwoch obwohl ich früher gekommen war, aber wenigstens war ich dann irgendwann drin, rechtzeitig zum genreüberspannenden DJ-Set der Sick Girls die auf das zu kommende vorbereiteten.



Nach einer recht kurzen Umbauzeit trat ein neuer DJ hinters Pult und eine neue Videoshow auf die Wand über ihm. Unter Applaus, Sirenen und donnernden Gewehrschüssen betraten M.I.A. in Kapitänsmütze und eine Sängerin die Bühne und ab ging die Post mit Bamboo Banger vom neuen Album (das ich seit Anfang der Woche sicher schon ein Dutzend Mal gestreamt habe und dementsprechend gespannt war). M.I.A. hat sicherlich eine tolle Livepräsenz und gehört auf die große Bühne vor eine große Menge, in buntem Kostüm und mit militaristischer Mütze sang und tanzte sie aber nicht bloß dort sondern wanderte auch mehrmals über die in den Saal hereinragende Theke ins Publikum, blieb aber souverän immer auf ihrer eigenen Höhe bis sie einmal selbst das Publikum nach oben auf die Bühne einlud. Keine chaotische Erstürmung, zu jedem Zeitpunkt schien sie das physische Geschehen voll unter Kontrolle zu haben.

Während ich bei einem ihrer Ausflüge auf die Theke noch amüsiert darüber war wie schnell davor Handies gezückt wurden zeigte M.I.A. kurz darauf dass sie nicht nur keine Probleme mit den Effekten moderner Technologie hat sondern sie auch selbst zu nutzen weiß als sie alle dazu aufforderte ihre Handykameras zu zücken und die 2007er Version eines Meers aus geschwenkten Feuerzeugen zu schaffen. Auf der Leinwand dahinter setzte sie die Globalität ihrer Musik auch visuell in Szene mit bunt editierten Bildern von fröhlich feiernden Menschen aus Ländern die man ansonsten in Popvideos eher nicht zu sehen kriegt. Die Stimmung war auch vor der Bühne durchgehend euphorisch, bei Galang und Bucky Done Gone schien der Saal regelrecht zu explodieren.

Probleme machte mir allerdings der unebene Sound. Während viele Stücke, insbesondere die herrliche Bollywooddisconummer Jimmy, sich bestens anhörten gelang bei anderen die Umsetzung nicht so gut. Hussel, auf das ich mich mit am meisten gefreut hatte, blieb in einem Morast aus erdrückenden Knarzgeräuschen stecken während bei BirdFlu die markantesten Instrumentalspuren, das Hühnergegacker und die atemlosen Trommeln, auch nicht richtig zur Geltung kamen. Trotzdem ein toller und zu Recht gefeierter Auftritt, den Platz auf dem Cover einer im Flur ausliegenden Musikzeitschrift hat M.I.A. weiß Gott verdient.

[Video] M.I.A. - Jimmy
[Video] M.I.A. - BirdFlu
[Video] M.I.A. - Galang

Danach gab es die Wahl zwischen den zwei größten und besten Lineups des Festivals, der Kompakt Party und der Dubstep-Party im Stadtgarten. Da ich als der Welt schlechtester Dubstepfan trotz zahlreicher Gelegenheiten noch nie auf einer Kölner Veranstaltung war und erstmal genug von überfüllten Säälen hatte fiel die Wahl auf die Veranstaltung die mit Loefah, Plastician, Digital Mystikz und Pinch mit die namhaftesten britischen DJs überhaupt auf dem Programm hatte.

Lustigerweise hatte ich von Erzählungen anderer ohne jemald bei einem Dubstepabend gewesen zu sein bereits eine ziemlich detailierte Vorstellung davon wie es werden könnte, die zeigte sich auch in so ziemlich allen Punkten akkurat. Das heißt zuallererst mal dass Dubstep live absolut kein Vergleich ist mit Dubstep von einer durchschnittlichen heimischen Musikanlage (oder gar nem MP3-Player), das Hörerlebnis ist zwar da aberdie Faszination an Dubstep live ist dass es ein körperliches Erlebnis ist. Die Bässe sind zwar laut aber vor allem so intensiv dass man sie wirklich fühlt, sie bringen das Blut zum pulsieren und durchdringen spürbar den ganzen Raum. An einer Stelle schien der Bass in einer dicken Wolke über den Köpfen der Menge zu schweben, und das war kein erdrückendes Gefühl sondern mehr ein völlig ungewohntes. Mit der Zeit, je mehr ich lernte den Bass zu fühlen, wurde ich mehr und mehr in seinen Bann gezogen.

Das ging nicht nur mir so sondern auch vielen anderen Besuchern die sich im Stadtgarten eingefunden hatten, der Raum war zwar gut gefüllt aber besonders in seinen Ecken war genug Freiraum dass man sich nach belieben bewegen konnte. Das Publikum schien wie ich es aus England gehört hatte gemischt, es gab wirklich keine übergreifenden äußerlichen Gemeinsamkeiten, weder in Kleidung noch in Tanzstil. Manche tanzten schnell, manche zusammen, manche allein, manche langsam, manche sprangen, manche skankten, manche skippten, manche wippten vom einen Bein zum anderen, manche rissen euphorisch die Arme in die Höhe, manche hatten sie durchgehend tief in den Hosentaschen vergraben, manche standen und wippten mit dem Kopf, manche saßen und wippten mit dem Kopf, aber manche standen auch einfach nur mit geschlossenen Augen da. Die einzige Gemeinsamkeit war die Musik.

Da ich mitten rein schneite bekam ich nicht genau mit wer alles spielte, ich kann aber sagen dass Pinch ein brillantes Set spielte das linear von Stück zu Stück an Intensität zunahm und gleichzeitig, merklich etwa um Shackletons Blood On My Hands rum, immer mehr in Richtung Techno gelenkt wurde. Leider bin ich alt und immer noch auf Schlafentzug, so kapitulierten meine Beine trotz der Anfeuerungen von Sgt Pokes am Mikro noch vor 4 Uhr, aber der nächste Dubstepabend in Köln kommt bestimmt.

Konzert: c/o pop Tag 2 - Seabear, Reykjavik!, Ultra Mega Technobandið Stefan

Ein großes Thema bei der c/o pop ist ja dass im Rahmen der "Europareise" Festivals aus ganz Europa hierzulande weniger bekannte Musik vorstellen, so dass man mit dem Festivalticket auch mal völlig blind auf Entdeckungsreise gehen kann. Ein bisschen Vorauswahl hatte ich schon getroffen bei der Wahl des gestrigen Programms, das wurde nämlich vom Iceland Airwaves-Festival ausgewählt. Die Veranstaltung fand im schönen Rheintriadem statt, allerdings nicht im großen Saal in der Mitte, der war mit Tischen und hochbequemen Sitzsäcken zur gemütlichen Lounge umfunktioniert worden. Der isländische Teil des Programms fand im zweiten Konzertraum statt, im Obergeschoss gastierte das polnische Festival Turning Sounds.



So wie das was ich von Seabear schon gehört hatte hatte ich mir einen isländischen Abend vorgestellt, feine, warme Musik mit Geigen gespielt von Wollpulliträgern. Nun, ganz so war es nicht, die sieben Jungs und Mädels waren weitaus bunter und sommerlicher gekleidet als gedacht, und vor allem zum Glück nicht in Wollpullis die in dem mit ca. 5 Lampen pro Quadratmeter versehenen schnell warm werdenden Konzertraum im Erdgeschoss recht schnell unangenehm werden dürften.

Ein zweites Thema bei der c/o pop scheint allerdings die tückische Technik zu werden, das richtige Zusammenstecken aller Kabel und Geräte war zwar recht schnell geschafft aber der Computer muckte anfangs etwas rum. Daraufhin wurde einfach das Programm etwas abgeändert und es gab eine anscheinend spontan eingefügte Kuschelversion von Teenage Kicks. Die live wuchtiger und facettenreicher klingende Band war sehr nett und die Kommunikation mit dem Publikum ging anfangs sogar so weit dass der Sänger die Besucher fragte ob der Sound OK sei oder welche Instrumente sonst lauter gestellt werden müssten. Auch andere Eigentheiten hatte das Konzert, viele Instrumente die ich noch nie gesehen hatte wie eine Art Mundharmonika mit kleinen Metallhörnern, zwei zitherähnliche Saiteninstrumente, und richtig lustig wurde das Gesamtbild dadurch dass neben den drei Mädchen in bunten Kleidern, vor dem Drummer mit butterweichen Drumsticks der Gitarrist ein Black Metal-Shirt trug und einen Totenkopf am Unterarm tätowiert hatte. Aber dieses war noch bei Weitem das normalste Konzert an diesem Abend.

[MP3] Seabear - I Sing I Swim
[MP3] Seabear - Arms

Seabear Myspace



Island, Land der Geysire, Land der schönen Landschaften, Land der Feen und Elfen - aber wo es Elfen gibt gibt es auch boshafte Kobolde die wild herumtoben und harten Schnaps trinken. Reykjavík kommen überraschenderweise ebenfalls aus Reykiavik und boten direkt einen starken Kontrast als sie die Bühne betraten, insbesondere dank des langhaarigen Wifebeater-tragenden Gitarristen der direkt aus einer 80er Thrashmetalband entlaufen schien. Wie um den Stimmungswechsel noch klarer zu machen wechselten als die fünf loslegten die bis dahin meditativ blau schimmernden Leuchten über in blutiges Rot, und dann sprang der Sänger auch schon durch den Saal.

Anfangs wirkte der garagige Rock der bei den späteren Stücken immer mehr in Richtung Mclusky anklang zu bemüht wild und verrückt, aber mit der Zeit schwappte doch die Stimmung über und es wurde richtig spaßig. Spätestens als eine gewaltige Flasche Schnaps einmal durchs ganze Publikum gereicht wurde ("don't return it until it's empty!") war der Bann gebrochen, selbst etwas so kitschiges wie ein Tanzwettbewerb wurde höchst unterhaltsam. Am Wildesten gingen aber die Isländer im Publikum, darunter auch Seabear, ab und spätestens da wurde klar dass der Isländer an sich auch ein höllisches Partytier sein kann.

[MP3] Reykjavík - All Those Beautiful Boys

Reykjavík Myspace



Und dann, tja dann wurde es noch wilder. Ultra Mega Technobandið Stefan sehen aus als dürften sie noch nicht selbst Auto fahren, aber während den ersten paar gespielten Tönen begann der Sänger bereits umherzuhechten wie Iggy Pop (und sich auch sofort seiner Oberbekleidung zu entledigen). Die "Technoband"-Bezeichnung kommt aber nicht von irgendwoher, denn ihr Modus Operandi lautet "stampfige Beats + dicke, eingängige Synthiemelodien + wildgewordener Sänger". Das war auch überraschend spaßig, das Konzert zerfiel jedoch gegen Ende etwas als es zu chaotisch wurde, auch wirkte der Sänger etwas frustriert von der Ungeregtheit vieler Besucher. Mit etwas mehr Erfahrung und an einem etwas anderen Ort bin ich mir aber sicher dass Ultra Mega Technobandið Stefan eine exzellente (und das ist jetzt nicht abwertend gemeint) Partyband abgeben, vielleicht bald im Vorprogramm von Andrew W.K.?

[Video] Ultra Mega Technobandið Stefan - Cockpitter
[Video] Ultra Mega Technobandið Stefan - Story of A Star

Ultra Mega Technobandið Stefan Myspace

Das war also Tag 2, Untertitel "Das Experiment" - es ist sicher ziemlich lange her seit ich das letzte Mal auf ein Konzert gegangen bin mit nahezu null Ahnung was mich erwartet, und es hat sich definitiv gelohnt.