Konzert: Modest Mouse



Das ging nun wirklich flott. Nachdem sehr kurzfristig Anfang Juni der ursprüngliche Termin abgesagt werden musste stand prompt der Nachholtermin fest, gerade mal einen Monat später. Wie sehr einem nun das Konzert von Modest Mouse gestern gefiel dürfte vor allem davon abhängen wie gut man ihre letzten beiden Alben mag, denn die davon stammenden Stücke machten den überwiegenden Teil des Abends aus. Für mich war das eine ambivalente Angelegenheit, während ich das neue recht gerne mag habe ich bis heute keinen rechten Gefallen an Good News For People Who Love Bad News finden können.

Doch sowas war zunächst noch gar nicht abzusehen, klar war nur dass die Auswahl der Musik, die während des Umbaus vom Band - nun ja, genau genommen einer des Öfteren springenden CD - ablief, die beste seit langer Zeit war. Lauter alte Indierockschätze, jaulende Gitarren, dröhnende Drums und schiefe Stimmen, super! Dann betraten Modest Mouse die Bühne, Isaac Brock piepste mit vermutlich heiserer Stimme ein paar schwer verständliche Worte ins Mikro und die Band spielte Paper Thin Walls auf, Brocks Gesang war aber erfreulicherweise unbeeinträchtigt von seiner Heiserkeit voll da. Na toll, eines der besten Stücke von meinem Lieblingsalbum von ihnen (später kam auch noch Tiny Cities Made Of Ashes), ich war direkt happy. Das ging offenbar nicht allen so, doch war bei den ersten beiden Stücken anscheinend die Parole Stillstand ausgegeben worden erwachten die vorderen Reihen dann ab Float On sprungartig zum Leben.

Als Antreiber erwies sich dabei vor allem Isaac Brock der zwar nicht die Mitte der Bühne besetzt hielt (die gehörte Keyboarder, Trompeter und Mädchen für alles Tom Peloso der links von Johnny Marr und rechts von Brock flankiert wurde) aber trotzdem ganz klar die Zügel in der Hand hielt. Wie besessen bellte, heulte und jaulte er, schüttelte und rüttelte und wirbelte seine Gitarre umher, um dann in der nächsten Sekunde wieder völlig kontrolliert zu wirken, still stehend mit großen weiten Augen einen Horizont am Ende der Halle zu erblicken versuchend. Dabei schien er diese kontrollierten Ausbrüche besonders bei den neuesten Stücken zu genießen, manchmal wirkte er wenn er in seiner Theatralik ein Mikrofon ergriff schon fast wie ein Zirkusdirektor.
Dadurch dass jeder fest auf dem ihm zugedachten Platz blieb entstand noch mehr der Eindruck dass dieser Direktor eine bunt zusammengewürfelte Truppe um sich versammelt hatte: Brock mit Seemannsbart, ein Gitarre tragender Kapitän Haddock; hinter den zwei(!) Schlagzeugen die scheinbaren Zwillinge Jeremiah Green und Joe Plummer, beide mit kurzen gelbblonden Haaren und in grüne Basketballhemden gekleidet aus der Distanz unmöglich voneinander zu unterscheiden; Peloso und ein nicht identifizierbarer Bassist, bereit zum Kneipenbesuch; und.. äh.. mittendrin Johnny Marr. Dass so ein bunter Haufen letztens noch an der Spitze der US-Charts stand war schon ein amüsanter Gedanke.

Modest Mouse live bedeutet heutzutage sicher etwas anderes als vor 10 Jahren. Das Schlagzeugduo verlieh alten wie neuen Songs durch zusätzliche Percussions neue Elemente und brachte dank der Kraft der zwei Drumsets noch einen zusätzlichen Schub in die meist - herrje, jetzt muss ich wohl "tanzbaren" sagen - tanzbaren neueren Nummern, bei denen man dann leider selten ausgedehnte Gitarrenparts solo oder im Wechselspiel geboten bekam.
Marr stand dabei besonders heraus, sichtlich würdevoll im Gebahren, inbrünstig jeden noch so kleinen seiner Gitarrenparts ergreifend, und am Schluss verließ er die Bühne nicht ohne nicht noch schnell seine Jacke übergezogen zu haben. Aber wie schon erwähnt, wichtig für den Besucher war trotz vor allem die Songauswahl. Als Beleg dafür ein im Anschluss überhörter Minidialog: "Das war scheiße, die besten Songs haben sie überhaupt nicht gespielt!" - "Quatsch, den besten Song haben sie direkt am Anfang gespielt!"

Ich für meinen Teil hätte mir ältere statt Good News-Songs gewünscht, aber dass ich das Konzert letztlich überaus glücklich verließ hatte Spitting Venom zu verantworten, mein Favorit von We Were Dead Before The Ship Even Sank das ich just vor der Abfahrt noch gehört hatte. Das längste Stück der Platte wurde live zu einem echten Rockmonster aufgeblasen, doppelt so laut, doppelt so viele Drums, doppelt so viele Gitarren plus zusätzliche Soli und Variationen, und Brock flocht wenn ich mich nicht getäuscht habe gegen Ende auch noch den Text von I Came As A Rat mit ein. Wenn zu dem Zeitpunkt meine Augen nicht so schmerzhaft gebrannt hätten vor lauter Schweiß der dort reinlief (die Live Music Hall kann echt unangenehm heiß werden, weia) hätte ich sicher komplett von einem Ohr zum anderen gegrinst.
Danach verabschiedete Brock sich unter eher anständigem als rauschendem Applaus, bemerkt werden sollte aber nicht nur dass es danach noch eine Zugabe setzte sondern auch dass seine Stimme zu diesem Zeitpunkt wieder normal klang: In der Mitte des Konzertes hatte er es aufgegeben seine Stimme zu verstellen und musste seinen Mitstreitern eingestehen dass er seine Wette verloren habe. Hatten die auf der Bühne also auch ihren Spaß gestern.

Update: Fotos auf Phlickr.

Frog Eyes kommen!



Na das ist doch allerfeinst. Da will man sich gerade ohnehin schon recht glücklich schlafen legen, und stolpert dann noch über diese frohe Neuigkeit: Frog Eyes beehren im Spätherbst deutsche Gefilde mit dem einen und anderen Besuch. Ich hab bloß etwas Angst davor von Cary Mercer komplett hinweggefegt zu werden, vielleicht sollte ich mir ein Paar Metallstiefel für bessere Bodenhaftung kaufen bis dahin?

17.10.2007 Tsunami Club, Köln
18.10.2007 Feierwerk, München
19.10.2007 UT Connewitz, Leipzig
26.10.2007 Le Transformateur, Fribourg
27.10.2007 Palace, St. Gallen
28.10.2007 Kaserne, Basel
29.10.2007 603QM, Darmstadt
13.11.2007 Bang Bang, Berlin
14.11.2007 Kleine Freiheit, Osnabrück
15.11.2007 Scheune, Dresden

Video: Of Montreal - Suffer For Fashion



Ich hatte gestern Abend bereits versucht das neue Video von of Montreal anzusehen, doch für die Uhrzeit war es mir viel zu hektisch. Auch jetzt ist das Tempo in dem zu Suffer For Fashion, dem Eröffnungsstück des grandiosen Hissing Fauna, Are You The Destroyer?, gebastelt wird zu hoch als dass man mit nur einem Mal ansehen des Videos alles nachvollziehen könnte, so voller Ideen steckt die Stop-Motion-Animation dass es auch schade ist wie Youtube so Manches dort verpixelt.

[Video] of Montreal - Suffer For Fashion (Youtube)

Neues von Stars



Vor ein paar Tagen noch schien in der Liste alles ungewiss, jetzt weiß man schon nahezu alles was es über das kommende Werk der Stars zu wissen gibt: Am 21. September kommt In Our Bedroom After The War auf City Slang raus, auf deren Webseite man auch die Trackliste finden kann und eben die heiß ersehnten ersten neuen Töne der Supergroup von der die meisten von uns damals noch gar nicht wussten dass sie eine ist. The Night Starts Here befindet sich am Anfang des Albums und klingt vom Titel her sehr nach Ansage, doch auch bei der einsetzenden Düsternis haben die Stars ihr elegantes Strahlen beibehalten.

[MP3] Stars - The Night Starts Here

The Smashing Pumpkins Live



Zunächst: Das neue Album der Smashing Pumpkins, das muss einmal gesagt werden, ist ja eine ziemliche Enttäuschung. Nein ich habe es nicht vorab runtergeladen, ich hab es noch nicht mal gehört, aber heutzutage ist halt wichtiger dass man seine Meinung möglichst schnell abgibt als dass man sie begründen kann.

Werfen wir deswegen nun einen Blick in die Vergangenheit, genauer in die Mitte der 90er als Billy Corgan plus D'arcy, Iha und Chamberlin auf der Höhe ihres Schaffens und Erfolgs waren, denn seit die Erlaubnis dazu erteilt wurde werden täglich massenweise Livemitschnitte auf Archive.org hochgeladen.
Mit Abstand die beste Aufnahmequalität und spektakulärste Performance aus der Mellon Collie-Periode findet man bei ihrem Auftritt Anfang 1997 vor, die Setliste dürfte auch die meisten zufriedenstellen mit Ausnahme von Adore-Fans und dem einen Fan von Machina vielleicht. Fans der allerersten Stunde dürften sich aber noch mehr über einen Auftritt von 1992 freuen der von erstaunlich guter Qualität ist.

The Smashing Pumpkins - Live in Vancouver 08.01.1997
The Smashing Pumpkins - Live in Den Haag 19.01.1992

Edit: Heilige Scheiße, wie geil ist Bullet With Butterfly Wings im ersten Set denn nur? THE WORLD IS A VAMPIRE! 1979, Thirty Three, Disarm, hach. Und das letzte Stück geht über 25 Minuten, Waaaahnsinn. Ich würd die gern jetzt live sehn bitte.

Ulrich Schnauss



Dass eine Youtube-Suche nach Ulrich Schnauss überwiegend schöne Landschaftsaufnahmen auswirft die mit seiner Musik unterlegt wurden lässt einen schon ahnen wie diese klingt. Voller Klangwände, groß und weit genug dass sich einem beim Hören vorm inneren Auge weite Naturgebilde erstrecken, aber dazu auch noch voller Wärme und Menschlichkeit. Obwohl die Kompositionen des in Kiel geborenen Elektronikmaestro mit der Zeit an Dichte zugenommen haben fühle ich mich auch von den ersten Stücken seines gerade erschienen Albums Goodbye nicht erschlagen, A Song About Hope ist ebenso bezaubernd wie es seinerzeit Gone Forever war.

Ulrich Schnauss Myspace