Jamie Lidell Live Bei KEXP



Normalerweise zeichnet sich Jamie Lidell dadurch aus, dass er große Soulmelodien mit moderner Elektronikinstrumentierung zu kombinieren weiß. Bei seiner Live-Performance für den amerikanischen Radiosender KEXP setzt er zwar auch Samples ein, aber dies weitaus dezenter, so dass hier seine fantastische Stimme voll und ganz im Vordergrund steht. Bis Freitag kann man eine Aufzeichnung davon noch herunterladen, zudem steht sie jederzeit als Stream im KEXP Archiv zur Verfügung.

[MP3] Jamie Lidell - Live bei KEXP

Fujiya & Miyagi



Wie kann man eine Gruppe nicht lieben die ihren eigenen Theme Song singt? Allerdings wird das "Fujiya... Miyagi..." in Ankle Injuries nicht lauthals gesungen wie es sich für eine Zeichentrickserie aus den 80ern gehört hätte, sondern wie meistens bei Fujiya & Miyagi sogar noch mehr geflüstert als gesprochen. Durch diese Zurückhaltung klingt ihre ungemein krautige Elektro-Musik dann auch in Collarbone wie die groovigen Parts von !!! um einen Gang zurückgeschaltet, ohne irgendwann groß auszubrechen und gen Himmel zu streben. Meist lassen sie es wohl lieber etwas ruhiger angehen, denn sie kommen nicht aus Japan sondern aus dem keineswegs fernöstlichen Brighton. Oh, und zu zweit unterwegs wie zu Anfang sind sie auch nicht mehr, bald vielleicht sogar zu viert. Da wird's aber bald mal Zeit für eine Neuauflage des Theme Songs.

[MP3] Fujiya & Miyagi - Ankle Injuries
[MP3] Fujiya & Miyagi - Collarbone

Fujiya & Miyagi Myspace

Chk Chk Chk Chk Blow!

Wehe das ist ein Aprilscherz. Aber wie's aussieht wird das olle (darf man wohl sagen bei dem Alter) Intro-Magazin tatsächlich zu seinen Intim-Veranstaltungen Ende April nicht nur die fabelhaften The Blow, sondern auch die Meister der ausgedehnten instrumentalen Tanzorgie !!! anschleppen. Letztere dürften dann auch ihr drittes Album Myth Takes mitbringen, das wenn bis dahin nicht noch eine Vorab-Single erscheint die erste !!!-Veröffentlichung seit der ganz großen Take Ecstasy With Me/Get Up Cover-EP vom Sommer 2005 wäre.

23.04.2007 Maria am Ufer, Berlin
29.04.2007 Gebäude 9, Köln

The Ponys



Komisch, höre ich The Ponys habe ich das Gefühl so fett aufspielende Gitarren seit Ewigkeiten nicht mehr vernommen zu haben. Mit viel Hall, Verzerrung und zumindest auf Little Friends mit einer Anschlagdichte die fast schon an alte The Wedding Present-Sachen heranreicht wird man da schon durch pure Kraft mitgerissen. Mit dem Kopf durch die Wand hat sich wohl ausgezahlt, zumindest wird das Vierergespann bald seine erste Platte beim altehrwürdigen Matador-Label herausbringen. Double Vision ist der erste Vorgeschmack darauf:

[MP3] The Ponys - Double Vision
[MP3] The Ponys - Little Friends

The Ponys Myspace

Swan Lake - Beast Moans



Musik wird von einer Band oft, auch wenn dies irgendwo einen kreativen Akt beinhaltet, nach einem immer gleichen Schema gemacht: einer schreibt den Text, eventuell ein anderer die Musik, und jedes Mitglied spielt dann mit verschiedenen kreativen Freiheitsgraden die Parts seines jeweiligen Instruments ein.

Es kann aber auch ganz anders vonstatten gehen. So zum Beispiel: drei Freunde, allesamt kreative Köpfe von hoch gelobten kanadischen Bands, treffen sich im Spätwinter 2006. Nicht um ihr größtes Werk überhaupt zu schaffen, nicht um erfolgreich zu werden, nur weil sie mal zusammen was machen wollen. Jeder hat ein paar halbgare Songideen im Gepäck, die alle die stilistische Note des jeweiligen Komponisten tragen. Und viel unterschiedlicher könnten die Persönlichkeiten nicht sein die die drei in ihrer Musik verkörpern: Da ist zum ersten der wilde Mann, Carey Mercer von den schrägen Frog Eyes. Zum zweiten Dan Bejar alias Destroyer, der belesene Wortmagier. Und zum dritten Spencer Krug, der Neo-Romantiker, einer der zwei Songwriter von Wolf Parade und ganz alleine von Sunset Rubdown.

Und diese drei spielen nun nach Gutdünken an diesen Songideen rum, türmen Klanreihe auf Klangreihe, jeder mal was anderes, ob Gitarre, Keyboards, Bass, Schlagzeug (aber in etwa so: einer die Snare, ein anderer die Hi-hat), Gesang, was immer man reinpacken kann. Und am Schluss vermischen Krug und Mercer das Aufgenommene am Computer noch mal zu einem dichten Morast aus ineinander verschwimmenden Tonspuren durch das keiner mehr durchblickt. Klingt nach einem mittleren Desaster, nicht?

Wenn man das erste Mal Beast Moans von Swan Lake hört auf jeden Fall. Beim zweiten und dritten Mal auch, überall ist soviel los, man weiß gar nicht wo man hinhören soll. Nur langsam beginnt man die Grundstrukturen zu erfassen, dann was drumherum ist, um irgendwann einmal die Stücke in ihrer Gesamtheit hören zu können. Zunächst schälen sich nur die Krug-Kompositionen All Fires und Are You Swimming In Her Pools? und Bejars The Freedom aus dem verwaschenen Klangdickicht heraus, doch wenn man tapfer bleibt und sich durchschlägt entdeckt man mehr und mehr an diesem Albums:

Das barock anmutende A Venue Called Rubella, wie ein Walzer der beim Untergang von Atlantis gespielt wurde. City Calls, das von mindestens einem halben Dutzend Stimmen bevölkerte Klagelied mit herrlichen glockenartigen Keyboards vor einem majestätisch langsam marschierenden Schlagzeug (überhaupt die Effekte die hier mit den vermischten Stimmen erreicht werden: während Mercer und Krug zusammen recht ähnlich wie zuvor einzeln klingen, vermischen sich die Produkte von Mercers und Bejars Stimmorganen besonders auf The Partisan But He's Got To Know zu einer erstaunlich femininen Einzelstimme).
Widow's Walk, das Eröffnungsstück, auf dem Bejar unruhig eine Tonleiter emporklettert, dabei einen Satz wiederholend den man sich mehrmals anhören muss um ihn zu verstehen, so viele Wendungen nimmt er bis er einmal zum Punkt kommt: "And in the light / of what was there / it's been said / they heard me / bid you "Come on!" / ...on your way / down Widow's Walk...".
In krassem Gegensatz dazu steht Krugs simpler Satzbau in der Erzählung All Fires:

"There was a flood, a world of water.
The mason's wife swam for her daughter.
1000 people did what they could.
They found a steeple and tore up the wood.
500 pieces means 500 float.
1000 people means 500 don't."

Einfache Mathematik, und doch ungemein ergreifend. Auch das ist einfache Mathematik: wer das bisherige Schaffenswerk aller drei Mitglieder von Swan Lake mag, der kann mit der Summe, diesem letzten ganz großen Album des Jahres, kaum etwas falsch machen. Nur wäre man gut beraten eine Machete mitzubringen, ansonsten wird das eben so eine Platte (und ich kann wirklich nur empfehlen dieses Album in der CD-Version zu erwerben die das Booklet enthält [die LP tut dies offenbar nicht, siehe Kommentare], das dank der verstörend schönen Bilder von Shary Doyle für mich das beste des Jahres ist) die man frustriert wegpackt und ein halbes Jahr später wieder ausgräbt um sie dann endlich, nachdem die Saat des ersten Hörens genug Zeit hatte um sich in einem selbst zu entfalten, endlich in sein Herz zu schließen. Natürlich hält sie auch dann noch mit jedem Hören neue Geschenke bereit.

[MP3] Swan Lake - All Fires
[MP3] Swan Lake - The Freedom

Yellow Swans



Langer Tag endlich vorbei, nach dem ersten Glas Gin ist auch der sich anbahnende Kopfschmerz sprungartig geflüchtet, nun noch schön entspannen mit... Yellow Swans? Ja, irgendwie geht das heute. Die Sounds des ungemein produktiven Duos aus Portland (51 Veröffentlichungen in den letzten 5 Jahren!) sind zwar direkt aus der Industrial-Krachecke, aber die phasenweise langsame Veränderung der Geräuschwellen, die in I Woke Up schnell an- und wieder abebben, bringen genau genug Halt dass man nicht geistig völlig abdriftet, aber genug Zerstreuung um den Kopf nach all dem Alltagskrach mit etwas ganz und gar nicht alltäglichen Tönen zu massieren.

[MP3] Yellow Swans - I Woke Up
[MP3] Yellow Swans & Catville Birch Motel - Terminal Saints

Yellow Swans Myspace

"Gloriously Amoral; Sexually Voracious"

Gerade dachte ich ich hätte mich von meiner Faszination mit dem Album gelöst, da wirft mich dieser Artikel direkt wieder zurück mitten in das glorreiche Someone To Drive You Home:

"She disses other girls and probably fucked your boyfriend. So why do we love KATE JACKSON from the Long Blondes?"

Und meine Güte total vergessen, in einer Woche kommen sie ja, das wird ein Fest:
10.12.2006 Molotov, Hamburg
11.12.2006 Magnet, Berlin
12.12.2006 Gebäude 9, Köln

Jeden Tag Was Neues Aufs Ohr

Ich weiß, derzeit Adventskalender wo man hinsieht. Aber da diese Aktion nur 23 Tage lang läuft kann ich selbst von Weihnachtsrummel genervten Atheisten New Ears Day empfehlen. In Zusammenarbeit mit hochkarätigen Indielabels wie Constellation, Saddle Creek, Fat Cat u.a. werden dort jeden Tag ein oder zwei Künstler ganz kurz vorgestellt die jüngst ein Album herausgebracht oder in nahester Zukunft eins anstehen haben. Und da es sich dabei bisher mit Cursive, Lullabye Arkestar, Volcano! und seit heute auch Audrey um von mir sehr gern gehörte Musik(er/innen) handelt werd ich nicht anders können als nun bis zum 23. jeden Tag reinzuschauen was es dort zu entdecken geben wird.

New Ears Day

Audrey



Das wird der schönste 13. Dezember des Jahres! Lange hin und her überlegt ob ich mir nun die rockenden Saxophone der schwedischen Love is All oder die gemäldemalenden Gitarren der japanischen Postrocker Mono ansehen werde, hat mich nun die Vorband von letzterem Konzert überzeugt: Audrey aus Schweden machen sehr feine, dezent besungene Instrumentalmusik zum Verlieben, sich Trennen und zum darauf folgenden Schmerz. Wer herausfinden will ob das mit dem Verzaubern auch live so gut klappt wie mit den weiter unten verlinkten Stücken, der notiere sich Audreys Tourdaten:

09.12.2006 Nbi, Berlin
10.12.2006 Hafen 2, Offenbach
11.12.2006 Fundbüro, Hamburg
12.12.2006 Schocken, Stuttgart
13.12.2006 Underground, Köln
14.12.2006 Nun, Karlsruhe
15.12.2006 603qm, Darmstadt
16.12.2006 Anorak, Kassel

[MP3] Audrey - Mecklenburg
[MP3] Audrey - Box And Fights
[MP3] Audrey - Views

Audrey Myspace

Video: The Secret Machines - Lightning Blue Eyes



Auch mit einem David Bowie-Gütesiegel versehen konnten The Secret Machines dieses Jahr mit Ten Silver Drops leider nicht an ihr voriges Album Now Here Is Nowhere heranreichen. Umso mehr aber freue ich mich dass das Video zum besten Song des neuen Albums eines der besten des Jahres überhaupt geworden ist. Warum, das zu verraten würde den Überraschungseffekt nehmen, deswegen sage ich nur bitte bitte ansehen, mir hat Lightning Blue Eyes den Sonntag dermaßen versüßt dass es schon eine Tankladung Essig bräuchte um den Effekt rückgängig zu machen. Achtung, der Quicktime-Stream ist etwas merkwürdig, klappt zumindest bei mir nur im Browser.

[Video] The Secret Machines - Lightning Blue Eyes (Quicktime)
[Video] The Secret Machines - Lightning Blue Eyes (Youtube)