Heartless Bastards



Es fehlt mir schwer, auszumachen was an der Musik der Heartless Bastards so besonders klingt. Vielleicht ist es die Verweigerung an populäre Spielarten der modernen Rockmusik: hier findet man weder dreckigen Garagenrock, noch tanzbare Hipsterclubmusik, noch schüchternen Indienerdrock, noch melancholische Singer-Songwriter-Klampfe, noch alternativen Country oder Folk mit psychedelischem Einschlag - wenn ich ihre Musik beschreiben müsste, würde ich sagen "erdig". Oder auch "ehrlich", auch wenn das beides Worte aus dem 1x1 der ekligen Rockklischees sind, aber das hier ist keine Westernhagen-Platte.

Sängerin und Songwriterin Suzanne Wonnerston hat eine prägnante, vielseitige Stimme, die sich nur selten an der hier im Vordergrund(!) stehenden Rhythmusgitarre vorbeidrängelt, auch wenn ich mir sicher bin dass es kein Problem für sie wäre. Und wenn das zweite Album der Band (All This Time, erscheint am 25.08. auf Fat Possum) durchgehend so gut ist wie die Songs die man davon online findet, bin ich mir sicher dass sie auch auf andere Weise bald viel öfter im Rampenlicht sein wird.

[MP3] Heartless Bastards - All This Time
[MP3] Heartless Bastards - Into The Open

Heartless Bastards Myspace

Cursive



...Ich muss sagen dass ich mich bisher noch nicht so richtig mit dem neuen Cursive-Sound angefreundet hab. Nichts gegen Tim Kashers Songwriterqualitäten, die sollten durch die in der Zwischenzeit erschienenen Werke als The Good Life unbestritten sein. Mir fehlt aber dieses Elegant-Theatralische der Vorgängerplatte, was wohl bedingt ist durch den Verlust der Cellistin anstelle der auf Happy Hollow jetzt Blasinstrumente den Rocksound der Saddle Creeker erweitern. Bei Ryspace kann man sich schon mal einen ungefähren Eindruck davon verschaffen wie die alten und neuen Songs in dieser Besetzung live klingen, dort gibt es nämlich einen Mitschnitt vom Konzert am vergangenen Mittwoch.
Oder man wartet noch zwei Wochen, dann kommen Cursive nämlich nach Deutschland:

27.08.2006 Prime Club, Köln
28.08.2006 Knust, Hamburg
29.08.2006 Knaack, Berlin
30.08.2006 Free & Easy Festival, München
31.08.2006 Schlachthof, Wiesbaden
01.09.2006 Soundgarden, Dortmund

Cursive Myspace

Übrigens...


...Das neue Album der Elektroschwurbler Excepter kann man sich hier anhören.
Ganze 5 Songs vom neuen The Rapture-Album kann man sich hier anhören, allerdings muss man dafür nicht nur ein Foto von sich hochladen sondern auch Emailadresse, Geburtsdatum, Geschlecht und eventuell BH-Größe angeben. Mir ist das ehrlich gesagt etwas aufwendig, ein bisschen Spannung werd ich noch aushalten können.

...Aus der Abteilung nationale Kulturschande: Germans Under Cover präsentiert allerlei furchtbare Cover seitens deutscher "Künstler", wie z.B. Veronika Fischers Verstümmelung von Love Will Tear Us Apart ("Dann Ist Liebe Ein Teufelskreis") oder Bennys sagenhafte Neuinterpretation von If The Kids Are United als Anti-Alkoholbotschaft ("Du Hast Angst Vor Der Wahrheit"). Viele davon, wie das Fischerding, kenne ich sogar leider noch aus meiner radiogeschädigten Zivizeit. Sei verflucht WDR 4!

...Die meisten wird es wohl überraschen dass John Darnielle von den folkigen Mountain Goats in seiner Freizeit gerne Metal und Hiphop hört. Dies und viel mehr kann man auf Darnielles mehr als lesenswertem Blog erfahren, oder auch im Interview mit Tom Breihan, in dem die beiden nicht nur den inneren Comicnerd raushängen lassen sondern auch darüber spekulieren welche Indieband gut Metal spielen könnte:

Would you want to give it a shot, ever?
If I could learn to play guitar. I'm a good indie-rock guitarist, but there's hardly any guitarists in all of indie rock that are fit to carry carry the shoes of a second-string metal guitarist. Those people are the real deal. The guys in Spoon, those guys can play. I know those guys are awesome, and I'm not saying everybody sucks.
Spoon could play metal?
I bet they probably could.


...Apropos Breihan, sein Blog/Kolumnending Status Ain't Hood ist eine prima Neuentdeckung für mich, nicht nur weil er sich dort mit so interessanten und brandheißen Fragen beschäftigt wie Henry Rollins vs. Glenn Danzig - Wer würde diesen Kampf gewinnen?

Future Of The Left



oder was von Mclusky übrig blieb. Mclusky sind für mich eine der allerbesten Rockbands der letzten Jahre, und deshalb wurde ich direkt hellhörig als ich von Future Of The Left las. Die Band besteht aus 2/3 von Mclusky, Sänger Andy Falkous (mit langen Haaren!) und Drummer Jack Egglestone, die nun mit ihrem neuen Bassisten nicht weit weg davon weiter machen wo Mclusky so abrupt aufgehört haben. Die schneidenden Gitarrensaiten und der beißende Gesang verbreiten immer noch ihr dreckiges Flair, und obwohl die Band noch Nichts veröffentlicht hat und gerade erst mit einer Handvoll Songs ihre ersten Liveauftritte absolviert offenbaren die Stücke auf ihrer Myspace-Seite dass die alte Power keineswegs verpufft ist. This band is bigger than.. ach ihr wisst schon.

[MP3] Future Of The Left - The Fibre Provider

Future Of The Left Myspace

The Pipettes! The Pipettes!



Herrje, schon 19 Tage, 1 Stunde und 20 Minuten nix mehr über die Pipettes geschrieben. Da muss Einiges nachgeholt werden:
Endlich ist We Are The Pipettes, das Debütalbum der polkagepunkteten Prinzessinnen von der britischen Insel nun auch hier rausgekommen. Anhören kann man sich das Popalbum des Jahres hier im Stream. Wer es noch nicht gehört hat möge dies möglichstbald nachholen, Befehl!

Ihren wohl ersten Deutschlandauftritt gaben die drei samt Backingband bei einem Akustikkonzert in einem Berliner Friseursalon im Juni. Mittlerweile gibt es auch Videomaterial davon, auf Intro.de finden sich die passenden Links dazu. Das Publikum besteht wohl aus Medienvertretern, aber ehrlich gesagt bewegt sich das faule Kölner Publikum meist auch nicht mehr, deswegen wäre mir das nie aufgefallen.

Aber auch mit vollem Live-Sound kann man die Pipettes bald hier erleben: nach dem Auftritt beim Monsters Of Spex-Festival in Köln Ende August gibt es im Oktober nochmal eine Mini-Tour:

16.10.2006 White Trash, Berlin
17.10.2006 Studio One, Hamburg
18.10.2006 Prime Club, Köln
19.10.2006 Atomic Cafe, München

Zu guter Letzt noch gibt es auf Cokemachineglow, die auch meine Lieblingsrezension des Albums hatten, ein Interview mit Rosay (die brünette Pipette).

Video: Hanne Hukkelberg - A Cheater's Armoury



In ihren einfallsreich arrangierten Stücken kommt Hanne Hukkelberg zunächst eher unspektakulär herüber, da ist nix mit Grandeur und voll auf die Zwölf. Um so stärker der Kontrast beim Videoclip zu A Cheater's Armoury, der nicht nur kunstvoll und in Farbe animiert ist sondern auch eine visuell epische Geschichte erzählt. Der Song ist ein Vorgeschmack auf ihr zweites Album, das im November zunächst in Norwegen erscheinen soll und unsere Breitengrade leider wohl erst im nächsten Jahr erreichen wird.

Hanne Hukkelberg - A Cheater's Armoury (Quicktime)
Hanne Hukkelberg - A Cheater's Armoury (Youtube)

Blood On The Wall: Awesomer

Da im Internet so arg viel über usergenerierten Content, Contentverwaltung und Contentverwertung geschrieben wird will ich mal nicht hintenan stehen und gleich meinen eigenen Content wiederverwerten. Habe nämlich gerade gemerkt dass Blood On The Walls Album Awesomer endlich auch in Deutschland erschienen ist, und da es schon letztes Jahr zu meinen Lieblingsalben gehörte möchte ich an dieser Stelle noch mal etwas Aufmerksamtkeit auf diese feine Band lenken.



Es ist schwer, dieses Album zu beschreiben ohne Vergleiche zu manchen Indierocklegenden zu ziehen, denn alle hört man sie an der einen und anderen Stelle bei Blood On The Wall heraus:
Tatsächlich dachte ich zuerst, als ich Songs von diesem Album hörte, es handele sich um ein Kollaborationsprojekt von Sonic Youth. Can you hear me hat einen Kim Gordon-esken verrauchten Gesang, darunter rumpelt der Bass und das Schlagzeug treibt den Song so schnell voran dass er, wie die meisten anderen auch, in unter 3 Minuten vorbei ist.
You are a Mess hat diesen fröhlichen, leichten Trott und dazu leicht überschwänglich verrückten Gesang wie man ihn gut von den frühen Pavement-Platten kennt. Und wenn die Gitarre bei Heat from the Day einsetzt, hat man den Verdacht, dass die Band sich das Instrument direkt von den Pixies geklaut hat.

Aber hier wird mehr gemacht als nur referenziert. Die meisten Stücke, darunter die absoluten Highlights Reunited on Ice, Gone und Mary Susan, sind nämlich etwas völlig Eigenes. Auch über die restliche Dauer des Albums hinweg hauen Blood On The Wall einen Kracher nach dem anderen raus und lassen einen hoffen, dass die jüngsten Reunions alter Recken wie eben die Pixies, Dinosaur Jr. oder The Wedding Present im letzten Jahr vielleicht jetzt ein Revival des krachigen und unhippen Indierocks eingeläutet haben.
Wenn dies der Fall sein sollte ist die Messlatte allerdings hoch gesetzt, denn hiermit sei es gesagt: Blood on the Wall waren zuerst da.

[MP3] Blood On The Wall - Mary Susan
[Video] Blood On The Wall - Reunite On Ice (Quicktime)
[Video] Blood On The Wall - Reunite On Ice (Youtube)

Blood On The Wall Myspace

So macht man einen Hype

Jetzt wissen wir auch wie das zustande kam. Im folgenden Enthüllungsvideo erfahren wir endlich, wer hinter dem Erfolg von Tapes 'n Tapes steckt und dabei keine Skrupel kennt:


Clay Tickles, Indie Marketing Guru