Desaparecidos



Heute mal etwas leicht älteres:
Desaparecidos sind/waren ein Nebenprojekt von Conor Oberst aka Bright Eyes plus Familie und Freunde. Anstatt Oberst-typischer introspektivem Wehleiden behandeln die Texte von Desaparecidos mehr soziale Probleme wie die urbane Umgestaltung ihrer Heimat Omaha und die Brutalität des American Dream und Kapitalismus allgemein. Dementsprechend ist der Gesang auch eher wütend, kämpferisch und verächtlich. Dazu gibt es auf musikalischer Seite melodiegeladenen Rock, aus dem sich immer noch ganz klar Obersts Songwriting und der Saddle Creek-Sound heraushören lassen. Think At The Drive-In meets Dinosaur Jr.

Für einige Zeit war Desaparecidos' Read Music, Speak Spanish sogar mein Lieblingsalbum von Oberst, denn im Gegensatz anderen Alben ist hier die Songqualität durchgängig gleich gut und die Songs fügen sich mehr zu einem Gesamtalbum zusammen das man gut am Stück hören kann ohne dass Stilbrüche oder Stücke die man am liebsten überspringt auftreten. Leider haben Desaparecidos ihre Aktivitäten wohl eingestellt, denn bis auf einen Song gab es seit 2002 schon kein musikalisches Lebenszeichen mehr von ihnen.

[MP3] Desaparecidos - Man And Wife, The Former (Financial Planning)
[MP3] Desaparecidos - What's New For Fall
[MP3] Desaparecidos - The Happiest Place On Earth

Desaparecidos Myspace

Mae Shi Overkill



Packt ein, Death Cab For Cutie. Geht nach Hause Liars.

Die überaus merkwürdigen Mae Shi (die ich hier schon mal erwähnt hatte) haben jetzt passend zu ihrem Album Terrorbird eine DVD mit Musikvideos zu 33 der 34 Songs des Albums herausgebracht. Gar nicht so schlecht für eine Band, die nach eigener Auskunft einen 19jährigen aus Illinois als Tourmanager hat. Der Trailer in seiner Gesamtheit ruft allein schon deswegen extrem positive Erwartungen bei mir hervor weil er mich tierisch an Wah Wah erinnert.
Außerdem enthalten auf Lock The Skull, Load The Gun ist eine Dokumentation über die erste Tour der Jungs:

Also included is The Celebration Tour, the feature-length tour movie documenting the Mae Shi’s first U.S. tour, when the band booked a 31-date tour by publicly offering to play any celebratory event—be it a birthday party, wedding or bar mitvah—for $100. [...]
It’s got everything your average tour documentary has – wide open roads, empty bars, dishonest promoters and drunken hijinx—but with the added bonus of animated flying monsters, firework accidents and a laugh track.


Eine E-Card mit 4 der Videos gibt es hier, und einen Trailer zur gesamten DVD gibt's auf Youtube.

The Walkmen live auf NPR



Gestern gaben The Walkmen ein Konzert in Washington bei dem sie ihr neues Album A Hundred Miles Off präsentierten. Auf NPR kann man eine Aufzeichnung davon runterladen:

[MP3] The Walkmen - Live in Washinton 25.05.06

Und hier das großartige Eröffnungsstück von A Hundred Miles Off:
[MP3] The Walkmen - Lousiana

The Walkmen Myspace

Mono - You Are There



Mono waren wohl eine der ersten Bands die ich durch das Internet entdecktt habe. Woher soll man auch sonst von einer japanischen instrumentalen Postrockband wissen (und vor allem hören)? Jedenfalls haben sie allein schon deswegen einen (imaginär) speziellen Platz in meiner CD-Sammlung.
Noch schöner ist es dass sie sich von Album zu Album kontinuierlich verbessert haben, und so ist ihr neuestes, von Steve Albini produziertes Album You Are There wieder ein Schritt nach vorne. Das übliche verzerrte Gitarrenspiel mit den Laut-Leise-Spannungsbögen hatten sie schon immer ganz gut drauf, aber oft wirkten die Kompositionen etwas zu heterogen und kalt. Und, was selten bei Postrockbands dieser Art der Fall ist, zu kurz.

Auf You Are There kann man sich über die Länge der Stücke nicht beklagen, allein vier der insgesamt sechs gehen über jeweils 10-15 Minuten. Auch zu lange wird es nicht, denn Mono haben gelernt sich ihre Zeit einzuteilen. Den träumerischen, ruhigen Teilen wird genau so die am besten geeignete Länge zugesprochen wie den Crescendos und Decrescendos die von und zu den orgasmisch anmutenden instrumentalen Lärmausbrüchen führen, den Gruppen wie Mogwai und Godspeed You! Black Emperor bekannt gemacht haben.
Vor allem in den ruhigen Parts haben sich Mono zu wahren Meistern entwickelt, wo früher der schnelle Weg zum wieder lauter werden gesucht wurde und die etwas widerwillige Kälte zu spüren war, ist die Atmosphäre auf You Are There genau so romantisch wie das Cover vermuten lässt. Wer da nicht den Tag sich schlafen legen und den Mond aufgehen hört...

So bildet sich fast schon ein Gegenentwurf zur Desolation die sich oft in den Geräuschbasteleien von Godspeed You! Black Emperor breit machte, und dadurch wird You Are There zu dem wohl schönsten und erbaulichsten Postrockalbum des Jahres. Man darf gespannt sein womit Mono als nächstes aufwarten.

[MP3] Mono - The Remains of The Day
[MP3] Mono - The Flames Beyond The Cold Mountain

Mono Myspace

"People Do Really Crazy Things On Meth"



Der investigative Cartoonist Peter Bagge berichtet vom "War On Drugs" in Amerika

Grime Me A River

2 neue fantastische Sets aus der Welt des Grime und Dubstep:

- Plasticman aka Plastician - May 2006

- Autonomic - Autonomic Computing

Zu letzterem gibt es hier einen absolut begeisterten Bericht.

Man Man - Six Demon Bag



Oft gibt es eine Dissonanz zwischen der musikalischen und der persönlichen Wirkung einer Band. Da sehen dann hardrockende Finnen wie nerdige Rollenspieler aus, fröhliche Indiepop-Bands wie verquere Hippies und Country-Musiker wie aalglatte Hipster.
Anders ist das bei Man Man. Ihre Musik klingt echt so schräg und rau wie die Bandmitglieder selbst aussehen. Da trifft mehrstimmiger Tom Waits-hafter Gesang auf düsteres Piano, balkane Blasinstrumentmelodien auf Kindergesang oder wird einfach nur mal unter Schlagzeuggewummer und andauerndem Gesynthe kräftig rumgekreischt (wie im nur 1 Minute langen Young Einstein On The Beach).

Durch solche Vielfalt, neue und vor allem viele Ideen wird dann auch Man Mans zweites Album Six Demon Bag immer spannend gehalten, und wenn man mehrfach zuhört schält sich die raue Schale langsam ab. Darunter findet man eine verletzte Seele vor, die sich nur auf diese hart wirkende Weise auszudrücken kann damit sie nicht noch verwundbarer wird. Denn auch der härteste Schnauzbartträger hat einen Grund warum er zu hartem Alkohol greift.

[MP3] Man Man - Engwish Bwood
[MP3] Man Man - Van Helsing Boombox
[MP3] Man Man - Black Mission Goggles

Man Man Myspace

Musikalisch weiterbilden

kann man sich bei Said The Grammophone. Dort schreibt nämlich Will Butler, der Mann der bei The Arcade Fire enthusiastisch auf alles drauf haut was man irgendwie als Perkussionssobjekt nehmen kann, einen fantastischen Gastbeitrag über Tschechischen Rock And Roll. Definitiv mal was Anderes.

"And I Sold Pot Out Of My Apartment"



Wie geil ist das denn? Wayne Coyne von den Flaming Lips hält die Abschlussrede an seiner ehemaligen High School (obwohl er nie einen Abschluss gemacht hat) und erzählt dabei über nützliche Drogenerfahrungen, die Heilwirkung von Urin und zitiert Daniel Johnston. Das Ganze macht er per Videotape im Stil eines TV-Pfarrers, inklusive eingeblendeter Applaus-Anweisungen.

Teil 1
Teil 2


via Scenestars

Josh Ritter



Und noch ein Konzert zu dem ich diesen Monat verdammt gern gegangen wäre: Gestern war Singer/Songwriter Josh Ritter zu Gast in Köln. Zuerst dachte ich aufgrund der Qualität seiner Musik, der Mann wäre so bekannt wie Jack Johnson (von dem ich auch erst gehört habe als ihn selbst der Spiegel schon kannte), aber da er gestern "nur" im kleinen MTC aufgetreten ist scheint das wohl doch nicht der Fall zu sein. Verdient hätte er's jedenfalls. Ja, es gibt viele Singer/Songwriter, aber ohne eine besondere Präferenz für solche Musik zu haben möchte ich mal behaupten dass nur wenige so viele große Songs schreiben wie Ritter. Er hat einfach dieses gewisse Etwas.. ach, hört selbst:

[MP3] Josh Ritter - Girl InThe War
[MP3] Josh Ritter - Thin Blue Flame
[MP3] Josh Ritter - Kathleen
[MP3] Josh Ritter - Me & Jiggs

Tipp für Scorcesianer und Dylanesen



Heute Abend/Nacht wird im WDR die nach allem was man so hört hervorragende Dokumentation No Direction Home über Bob Dylan von Martin Scorcese gezeigt. Soweit ich weiß zum ersten mal im deutschen TV. Wollt' ich nur mal erwähnt haben.

Xiu? Xiu? Da war doch irgendwas...

Argh wie viele Konzerte gab es denn diesen Monat? In dieser Veranstaltungsflut ist mir vollkommen entgangen dass Xiu Xiu in Köln gastierten. Was mir dabei in etwa entgangen ist kann ich jetzt wehmütig bei txt nachlesen, und so in etwa muss das dann ausgesehen haben:

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Xiu Xiu - Bog People (Live)

Do You Believe In Rapture Babe?

Ja ja jaaa, darauf freu ich mich riesig: Am 13.06. erscheint Rather Ripped, das neue Sonic Youth-Album, und nachdem mich schon das was davon bisher in Livemitschnitten zu hören war ziemlich begeistert hat geht es nun mit schnellen Schritten auf den Veröffentlichungstag zu. Um meine Spannung und die jedes anderen indierock-Fans noch mehr anzuheizen haben Sonic Youth das Album jetzt zum Anhören bereit gestellt:

Sonic Youth - Rather Ripped im Stream

Deerhoof -1 +1



Die schlechte Nachricht: Deerhoof haben einen Mann verloren, und zwar ihren Bassisten Chris. Der will sich mehr auf seine Band The Curtains konzentrieren, deren nächstes Album Vehicles of Travel im Herbst erscheinen soll. Klingt wie eine etwas sonnigere Version von Deerhoof, also vielleicht keine schlechte Sache dieser Split.

[MP3] The Curtains - Fletcher's Favorite
[MP3] The Curtains - Nite Crew

Die gute Nachricht: Die Deerhoof-Diskographie ist um ein Release reicher geworden. Auf ihrer Website gibt's eine neue EP von Deerhoof mit Cover- und Livesongs zum kostenlosen Download. Da greift man doch gerne zu.

Konzert: Sleater-Kinney

Untertitel: Cologne, You're No Rock 'N Roll Fun
Nein, das haben Sleater-Kinney gestern nicht gesungen, aber es wäre ihr gutes Recht gewesen.
Sie gaben immerhin das Rockkonzert des Jahres, und das Kölner Publikum wärmte nur mit Schneckengeschwindigkeit dazu auf - so dass kurz vor dem letzten Song (vor der Zugabe) vielleicht ein Zehntel des Publikums seine Oberkörper signifikant bewegte.

Aber genug vom Publikum erst mal.
Eigentlich sollte das Konzert schon letztes Jahr stattgefunden haben (mit Wolf Parade zusammen, das wär was geworden!), wurde aber wegen Krankheit abgesagt. Lustigerweise wurden die Plakate davon dann vor ein paar Wochen nochmal ausgegraben und hingen mit den entsprechenden Stellen von schwarzem Klebeband überklebt in der Eingangshalle des Gebäude 9. Nach dem Konzert waren die aber aufgrund plündernder Fans schneller weg als man hinsehen konnte. Und das hatte auch seinen Grund.

Ja, Rockkonzert des Jahres. Wenn Leute über Sleater-Kinney reden heißt es ja an allen Ecken "die rocken", aber nach dem gestrigen Abend würde ich dem nicht zustimmen. Sleater-Kinney ROCKEN, in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen! Und das mit einer Coolness die nicht mal aufgesetzt wirkt. Ihre Songs an sich sind schon toll genug, aber live explodieren sie dann richtig aus den Lautsprechern und man muss bei jedem neuen Stück aufs Neue um sein Trommelfell fürchten. Dagegen wirkten selbst Mogwai weniger imposant.
Gespielt wurden zunächst mal praktisch alle Songs von ihrem letzten Album The Woods, allerdings wäre das für Nichtkenner des Albums kaum festzustellen gewesen, so gut integrierte sich neues wie altes Material in die alten Songs (von denen glaube ich sogar noch mehr gespielt wurden als von den neuen). Vielleicht waren es aber die alten Songs vor allem die das Publikum hören wollte, der Funke wollte jedenfalls bei den meisten nicht überspringen. Was nicht heißt dass die Stimmung negativ gewesen wäre, nachdem Sleater-Kinney die Bühne verließen gab es deutlichen und anhaltenden Applaus, nur ist ein Rockkonzert ohne Bewegung nun mal etwas weniger schön.

Dann, als die Band zurück kam und nach Spielwünschen fragte, wurde vor allem Little Babies von Seiten des Publikums erwünscht. Da griff die Band dann zum ältesten Pädagogentrick der Welt (und ich entschuldige mein Paraphrasieren):
"We recently played in France, and it was a great audience, they were very energetic and dancing all the time. So, if you guys can dance as much as them me will play Little Babies." Und wem das noch nicht als ein Kommentar über das Publikum an diesem Abend vorkam, bei dem könnte der Groschen beim nächsten Song gefallen sein (der das Publikum dann aber endlich mitriss): You're No Rock N' Roll Fun. Ab dann wurde es auch allmählich die Stimmung die ich mir den ganzen Abend gewünscht hätte, und als Belohnung gab's dann auch Little Babies.
Nachdem die Band erneut unter begeistertem Applaus die Bühne verlassen hatte, kamen sie dann zum zweiten Set von Zugaben zurück. Sängerin Corin Tucker gab amüsiert zu dass sie erwartet hatten an diesem Punkt schon nur noch Musik vom Band aus den Lautsprechern zu hören, aber da ihr Soundmensch das vermasselt hätte gäbe es nun noch eine Zugabe. Und die hatte es in sich, denn die war überraschenderweise ein Cover von Danzigs Mother. Erübrigt sich zu sagen dass auch die ROCKTE!!!

Fotos von dem Konzert kann man hier betrachten.

[MP3] Sleater-Kinney - You're No Rock n' Roll Fun
[MP3] Sleater-Kinney - Jumpers
[MP3] Sleater-Kinney - Entertain
[MP3] Sleater-Kinney - One Beat (Live)

Mission Of Burma



Waah ganz vergessen, heute kommt das neue Album der Postpunk-Innovatoren Mission of Burma raus. Wie immer bei Mission Of Burma dürfte ein Hördurchlauf bei weitem nicht genügen um sich die Songs zu erschließen, aber neben einem sehr guten ersten Eindruck kann ich zumindest sagen dass die Power immer noch voll da ist, und allzu kompromissfreudig scheinen sie auch nicht geworden zu sein. Ach ja, woher ich das weiß? Weil's ganze 8 Stücke von The Obliterati auf www.obliterati.net zum Probehören gibt. Alten Fans muss ich das vermutlich nicht sagen, aber allen anderen sei hiermit eine Reinhörempfehlung ausgesprochen.

[MP3] Mission Of Burma - 2wice
[MP3] Mission Of Burma - Donna Sumeria