Konzert: The New Pornographers / The Fiery Furnaces

"Warum gehst du eigentlich auf Konzerte?" fragte mich letztens jemand ganz unbedarft. Ich vergesse immer wieder dass das für die meisten keineswegs ein alltägliches Ereignis ist, aber als ich die Antwort darauf geben wollte musste ich doch zuerst etwas stutzen. Wie erklärt man in Worten warum ein gutes Live-Konzert einer Band die und deren Musik man liebt eines der besten Dinge ist die es gibt?
Ich weiß jetzt, meine korrekte Antwort hätte darin bestehen müssen, ihn zum gestrigen Konzert der New Pornographers und Fiery Furnaces im Kölner Gebäude 9 zu schleifen, ihm Augen und Ohren weit aufzureißen und anzubrüllen "DA, SIEHST DU DAS? HÖRST DU DAS? FÜHLST DU DAS? DESWEGEN GEHE ICH AUF GOTTVERDAMMTE KONZERTE!"

Zunächst einmal war ich überrascht dass die New Pornographers die Vorgruppe waren, eigentlich hatte ich das Gegenteil erwartet. Aber jegliche Gedanken waren nach dem ersten Takt vergessen, denn die kanadische Supergroup legte sofort los. Neko Case war nicht mit dabei, aber ich kann nicht behaupten dass ich sie vermisst hätte. Ihre Parts übernahm die Nichte von Sänger und Songschreiber A.C. Newman, Kathryn, die auch eine klasse Stimme hat und mir ehrlich gesagt ein bisschen enthusiastischer vorkam als Case.
Abgesehen davon hatte ich nach dem vorherigen Anhören mehrerer Live-Aufnahmen schon eine ganz gute Ahnung davon was mich erwarten würde, aber die fast schon majestätische Wucht der Live-Performance war wirklich fabelhaft. Die Band ist rhythmisch eingespielt, und da die Akustik auch gut war war das Konzert genau so exzellent wie ich gehofft hatte, so mitgerissen dass ich zu jedem Stück tanzen musste war ich schon lange nicht mehr gewesen.

Die Pornographers spielten Stücke von allen ihren Alben, und bis auf ein oder zwei Songs wurde wohl kein Publikumsfavorit ausgelassen. Dementsprechend gut war auch die Stimmung, wobei die Halle nicht mal halbvoll war. Und als nach dem letzten Song Sing Me Spanish Techno die Band die Bühne verlassen hatte und bereits die "das Konzert ist vorbei"-Musik aus den Lautsprechern dröhnte, hielt der Applaus immer noch an, so dass die Band nochmal zu einer feurigen Zugabe raus kam. Wer hätte da gedacht dass der Abend noch feuriger werden würde...

Ich hatte nur vage Andeutungen gehört dass die Live-Shows der Fiery Furnaces radikal anders wären als ihre schrägen Keyboard-Kompositionen auf Platte klingen. Frühestens konnte man das daran merken dass auf der ganzen Bühne weit und breit nichts auch nur annähernd Tastenbesetztes stand, das Setup bestand aus Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren. Die eine Gitarre betätigte Matthew Friedberger, und wie man bald merkte tat er das mit Gusto. Vom ersten bis zum letzten Ton bretterten die Fiery Furnaces nur so durch ihre Stücke durch, und das mit der Wucht einer Metal-Band. Wer die Songs nicht auswendig kannte wäre niemals darauf kommen dass es sich überhaupt zum die gleiche Band handelt, die Stücke wurden nicht nur doppelt so schnell und laut gespielt, sondern waren radikal umgearbeitet. Und wenn man die Songs kannte konnte man viel Spaß damit haben, herauszufinden welcher Song gerade gespielt wurde und was sich die Furnaces alles für diese Live-Version hatten einfallen lassen.

Teilweise waren Passagen komplett gestrichen was z.B. einen Pop-Hüpfer wie Tropical geradezu in einen Ramones-Song umwandelte, teilweise verschmolzen Teile von verschiedenen Stücken zu einem neuen. Und praktisch alle Stücke waren durchweg vom frenetischen Gebolze des exzellenten Drummers durchzogen, das immer wieder beeindruckte Atemlosigkeit beim Hörer verursachte. Die schrägen Keyboardorgien waren teilweise in Gitarrenkrach seitens Matthews umgewandelt worden, der seine verzerrenden Pedale enthusiastischer bediente als ein 15jähriger bei der ersten Probe seiner Punkband. Eleanor Friedbergers Stimme schaffte es aber tatsächlich, unter der Wucht der Musik nicht unterzugehen, sie schien das Ganze sogar als Ansporn zu nehmen sich noch mehr ins Zeug zu legen. Was wirklich beachtlich war angesichts der Tatsache dass sie ihre ohnehin schon oft dicht gefüllten und zungenbrecherischen Passagen in einem halsbrecherischen Tempo vortragen musste um mit der Musik mitzuhalten.
Und dann war irgendwann alles vorbei. Bis auf Matthew verließen alle die Bühne, er signierte noch vorne auf der Bühne, und da merkte ich dass ich wohl das ganze Konzert über ein dickes fettes Grinsen auf meinem Gesicht gehabt haben muss. Und das war dann nun wirklich das letzte was ich von einem Fiery Furnaces-Konzert erwartet hätte.

Eines dieser Konzerte allein wäre ein fantastisches Erlebnis gewesen. Beide an einem Abend: Großes Kino für die Ohren. Ein Feeling, das einen auch am Tag danach nicht loslässt. Pure Euphorie.
Der Grund warum ich auf Konzerte gehe.

Edit: 4 Bilder vom Konzert finden sich hier

Video: Okkervil River - For Real



Eben durch einen Besuch bei Ally gemerkt, dass ich Okkervil River sträflicherweise über ihr letztes Album hinaus gar keine Beachtung geschenkt habe, dabei hat die Band schon 4 Alben veröffentlicht. Da sind weitere Nachforschungen nötig!
Auch einige Videos finden sich auf der Homepage des Jagjaguwar-Labels, dabei unter anderem das zu einem meiner Lieblingssongs 2005, For Real, das genau so märchenhaft-düster ist wie sich der Song anhört:

[Video] Okkervil River - For Real

Okkervil River sind übrigens auch ab morgen auf Deutschlandtournee:

05/14/06 Münster - Gleis 22
05/15/06 Koln - Gebaude 9
05/16/06 Hamburg - Knust
05/23/06 Munchen - Atomic Cafe
05/25/06 Frankfurt - Brotfabrik
05/26/06 Hannover - Cafe Glocksee
05/27/06 Neustrelitz - Immergut Festival
05/28/06 Beverungen - Orange Blossom Festival

Klinisch reines Fußballerlebnis

Erst wird dem Zuschauer nur 1 Liter Bierkonsum pro Spiel erlaubt, jetzt soll auch mit Hilfe moderner Technik das Gegröle unterbunden werden:

Soccer hooligans could be silenced by a new sound system that neutralises chanting with a carefully timed echo.

Stadiums could use the technique to defuse abusive or racist chants, say the Dutch researchers behind it. The echoes trip up efforts to synchronise a chant, neutralising an unwelcome message without drowning out the overall roar of a crowd.

Camera Obscura

Camera Obscura Bandfoto

Camera Obscura waren immer eine frustrierende Band für mich. Der Typ von Band, der herzerwärmende Songs schreibt, herzzerbrechende Songs, einfach klasse Songs. Und dann aber auch viele kompetente, aber eher mittelmäßige Songs mit auf das Album packt. Anfang Juni erscheint das neue Album Let's Get Out of This Country, ich bin zwar vorsichtig, aber optimistisch dass sie diesmal die große Lücke die das Ende der Delgados in der schottischen Popmusik gelassen hat füllen können. Die folgenden Songs sind alle von dem Album, auch die bereits erschienene Single Lloyd, I'm Ready To be Heartbroken, und wenn das Verhältnis gute Songs/mäßige Songs auf dem Album auch so ist dürfte das ein großer Wurf werden!

[MP3] Camera Obscura - Let's Get Out Of This Country
[MP3] Camera Obscura - If Looks Could Kill
[MP3] Camera Obscura - Lloyd, I'm Ready To be Heartbroken
[MP3] Camera Obscura - I Need All The Friends I Can get

Mehr Klingen

Orientieren sich Gillette und Co. bei ihren Produktinnovationen an Satiremagazinen? Vor gut einem Vierteljahrhundert konnte das MAD Magazine noch darüber Witze machen, aber besonders in den letzten Jahren hat sich bei den Herstellern von Nassrasierern der Trend eindeutig zu mehr Klingen entwickelt.

Waren vor ein paar Jahren 3 Klingen revolutionär, sind jetzt schon bald 5 Klingen der Standard. Auch das wurde noch vor 2 Jahren von The Onion veralbert (Gillette president: "Fuck everything, we're doing five blades!").
Glaubt man nun dem Economist, dann stehen uns spätestens Ende des Jahrzehnts 6 oder 7 Klingen bevor, und in knapp 10 Jahren schon 14. Die MAD-Vision ist also nicht mehr besonders weit entfernt, ich freu mich jetzt schon auf meinen TRAC LXXVI.

Griffbereit



Es gibt nicht viele Gegenstände die ich wirklich jederzeit in der Nähe des Computer griffbereit habe, aber einer davon ist eine 3D-Brille. Denn auch wenn ich sie nicht so oft brauche, wenn man eine 3D-Brille nicht griffbereit hat hat man vermutlich keine, oder wenn doch dann liegt sie an einem Ort nach dem man erst mal Stunden lang suchen muss.
Lange Rede ohne Sinn, als ich diese 3D-Collagen von verfremdeten Werbungen entdeckte war ich jedenfalls mal wieder froh die Brille griffbereit gehabt zu haben:

3D Refreshing Advert Blast

DFA mixt fröhlich in den Frühling

DFA Records sind schon ein gutes Label, aber am besten sind sie immer wenn sie Mixe und Remixe rausbringen. Da die erste Ausgabe ihrer gesammelten Remixe gerade auf dem Markt ist, war es wohl jetzt wieder an der Zeit den DFA-Fans ein kostenloses Mixgeschenk zu machen: die DFA Radio Mixes Spring 2006.

Die ersten beiden Mixe sind ein Mitschnitt eines superben Sets das DFA-Chef James Murphy aka LCD Soundsystem Anfang April bei der Radioshow von Tim Sweeney, der selber ein DFA-Alumnus ist, gespielt hat. Etwas weniger nach Frühling klingend, da schon ein paar Monate alt, ist der dritte Mix der DFA-Neulinge Shit Robot von einem Auftritt im Stuttgarter Rocker 33.

Endlich mal ein Schlechtwettertag

Heute wird gebloggt bis die Tastatur qualmt.

Und noch ein prominenter Blogger

Dave Allen von Gang Of Four bloggt nicht nur hier, er hat auch noch einen Podcast gestartet, in dem er allerlei Schätze aus seiner Plattensammlung auflegt.


via KEXP Blog

Jason Forrest bei Daytrotter

Download free Jason Forrest tunes at daytrotter.com

Eine brandneue Musikseite ist Daytrotter. Die Hauptattraktion der Seite sind die exklusiven Sessions, zu denen jede Woche ein Künstler oder eine Gruppe eingeladen wird, und die anschließend ins Internet gestellt werden. Zuletzt hat dort Jason Forrest, der König der Cockrockdisco, vorbeigeschaut. Herausgekommen dabei sind sieben wild aufgedrehte Chaosdisco-Tracks, die man allesamt dort anhören kann.

Blog the Police, Blog the Police, Blog!

Die LAPD bloggt!

Globalisierung verwirrt

Also, hab ich das richtig verstanden? Apollinaris ist jetzt Coca Cola, und Schweppes ist jetzt Krombacher? Dann werd ich demnächst wohl oder übel des öfteren dieses Möchtegernbonzenpils finanzieren müssen wenn wie jeden Sommer wieder meine Gin Tonic-Phase beginnt.

Wenigstens braucht man zu Hause garantiert keine Ohrenschützer

Auch wenn ich jetzt, wo ich sie selber mal live gesehen habe, gestehen muss dass eine Audioaufzeichnung ihnen kaum gerecht werden kann: Beim frisch gebackenen Webby Award-Gewinner NPR gibt's ein Mogwai-Konzert von gestern zum, wie immer kostenlosen, Download:

[MP3] Mogwai Live in Washington 10.05.06

Hab ich da gerade zwei schwarze Katzen nacheinander vorbeilaufen sehen?

Das ist schon fast eine gruselige Entwicklung der Ereignisse: Gestern noch blogge ich über die Avant Garde-Filmsammlung von UbuWeb und erwähne dabei das Blog von Greylodge.org, und jetzt kündigen eben diese beiden Seiten eine Zusammenarbeit an:

GreyLodge Podcasting Company is pleased to announce our new alliance with the incredible avant-garde resource UbuWeb, home of too many fine resources to list here. Over the past year, we have shared a similar aesthetic and have mirrored each other’s content.

:(



Wieder eine Band die Plattenverkäufer um jeden Preis frustrieren will: :( ist nicht gerade ein Name, den man ohne Probleme ins Plattenregal einsortieren kann. Bei dem ungewöhnlichen Namen verwundert es dann auch kaum dass ihre Musik höchst eigen klingt. Zunächst wirken die mit jedem Hören ohrwurmigeren Songs, als wären sie komplett auf einem Gameboy komponiert und abgespielt worden, aber der Eindruck täuscht. Hier ist kein einsamer Eigenbrötler mit Laptop am Werke, sondern eine voll besetzte Band, die zeigt dass in Sachen Indie-Elektropop von The Postal Service, Atom & His Package und Casiotone For The Painfully Alone das letzte Wort noch nicht gesungen worden ist.

[MP3] :( - -->-->-@
[MP3] :( - Twin Chevron Action Flash
[MP3] :( - Gone
[MP3] :( - Hunt Hunters
[MP3] :( - Heartache Of Soccer Moms

:( Myspace
:( auf Purevolume

Google Trends

Da hat Google wohl den feuchten Traum eines jeden Statistikfreaks aufs Internet losgelassen: Google Trends, Statistiken zu Googlesuchen soweit das Auge reicht. Bisher konnte man sich eine Auswahl der populärsten, thematisch interessanten u.ä. Suchen bei Google Zeitgeist anzeigen lassen, bei Google Trends kann man aber selber nach Begriffen suchen.



Da erfährt man dann z.B. dass, was die Anzahl der Googlesuchen angeht, Youtube erst im März Google Video überholt hat. Oder dass im Frühjahr in den Städten des Rheinlands besonders viel nach Karneval gegoogelt wird. Ok, das ist wohl keine besondere Überraschung. Aber der Kreativität sind nicht besonders viele Grenzen gesetzt, allein populär genug müssen die Begriffe wohl sein damit Google bereits genügend Daten sammeln konnte um daraus eine Statistik zu errechnen.

So findet sich z.B. im Vergleich zweier populärer Themen der deutschen Blogosphäre der letzten Zeit, Euroweb und Archiv-Blog, nur zu ersterem eine Statistik. Bei Technorati hingegen findet man für beide separate Statistiken. Jedoch hat Google natürlich eine erheblich größere Datenbasis als Technorati, und ist insofern weitaus besser geeignet um sich ein Bild über solcherlei Dinge zu machen.

Außerdem ist die Möglichkeit, sich Statistiken über mehrere Suchbegriffe im Vergleich anzeigen zu lassen, wunderbar um gewisse Fragen zu klären. Wie z.B. einen ganz infantilen deutschen Städtevergleich (na na Augsburger, ihr Ferkel!)

Mehr Spaß mit Google Trends bei Steve Reichs, der unter anderem diese schockierende Entwicklung beobachtet hat.

Boris



Irgendwie schreibe ich diese Woche fast nur über Alben die es in physischer Form bisher bloß als Import gibt. Warum also nicht auch was aus dem Mutterland aller arschteuren Import-CDs, Japan.
Boris sind eine echte Rocksensation, ich bin mir sicher die 3 Jungs und Mädels frühstücken rostige Nägel mit purem Alkohol. Jedenfalls klingt ihre Musik wie die Queens Of The Stone Age beim Abrocken in doppelter Geschwindigkeit, ab und an unterbrochen von herrlichen episch ausgebreiteten Soundwänden. Boris sind nun schon seit vielen Jahren big in Japan, außerhalb lässt sich erst seit kurzem an ihre Alben rankommen ohne den teuren Import-Weg zu gehen. Ihr Monster von einem Album namens Pink, das schon vor gut einem Jahr erschien, macht jetzt endlich seinen Weg in den Westen (oder eher Osten, über das US-Label Southern Lord Records), und sollte nächste Woche auch für einen menschenmöglichen Preis erhältlich sein. Hätte ich wohl besser ein Jahr gewartet...

[MP3] Boris - Farewell
[MP3] Boris - Pink (beide vom Album Pink)
[MP3] Boris - Introduction
[MP3] Boris - Akuma No Uta (beide vom Album Akuma No Uta)