Konzert: Voxtrot



Als ich die Musik hörte die im Gebäude 9 lief bevor Voxtrot die Bühne betraten kam mir wieder die Frage in den Sinn ob sie angesichts ihres ersten Albums überhaupt altes Material spielen würden. Zu Hause hatte ich mir nämlich vor Kurzem nochmal die ziemlich genau zwei Jahre alten Mp3s von Raised By Wolves und The Start Of Something ausgegraben, damals meine erste Begegnung mit dem Quintett aus Austin, und gemerkt wie viel zarter und verspielter die doch gegenüber dem neuen Material wirkten. Und als dann im Saal ziemlicher Twee lief erwartete ich schon fast ein rein klassisches Set, doch es sollte anders kommen. Sehr anders.

Laut ging es nämlich los, dröhnender Bass und feuerrot leuchtende Scheinwerfer ließen Introduction und Kid Gloves einen feurigen Abend versprechen, auch hüpfte die Band energetisch über die Bühne als wär sie bei einem Termals-Konzert. Da wirkte besonders Ramesh Srivastava so gar nicht wie der Typ der in seinem Schlafzimmer charmante kleine Songs schreibt, er war mit vollem Körpereinsatz und viel Gestik dabei. Irgendwann war dann aber klar dass das Ganze weniger melodisch war als geplant, entweder die Gitarre oder ihr Verstärker waren bereits ganz am Anfang kaputt gegangen. Und dann das Überraschende: Anders als bei manch erfahrenerer Band gab es keine quälend lange Reparaturpause oder noch schlimmer Improvisationsgeklimper. Der Gitarrist verschwand zwar, aber der Rest schmiss einfach die Setliste über den Haufen und Srivastava begab sich u.a. für Soft & Warm ans Keyboard was dem eigentlichen Keyboarder nicht mehr viel zu tun gab außer ab und an ein paar ergänzende Akkorde zu spielen.

Dann schien alles wieder halbwegs in Ordnung und man trat vollzählig zu Firecracker an das eigentlich schon zu schnell und wuchtig runtergespielt wurde, fast als würden sie daran Frust über den chaotischen Verlauf abreagieren. Ab da kam das Konzert auch mehr und mehr vor der Bühne in Gange, auch weil mehr und mehr ältere Lieder gespielt wurden die hörbar freudig angenommen wurden. Eben die beiden eingangs erwähnten Stücke beendeten dann auch erstmal das Set, allerdings merklich aufgepumpt und so nicht in plötzlichem Kontrast zu dem Vorhergegangenen stehend.

Zur ersten Zugabe kamen dann nur drei wieder auf die Bühne und spielten auf Publikumswunsch hin spontan Trouble. Und das war wirklich spontan, man merkte ihnen an dass sie das Stück schon ewig nicht mehr gespielt hatten, Srivastava und der Drummer wirkten nur etwas zögerlich aber dem Keyboarder sah und hörte man stellenweise an dass er keine Ahnung hatte was nun kommen sollte und halb improvisierte. Ein weiteres Stück war dann eine reine Solonummer, und das sollte es dann auch wirklich gewesen sein.

Doch das Publikum war anderer Meinung, und so wurde die Musik vom Band überstimmt und die ganze Band noch einmal auf die Bühne zurückgeholt. Eine weitere Panne voraussehend entschuldigte sich der Sänger schonmal dass er erkältet sei und vermutlich an den hohen Tönen scheitern würde, doch die Aufführung von Missing Pieces sollte sich als Highlight des Abends herausstellen. Als ein hohes und ungebrochenes "..and I miss youuuuu, oh" den Raum erfüllte waren alle Technikprobleme und alle Unterscheidungen zwischen alten und neuen Songs vergessen, verblassend hinter einem denkwürdigen Konzertmoment. Diese Band sollte man vielleicht mal im Auge behalten.

[MP3] Voxtrot - Trouble

Voxtrot Virb